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Liath - Skye -  Bernd Pesch

Liath - Skye (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
354 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-5924-4 (ISBN)
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5,99 inkl. MwSt
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Auf der Isle of Skye entfaltet sich ein düsteres Geheimnis, als die altehrwürdige Staffin Bay Distillery wiedereröffnet wird. Enya, eine junge Frau mit einer besonderen Gabe, wird in ein Netz aus Intrigen, Mord und Magie verwickelt. Während sie die Wahrheit hinter Reginald Greenes Tod aufdeckt, stößt sie auf verborgene Familiengeheimnisse und uralte Mächte, die die Insel durchdringen. Die Grenzen zwischen Realität und Mythos verschwimmen, und Enya muss sich entscheiden, welchem Weg sie folgen will - dem der Wahrheit oder dem der Magie.

Bernd Pesch, geboren 1963, studierte Physik und Elektrotechnik. Er lebt im Rheinland und ist als Berater im Bereich der Metrologie selbstständig. Romane und Kurzgeschichten bilden seinen Kreativbereich neben der Fotografie und Musik. Eine besondere Liebe verbindet ihn mit Schottland. Viele seiner Romane und Kurzgeschichten spielen in diesen wunderschönen und rauen Landschaften.

Ceilidh


Staffin

»Es wird ein langer Tag«, dachte Isabella, Reginalds Frau, und spürte die aufkeimende Frustration. Überall um sie herum herrschte bereits geschäftiges Treiben. Ernest und Reginald hatten sich früh in die Brennerei zurückgezogen, und sie fühlte sich im Haus allein gelassen.

Im Hof würde gleich Joan das Kommando übernehmen. Seit Mitte der Woche stand dort ein riesiges Festzelt. Tische, Stühle, eine Bühne, die Theke und eine mobile Küche waren längst vor Ort.

»Es läuft irgendwie an mir vorbei. Ich habe keine echte Aufgabe«, murrte Isabella in Gedanken. »Wie immer.« Es lag nicht daran, dass Ernest ihr nichts zutrauen würde. Vielmehr sollte Joan sich als Geschäftsführerin auch organisatorisch bewähren.

»Ich kann ja schon mal helfen …«, wollte Isabella Joan ihre Unterstützung beim hektischen Frühstück anbieten.

Joan lehnte das Angebot brüsk ab. »Das ist mein Job, Mum!« Mit diesen Worten drehte sie sich um und verließ das Haus. Gleich vor der Tür begann Joan, laute, überflüssige Kommandos zu geben: »Die Tische müssen alle sauber sein!« oder »Sorgt dafür, dass heute Nachmittag alles fertig ist!«

‚So schafft sich Joan hier keine Sympathien‘, wusste Isabella.

Mit einem Gefühl zwischen Frustration, Verärgerung und Melancholie zog sich Isabella in ihr Zimmer zurück. Sie dachte kurz daran, in den Pferdestall zu fliehen, unterließ es jedoch, um dies nicht als Affront gegen die eigene Familie erscheinen zu lassen. Sie schaute auf die Uhr. Ihr blieben noch Stunden bis zum Beginn der Festlichkeiten.

Isabella begann ohne wirklichen Grund, im Haus Staub zu saugen und zu putzen, nachdem sie zuvor die Küche aufgeräumt hatte. Eigentlich waren beides Sarahs Aufgaben und ihre Haushälterin erledigte diesen Job mit Akribie. All diese Tätigkeiten waren für Isabella wenig erfüllend.

Nun saß sie wieder in ihrem Zimmer und schaute aus dem Fenster auf das große Festzelt und die hektische Betriebsamkeit. Sie drehte sich um und wandte sich ihrem Schrank zu. ‚Was soll ich heute Abend anziehen?‘, fragte sie sich, während sie sich nutzlos und unbeachtet fühlte. Isabella legte ein flammrotes, kurzes Kleid heraus. ‚In diesem Kleid werde ich sicher Aufmerksamkeit erregen.‘ Dann schweifte ihr Blick erneut nach draußen. Obwohl es trocken war, zeigte der September mit starken Windböen und kühlen Temperaturen, dass der Herbst Einzug hielt.

‚Nicht für heute‘, dachte Isabella und hängte das Kleid mit einem Seufzer zurück in den Schrank. Stattdessen wählte sie ein längeres schwarzes Strickkleid. ‚Elegant, sexy, aber nicht overdressed‘, bewertete sie das Kleid, während sie es an die Schranktür hängte und einige Schritte zurücktrat. Sie war auch mit dieser Wahl nicht zufrieden. Sicher würde ihr das Kleid wunderbar stehen und angemessen sein, aber eigentlich hatte sie Lust auf etwas Extravagantes. Dann änderte sie erneut ihre Meinung. ‚Warum soll ich das Aushängeschild spielen?‘, dachte Isabella frustriert. Ihre Stimmung pendelte hin und her. »Nutzlos. Ich bin hier überflüssig.« Sie hing auch dieses Kleid zurück in den Schrank und beschloss, es bei Jeans und Bluse zu belassen.

Staffin

Ernest Greene begrüßte die Gäste überall, wo es möglich war, und war in Hochform. Ein freundliches »Hello!« hier, ein »How are you?« dort, oder ein »Long time, no see.« Ernest kannte viele der Anwesenden, und es schien fast so, als wären sie heute alle enge Freunde.

Die Gäste wurden mit köstlichen Häppchen verwöhnt und konnten sich an Ale von der Insel sowie mit altem Whisky der Distillery erfreuen. Ernest erklärte mit einem Lächeln: »Es sind nur noch Restbestände. Wir müssen wohl bald wieder ein paar Fässer abfüllen.«

Dann richtete er einige Worte an die Gäste und sprach über die lange Geschichte der Staffin Bay Distillery, die einst das Herz des Ortes war. »Wir existieren seit dem Whisky Act von 1823 und sind immer das Zentrum des Dorfes gewesen.«

Die Zuhörer lächelten und applaudierten verhalten.

