Nach dem Attentat auf Cillian und der Enthüllung, dass Cylus der wahre Thronfolger ist, setzt der König alles daran, die Integrität der Royal Games zu wahren. Iris wird vor eine brutale Wahl gestellt: Entweder sie nimmt weiterhin an den lebensgefährlichen Spielen teil oder sie wird zum Tode verurteilt. Ein Sieg, und damit ein Leben an Cylus’ Seite, ist jedoch ausgeschlossen. Während Iris vor der Kamera die Fassade der toughen Teilnehmerin aufrechterhält, fällt es ihr dahinter zunehmend schwerer, ihre Gefühle für den Prinzen zu verbergen, der ihr nach dem Anschlag auf Cillian zutiefst misstraut. Doch wenn sie die Spiele nicht nur überleben, sondern auch ein für alle Mal beenden will, muss sie alles daransetzen, ihn wieder auf ihre Seite zu ziehen. Auch wenn es sie am Ende ihr eigenes Herz kostet …
Zwischen Narnia und Westeros lebt Emily Bähr im magischen Nordirland, wo sie als Grafikdesignerin den Lebensunterhalt für sich und ihre Katzen verdient. Als bekennender Nerd liebt sie Science-Fiction, Kinobesuche und Pokémon und würde bei der ersten Gelegenheit auf den Mars auswandern. Da dies allerdings unwahrscheinlich ist, flüchtet sie sich in die fantastischen Welten in ihrem Kopf, während sie im Schutz der Nacht Wikipedia nach unnützem Wissen durchforstet.
Prolog
Cylus, vier Tage nach dem Anschlag
Ich betrat das hell erleuchtete Speisezimmer und zuckte erschrocken zusammen, als ich den Tisch dort nicht mit einem Gedeck vorfand, sondern mit zweien. Ein silberner Teller wartete auf meinem Platz, während sich der König bereits gegenüber niedergelassen hatte und mich erwartungsvoll musterte.
Hinter ihm nahm das übergroße Porträt Timothy Is, dem Gründer der Royal Games, einen Teil der stuckverzierten Wand ein. Jahrhunderte lagen zwischen meinem Vater und seinem Vorfahren, und dennoch war die Familienähnlichkeit mit den dunklen Haaren und der ernsten Miene kaum zu leugnen. Ein Eindruck, den der gepflegte Vollbart, den der König trug, verstärkte.
»Ich hätte nicht damit gerechnet, dass du mir so spät Gesellschaft leistest«, sagte ich kühl mit Blick auf meine Armbanduhr – eines der wenigen Erbstücke meiner verstorbenen Mutter. »Gibt es dafür einen Grund?«
»Setz dich, Sohn«, forderte der König, seine Stimme noch einige Grad kälter. »Wir müssen reden.«
Ein Seufzen unterdrückend, kam ich der Aufforderung nach. »Und das kann nicht bis morgen warten?«
»Wie lief der Dreh?«
Kaum hatte ich mich niedergelassen, brachte der Butler die Vorspeise herein. Bis eben wäre ich über diesen Umstand noch dankbar gewesen, doch mein Hunger hatte sich beim Anblick des Königs komplett verflüchtigt. Ich nahm einen zu großen Schluck Wein, ehe ich antwortete: »Gut, denke ich.«
»Gut?«
»Was willst du hören?«
»Ich habe heute mit Marcus gesprochen. Unter anderem über die Quote. Die Produktion ist nicht zufrieden. Seit dem letzten Special ist die Zahl der Zuschauer stetig am Sinken.«
»Ich nehme an, es waren nicht alle glücklich über unseren großen Plot Twist, oder darüber, den falschen Prinzen angefeuert zu haben.«
»Es war nötig. Zu deinem Schutz, wie du weißt. Und wenn man den Stimmen auf Chatter glauben darf, liegt der abnehmende Erfolg der Royal Games nicht allein am Wechsel selbst.«
»Worauf willst du hinaus?«
»Du weißt genau, worauf ich hinauswill. Stell dich nicht so naiv an, du kennst die Umfrageergebnisse genauso wie ich.«
Ich schnaubte. »Und was soll ich dagegen tun? Ich war nie der Strahlemann. Du kannst nicht verlangen, dass ich den charmanten Märchenprinzen spiele, um Cillians Rolle zu erfüllen.«
»Ich verlange, dass du deine eigene erfüllst, Cylus«, zischte der König. »Nicht die deines Cousins. Dass du dieses Land mit Stolz vertrittst und unserem Haus alle Ehre machst. Dass du dich endlich wie ein Prinz verhältst und das Volk für dich gewinnst.«
»Sonst noch etwas?« Allmählich verlor ich die Geduld. Ich war erst seit drei Tagen in der Show, doch dieses Gespräch hatte ich in ähnlicher Form schon so oft durchgespielt. In jeder freien Minute erinnerten mich mein Onkel oder Alfie, der Produzent, daran, dass ich eine Rolle zu spielen hatte. Dass ich mir mehr Mühe geben musste. Dass angeblich die Zukunft des ganzen Königreichs davon abhing, wie ich mich in einer Fernsehserie präsentierte.
