Andreas (eBook)
320 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-5973-2 (ISBN)
Andreas Eisenmann wurde 1977 in Freiburg im Breisgau geboren und wuchs in dem beschaulichen Dorf Windenreute bei Emmendingen am Fuße der Ruine Hochburg auf. Nach dem Studium der evangelischen Theologie in Oberursel, Heidelberg und Tübingen mit den Schwerpunkten Neues Testament und Kirchengeschichte absolvierte er sein Lehrvikariat in Ettenheim. Nach Stationen in Bad Rappenau und Villingen arbeitet er seit 2008 als Pfarrer in Legelshurst (Ortenaukreis). Hier lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Kreatives Schreiben gehört für ihn einerseits zum Beruf eines Pfarrers, ist aber auch bereits seit Jugendzeiten seine Leidenschaft.
Einführung
Die Evangelien des Neuen Testamentes sind in starkem Maße auf Jesus fokussiert – logischerweise, denn es geht ja um seine Lebensgeschichte. Doch auch andere Personen spielen eine wichtige Rolle: Maria und Josef, Johannes der Täufer, Petrus und die anderen Jünger oder Maria aus Magdala; Gruppen wie die Pharisäer oder Sadduzäer; mächtige Personen wie König Herodes, der Hohepriester Kaiphas oder der Statthalter Pilatus.
In diesem Buch bekommt eine sonst eher im Hintergrund stehende Person einen breiten Raum: Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Seine Lebensgeschichte wird hier aus seiner eigenen Sicht in Ich-Form erzählt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Handlung, weniger auf den längeren Reden Jesu, wobei diese auch zumindest teilweise ihren Platz finden. Insbesondere die Abschiedsreden werden jedoch nur sehr angedeutet wiedergegeben. Im Laufe der Erzählung werden einzelne Passagen der Jesusgeschichte weggelassen, insbesondere, wenn sie keinen besonderen Bezug zu Andreas haben. Freilich bezieht sich ein großer Teil des Textes auf biblische Erzählungen, in denen Andreas nicht ausdrücklich genannt wurde – es wäre sonst ein sehr dünnes Buch geworden… Aber eine wichtige Grundprämisse liegt darin, dass Andreas als einer aus dem engsten Kreis um Jesus die meisten Begebenheiten miterlebt haben dürfte. Klar ist aber auch, dass bei Erzählungen, in denen Andreas nach dem biblischen Befund sicherlich nicht dabei war (z.B. bei der Verklärung Mk 9 / Mt 17 /Lk 9, wo Jesus explizit nur die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes mitnimmt), er auch nicht im Text dieses Buches vorkommt. In der Regel werden diese Abschnitte nicht erwähnt.
Der hier aufgeschriebenen Erzählung des Andreas liegt hauptsächlich das Johannesevangelium zugrunde, welches im Ablauf durch andere Bibelstellen, Heiligenlegenden und schließlich auch einiges an Fiktion ergänzt wird. Immer wieder werden Verse aus dem Johannesevangelium zitiert, vor allem bei wörtlicher Rede. Falls es verschiedene Erzähltraditionen zu Andreas gibt, wie z.B. bei der Berufung, hat immer die Version des Johannesevangeliums Vorfahrt – dies ist vor allem bei der Passionsgeschichte deutlich, die sich bei Johannes teilweise deutlich im Vergleich zu den Synoptikern Markus, Matthäus und Lukas unterscheidet. Teilweise wird dadurch der Text zu einer subjektiv aus der Sicht des Andreas nacherzählten Variante des vierten Evangeliums. Hinzuweisen ist an dieser Stelle darauf, dass die Bezeichnung „Johannes“ für den vierten Evangelisten lediglich eine traditionelle Zuschreibung ist, die sich nicht aus dem Evangelium selbst ergibt – wie der Autor letztlich heißt, wird dort nicht gesagt. Er wird dort auch nicht mit dem Jünger Johannes identifiziert.
Nun mag sich jemand fragen: Warum Vorrang ausgerechnet für das Johannesevangelium und nicht für Matthäus, Lukas oder Markus? Und warum ausgerechnet Andreas und nicht Bartholomäus, Jakobus oder Thaddäus? Nun, einfach aufgrund persönlicher Vorlieben, die sich schon in meinem Theologiestudium herauskristallisiert haben. Und vielleicht auch ein bisschen, dass ich den Namen mit dem Apostel Andreas teile.
Es handelt sich bei dem vorliegenden Buch nicht um ein wissenschaftliches Werk. Das Leben des Andreas könnte so gewesen sein oder ein bisschen anders oder auch in manchen Teilen ganz anders. Viele Sätze sind nicht über ihn aufgeschrieben – doch die Leerstellen sollen hier mit etwas Möglichem gefüllt werden, auch wenn es andere Möglichkeiten gibt. In der jüdischen Tradition gibt es die Metapher des schwarzen und weißen Feuers, welche auch für die Methode des Bibliologs1 eine wichtige Rolle spielt. Das bedeutet: Neben dem in (schwarzen) Buchstaben gefassten Text der Bibel tritt ein gewisser Leerraum (das Weiß der Seite), welcher gefüllt werden kann – bewusst oder unbewusst. Dabei ist das schwarze Feuer (Buchstaben) für jeden Menschen gleich – das weiße Feuer nicht. So liegt mit diesem Buch das vor, was ich in dem weißen Feuer gesehen habe – andere mögen es anders sehen.
Zusammengefasst gibt es für dieses Buch also eine Art Hierarchie der Quellen, aus denen die Erzählung über das Leben des Andreas konstruiert wurde:
- Berichte über Andreas aus dem Johannesevangelium.
