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Yonder-Diskurs (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
94 Seiten
NOVUM VERLAG
978-3-7116-0038-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Yonder-Diskurs -  Kim Impala
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Ein Jahr lang verfolgen wir den Protagonisten mit wechselnder Perspektive durch die Arbeitswelt im Groß-Konzern. Dessen charakteristischen Herausforderungen - überbordende Arbeitslast und drastische Machtstrukturen - entfalten sich im Zuge der Erzählung zum sozialpsychologischen Irrweg durch Hoffnung, Wut und Leidenschaft. Zunächst eifrig und von hoher Identifikation mit der Konzernwelt mobilisiert, klettert der Akteur erfolgreich die Karriereleiter empor. Doch der absurde interne Druck wird unerträglich, und zunehmend zerbricht er an der Aggression seines Chefs und den verworrenen Fängen im Konzern. Empört wendet sich der einst so Engagierte schließlich ab und beginnt seinen geballten Diskurs. Eine Ode an die gesunde Unternehmenskultur mit schmerzhaft nachvollziehbaren Einblicken ins Gegenteil.

MÄRZ

ICH

Es gab eine Zeit, wenige Monate nur, da war alles perfekt. So beschwingt fühlte ich mich da, so voll strotzender Kraft! Mein Team war verdoppelt, meine Verantwortung stark erweitert und das Vertrauen meines Chefs damit wohl erwirkt. Eine Handvoll Monate bewegte ich mich frohlockend durch die Räume, mit Karrieregeist inspiriert tänzelte ich beschwingt meiner Zukunft entgegen. Alles war vollkommen, tatsächlich: Ich hatte es geschafft, mein Ziel war erreicht.

Die Entbehrungen meiner jungen Jahre wurden entschädigt, lange Jahre verbissener Konzentration belohnt. Belohnt durch einen Job, der da rundum meinen Vorstellungen entsprach. Ein Chef, der mich arbeiten ließ und forderte, eine Schar von dreiunddreißig Mitarbeiter*innen, die mir Vertrauen schenkten und treu ihren Einsatz zeigten. Wie ein Fürst fühlte ich mich! Trotz harter Arbeit, denn diese versiegte nie. Unablässig rannte ich vorwärts, etablierte Prozesse und kümmerte, kümmerte, kümmerte mich, um alles, um jeden, zu jedem Preis. Mein Team leitete ich mit größter Hingabe an, mit höchster Demut, denn ich war durch und durch überzeugt: Sie waren mein Lohn! Für sie lohnte es sich, mich zu fordern, sie sind meine Berufung, mein Erfolg und mein Glück. Die Freude an der Führungsarbeit übertraf zu jener Zeit alles, auch, was in dieser Phase mein privates Leben mir bot.

So geschah es denn, dass ich zu Hochform erblühte, alle Zeit in die Leitung meiner Abteilung investierte, all meinen Elan. Um meine Überzeugung zu leben, die mich stark erfüllte, die mein Wirken in einen Höhenflug hob, einen Gewinn, eine wundersame Kettenreaktion an Teamgeist und Motivation. Mein Instinkt gebar eine rückratstärkende Erkenntnis und machte mich ungemein froh: Ich bin eine gute Führungskraft und habe damit endlich meinen Traum wahrgemacht.

SIE

„Etwas bewegen können“ – welcher Kern liegt in diesem Drang? Da gibt es die einen, die gerne Routine-Arbeit verrichten, die gerne genau beauftragt werden wollen, was zu erledigen ist, was als konkretes Ergebnis vorliegen soll. Diese Menschen verspüren wenig Bedürfnis, etwas „zu bewegen“. Sie fühlen sich zufrieden, ob eine Möglichkeit für eigenständiges Handeln nun geboten wird oder auch nicht.

Und dann gibt es die anderen, die sich engagieren wollen und gestalten. Kreative Menschen, die vernetzt denken, interessierte, die aufblühen, wenn es eines mutigen Schrittes bedarf. Jene sind es, die „etwas bewegen können“, wenn sie es können, soll heißen, wenn das Umfeld sie lässt.

