Das Geflüster der Nachtfalter (eBook)
376 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7597-6565-9 (ISBN)
Mark Fear wurde 1990 in Bayern geboren, ist stolzer Katzenpapa und verkriecht sich seit seiner Kindheit immer noch gerne in seiner Fantasie. Schon damals liebte er es, sich eigene Welten auszudenken und viele seiner Spielsachen durchlebten fantasievolle Reisen, die er sich in seinem Kinderzimmer ausgedacht hat. Im Laufe der Zeit wich das Spielzeug dem Erwachsenwerden, aber noch immer trifft er sich mit seinen Freunden, um bei einer Partie Magic: The Gathering oder einem guten Videospiel kleine Abenteuer zu erleben. 2019 begann er mit der Arbeit an seiner Debüt-Reihe, in der er die Grenzen zwischen Fantasy und Science Fiction aufbrach. Daraus entstand eine Mischung aus postapokalyptischer Fiction und dystopischer Dark Fantasy, die er als Future Fantasy zusammenfasst. Im Dezember 2022 erschien der erste Band dieser Reihe mit dem Titel »Das Geflüster der Nachtfalter - Sternenstaub« und damit die Einladung an alle interessierten Leser*innen, ihm in eine seiner Welten zu folgen. Das Hörbuch dazu erschien im Oktober 2023. Mit »Das Geflüster der Nachtfalter - Glutwasser« folgte im August 2023 der zweite Band. Im April 2024 legte er mit »Das Geflüster der Nachtfalter - Blutregen« den dritten Band nach. Mit »Das Geflüster der Nachtfalter - Seelensplitter« schloss er im Oktober 2024 die Reihe schlussendlich ab. All seine Werke werden ohne generative KI erschaffen. Wer mehr Interesse an seinen künftigen Werken hat und am Weg zu den nächsten Veröffentlichungen teilhaben möchte, darf ihm gerne auf Instagram folgen.
- Prolog -
Nestri
Still verharrte die kleine Eidechse auf einem flachen Stein. Die Wärme der morgendlichen Wüste schlich durch ihre Haut und ein Knistern breitete sich in ihren Zellen aus. Das Sonnenbad brachte die Echse allmählich auf Betriebstemperatur. Die grellgrünen Schuppen waren auffällig zwischen vertrocknetem Moos, ausgedorrten Ästen und dem roten Sand.
Die kuschelige Steinmauer, die ihr Zuhause gewesen war, hatte sie verlassen müssen. Immer längere Streifzüge nach Futter führten sie in diese Einöde. Sie folgte den Heuschrecken, hatte keine andere Wahl. Viele Artgenossen waren zurückgeblieben, waren verhungert oder Fressfeinden zum Opfer gefallen und so wollte die Echse ihr ohnehin kurzes Leben nicht beenden lassen.
Lange würde sie nicht mehr auf diesem Stein liegen, sie würde gleich genug aufgewärmt sein, um auf Nahrungssuche zu gehen. Die letzten beiden Tage hatte sie leer ausgehen müssen und eine weitere erfolglose Jagd würde ihr Ende sein, das sagte ihr ihr Instinkt. Alles musste schnell passieren, bevor die Hitze des Tages sie zwang, sich in einen Unterschlupf zu verkriechen. Und während die Echse dort für jedermann sichtbar herumlag, zuckten die Augen flink umher, um jede Himmelsrichtung im Blick zu behalten. Sie wollte nicht von Greifvögeln gefressen werden, auch wenn diese seltener geworden waren. Ebenso wollte sie nicht von einem der großen, komischen Tiere gefangen werden, die sich auf zwei Beinen bewegten.
Nur indem sie ihren Schwanz abgeworfen hatte, war sie gerade noch einer solchen Kreatur entflohen. Es hatte sich bei ihr eingeprägt, dieses ganz und gar nicht angenehme Gefühl. Zwar war ein neuer Schwanz nachgewachsen, aber er war bei Weitem nicht so lang und wunderschön wie der erste. An den Juckreiz in diesem Moment mochte die Eidechse auch nicht denken.
Ein Geräusch ließ sie aus ihrem Sonnenbad aufschrecken. Sie hörte, wie der Sand knirschte, ihre Augen suchten alles ab und ihr Kopf und Körper führten einen nervösen Tanz auf dem Stein auf.
