Sachmet Der Kuß des Todes (eBook)
200 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-6069-1 (ISBN)
Das Land am Nil seit Jahrzehnten das Reich meiner Leidenschaften und Träume. Die Lebens- und Denkweise der alten Ägypter, ihr unerschütterlicher Glaube an die Götter und an Ma'at, die alles im Gleichgewicht hält, meine Maxime. Was mich inspiriert, all meinen Romanen Leben einhaucht: die versunkene Kultur, den Glanz der Pharaonen in all ihrer Pracht vor meinen Augen erstehen zu lassen! Deshalb schreibe ich.
PROLOG
Kemet, Swenu
Vor 3349 Jahren
Auch heute kamen die Kleinen wie vor Jahren vorwitzig gerannt, schauten mit großen Augen die gewaltige Barke, der eine vornehme Dame entstieg.
Bent kümmerte sich nicht um die Schar spielender Kinder, packte ihre Rute, pfiff nach dem Hund, der ihr willig folgte, trippelte vorsichtig über die Bohle, machte einen Schritt an Land.
„Ahmose, du bleibst bei der Barke! Montju komm mit, wirst dich freuen, Ranofer zu sehen.“
„Tju, Herrin!“ Montju nickte, der Hauptmann ihrer Tempelwache salutierte, Bent machte sich auf den Weg, die kichernden, mitlaufenden Mäuschen mißachtend. Am Ende des Anlegers stolperte sie beinahe über einen mitten im Weg liegenden großen Sack. Sein junger Besitzer, gertenschlank, grazil, flink wie ein Mungo, fing sie auf!
„Uadscha tji! Immer schön langsam! Immer schön vorsichtig, meine Dame! Entschuldigung, Henut! Meine Schuld, Großmütterchen!“ Der übermütige, fröhliche Bursche, gerade offensichtlich einem Nachen entstiegen, zerrte den Char beiseite, machte eine kleine Verbeugung.
„Schon gut!“
Sie schluckte das Großmütterchen wie bittere Galle runter, starrte ihn an, gewahrte die trotz seiner Jugend große, starke Gestalt; er war beinahe dreieinhalb Ellen lang – noch ein wenig schlaksig, aber das würde sich bald geben – starrte in sein hübsches Gesicht, betrachtete das lange, gewellte, schwarze Haar, erblickte dunkle, gleichzeitig wie Malachit leuchtende Augen…
„Ranofer!“ Jäh blieb ihr der Atem stehen.
„Ihr wollt zu meinem Vater? Der ist nicht da!“ Der Bub schulterte lässig den schweren Sack. „Aber kommt doch mit in unser Haus, ich schicke ihm eine Nachricht.“
Bents trockene Kehle konnte keine Antwort geben, zu sehr hatte sie der Anblick des Jungen erschüttert. Er stand da wie das leibhaftige Jugendbild seines Vaters, ein bildschöner Mensch, jung, lebendig, wunderschön… Heiße Tränen traten in ihre Augen.
„Geht es Ahaneith gut?“, krächzte sie, einfach drauflos vermutend, sein fröhliches Grinsen geflissentlich mißachtend.
„Aber ja.“
„Und Meret?“
„Die Tante hat alles im Griff!“
„Tante?“
„Na, sie ist nicht meine Tante, sie ist eigentlich Vaters Kusine. Und wer seid Ihr? Ich habe Euch noch nie hier gesehen.“
„Ich bin Wepus Tante und die… Stiefschwester von Mehu.“
„Ahhh!“, er lachte laut, „Maryas Tochter! Jetzt versteh ich!“
„Nichts verstehst du, du Flegel!“, grummelte Bent leise, betrat Ahaneiths Innenhof, begrüßte Meret, die ihr fröhlich entgegenschritt, die Arme hocherhoben, um Bent zu umarmen, „Das du dich hierher traust!“, rufend.
„Solange es It gut geht. Ich weiß ihn doch gut versorgt! Shanakdakheto hält ihn jung. Seneb ti, Meret! Netsch cheret! Auf dem Weg zu einem Besuch bei It wollte ich nicht einfach an eurer Haustür vorbeifahren.“
„Dir auch Gesundheit, meine Liebe! Danke es geht mir gut! Netsch her ren, sei gegrüßt. Komm herein, du kommst gerade recht zum Mesut, dem Abendessen. Iß und trink mit uns, Pat, bring der Dame Bent einen Becher! Setz dich, Liebes!“
„Tju, Tante! Ich schicke It eine Nachricht, daß Besuch für ihn da ist.“
„Das brauchst du nicht, er kommt gleich.“
„Pat?“
„Ranofer war noch immer zu Späßen aufgelegt. Meist rufen wir den Lümmel aber Nedjsches.“ 1
„Junior?“
„Was gibt’s zu essen?“, polterte es vom Eingang her, Bent drehte den Kopf, gewahrte ihre Liebe, ihre Sehnsucht, ihr ganzes Sehnen. Ihr Herz, welches jäh heftig wie die Flügelchen eines flüggen Vögelchen flatterte, blieb vor lauter Vergötterung einen Atemzug lang stehen, um dann zu ihm hinzufliegen, allein Ahaneiths Ruf „Mechtwu!“ zerstörte den schwärmerischen verzückten, ja beinahe kindisch wirkenden Augenblick.
„Kutteln? Bäh!“ Pat verzog angewidert das Gesicht, sein It langte ihm eine ins Genick.