Das Engagement Zweiterer fruchtet und fließt über in einer Organisation, deren Kultur persönliche Kreativität und den freien Willen erlaubt. Dasselbe Engagement wird eingesperrt und zerbricht in einem starren Gefüge, wo das Management keinen Bedarf und keine Zeit signalisiert, geniale Ideen einzelner Geister anzuhören, geschweige denn, diese in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Derselbe engagierte Mensch, mal hier eingesetzt oder mal dort, erbleicht an der mürben Ohnmacht, nur Handlanger zu sein, oder blüht auf an einer Herausforderung, die er hochmotiviert zu steuern berechtigt ist.

Wo liegt der Unterschied? Was macht diesen aus?

Denken wir uns zunächst in einen internationalen Konzern: Ein Mensch, der etwas bewegen will, wird sehr bald anbeißen an jener Angel, die Karriere verspricht. Was sich dieser dynamische Mitarbeiter erhofft, ist zunehmend mehr Handlungsspielraum, je weiter er steigt. Er gibt sein Bestes, engagiert sich mehr und mehr, bringt Höchstleistung, investiert all seine Kraft, all seine Zeit, er gibt sein Leben dafür hin. Und immer mit dem Ziel vor aufgesetztem Schutz-Visier: Um mehr Einfluss zu gewinnen, mehr entscheiden und dann noch mehr bewegen zu können. Dass diese Erwartung ein Irrglaube ist, weiß er nicht, noch nicht, sagt ihm niemand. Denn jene, die „das Sagen“ und die hemmenden Türen nach oben einst durchbrochen haben, sind gezwungen zu schweigen, zugunsten ihrer hart errungenen Position. Ihr eigener Antrieb ist längst verraucht, da sie „oben“ duldend zerrieben werden in den Zahnrädern des Systems, inzwischen hungernd nach der Illusion der Unbedarften, der Noch-Engagierten, deren Einsatz sie längst geschickt zu nützen wissen, als Trostpflaster auf der brennenden Wunde ihres Eingepfercht-Seins.

Was die Ehrgeizigen inspiriert und motiviert, ist die totale Hingabe zu allem, was sie tun, soweit ihr Aktionsradius auch reichen mag.

Der ursprünglich großartige Enthusiasmus schlägt jedoch irgendwann über in bedrohliche Über-Identifikation. Die ersten Erschöpfungssymptome werden übersehen oder verdrängt, denn schließlich steht schon der gute Ruf auf dem Spiel und außerdem wird die Erlösung dort vermutet, wo die Tür zur nächsten Ebene führt. Wonach Menschen streben, die sich bis zum Umfallen verausgaben und dies auch noch voller Überzeugung tun, ist die Illusion, seine eigenen Ziele einst in glückversprechender Zukunft selbst stecken zu dürfen.

Freiheit wird als die vermeintliche Belohnung erwartet, die Freiheit des Mächtigen, der die Regeln aufstellt. Doch je weiter die Strebsamen ihre Karriereleiter emporsteigen, desto mehr kippt die Vision in Verwirrung: Denn genau das Gegenteil geschieht, das Aktionsradius-Spinnennetz wird dichter und klebriger, der Überblick weicht. Der Engagierte wird zwar befördert, doch von einer Besserstellung spürt er trotzdem nichts. Die ersehnte Selbstbestimmung bleibt aus, denn kein erreichtes Ziel führt zum Ziel, nie ist es genug. Zu weit weg ist die Geschäftsleitung vom Arbeits-Schauplatz entfernt, zu undurchsichtig ist ihre Strategie, zu lose sind ihre Entscheidungen und viel zu groß ist der Druck. Ein Druck, der ganz oben kaum gefiltert und übermächtig nach unten weitergegeben wird – realitätsfremd meistens, schonungslos. Ergebnisse, die allzu oft jeglicher Machbarkeit entbehren, werden heuchlerisch eingefordert, und sei es mit „Mitteln der Macht“, mit gnadenloser Forderung und Überforderung. Ach, und wer nicht spurt, bleibt auf der Strecke, ist des Konzerns Elan und seiner Herausforderung nicht mehr würdig, wird ohne viel Gerede aussortiert, durch Neue ersetzt. Wer vermag einer solchen Schmähung schon standzuhalten? Und speziell das mittlere Management, das diesen Druck von oben nicht abwehren kann, sieht meistens keine Chance, seine Teams zu verschonen. Sie alle zusammen sind im Erfolgswahn verstrickt.