Blitzschnell schoss ihre gespaltene Zunge hervor. Das Reptil witterte einen dieser Zweibeiner und wandte sich in dessen Richtung. Schwere Atemzüge schwangen um die wankende Gestalt.
Noch einmal züngelte die Eidechse. Augenblicklich wusste sie, dass es keiner dieser Kranken war, die immer öfter ihren Weg kreuzten. Diese rochen ganz widerlich und aus allen Körperöffnungen floss ein schwarzer Glibber, dem die Echse nicht zu nahe kommen wollte. Aber sonderlich gut ging es diesem hier auch nicht, er torkelte durch den Sand. Der Zweibeiner war noch klein, es musste sich um ein Jungtier handeln, das von seiner Herde getrennt worden war. Wohl würde das Geschöpf hier bald sein Ende finden.
Dieser Gedanke gefiel der Echse, denn wenn sie verenden, lockt ihr totes Fleisch Insekten an, mit denen sie sich den Bauch vollschlagen konnte. Dann fiel der Zweibeiner erschöpft in den Sand und blieb mit dem Kopf neben dem Stein liegen, auf dem die Eidechse saß.
Schnell huschte sie beiseite und versteckte sich. Doch eine unbekannte Neugier trieb sie wieder hinauf auf den Stein.
Der Zweibeiner hatte kein Fell und seine Augen waren nur halb geöffnet. Rote Augäpfel sahen in die Leere. Der Oberkörper hob und senkte sich nur noch langsam und schwach. Lange konnte es also nicht mehr dauern.
Plötzlich zeigte das Wesen seine Zähne, seine Mundwinkel gingen nach oben.
Unverständliche Laute kamen aus dem Maul des Zweibeiners.
Das Wesen hob einen Vorderlauf und streckte diesen nach der Echse aus, ohne nach ihr zu greifen. Bereit, jeden Augenblick hinter dem Stein zu verschwinden, stand diese angespannt da. Es hatte keine Krallen, so wie es die Eidechse hatte, sondern nur fleischige Dinger, die auf sie zeigten. Dann presste der Zweibeiner seine Augen zusammen und gab angestrengte Laute von sich. An den Spitzen der klauenlosen Dinger entstanden kleine Lichter und die Echse starrte unentwegt dort hin. Eine angenehme Wärme, viel besser als die der Sonne auf dem Stein, durchströmte den Körper der Eidechse.
Ohne sich wirklich zu bewegen, änderte sich der Blickwinkel auf den Zweibeiner. Gerade noch hatte das Reptil zu ihm hinauf gesehen, einen Augenblick später sah sie auf ihn herab. Die Echse sah sich genauer um und erschrak.
Sie war es, die sich veränderte, sie wuchs und wurde immer größer. Ein Jucken breitete sich in ihren Körper aus. Ähnlich dem Gefühl, als ihr Schwanz nachgewachsen war, nur nicht so unangenehm, sondern viel mehr prickelnd.
Und dann ließ der Zweibeiner seine Hand kraftlos in den Sand fallen.
Bilder durchfluteten den Geist der Eidechse. Ein faltiger Zweibeiner grinste sie an, nickte und seine Lippen bewegten sich. Dann sah sie, wie sie etwas aus einem glänzenden Objekt fischte und aß, ein noch nie gewesener Geschmack durchströmte ihre Sinne. Erneut veränderte sich die Szene, sie saß in einer dunklen Höhle und der andere Zweibeiner schlich sich hinaus in die Nacht.
Die Eidechse schüttelte den Kopf und als wäre nichts gewesen blickte sie wieder auf den Zweibeiner im Sand.
»I-ich …«, keuchte dieser und die Echse zuckte zusammen, als sie ihn auf einmal verstand. »Ich will nicht sterben …« Dicke Tränen sickerten in den Sand. »Will nicht alleine sein…«, hustete das Wesen trocken.
Es drehte sich auf den Rücken und ein bisschen vom roten Wüstenboden blieb in seinem Gesicht kleben. Es stand nicht sehr gut um diese Kreatur.
Wieder blitzten Bilder im Verstand des Reptils auf. Ein verschlossenes Behältnis mit Wasser, das in den Bauten der Zweibeiner zu finden war.
Instinktiv imitierte die Echse das Verhalten der Zweibeiner und stellte sich auf die Hinterbeine. Es fühlte sich besser und richtiger an, als auf allen vieren zu laufen.
