Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 746 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-7690-5 (ISBN)
Als Thorsten Unger die Vertretung seiner erkrankten Chefsekretärin zum Diktat ruft, sitzt diese wie ein Häufchen Elend an ihrem Schreibtisch und starrt laut schluchzend auf den Abschiedsbrief ihres Freundes aus ihrem Heimatdorf. Sie waren einander versprochen, doch nun hat er sich für eine andere entschieden. Thorsten befindet sich in einer ähnlichen Lage. Die umschwärmte Frau, die er über alles liebt, hat ihn soeben kurz vor der Verlobung abserviert und einem anderen Verehrer den Vorzug gegeben. Was wird man im Klub über ihn spotten! Während Thorsten seine Sekretärin ein wenig tröstet, trifft er blitzschnell eine Entscheidung. Damit sie beide nicht als Blamierte dastehen und auch um Evis Eifersucht zu wecken, schlägt er Claudia vor, sich zum Schein zu verloben und eine rauschende Verlobung zu feiern!
Das Schweigen des Herzens
Wo Liebe endet, beginnt die Last
Als Thorsten Unger die Vertretung seiner erkrankten Chefsekretärin zum Diktat ruft, sitzt diese wie ein Häufchen Elend an ihrem Schreibtisch und starrt schluchzend auf den Abschiedsbrief ihres Freundes aus ihrem Heimatdorf. Sie waren einander versprochen, doch nun hat er sich für eine andere entschieden.
Thorsten selbst befindet sich in einer ähnlich schmerzhaften Lage. Die Frau, die er über alles liebt, hat ihn kürzlich vor der geplanten Verlobung abgewiesen und einem anderen den Vorzug gegeben. Allein der Gedanke daran, wie im Klub hinter seinem Rücken getuschelt und gespottet wird, bringt ihn zur Verzweiflung.
Während er Claudia ein paar tröstende Worte zuspricht, keimt in ihm eine unerwartete Idee auf. Wieso sollten sie beide nicht einen Weg finden, diese Demütigungen hinter sich zu lassen? Blitzschnell fasst Thorsten einen Entschluss: Er schlägt Claudia vor, eine Scheinverlobung einzugehen und ein rauschendes Fest zu feiern, das alle sprachlos macht ...
»Ich lasse dich nur schweren Herzens gehen, Liebes.«
Fred Bender stand auf dem kleinen, zugigen Bahnhof neben seiner zukünftigen Frau. Dass beide ein Liebespaar waren, hätte man wahrlich nicht für möglich gehalten. Sie passten nämlich äußerlich ganz und gar nicht zusammen.
Claudia war nur mittelgroß und besaß einen sehr schlanken, feingliedrigen Wuchs, ein herzförmig zartes und dennoch ausdrucksvolles Gesicht. Die braunen Augen boten einen seltsamen Kontrast zu ihrem leuchtend blonden Haar.
Sie zählte zu jenen wenigen Mädchen, die schön sind, ohne sich ihrer Schönheit bewusst zu sein.
Fred war viel zu schwerfällig, um ihr Komplimente machen zu können. Er redete ohnehin nicht viel, aber Claudia verstand ihn auch ohne Worte.
Sie kannte ihn ja, ihren Fred, hatte ihn schon als Kind gekannt. Sie waren zusammen in einem Dorf aufgewachsen, Fred als Sohn eines Bauern, sie als Tochter des Dorfschullehrers. Oft hatte Fred sie auf den großen Leiterwagen steigen lassen, wenn er vom Feld heimgekehrt war. Er hatte wortlos ihr Fahrrad geschnappt und es auf den Wagen gehoben.
»Setz dich zu mir«, hatte er dann gesagt und ihr den zusammengefalteten Sack hingeschoben, damit sie auf dem harten Wagen etwas weicher sitzen konnte.
Diese Fahrten waren für Claudia stets ein unvergessenes Erlebnis gewesen. Fred hatte sie gern, das spürte sie und wusste sie. Er war mit seinen fünfzehn Jahren bereits ein starker, großer Bursche gewesen, der dem Vater tüchtig zur Hand gegangen war und auf den seine Eltern sehr stolz waren.
War etwa Claudias Fahrrad kaputt gewesen, hatte Fred es wieder repariert. Diese Freundschaft hatte sich in all den Jahren erhalten und war dann eines Tages mehr geworden.
