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Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2025
192 Seiten
Paul Zsolnay Verlag
978-3-552-07569-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen - Milica Vučković
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»Vučković erzählt eine viel zu realistische Geschichte, die schrecklich ist und Spaß beim Lesen macht, was zusätzlich schrecklich ist. Viel Spaß!« Barbi Marković

Eva ist noch jung, als sie ihren Sohn zur Welt bringt und allein großzieht. Als sie dann Viktor kennenlernt, glaubt sie ihren Helden gefunden zu haben. Viktor ist Journalist und Schriftsteller und beeindruckt Eva mit großen Worten und Theorien. Dabei ist er vor allem eines: ein meisterhafter Manipulator, ein Soziopath, krankhaft eifersüchtig und cholerisch. Und als er es schafft, Eva nach Deutschland zu locken, wird alles nur noch schlimmer …
Milica Vučkovićs außergewöhnlicher Roman war in ihrer Heimat ein großer Publikumserfolg, weil er das romantisch verklärte Bild von der großen Liebe witzig und unbarmherzig hinterfragt.

Milica Vučković, geboren 1989 in Belgrad, studierte Malerei. Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. »Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen« ist der erste Roman von ihr, der auf Deutsch erscheint.

Rebekka Zeinzinger, geboren 1992, lebt als Übersetzerin aus dem Bosnischen, Kroatischen und Serbischen in Wien.

"Vučkovićs Kunstfertigkeit besteht darin, wie sie die Geschichte erzählt: in einer prägnanten Sprache mit Widerhaken, die sich festsetzen, und mit Bildern, die mit wenigen Strichen starke Emotionen erzeugen. Die besondere Qualität dieses Romans aber kommt von Vučkovićs Galgenhumor, der dem Buch eine eigene Note gibt." Doris Kraus; Presse am Sonntag; 20.04.25

"Intensiv, selbstironisch und schwarzhumorig … ein eindrucksvoll ungeschönter Beziehungsroman!" Judith Hoffmann, Ö1, 14.04.25

"'Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen' war in Serbien ein riesiger Erfolg und das ist kein Wunder, denn er ist tückisch. Diese Geschichte einer misshandelten Frau liest sich unglaublich gut, man traut sich gar nicht, es zu sagen: beinahe unterhaltsam." Barbara Beer, Kurier, 30.03.25

"Mitten in diese toxische Beziehung hinein webt die Autorin auf bewundernswerte Weise ihr Netz. Das Buch, das mit dem Vital-Preis für den besten Roman in serbischer Sprache 2021 ausgezeichnet wurde, ist all jenen gewidmet, 'die schweigen'." Femme actuelle

"Der in der Ich-Form geschriebene Roman von Vučković, gewidmet allen, 'die schweigen', erfasst die Dynamik eines Paares perfekt, das ein Mann dominiert, der alle Anzeichen eines narzisstischen Perversen aufweist. Sie vermeidet die Karikatur, zeigt deutlich, wie psychische Gewalt zu physischer Unterdrückung und zu einer Form des Wahnsinns führt. Eva, die nicht schwach oder zerbrechlich war, erlebt, wie ihr der eigene Körper entgleitet. Eva, die von Natur aus großzügig und liebevoll ist, kommt an einen Punkt, an dem sie sich vorstellt, Viktor zu töten, da er sie immer angreift, sie in der Badewanne unter Wasser drückt oder beim Skifahren niederschlägt. Man folgt ihr vom Anfang bis zum Ende atemlos, aber wie kann das ausgehen? Das Ende überrascht, zum Lachen und zum Weinen." Frédérique Roussel, Libération

Ich beeilte mich jeden Tag, um Mario vom Kindergarten abzuholen, ich wusste, dass es ihm dort überhaupt nicht gefiel. Die Erzieherinnen und alle Kinder sprachen nur Deutsch. Mario schwieg den ganzen Tag, und dieses Schweigen setzte sich auch zu Hause immer öfter fort. Nachmittags gingen wir manchmal in ein Pub um die Ecke, um Dart zu spielen. Viktor und ich tranken Bier, während Mario ungeschickt Pfeile gegen die Zielscheibe warf, es war wie mit seinen Worten. Kein einziges traf, alle fielen zu Boden. Da erinnerte er mich am meisten an mich selbst. »Komm, lass uns unser Glück versuchen!«, sagte Viktor nach zwei Bier. Bis dahin war mir nicht einmal aufgefallen, dass in der Ecke des Pubs Pokerautomaten standen. Für Glücksspiele hatte ich nie etwas übriggehabt, dafür war ich zu geizig. Ist doch dumm, dafür Geld auszugeben, sagte ich. »Evka, du hast keine Ahnung vom Spielen«, sagte er, während er an der Bar Geldscheine gegen Jetons eintauschte. Ich mochte es nicht, wenn er mich Evka nannte, so nannte mich nur mein Vater.

