Unerwartete Gefahren (eBook)
510 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-4216-1 (ISBN)
Die Autorin, Jahrgang 1946, ist Fachärztin für Chirurgie und Unfallchirurgie und seit 1972 als Ärztin tätig, Sie hat lange Jahre in großen Kliniken gearbeitet und dabei nicht nur medizinische Erfahrungen gesammelt, sondern vor allem auch die dazugehörigen persönlichen Schicksale kennengelernt. Durch ihr persönliches Forschungsgebiet auf dem Gebiet der molekularbiologischen Lasertechnik für regenerative und operative medizinische Eingriffe, konnte sie sich habilitieren und hat als Dozentin im Fach Unfallchirurgie Vorlesungen und Seminare für Studenten abgehalten. Mittlerweile arbeitet sie in eigener Praxis. Neben einigen Sachbüchern in Form von Patientenratgebern hat sie jetzt begonnen, schwierige Krankheitsfälle und die dazugehörigen, teils dramatischen persönlichen Geschehnisse in Romanform zu bearbeiten.
2
Etwas angespannt wartet Susan im Schlafzimmer, bäuchlings auf dem großen Bett querliegend, darauf, dass das Föngeräusch im Badezimmer endlich verstummt. Dann würde Ron seine stets aufwendige Morgentoilette beendet haben und sie könnte hoffen, endlich auch zum Zuge zu kommen. Es ist ihr erster gemeinsamer Urlaub, in Zermatt, in einem urigen Hotelzimmer mit direktem Blick auf die verschneiten Berge und das berühmte Matterhorn. Die Morgensonne lässt den weißen Gipfel goldene Funken sprühen, als wäre er mit unzähligen Diamanten bestreut. Dazu ein glücklicherweise wolkenfreier Himmel, der wie ein azurblaues hochgeschwungenes Zelt sich über die Bergkette spannt und der gesamten bildschönen Landschaft bis in die Täler hinunter, mit den hölzernen Hütten und Chalets, zu einem beeindruckenden Farbkontrast verhilft.
Sie liebt es, mit eben diesem wunderschönen Ausblick, der das Herz erwärmt und die Seele wachstreichelt, den Tag zu beginnen. Deshalb hatten sie zuvor, gerne auch etwas länger, nach einem zeitlich passenden Angebot suchen müssen.
Auch Ron, der schon öfters mit Sportkameraden in Zermatt zum Skifahren war, wollte wie immer, perfekten Urlaub mit maximalem Erleben, keine halben Sachen. Er erzählte, dass er bisher für seine Freunde immer die Ressorts für den Urlaub so aussuche, dass es sich hervorragend Sporttreiben ließ.
Susan, die mehr künstlerisch veranlagt ist, kam bei seinem Feuereifer und Tatendrang bisher nicht dazu, oder traute sich auch nicht richtig, eine Mal- oder kunsthistorische Reise, beispielsweise durch Italien vorzuschlagen, wonach sie sich schon lange sehnte. Sie hätte sie auch selbst organisiert. Andererseits, so lange waren sie ja auch noch nicht verheiratet, also kämen sicher noch genügend Gelegenheiten.
„Du bist dran!“ Mit Schwung und lautem Geräusch wird die Badezimmertür aufgerissen und mitten in ihre stille ‚Morgenandacht‘, von Ron der Schlafanzug mit Schwung in ihre Richtung geworfen, landet auf ihrem Rücken, wonach Ron mit frohem Gelächter auf sie zueilt und ihr bei der stürmischen Umarmung fast den Kopf verdreht. Nur mühsam kann sie sich aus seinen Armen befreien, um wieder eine unverkrampfte Lage einnehmen zu können. Danach schaut sie ihm liebevoll in die Augen.
Sie ist ihm dankbar für seine großen Gefühle, auch wenn sie es morgens etwas weniger stürmisch lieber hätte.