Der Enthusiastische engagiert und verausgabt sich weiter. Jede nächste Etage auf der Karriereleiter entpuppt sich als weit beklemmender als die letzte zuvor und ähnelt mehr und mehr einem Gespensterkabuff. Der hehren Erwartung nach mehr Selbstbestimmung, nach mehr Lebensqualität und Eleganz grinst hämisch eine überproportionale Befehlsherrschaft entgegen. Lähmend ist der Alltag, fiebernd wird jeder Schritt gesetzt im surrenden Termiten-Haufen, wo Giftbisse lauern und Fremdbestimmung eine lodernde Maschinerie verheizt. Der Stolz, die „Belohnung“, die ersehnte persönliche Freiheit bleiben völlig aus. Motivation und Mut-Zuspruch oder gar Anerkennung liegen Lichtjahre zurück. Der einst so interessierte Mitarbeiter fühlt sich betrogen und enttäuscht – zunächst unbewusst, dann ohnmächtig klar. Vielleicht zieht er sich jetzt zurück. Oder er will diese Entwicklung nicht glauben und stürzt sich blind in das nächste Projekt. Oder er bricht zusammen. Oder er verharrt schockiert. Irgendwann wachen sie alle auf. Dann sehen sie die Realität: Sie ist nackt und schroff, wie ein karger dunkler Fels. Dieser Ernüchterung folgt meist der mentale Absturz. Oder die Entscheidung: „Wenn ich keine Rücksicht mehr nehme, komme ich besser voran.“ Somit Ellenbogen raus und weiter.

Oder aber Verzicht. Hinschmeißen. Alles. Gehen. Raus hier. War alles umsonst?

Eines sollte klar geworden sein: „Etwas bewegen können“ gilt für die ganz große Karriereleiter nicht.

Denken wir uns nun in ein humanes Umfeld, wo jeder Einzelne mit seiner Leistung die Organisation belebt: Ein Mensch, der etwas bewegen will, wird sehr bald mit verschiedenen Aktivitäten loslegen, die er mit einem Rundum-Blick als notwendig identifiziert. Was sich dieser dynamische Mitarbeiter erhofft, ist ein breiter Handlungsspielraum, um anpacken zu können und Brachliegendes in geordnete Strukturen zu hieven. Und niemand hindert ihn daran. Sein Wille zu handeln und sein unerschütterlicher Schwung werden zuerst zugelassen, vielleicht sogar ein wenig nachsichtig belächelt, bald wohlwollend mitangesehen und zuletzt honoriert. Sein Gestaltungsdrang wird nicht eingeschränkt, und der engagierte Mitarbeiter kann stets zu Ende führen, was er beginnt. Dieser Erfolg, in kleinen Schritten, stärkt die Motivation überaus! Fröhlich schreitet er voran in Aktion und Rückblick, in einer dynamischen Spirale, die seinen Ruf in positives Licht katapultiert. Denn wer arbeitet, ist immer gern gesehen, wer etwas weiterbringt, wird gewürdigt, auch wenn das Detail der Sache kaum jemanden so recht interessiert. Jede und jeder kann seinen Stil leben, die Existenz von Vielfalt wird begrüßt und unterstützt. Denn die Leitung einer solchen Organisation glaubt an den Erfolg des Ganzen, um so mehr jeder Einzelne seinen ganz persönlichen Beitrag leistet. Gleichartigkeit wird als Einseitigkeit gesehen, Kreativität als Bereicherung. Wen wundert es, dass die Entfaltung hochmotivierter Mitarbeiter*innen hier als wertvoll gilt. Und wie tut sich diese Welt für den Zielstrebigen auf? Je mehr er...

Erscheint lt. Verlag 4.11.2024
Verlagsort Neckenmarkt
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Belletristik • Dramatik • Kim Impala • Lyrik
ISBN-10 3-7116-0038-7 / 3711600387
ISBN-13 978-3-7116-0038-7 / 9783711600387
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