Claudia seufzte jetzt und sah Fred mit ihren schönen Augen an.
»Du weißt, wie schwer es mir fällt zu gehen, Fred, lass uns nicht noch einmal über alles sprechen.«
»Aber noch ist es nicht zu spät. Ich nehme dich wieder mit zurück, du wohnst bei uns, und wir heiraten in Kürze«, beharrte der breitschultrige junge Mann, der ein bisschen an einen tollpatschigen Bären erinnerte.
Claudia sah auf ihre Schuhe. Es waren sehr derbe Schuhe, die sie stets abscheulich gefunden hatte. Aber Tante Ernestine hatte darauf bestanden, dass sie sie sich kaufte. Tante Ernestine hatte ohnehin seit dem Tod ihrer Eltern ihr Leben bestimmt. Nun war auch sie tot, und Claudia versuchte, so etwas wie Trauer zu empfinden, aber sie konnte es nicht.
Die altjüngferliche Tante hatte ihr das Leben zur Hölle gemacht. Claudia hatte täglich von ihr zu hören bekommen, wie dankbar sie ihr sein müsse.
»Normalerweise lebtest du jetzt in einem Waisenhaus!« Diesen Satz konnte Claudia schon singen. Sie hatte sich oft gefragt, ob sie dort am Ende nicht glücklicher gewesen wäre.
Doch da hätte es keinen Fred gegeben, Fred, der ihr Herz erwärmte, der gut zu ihr war und ihr heimlich die ersten Erdbeeren aus dem Garten geschenkt hatte. Und darum nahm sie Tante Ernestines Launen in Kauf und war mit ihrem Schicksal zufrieden.
Sie ging wahrlich nicht gern!
»Fred, ich bin so arm wie eine Kirchenmaus. Tante Ernestine hat ihr kleines Erbe der Heilsarmee vermacht, in der sie früher einmal sehr aktiv tätig war.«
»Ja, das war einer ihrer größten Streiche, ich weiß!« Fred Bender wurde fast redselig. »Erst knöpfte sie dir deinen Verdienst bis auf wenige Mark ab, sodass du dir noch nicht einmal ein Kleidungsstück kaufen konntest, und anstatt dir dein sauer verdientes Geld wenigstens nach ihrem Tod wieder zu vermachen, setzte sie dieses Testament auf. Sie war ganz einfach boshaft und hinterhältig!«
»Darüber wird jetzt ein anderer richten, Fred. Fest steht, dass ich mir noch nicht einmal ein Brautkleid kaufen könnte, so wenig Geld besitze ich. Ich ertrüge es nicht, am Ende von deiner Mutter deswegen Vorhaltungen hören zu müssen, wie ich sie von Tante Ernestine ja hinreichend gewohnt bin.«
»Mutter würde das niemals tun«, protestierte Fred energisch.
Claudia wusste es besser. Sie war als Schwiegertochter auf dem Benderhof nicht sehr willkommen. Freds Eltern waren Bauern vom alten Schrot und Korn. Sie hatten es zwar niemals ausgesprochen, aber Claudia war sehr empfindsam und spürte sehr viel mehr als Fred.
Daher wusste sie, dass sich Freds Eltern eine andere Schwiegertochter wünschten, eine, die eine ansehnliche Mitgift mitbrachte. Schließlich war ihr Sohn ja jemand – der Erbe eines der größten Höfe in der ganzen Gegend! Da konnte er schon Ansprüche stellen!
»Was willst du schon in der Fremde?«, grollte Fred.
»Geld verdienen, sonst zieht mich nichts von hier fort, das weißt du. Aber seitdem die Zuckerfabrik ihre Tore geschlossen hat, bin ich arbeitslos. Hier finde ich keine Büroarbeit. Ich habe mich genug darum bemüht.«
»Das hast du«, gab Fred zu. »Aber warum willst du Geld verdienen? Ich bin schließlich nicht arm.«
»Nein, das bist du nicht«, gab Claudia zu. »Aber weil du es nicht bist, Fred, ist es umso schrecklicher für mich, so gänzlich mit leeren Händen in die Ehe zu kommen. Auch ein armes Mädchen hat seinen Stolz.«
Fred nickte bekümmert.