»Das ist nun mal sein Temperament,« tröstet sie sich. Ein phlegmatischer Mann wäre ja bestimmt langweilig.«
Daher lässt sie es so geschehen. Sie weiß nicht, dass es zwischen diesen beiden Extremen auch einige Abstufungen geben kann, aber es ist ihr erster und einziger Mann in ihrem bisherigen Leben. Sie ist zwar schon 23 Jahre alt, hatte sich aber zum einen wegen ihrer vielen schöngeistigen Interessen und zum anderen bedingt durch ihr heimeliges Elternhaus lange nicht von dort weggesehnt.
Ron sprüht auch an diesem Morgen vor Elan ein wahres Funkengewitter aus seinen großen, schwarzen Augen aus. Beim Aufstehen legt sie ihm zärtlich ihre warme Hand auf die Schulter und küsst ihn ganz kurz auf die Nasenspitze: „Mein schöner Mann, Du bist wieder perfekt gestylt, dabei hättest Du das nicht einmal nötig. Du musst von der Natur geliebt worden sein, dass sie Dir solche vollkommenen Eltern beschert hat. Schönheit ist erblich!“
In dem Augenblick sieht sie, wie sich für einen kurzen Moment seine Augen verfinstern und starr, wie zwei Pistolenläufe auf sie gerichtet erscheinen. Ziemlich abrupt wendet er sich von ihr ab. Erschrocken flüstert sie: “Verzeih Ron, ich hatte es doch nett gemeint. Habe ich irgendetwas Falsches gesagt?“
Sie fühlt urplötzlich ein unbestimmtes Unbehagen in ihrem Bauch und weiß im Moment nicht, wie sie die Situation wieder retten kann.
Die gesamte Raumatmosphäre steht unter einer enormen Spannung, ohne dass Ron auch nur ein Wort gesagt hat.
Ziemlich hilflos und geknickt, von der morgendlichen Hochstimmung nichts mehr spürend, nimmt sie ihre Sachen und schleicht zum Bad. Hier muss sie so an sich halten, dass ihr auf Grund der plötzlichen Gemütsverdunkelung von Ron nicht die Tränen kommen. Aber sie will nicht kindisch sein.
»Hätte ich doch diese Bemerkung über seine Eltern nicht gemacht. Sie sind offensichtlich sein wunder Punkt.
Nie äußert er sich mal genauer darüber, woher er kommt, wie seine Mutter war, was sein Vater mit ihm als Kind unternommen hatte. Immer hat er abgewimmelt und betont, dass er bei Verwandten aufgewachsen sei, da seine Eltern frühzeitig, als Naturforscher, bei einer Afrika-Safari ums Leben gekommen waren. Seine Verwandten seien gestorben, als er gerade seine Lehre als Bankkaufmann beendet hatte. Danach habe er sich, mit nunmehr 30 Jahren, hochgearbeitet zum Filialleiter, wie er sagte.
»Ich will in Zukunft achtsamer sein. Nun weiß ich, dass ich über seine Eltern nicht sprechen darf. Muss ja auch nicht sein.« Susan hatte Ron kennengelernt, als sie einige Bankgeschäfte für ihre Eltern, die Besitzer gutgehender Drogeriegeschäfte sind, erledigen sollte. Natürlich schmeichelte es ihr von Anbeginn an, dass ihr ein so schöner Mann Komplimente machte.
Nachdem sie sich noch einige Male begegneten, lud Ron sie in die nahegelegene Eisdiele ein, mit dem Versprechen beim Auseinandergehen, sich wiederzusehen. So ergab es sich mit der Zeit, dass er von Susans Eltern ab und zu zum Essen und letztlich auch zu einem gemeinsamen Urlaub an der Ostsee eingeladen wurde, wo dann auch vor einem Jahr, die Hochzeit stattfand.
Ihre Eltern waren begeistert von diesem wohlerzogenen, schönen Mann, der auch noch einen, für alle so nützlichen, Beruf hatte. Weder Susan noch ihre Eltern verschwendeten auch nur einen Gedanken daran, weshalb er in dem attraktiven Alter von 30 Jahren, noch nicht verheiratet war und offenbar auch keine Freundin hatte, obwohl er doch einen großen Freundeskreis besaß.
