Küsse sind die beste Medizin (eBook)
144 Seiten
CORA Verlag
978-3-7515-3631-8 (ISBN)
'Du musst mir helfen.' Es fällt der jungen Witwe Rose nicht leicht, sich an ihren Ex Paul zu wenden. Aber nach einer schlimmen Diagnose weiß sie nicht weiter. Und vielleicht heilt Liebe ja wirklich alles - auch die Wunden in seinem Herzen, weil sie ihn damals verließ ...
Als Tochter lesebegeisterter Eltern ist Kathy Douglass mit Büchern aufgewachsen und hat schon früh eins nach dem anderen verschlungen. Dann studierte sie Jura und tauschte Liebesgeschichten gegen Gesetzestexte ein. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder wurde aus der Liebe zum Lesen eine Liebe zum Schreiben. Jetzt schreibt Kathy die Kleinstadt-Romances, die sie selbst immer gern gelesen hat.
1. KAPITEL
Wie zur Salzsäule erstarrt stand Rose Martin in der heißen Junisonne und schaute auf das Gebäude. Nachdem sie sich drei Tage lang den Kopf zerbrochen hatte, was sie Paul Stephens sagen sollte – ihrem Schwarm aus Schultagen und späteren Schwager –, schien sämtlicher Antrieb flöten gegangen zu sein. Es war ihr geradezu unmöglich, das Haus zu betreten. Sie versuchte sich zwar auszumalen, wie die Unterhaltung verlaufen würde, doch es glückte ihr beim besten Willen nicht, auf einen guten Ausgang zu hoffen. Nach allem, was vor Kurzem geschehen war, hatte sie keinerlei Grund, anzunehmen, alles würde sich zum Besten fügen. Und genau dasselbe traf traurigerweise darauf zu, was vor viel längerer Zeit passiert war.
Tränen des Zorns traten Rose in die Augen. Hatte sie sich nicht geschworen, niemals wieder in eine solche Situation zu geraten? Und schon war sie wieder auf jemanden angewiesen – auf einen Menschen, der nichts mit ihr zu tun haben wollte. Damals als Fünfjährige hatte sie eben keine Wahl gehabt. Ihre Eltern waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, und ihre Großtante als ihre einzige Verwandte war zu ihrem Vormund ernannt worden. Dabei hatte Tante Rosemary niemals Kinder gewollt und Rose aus purem Pflichtgefühl zu sich genommen. Außer einem Dach über dem Kopf hatte sie dem kleinen Mädchen nichts geboten – von Zuneigung oder gar Liebe hatte nicht die Rede sein können.
Und jetzt musste Rose wieder um Hilfe bitten, und zwar Paul! Sie hasste es, sich so klein zu fühlen, aber wieder blieb ihr keine Wahl. Sie war auf ihn angewiesen. Wenn sie ihn um Unterstützung bitten musste, dann würde sie dies eben tun. Seitdem sie die schlechte Nachricht von ihrem Arzt erfahren hatte, musste sie das tun, was für ihre Kinder das Beste war. Es würde ihr sehr schwerfallen, ihren Stolz zu überwinden, doch sie war gewillt, diesen Schritt zu gehen.
Krebs. Sie hatte Krebs. Allein das Wort ängstigte sie, und das Herz hämmerte ihr so heftig in der Brust, dass es schmerzte. Am liebsten hätte sie laut zum Himmel geschrien, wie unfair sie die Diagnose empfand.
Sie hatte nie geraucht, keinen Alkohol getrunken. Sie trieb regelmäßig Sport und ernährte sich gesund, aß viel Obst und Gemüse. Dennoch war bei ihr Gebärmutterhalskrebs im zweiten Stadium diagnostiziert worden – und das mit dreißig Jahren! Rose riss sich zusammen und holte tief Luft. Jetzt war nicht die Zeit, sich selbst zu bemitleiden. Abgesehen davon hatte sie sich noch nie gestattet, in Selbstmitleid zu baden.
Sie erzog ihre drei wunderbaren Kinder allein und würde für sie alles tun. Und deshalb war sie mit ihnen von Sweet Briar in North Carolina nach Tampa in Florida gefahren, um mit Paul zu reden, obwohl sie längst ahnte, wie er reagieren würde. Mit ihm vorab zu telefonieren, war für sie nicht infrage gekommen, denn sie wollte dieses Gespräch besser von Angesicht zu Angesicht führen.