Blitzschnell lief die Eidechse im zick zack los. Es war toll, sich so schnell zu bewegen. Für diese Strecke hätte sie sonst einen Tag gebraucht und nun war sie in kurzer Zeit in einem der schattigen Bauten. Ein neuer Instinkt regte sich in ihr. Die Bilder in ihrem Kopf verbanden sich mit Ideen, die ihr vollkommen neu waren. Sie musste das Leben des Zweibeiners retten.
Sie flitzte von einem Menschenbau zum nächsten, nahm sich einen kleinen Beutel mit und füllte diesen mit Dingen. Sie griff nach allem, was den Bildern in ihrem Verstand ähnelte. Glänzende Gegenstände mit bunten Bildchen darauf, die der Echse den Sabber im Mund zusammenlaufen ließen, auch wenn sie diese nicht kannte. Und eins dieser Dinger, in denen Wasser war.
Mehrmals zischelte sie. Da stimmte etwas nicht. Sie nahm einen Geruch wahr, aber er legte sich nicht wie gewohnt auf ihre Zunge. Viel mehr durchströmte er sie bei jedem Atemzug.
Mit einem Kopfschütteln wandte sie sich wieder ihrer Aufgabe zu und lief so schnell, wie sie in diese Siedlung geeilt war, wieder zu dem Zweibeiner zurück. Er lag noch immer dort, hatte sich kein Stück bewegt.
Ohne zu hinterfragen, woher sie das Wissen dafür hatte, öffnete sie das Wassergefäß und half dem Zweibeiner, daraus zu trinken. Anfangs hustete er, als das lauwarme Wasser in seinen Mund floss, aber mit der Zeit trank er ohne Probleme. Sein Blick wurde klarer und das Zittern seiner Lippen ebbte ab. Mit zwei kräftigen Zügen leerte er die Flasche und atmete schwer aus.
»D-danke …«, entkam es dem Zweibeiner.
Dann knurrte der Bauch der Eidechse.
Von wie vielen Heuschrecken werde ich nun satt? Ein Ruck bebte durch ihren Verstand, als sie eine quiekende Stimme in ihrem Kopf hörte.
Blitzschnell sah sie sich um, konnte aber niemanden sehen als den Zweibeiner.
»Hast du etwas gehört?«, gab der Rotäugige von sich.
Das Reptil nickte und tippte sich auf den Kopf.
»Ich schätze, die ersten Gedanken, die durch den Verstand schwirren, können erschreckend sein.« Er versuchte sich aufzurichten, aber seine zittrigen Arme gaben nach.
Das Reptil reichte ihm einen kleinen Metallbehälter, auf dem Obst abgebildet war. Mit einem Ruck an einer Lasche öffnete der Zweibeiner das Gefäß, hob den Kopf an und trank daraus. Ein süßlicher Duft drang zu der Echse und das Wasser lief ihr im Mund zusammen.
»Willst du auch?« Ohne eine Antwort abzuwarten, hielt der Rotäugige ihr das Futter vors Gesicht.
Beherzt griff das Reptil hinein, fischte sich etwas Glitschiges heraus und betrachtete es. Eine klebrige Flüssigkeit tropfte von ihren Klauen. Gespannt schaute es dem Zweibeiner dabei zu, wie er ebenfalls hineingriff, sich ein paar der sonnengelben Stücke herausholte und sich in das Maul stopfte. Ein genussvolles Stöhnen ertönte, gefolgt von Schmatzen und einem zweiten Griff nach der Nahrung. Die Echse schnupperte an dem Stückchen in ihren Klauen.
Zuckersüß!, schoss es ihr durch den Kopf und ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden, warf sie es sich ins Maul.
Ein säuerlich süßer Geschmack prickelte auf der Zunge und erinnerte ihn mit der schleimigen Konsistenz an Maden.
»Lecker! Ja, Ja!«, stieß die Echse aus und stierte mit großen Augen den Metallbehälter an.
Sie erkannte die Laute aus ihrem Kopf, die sie von sich...
| Erscheint lt. Verlag | 18.10.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Das Geflüster der Nachtfalter |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | found family • Mutant • Survival • Wüste • Zombie |
| ISBN-10 | 3-7597-6565-3 / 3759765653 |
| ISBN-13 | 978-3-7597-6565-9 / 9783759765659 |
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