- Berichte über die Jünger insgesamt (als Gruppe mit Andreas) im Johannesevangelium.
- Berichte über Andreas und die Jüngergruppe in den anderen Evangelien oder allgemeine Erzählungen aus den Evangelien und der Apostelgeschichte, bei denen Andreas hätte dabei gewesen sein können. In seltenen Fällen habe ich aus dramaturgischen Gründen von der Priorisierung des Johannesevangeliums abgesehen.
- Berichte aus der kirchengeschichtlichen Tradition.
- Fiktion, gefüllte Leerstellen, weißes Feuer2, Möglichkeiten. Teilweise gibt es auch – gerade am Anfang und am Ende – frei erdachte Kapitel. Denn über das, was nicht in der Bibel steht, kann man spekulieren – oder es lassen (aber dann wäre dieses Buch sehr dünn und irgendwie auch überflüssig).
Eine Grundprämisse für diese Erzählung ist die Theorie des verstorbenen Heidelberger Neutestamentlers Klaus Berger, dass Andreas der Lieblingsjünger aus dem Johannesevangelium sei3. Betonen möchte ich hier: Das ist eine Theorie – man kann diese teilen oder auch nicht. Für mich hat sie etwas Überzeugendes – aber das muss nicht für jeden Menschen so sein. Aus dieser grundsätzlichen Prämisse ergibt sich für dieses Buch, dass alle Bibelstellen, die auf den Lieblingsjünger verweisen, so behandelt werden, als würde dort Andreas direkt genannt werden. Das Buch funktioniert ohne diese Arbeitshypothese nicht – und ohne Klaus Bergers Arbeit würde es dieses demnach auch nicht geben. Wer mit Bergers Theorie wenig anfangen kann, könnte dieses Buch unter der Frage lesen: Was wäre, wenn Andreas der Lieblingsjünger gewesen wäre?
Eine schwierige Frage ist die Chronologie der Ereignisse. Hierbei sind die verschiedenen Evangelien nicht einheitlich. Im Teil vor der Berufung des Andreas ist der zeitliche Ablauf völlig unklar und bleibt daher auch etwas offen. Es ist auch nicht bekannt, in welchem Alter Andreas berufen wurde. Wie alt Andreas wann war unterliegt also einem gewissen Spielraum und damit zu einem gewissen Teil auch der Vorstellung der Leserin und des Lesers dieser Geschichte.
Eine gewisse Schwierigkeit ergibt auch sich mit den Namen der einzelnen Personen. Was ist wichtiger: Historische Korrektheit oder bessere Lesbarkeit? Schließlich ist dies hier eine Erzählung und kein wissenschaftlicher Kommentar. Wichtig war mir, dass diese Namen einheitlich verwendet werden. Darum heißt der Bruder des Andreas immer Simon, außer er wird in wörtlicher Rede anders angesprochen. Statt der hebräischen Form Jeschua verwende ich zum besseren Verständnis den heute allseits gebräuchlichen Namen Jesus, auch wenn er wahrscheinlich von seinen Jüngern nicht so angeredet wurde – dies dient zum besseren Verständnis durch den Leser.
Zu meiner Schulzeit hatten wir in unserer Oberstufe vier Schüler mit dem Namen Andreas – in diesem Buch gibt es nur einen. Allerdings kommen andere Namen mehrfach vor: So gibt es drei Marien (die Mutter von Jesus, die Schwester von Marta und Maria aus Magdala), drei Jakobusse (zwei aus dem Zwölferkreis, nämlich der Sohn des Zebedäus und der Sohn des Alphäus; später noch der Gemeindeleiter Jakobus), drei Johannesse (der Vater von Andreas, Johannes der Täufer und als drittes einer von den zwölf Jüngern) und zwei Simons (der Bruder von Andreas und Simon der Zelot/Eiferer, ein anderer Jünger aus dem Zwölferkreis). Aber bitte davon nicht verwirren lassen.
Einen wichtigen Platz in der Erzählung haben Psalmgebete. Mehr als heute hatten die Psalmen für die Menschen zur Zeit von Jesus eine wichtige Bedeutung im Leben. Es ist davon auszugehen, dass Andreas und seine Zeitgenossen diese (wenigstens teilweise) auswendig konnten und zu verschiedenen Anlässen beteten. Zumindest tut es der Andreas aus meiner Geschichte. Auch einige Prophetenworte und andere Schriftstellen kennt er – aber von besonderer Bedeutung sind die Psalmen. Diese Zitate aus dem Alten Testament sind in kursiver Schrift vom Rest des Textes abgesetzt.
Im Anhang findet sich eine kurze Zusammenfassung von Klaus Bergers Argumenten aus seinem Buch „Im Anfang war Johannes“ zur Frage nach dem Lieblingsjünger. Einige Hinweise auf weitere Bücher folgen – leider gibt es nur wenige ausführliche Werke über den Apostel Andreas. Ebenso angehängt ist eine Übersicht der biblischen Texte über Andreas und den Lieblingsjünger – jeweils mit einem kurzen Kommentar versehen.
Im Text gibt es immer wieder Zahlen, die auf Anmerkungen hinweisen, welche sich ganz hinten als Endnoten finden. Meistens geht es hierbei um Bibelstellen zu einzelnen Zitaten – Psalmen und andere. Es ist beim Lesen nicht notwendig, die Anmerkungen nachzuschlagen. Wer ein...
| Erscheint lt. Verlag | 25.10.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| ISBN-10 | 3-7693-5973-9 / 3769359739 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-5973-2 / 9783769359732 |
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Größe: 983 KB
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