»Die warme Dusche hat gutgetan!«
Erleichtert atmet Susan auf und fühlt sich, als sie aus dem Bad kommt, doch gleich wieder kräftiger. Energisch bürstet sie sich ihre langen dunkelbraunen Haare durch und setzt sich nun bequem vor den Frisierspiegel, um sich ein wenig zu schminken. Während des Wintersports verzichtet sie auf großes Makeup und trägt nur, von dunkel nach hell raffiniert auf der Haut des Oberlides verfließenden Lidschatten und etwas wasserfeste Wimperntusche auf.
Auf die Lippen kommt der vor der Sonne schützende Fettstift, während sie gleich nach dem Duschen die Sonnencreme auf all die Körperstellen gegeben hat, die während der Mittagspause auf der Baude dem Sonnenbad anheimgegeben werden sollen. Langsam fängt ihr Herz wieder schneller an zu klopfen, als sie die Türklinke in die Hand nimmt, um zu Ron in den Schlafraum zu gehen.
»Wie soll sie sich jetzt verhalten?«
Er steht am Fenster. Kaum hat er sie herauskommen sehen, ist er auch schon, wie umgewandelt, fröhlich. Mit dem Handy in der erhobenen Hand dreht er sich zu ihr, als wäre nichts geschehen: „Susan stell Dir vor, Linda und Sven haben uns zum Frühstück in ihre Ferienwohnung eingeladen, seine Eltern sind aus den USA schon gestern Abend angekommen. Die sind begeisterte Skifahrer und haben vor, uns einmal alle dorthin in eins der beliebtesten Skigebiete nach Vail, inmitten der Rocky Mountains zu führen. Vielleicht sogar schon dieses Jahr zum Jahreswechsel!“
Ron dreht sich vor Freude um die eigene Achse, schaut dann aber Susan direkt in die Augen, um zu sehen, ob sie sich denn genügend mitfreue.
Wieder hat sie kurz den Anflug eines komischen Gefühls, als sie sich so direkt beobachtet sieht.
»Was ist denn heute bloß los mit mir? Werde ich langsam hysterisch? Es war doch in dem einen Jahr unserer Ehe alles eitel Sonnenschein.
Wir wohnen in einem herrlichen Haus (erstmalig) zusammen…«
„Ron, lass Dich umarmen, ich habe Dich sehr, sehr lieb und bin stolz auf Dich. Was Du so alles Interessantes für uns organisierst!“
Sie kann ihm ansehen, wie ihm fast die Tränen in die Augen steigen vor Rührung., denn er ist zweifellos von seinem eigenen Wert überzeugt.
»Es tut ihm sicher leid von vorhin, deshalb seine Bewegtheit,« denkt Susan in ihrer Naivität.
Sie schließt von sich auf andere, da sie von zu Hause selbst, große Empathie für andere gewöhnt ist.
Ron lässt sich jetzt sichtlich gern zärtlich am Hals kraulen, allerdings nicht zu nah an seiner frisch geföhnten schwarzen Haarpracht!
„Weißt Du, als Du von Svens Eltern erzähltest, dass sie auch begeisterte Skifahrer sind, musste ich mich nur daran erinnern, dass ich selbst lange nicht Skigefahren bin und auch nie so perfekt war, so dass es mir langsam bei dem Gedanken, in einer derart durchtrainierten Truppe mitzufahren, etwas unheimlich wird. Ich will euch ja alle nicht behindern?“
Nun nimmt Ron sie in den Arm: „Ich habe Dich auch nicht geheiratet, weil Du perfekt Skifährst. Du hast andere Qualitäten und die sind viel wichtiger!“
Mit einem langanhaltenden Kuss auf ihre wohlgeformten Lippen...
| Erscheint lt. Verlag | 11.11.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| ISBN-10 | 3-7693-4216-X / 376934216X |
| ISBN-13 | 978-3-7693-4216-1 / 9783769342161 |
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