„Meinst du, die Tante steht seit gestern da und kocht für uns, damit sie dir verwöhntem Bengel etwas anderes zubereitet! Benimm dich, du Lümmel!“ Bent schaute nach der Dame, welche dies rief und gerade mit den Händen voll Geschirr aus dem Haus trat, glaubte ihren Augen nicht zu trauen: groß, schlank, prächtig mit goldenen Fußkettchen, Armreifen, Ketten und Ohrringen geschmückt, langes schwarzes Haar, die dunklen, schönen Augen mit Sedemet geschminkt, ein schmales Gesicht, etwas zu herb, um wirklich schön zu sein…
„Oh, wir haben Besuch! Entschuldigt den Flegel, Dame…“
„Natürlich!“
„Henut!“ Ranofer entdeckte sie, trat lachend zu ihr, packte ihre Hände, zog sie vom Stuhl hoch, küßte ihre Wangen, drückte sie an sich. „Wie schön, Euch zu sehen! Was macht Ihr denn hier?“
Sie konnte nicht antworten, genoß den köstlichen süßen Augenblick, da sie seine Kraft, seine Hände und die Wärme seiner Haut spürte.
„Auf dem Weg zu einem Besuch bei Marya wollte sie nicht einfach an unserer Tür vorbeifahren!“, plärrte Meret aus dem Haus, Ahaneith rief ihre Enkel zum Mahl, Wepus Gattin antwortete, Wepu selbst stürmte in den Hof, schubste Ranofer zur Seite, knuddelte Bent. Sie, starr und steif da stehend, bekam überhaupt keine Gelegenheit was zu sagen. Dabei hätte sie Ranofer viel zu sagen: seine Faulheit Briefe zu beantworten, seine Bequemlichkeit, darüber, wie er das schöne Leben in Swenu genoß, während Uaset darbte, alle Lebensmittel, alle schönen, wertvollen Dinge aus dem tiefsten Kusch nach dem gefräßigen nimmersatten schönheitstrunkenen Moloch im Norden gebracht wurden um dort den feisten, verfressenen Hofschranzen vorgeworfen zu werden, daß er eigentlich ihr Gatte war…
Sie kniff Wepu wegen den Briefen in die Wange, „Da hat er einen eigenen Schreiber an der Hand und vergißt die Briefe zu beantworten!“, neckend.
Natürlich bekam sie den Ehrenplatz neben Ahaneith! Selbstverständlich füllte man ihr als Gast den Teller zuerst! Und ganz gewiß erhielt sie die besten Bissen. Dankend nahm sie einen Becher Henket entgegen, schaute zu ihm hin, der sich lachend mit Montju unterhielt, ihm die Schulter klopfte, an sich riß, ihn abermals klopfte, ein wenig beiseite zog.
„Wie meinen?“ Bent riß sich von seinem Anblick los, neigte sich zu Ahaneith hin.
„Ich sagte, so hat er mit Nehemetawai sein Glück gefunden. Wie schön!“
„Tju!“ Bent tat, als ob sie sich freue, nippte mißmutig an dem Bier, betrachtete Ranofer genauer. „Er ist um die Hüften ein wenig üppig geworden, meinst du nicht?“
„Wir führen ein gutes Leben, Bent. Sie ist eine gute Frau! Er hat sie vor zwei Monaten geehelicht.“
„So so!“ Sie mißachtete die grauenvolle Kälte, welche ihr augenblicklich über den Buckel lief, musterte die Dame Nehemetawai, die etliche Jahre jünger als Ranofer war, und welche er nach dem Tode ihres gehörnten Gemahls nun zur Gattin gemacht hatte. Sie war offensichtlich schon wieder schwanger… pah!
„Nicht nur ein gutes, auch ein schusseliges, was?“ Bent übersah absichtlich Ahaneiths empörte Miene, „Er hat glatt vergessen, daß er in Uaset auch eine Frau hat!“, schnaubend.
Ranofer trat zu seinem Tisch, wirkte erzürnt, wütend, konnte seinen Zorn kaum verbergen. Was hatte er da mit Montju beredet? Denn der machte einen ebensolchen Eindruck, schien gründlichst verärgert!
Breitbeinig flegelte Ranofer sich hin, Unterarm und Ellbogen auf den Tisch gestützt, aufgebracht mit den Füßen wippend wartete er, daß die Frau ihm seinen Teller füllte, hinstellte, den Löffel dazu legte, ihm das Mundtuch reichte, die Schale mit dem kleingeschnittenen Obst und das Tellerchen mit dem frischen Fladenbrot hübsch am Tisch verteilte, zu ihm hinrückte, ihm den Becher mit Bier füllte. Alsbald setzte sie sich ihm schweigend, freundlich lächelnd, aufmerksam gegenüber, hielt ihm das Brot hin, wartete brav und geduldig, ohne selbst zu essen oder zu trinken, beinahe wie eine Leibeigene wirkend, ja gar eine schwarze Nahsji, eine nubische Sklavin – keine seiner mürrischen Bewegungen außer acht lassend – daß der Hausherr mit der Mahlzeit anfing. Ihre grenzenlose Demut, ihre wunderschöne Anmut nicht eines Blickes würdigend, griff Ranofer nach dem Brot, brach es auseinander, tunkte es in den Sud der Mechtwu, aß brummig schaufelnd, mit mißvergnügtem, grimmigen Gesicht, als säße sie ihm nicht gegenüber, als sei sie Luft. Bent spürte wie ihr glühende Wut hochkochte, sie sich kaum beherrschen konnte.
Warum...
| Erscheint lt. Verlag | 20.11.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Sachmet |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Schlagworte | Ägypten • Amarnazeit • Historischer Roman • Pharao Echnaton • Saarland |
| ISBN-10 | 3-7693-6069-9 / 3769360699 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-6069-1 / 9783769360691 |
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