Jedes Mal, wenn er die Taste drückte, zwickte es in meinem Bauch. Vielleicht hatte ich wirklich keine Ahnung vom Spielen, dachte ich. Wir gaben an dem Tag unser ganzes Geld aus, und Viktor sagte, dass er an solchen Automaten noch nicht gespielt hätte, aber dass er beim nächsten Mal sicher gewinnen würde.

*

Am Wochenende gab es beim Putzen am meisten Arbeit. Die Eigentümer verließen ihre Häuser und ließen mir die Schlüssel da. Viktor konnte nicht auf Mario aufpassen, weil er am Wochenende arbeitete. Er schrieb. Deshalb packten Mario und ich unsere Rucksäcke voll mit Jausenbroten, Knabbereien und Spielzeug und machten uns auf zur Exkursion durch Stuttgart. Während ich putzte, spielte er. Stundenlang saß er auf dem Boden, fuhr mit Spielzeugautos um sich herum, legte Bausteine, zeichnete. Er zeichnete gerne. Er war wirklich ein wundervolles Kind. Wenn ihm das Spielzeug zu langweilig wurde, unterhielt ich ihn mit Besenreiten oder Moppreiten, er liebte es auch, wenn ich ihn mit dem Staubsaugerschlauch anstupste. Die Staubsaugerluft kitzelte ihn, sodass er lauthals lachte. Sein Lachen wärmte mich, es fiel mir nicht mehr schwer, bei den Katzenleuten den Boden zu schrubben oder die angekackten Windeln bei den Leuten einzusammeln, die Babywindeln nicht in den Müll warfen, sondern einfach im Haus herumliegen ließen. Selbst meine von der vielen Chemie ausgetrockneten Hände brannten nicht, wenn er lachte. Alles wird gut, mein Süßer, sagte ich und küsste ihn auf die Stirn, und er blinzelte mit seinen großen Augen. Mario lernte schnell, auch wenn er immer seltener sprach, wusste ich, dass er alles verstand, was ich sagte. Ich brachte ihm alle deutschen Wörter bei, die ich selbst kannte, er merkte sie sich schneller als ich. Besen, und er zeigte auf den Besen. Das Fenster, er zeigte zum Fenster. Wie heißen Sie? — »Mario!«, rief er laut. Nach ein paar Mal wusste er, an welcher Station wir auf welche Straßenbahn warteten und wo welcher Park war. In den Pausen saßen wir im Park, aßen unsere Jause und fütterten die Vögel. Auf der Tafel am Parkeingang stand, das sah ich erst später, dass Vögel allergisch gegen Gluten sind. Es bläht sie auf, stand da. Verfluchtes Deutschland, dachte ich. Mario wollte wirklich unbedingt die Vögel füttern, ich glaube, es erinnerte ihn an seinen Opa, also gingen wir in ein Geschäft und kauften Vogelfutter ohne Gluten, damit nicht wieder irgendeine Sie da auf uns zukam, eine Seelsorgerin, die sich um Tauben mit Blähungen sorgte. Am Ausgang, gleich an der Kasse, sah ich dieses Fläschchen, fast hätte ich es schon vergessen. Da stand Not for everybody, im Angebot kostete es acht Euro. Sieben neunundneunzig, genauer gesagt. Mario fütterte die Tauben, und ich spürte ihr Picken in meinem Bauch.

*

Obwohl wir uns die Miete halbe-halbe teilten und ich Marios Kindergarten allein bezahlte, hatte Viktor immer häufiger kein Geld. Wenn ich ihn fragte, wie das sein könne, sagte er, er kaufe Literatur, E-Books. »Ich bereite etwas Wichtiges vor, Eva. Geld ist nicht alles.« Natürlich ist Geld nicht alles, dachte ich. Nach ein paar Monaten wurde ich bei »Book-a-tiger« befördert. Ich musste nicht mehr jedes Wochenende arbeiten, und mein Stundensatz war höher, man war mit meinen Dienstleistungen zufrieden. An den Wochenenden, an denen ich arbeitete, putzte ich exklusivere Wohnungen. Ich sollte die Wohnung eines Typen putzen, der, soweit ich das verstanden hatte, Direktor einer großen Firma war. Ich sah ihn nur einmal, als er mir die Wohnungsschlüssel gab und mich bat, jeden Samstag zwischen neun und elf Uhr am Vormittag zu kommen. Diese zwei Stunden reichten völlig aus, denn in seiner Wohnung gab es nichts zu putzen. Die Wohnung war immer vollkommen sauber, von seinen Spuren fand ich lediglich ein, zwei Wasserflecken an der Küchenarmatur vor. Ich wischte die Armatur mit einem Mikrofasertuch ab, und danach setzte ich mich an den Esstisch und sah den Rest der Zeit aus dem Fenster. In seiner Wohnung war ich am traurigsten, obwohl er mir jedes Mal fünfzig Euro Trinkgeld unter der Obstschale hinterließ. Für Eva, stand da. An diesen Wochenenden nahm ich Mario nicht mit, Viktor hatte eingewilligt, auf ihn aufzupassen, weil ich ohne ihn mehr Wohnungen schaffte und mehr Geld verdienen konnte. »Mach dir keine Sorgen, wir verstehen uns blendend«, versicherte mir Viktor.