Während seiner Rede würzte Ernest seine Worte mit der einen oder anderen Anekdote aus der langen Geschichte. Allerdings erwähnte er das Unglück von 1994 und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die zur Schließung der Distillery geführt hatten, nur am Rande.

»Wie Sie wissen, soll heute ein neues Zeitalter für die Staffin Bay Distillery beginnen, und wir möchten, dass der gesamte Ort, die ganze Insel Skye – ach was, ganz Schottland – daran teilhat.« Ernest breitete die Arme aus und wandte sich den Zuhörern zu.

Ein Gast rief: »Ganz Großbritannien!« Das brachte lautes Gelächter hervor. »Nur ohne Sassenacks10, ohne Engländer!« rief eine andere Stimme laut.

Ernest stimmte in das Lachen ein und Ernest fügte hinzu: »Aber ernsthaft, wen interessiert Großbritannien, wenn wir nicht einmal mehr eine Rolle in Europa spielen? Oder im Commonwealth, wo uns Australien, Kanada und sogar Indien längst den Rang abgelaufen haben.«

Die Reaktionen waren gemischt, mit Lachen und Buh-Rufen. Ernest erkannte schnell, dass er von der politischen Diskussion Abstand nehmen musste, um die Stimmung nicht kippen zu lassen. »Lassen Sie uns auf Skye, auf die Hebriden und auf Alba11 konzentrieren!«

Nun hatte Ernest die Zustimmung des Publikums wieder auf seiner Seite. »Wissen Sie, warum mein Sohn Reginald hier neben mir steht?« Ernest blickte in die Runde und sah wissende Gesichter. »Er wusste schon früh, dass er die Distillery eines Tages übernehmen würde.« Ernest machte eine kurze Pause und blickte zur anderen Seite. »Und meine Tochter Joan? Sie wird ab jetzt die Geschäfte führen. … Und nun lassen Sie uns die Zukunft feiern.«

Am späten Nachmittag kehrte im Festzelt zunächst etwas Ruhe ein. Die Wände waren mit den Tartanmustern der Hebriden-Clans geschmückt. In der Mitte des Festzeltes gab es eine freie Fläche für die Tänzer. Lange Holztische waren mit Kerzen und Papiertischdecken in Blau und Weiß, den schottischen Nationalfarben, dekoriert, während der Duft von deftigen Imbissgerichten in der Luft lag.

Das Publikum beim Ceilidh war bunt gemischt: Jung und Alt, Schotten und Zugezogene. Aus Sicht der Alteingesessenen gab es mittlerweile viel zu viele von ihnen auf Skye. Gegen Nachmittag wechselte das Publikum. Mütter und Väter brachten unter lautem Gezeter ihre widerspenstigen Kinder nach Hause und die Heranwachsenden und Erwachsenen blieben unter sich.

Der Übergang vom Volksfest zum Tanzabend wurde durch einige traditionelle Rituale markiert: Es gab einen Dichterwettbewerb, einen Poetry Slam, und auch einige improvisierte Highland Games, bei denen die Teilnehmer ihre Kräfte beim Tauziehen maßen.

Zum Tanzen gab es auf den Inseln nicht allzu viele Gelegenheiten. Die alten Traditionen starben aus. Umso dankbarer waren die Bewohner von Staffin und der gesamten Trotternish Peninsula12, dass zur Eröffnung der Distillery ein Ceilidh stattfand.

Die Klänge einer traditionellen Ceilidh-Band erfüllten das Zelt und hallten über den Hof wider. Geigen, Akkordeon, Gitarren und Schlagzeug bildeten einen harmonischen Klangteppich. Die Musiker spielten fröhliche und mitreißende schottische Melodien, die das Herz erwärmten. Manchmal wurde das Akkordeon oder die Geige durch einen Dudelsack ersetzt. Dann stieg die Stimmung, und das Publikum grölte oder wurde melancholisch.

Fergus Nicholson, Clanchief der Nicholsons of Trotternish aus dem Norden der Insel, war eigentlich ein verschrobener und introvertierter Mann. Vielleicht war er siebzig. Vielleicht älter. Fergus feierte seinen Geburtstag schon seit vielen Jahren nicht mehr. Manchmal vergaß er sein Alter. Normalerweise mied er gesellschaftliche Ereignisse, aber er fühlte sich seinem alten Freund Ernest verbunden. Doch an diesem Abend, in seiner violett-grün-schwarzen Tartan-Tracht, fand er sich in der Rolle des Landesherren wieder. Er trug den Kilt mit Stolz, während das edle schwarze Prince Charlie Jackett und die Weste seine Würde unterstrichen. Eine Nadel mit dem Wappen des Clans Nicholson schmückte seinen Kilt. Der Sporran, eine Tasche aus Seehundfell, die vor dem Bauch getragen wurde, barg die kleinen Notwendigkeiten eines Scotsman: Schlüssel, Geld und ein Taschentuch. Manchmal auch Kondome. Kleine Fähnchen in den Tartan-Farben des Clans zierten seine Wollsocken. In seiner rechte Socke steckte traditionell der Sgian Dubh, ein kleiner Einsteckdolch, der auch als Allzweckmesser genutzt wurde.

Da Staffin einst zum Land der Nicholsons gehörte, wurde Fergus noch immer als eine Art Landesherr angesehen und respektvoll als...

Erscheint lt. Verlag 24.10.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
ISBN-10 3-7693-5924-0 / 3769359240
ISBN-13 978-3-7693-5924-4 / 9783769359244
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