Den Kids hatte sie noch gar nichts von der Diagnose erzählt, weil sie nur beunruhigt würden, und mit noch mehr Ängsten konnte sie im Moment nicht umgehen. Die drei glaubten, hergekommen zu sein, um ihren Großeltern eine gute Reise zu wünschen, ehe die zu ihrer achtmonatigen Kreuzfahrt aufbrachen. Doch in Wahrheit wollte Rose ihre Schwiegermutter Andrea um Rat fragen.
Ihr hatte sie als der Allerersten von ihrer Krankheit erzählt und sie um Stillschweigen gebeten. Daraufhin hatte Andrea sofort angeboten, die Kreuzfahrt erneut zu verschieben, aber Rose wusste dies vehement abzulehnen. Mehr als ein Jahr war vergangen, seitdem ihr Mann Terrence plötzlich verstorben war, und ihr Schwiegervater Edward war noch immer nicht über den Tod seines Sohns hinweg. Edward verbrachte seine Tage wie in Trance und schien vor Kummer wie gelähmt. Nur langsam hatte er begonnen, sich für die geplante Urlaubsreise zu interessieren, die sie nach Terrence’ Tod kurzerhand abgesagt hatten. Vielleicht vermochte die Kreuzfahrt zu einer Art Wendepunkt in seinem Leben zu werden. Rose konnte unmöglich von ihren Schwiegerleuten erwarten, sie erneut zu verschieben. Das Risiko war viel zu hoch, dass Edward erneut in seine Depression zurückfiel – vor allem, wenn er sich dann auch noch um seine Schwiegertochter sorgte. Bisher hatte er sich nämlich trotz seiner Trauer stets liebevoll um sie und die Kinder gekümmert. Deshalb hatte sie beschlossen, jetzt Paul um Hilfe zu bitten − falls sie sich je ein Herz fassen sollte, um den ihm gehörenden Fitnessclub zu betreten. Ihre Schwiegermutter hatte ihr angeboten, mit Paul vorab zu reden, aber Rose hatte dies abgelehnt. Diese Angelegenheit musste sie schon selbst regeln.
Die Tür ging auf, und zwei Frauen in quietschbunter Sportkleidung verließen das Gebäude. Sie hielten die Tür für sie geöffnet. Rose nahm das als Zeichen, aktiv zu werden, lächelte ihnen zu und legte die letzten Meter zum Eingang zurück.
„Viel Spaß beim Training“, wünschte ihr eine der Frauen, ehe sie davongingen.
Rose bedankte sich murmelnd und trat ein. Obwohl die Sorgen sie schier zu erdrücken schienen, nahm sie sich die Zeit, um sich umzuschauen. Der Empfangsbereich war von beeindruckender Größe und summte vor positiver Energie.
Rechts von ihr, hinter einer riesigen Glasscheibe, übte ein Zumba-Kurs. Etwa zwanzig Frauen tanzten zu einem Latin-Beat. Zu ihrer Linken befanden sich die Umkleidekabinen und Duschen. Ein durchtrainierter Mann stand an einem geschwungenen Tisch in der Mitte des Empfangsbereichs und begrüßte die Besucherinnen und Besucher, die ihre Mitgliedsausweise scannten, ehe sie im Umkleidebereich verschwanden. Etwa ein halbes Dutzend Besucher stand an der Bar und schlürfte Obstsmoothies. Mit so vielen Leuten hatte Rose an einem Mittwochmittag überhaupt nicht gerechnet.
Andrea hatte ihr erzählt, dass der Fitnessclub in Tampa Pauls allererstes Studio gewesen war und sozusagen sein Hauptquartier darstellte, von wo aus er weitere Studios führte. Mittlerweile sollten ihm in drei Bundesstaaten rund zehn erstklassige Fitnessstudios gehören. Rose hielt sich zum ersten Mal in einem seiner Clubs auf, denn obwohl Paul während der Schulzeit nicht nur ihr Schatz, sondern später dann auch ihr Schwager gewesen war, schien es zwischen ihnen keinerlei familiäre Gefühle gegeben zu haben. So hatte sie gar nicht richtig mitbekommen, welchen großen beruflichen Erfolg Paul auszeichnete.
Rose hatte Paul vor langer Zeit einmal aus ganzem Herzen geliebt. Als sie während der Highschool zwei Jahre lang zusammen gewesen waren, hatte er ihr eine Menge versprochen. Doch sobald er aufs College gekommen war, hatte er seine Versprechungen sofort wieder vergessen. Auch sie persönlich hatte er ziemlich schnell vergessen. Seine Anrufe waren immer seltener geworden, ehe er sie ganz einstellte – ersetzt durch das Leben auf dem College und vor allem durch die Mädels, die er dort kennenlernte.