Als ich an diesem Tag nach Hause kam, weinte Mario im Schlafzimmer. Was ist passiert, fragte ich, was ist passiert, Schätzchen, aber Mario weinte nur, den Kopf im Kissen vergraben. »Das Tablet«, sagte er mit tränenerstickter Stimme. Komm, Marilein, sagte ich zu ihm, sei nicht wehleidig wegen so dummem Zeug. Viktor, ist das Tablet bei dir, sagte ich laut, aber er antwortete nicht. Viktor? — Ich ging durch die Wohnung und rief, aber er war nicht da. Im Badezimmer sah ich Licht, ich drückte die Klinke hinunter, aber die Tür war abgeschlossen. Ich klopfte an die Tür, aber Viktor wollte nicht aufmachen. Ich dachte, vielleicht ging es ihm nicht gut, vielleicht übergab er sich, dann klopfte ich noch lauter. Nach einigen Minuten des Klopfens schloss er die Tür auf, warf das Tablet auf den Boden und sagte: »Was klopfst du wie eine Wahnsinnige, da habt ihr das verdammte Scheißtablet!«, und machte die Tür wieder zu. Das Tablet war mit dickflüssigem Sperma verklebt, eine Pornoseite war geöffnet. Ich warf das Tablet in den Müll und ging mit Mario nach draußen.

Als wir wieder zurückkamen, gab ich Mario Papier und Stifte zum Zeichnen und ging die Küche putzen. Jedes Mal, wenn ich angespannt war und die Anspannung nicht verbreiten wollte, nicht wollte, dass wir uns streiten, ging ich putzen. Das beruhigte mich. Die Küche war im Übrigen vollkommen sauber. Selbst die Leiste zwischen Arbeitsfläche und Wand war sauber, obwohl sich da fast immer eine Menge Schmutz ansammelte. Auch der Deckel des Mülleimers war sauber. Nachdem in der Küche nichts zu schrubben war, ging ich ins Badezimmer hinauf, dort gab es immer etwas zu tun. Doch am Boden des Gefäßes, in dem die Zahnbürsten standen, war kein bisschen Schimmel, kein abgestandenes Wasser, das ich normalerweise dort fand. Der Behälter der Toilettenbürste war nur ein wenig verschmutzt, ich säuberte ihn mit einem Wisch. Auf dem Spiegel über dem Waschbecken waren nur zwei Fingerabdrücke von Mario. Auch die wischte ich weg. Nachdem ich nichts mehr fand, das ich hätte putzen können, betrachtete ich mich selbst im Spiegel. Das weiße Neonlicht brachte unzählige kleine Pickel auf meinem Gesicht zum Vorschein. Einen nach dem anderen drückte ich aus, mit der Geduld und Hingabe eines Mikrochirurgen. Es verging eine Stunde, bis ich vom Spiegel wegtrat und darin mein entstelltes, mit roten Schwellungen übersätes Gesicht erblickte. Ich sah giftig aus.

»Die Pickel stehen dir gut«, sagte Viktor zu mir, als ich endlich aus dem Bad kam. Ich wusste nicht, ob er einen Witz machte. »Nein, wirklich«, sagte er, »so siehst du ein wenig jünger aus. Sonst sieht man deine Falten schon so sehr, und jetzt sehe ich nur die Pickel. Könntest du immer so tragen.« Ich schwieg und ging das Essen zubereiten. Es nervte mich, dass mein Küchenmesser schon ganz stumpf war.

In dieser Woche kackte Mario im Kindergarten zum ersten Mal in die Hose. Die Erzieherin wusste nicht, was sie sagen sollte, und er auch nicht. »Er hat sich einfach schmutzig gemacht«, sagte sie. So ging er nach Hause, stumm, mit angeschissener Hose. Ich wollte ihn deswegen nicht schlagen. Mario, sagte ich,...

Erscheint lt. Verlag 18.3.2025
Übersetzer Rebekka Zeinzinger
Verlagsort Wien
Sprache deutsch
Original-Titel Smrtni ishod atletskih povreda
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 21. Jahrhundert • Balkan • Beziehung • Die schönste Version • Europa • Femizid • Frau • Gewalt • Häusliche Gewalt • Liebe • Manipulation • Migration • Muna • Patriarchat • Ruth-Maria Thomas • Serbien • Stuttgart • Terezia Mora • toxisch
ISBN-10 3-552-07569-0 / 3552075690
ISBN-13 978-3-552-07569-6 / 9783552075696
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