»Ich sehe schon, ich kann dich nicht umstimmen. Pass gut auf dich auf, Claudia.«
Der Zug lief ein.
»Schreibe sofort, wo du untergekommen bist und wie es dir gefällt«, hämmerte ihr Fred ein.
Sie nickte und schluckte. Jetzt, da der Abschied so zum Greifen nahe vor ihr lag, war ihr jämmerlich genug zumute. Sie hätte sich am liebsten an Freds Brust geworfen und wie ein Kind geweint.
Diese Regung hielt noch an, als sie Fred die Hand schüttelte und in das Abteil stieg.
Fred legte ihre Koffer in das Gepäcknetz und stand kurz darauf wieder auf dem Bahnsteig. Der Abschied ging ihm nahe, er fühlte sich unbehaglich.
Und dann setzte sich der Zug in Bewegung. Claudia ließ ein weißes Taschentuch flattern, und als sie nichts mehr von Fred sah, sank sie auf ihren Platz. Sie wischte sich heimlich Tränen aus den Augenwinkeln und wünschte, die Zeit in der Stadt wäre schon wieder herum.
Gewiss würde sie sich dort schrecklich nach Fred und ihrem Heimatdorf sehnen. Doch erst wenn sie so viel Geld zusammengespart hatte, um sich eine Aussteuer kaufen zu können, die Gnade vor den Augen von Freds Mutter fand, konnte sie Fred heiraten!
♥♥♥
Ein halbes Jahr war vergangen.
Claudia lebte in der großen Stadt mit ihren Leuchtreklamen, dem brausenden Verkehr und den vielen Menschen.
Anfangs war es ihr sehr schwergefallen, sich in dieser neuen Umgebung zurechtzufinden, aber man gewöhnt sich an alles. Die Arbeit half ihr über die Sehnsucht nach daheim und die Einsamkeit hinweg. Sie war vielseitig und interessant. Wann immer sie konnte, machte Claudia Überstunden.
»Du bist vielleicht seltsam. Hast du denn niemals etwas vor? Der Alte kann dich fragen, wann er will, du bist immer zur Arbeit bereit«, hatte neulich eine Kollegin kopfschüttelnd festgestellt.
Claudia war dabei wie bei einem schweren Tadel errötet.
»Ich arbeite gern. Und außerdem kenne ich hier niemanden«, hatte sie schließlich gemurmelt.
»Männer kannst du sofort kennenlernen, geh nur einmal mit mir aus. Am Sonnabend ist eine Party ...«
»Nein, nimm es mir nicht übel«, hatte Claudia abgewehrt. »Ich bekomme Besuch.«
Sie hatte geschwindelt, weil ihr keine andere Ausrede eingefallen war. Ach, sie wünschte, Fred würde sie wieder einmal besuchen. Aber ihm hatte es hier bestimmt nicht gefallen. Sie hatte es ihm angemerkt, wie unbehaglich er sich in der Stadt gefühlt hatte. Er war ihr auch etwas verändert vorgekommen.
Zudem hatte es während des ganzen Sonntags in Strömen gegossen! Und so hatten sie sich immer in irgendwelchen Gaststätten herumdrücken müssen, da Claudia keinen Herrenbesuch auf ihrem Zimmer empfangen durfte.
Nein, besonders schön war der Sonntag nicht geworden, aber dennoch wünschte sie sehnlich, Fred...
| Erscheint lt. Verlag | 11.1.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2018 • 2019 • Adelsromanze • Bestseller • Cora • Deutsch • Doktor • e Book • eBook • E-Book • e books • eBooks • E-Books • Familiensaga • feelgood • Fortsetzungsroman • Frauen • Frauenroman • für • Gefühle • Glück • Großdruck • große-schrift • Happy End • Heimatroman • Heirat • Herzschmerz • Hochzeit • Kindle • Klassiker • leni-behrendt • Liebe • Liebesgeschichte • Liebesroman • Märchen • Märchen-Erwachsene • Mira • Modern • Romance • Roman-Heft • romantisch • Romanze • Schicksalsroman • Schmonzette • Schön • Serie • spannend • Wohlfühl • wohlfühlen |
| ISBN-10 | 3-7517-7690-7 / 3751776907 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-7690-5 / 9783751776905 |
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