Als Rose achtzehn war, starb ihre Tante Rosemary. Danach war Rose vollkommen allein auf der Welt gewesen. Paul war zwar zum Begräbnis gekommen, aber sofort am nächsten Tag wieder abgereist. Sein älterer Halbbruder Terrence unterstützte Rose in dieser schweren Zeit, war immer für sie da und hörte ihr zu. Als er um ihre Hand angehalten hatte, sagte sie sofort Ja. Sie war dankbar und erleichtert gewesen, nicht länger allein sein zu müssen, und hatte Terrence sehr gemocht – die große Liebe war es nur eben nicht gewesen. Zwei Wochen nach seinem Antrag hatten sie im Rathaus geheiratet.
Paul hatte ihr das nie verziehen.
Rose trat an die Rezeption und räusperte sich. Der Mann hinter dem Tresen schaute auf. „Willkommen im Body-Fit-Studio. Wie kann ich dir helfen?“
„Ich möchte Paul Stephens sprechen.“
„Und dein Name?“
„Rosalyn Martin.“ Rose hatte auch nach der Hochzeit ihren Mädchennamen behalten. Er war das Einzige, das sie mit ihren Eltern verband, an die sie sich nur undeutlich erinnern konnte.
Der junge Mann griff zum Telefon. Nach einem kurzen Zwiegespräch schaute er sie lächelnd an und zeigte zum hinteren Teil des Gebäudes. „Pauls Büro ist auf der ersten Etage – gleich die erste Tür im Gang. Du kannst es nicht verfehlen.“
„Danke.“ Rose durchquerte den weiträumigen Bereich und wandte sich zur Treppe. Ehe sie die erste Stufe betrat, holte sie tief Luft. Die nächsten Minuten würden vielleicht über die nächsten Monate ihres Lebens entscheiden. Die laute Musik, die aus einem der Gymnastikräume bis hierhin dröhnte, vermochte ihr laut schlagendes Herz nicht zu übertönen, als sie die mit Teppich belegten Stufen hinaufschritt. Am Ende der Treppe erstreckte sich ein langer Gang, der an einer Flügeltür endete. An der Wand daneben befand sich ein Schild mit Pauls Namen.
Sie klopfte und wartete, bis Paul sie zum Eintreten aufforderte. Er saß hinter einem massiven Schreibtisch, der vor einer Fensterfront stand, durch die man in die Gymnastikräume schauen konnte. Er hatte sich umgedreht, sodass er mit dem Rücken zu ihr saß. Obwohl er sie eintreten gehört hatte, machte er keine Anstalten, sich zu ihr zu wenden. Reglos blieb sie stehen. Sie würde erst mit ihm reden, wenn er sie ansah. Als er sich auf seinem Stuhl zu drehen begann, wappnete sie sich für das bevorstehende Gespräch.
„Rose.“ Pauls Stimme klang so kühl, dass sie erschauerte. Sie hatte mit seiner Distanziertheit gerechnet. Während der vergangenen zwölf Jahre hatte er sie schließlich über seine Gefühle nicht im Ungewissen gelassen. Zwischen ihnen herrschte nicht die geringste Zuneigung. Dennoch...
| Erscheint lt. Verlag | 23.1.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Bianca |
| Übersetzer | Rainer Nolden |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2024 • 2025 • Autor • Belletristik • beste • Beziehung • Buch • bücher für frauen • Chance • Cora • cora bianca • cora bücher • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • Deutsch • eBook • ebook liebesroman • Ehe • Ehemalige • Emotional • emotionale • Erfolgsautor • Familie • Familienglück • Familienroman • Feinde • Frauenroman • Geschichte • Geschichten • Heilung • herzergreifend • Herzschmerz • Hoffnung • Kleinstadtromanze • Krankheit • Liebe • Liebende • liebenden • liebesfiktion • Liebesgeschichte • Liebesroman • Liebhaber • medizinisch • medizinische • Roman • Romantische Bücher • Romanze • Second Chance • second chance for love • Top • Top-Titel • Vergebung • Versöhnung • wiedervereinte • Witwe • Zeitgenössische • zu • Zweite |
| ISBN-10 | 3-7515-3631-0 / 3751536310 |
| ISBN-13 | 978-3-7515-3631-8 / 9783751536318 |
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