Eine Show, die mich von Tag zu Tag mehr ermüdete. Die mir die Kräfte raubte und mich wünschen ließ, es wäre einfach nur vorbei. Meinetwegen konnten sie meine Braut auch auslosen, es machte keinen Unterschied. In den Royal Games war es ohnehin nie um Liebe gegangen.
»Vielleicht habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt«, sagte der König, wobei seine Stimme eine bedrohliche Nuance bekommen hatte. »Ab morgen gibst du in der Show einhundert Prozent. Nicht fünfzig, nicht siebzig. Einhundert. Solange die Kameras auf dich gerichtet sind, wirst du lächeln und der charmanteste junge Mann sein, den dieses Land zu bieten hat. Du wirst warmherzig und romantisch sein und diesen Mädchen einem nach dem anderen den Kopf verdrehen, sodass sie gar nicht anders können, als dich heiraten zu wollen. Hast du mich verstanden?«
Die Gabel landete mit einem lauten Klirren auf dem Teller, als ich mich aufrichtete. Ich war bereits im Begriff, zur Tür hinauszustürmen, als mich die mahnende Stimme meines Vaters innehalten ließ.
»Cylus!«
Meine Hand verharrte regungslos auf der Türklinke. »Was?«
»Ist dir klar, was auf dem Spiel steht?«
»Die Ehre unseres Hauses. Unsere Herrschaft«, erwiderte ich matt. Denn das war alles, worum es ging. Worum es immer gegangen war.
»Was für dich auf dem Spiel steht …«
Ich wandte mich um, versuchte, in den dunklen Augen meines Vaters zu lesen, ob er mit mir spielte. Was sollte für mich schon auf dem Spiel stehen? Ich kannte mein Schicksal. Meine Zukunft. Es gab nichts, was der König mir noch rauben konnte.
»Iris Boness«, sagte er, und es kostete mich alles, meine Mimik unter Kontrolle zu behalten.
»Was ist mit ihr?«
»Ihr Urteil steht noch aus. Es steht die Todesstrafe im Raum, aber womöglich könnte ich Milde walten lassen, solltest du mir einen Anlass dafür geben.«
»Ich wüsste nicht, was das mit mir zu tun hat.«
»Ach nein? Halte deinen Vater nicht zum Narren. Allein dein Blick verrät mir alles, was ich wissen muss. Wie viel dir an dieser Göre liegt. Daher rate ich dir, meinem Befehl Folge zu leisten, wenn du nicht willst, dass ihr ein ähnliches Schicksal widerfährt wie deiner geliebten Mutter.«
Gänsehaut bildete sich auf meinen Armen. Ich blinzelte, und für einen Augenblick waren sie wieder da. Die Schreie. Die Hitze. Der beißende Gestank von verbranntem Fleisch in meiner Nase.
»Was, wenn Iris unschuldig ist?«, hörte ich mich fragen und erkannte mich kaum wieder.
»Hoffst du das?«
»Nein«, log ich.
»Dann kann ich dich beruhigen. Die Untersuchung zu Cillians Vergiftung wurde heute abgeschlossen.«
»Gibt es einen Bericht?«
»Er liegt bereits auf deinem Schreibtisch, wenn du dich selbst von der Wahrheit überzeugen willst.«
Übelkeit stieg in mir auf. Die Worte des Königs raubten mir schier den Verstand. Es war Iris gewesen. Von Anfang an. Sie hatte es auf mein Leben abgesehen. Und ich hatte ihr vermutlich noch in die Hände gespielt, weil ich wirklich so töricht gewesen war, zu denken, sie wäre anders.
Der Schmerz in meiner Brust war kaum zu ertragen. Ein kaltes Brennen, als hätte Iris einen Speer aus Eis mitten durch sie hindurch gejagt. Verrat.
Ich wünschte, es wäre mir egal. Egal, was sie mir angetan hatte. Egal, was sie mich hatte fühlen lassen. Egal, was mit ihr passierte. Aber das wäre gelogen. Selbst jetzt, trotz der Enttäuschung und des Schmerzes konnte ich den Gedanken nicht ertragen, sie zu verlieren. Weil mein naives Herz sich weigerte, zu akzeptieren, dass Iris eine Mörderin war. Etwas, das mein Vater nur zu genau wusste.
»Cylus?«, fragte der König, nachdem ich eine Weile geschwiegen hatte.
Unwillkürlich versteifte ich mich. Ich hob das Kinn und verstärkte den Griff um die Türklinke. Meine Mundwinkel wanderten nach oben, bis sie meine Zähne entblößten. Alles an diesem Lächeln fühlte sich falsch an.
»Ich werde dich nicht enttäuschen, Vater.«
»Das hoffe ich.«
Mein Körper setzte sich von allein in Bewegung. Die Tür krachte ins Schloss, ihr Echo hallte durch den ganzen Palast. Und ich brannte. Jede Zelle meines Körpers schien vor Wut in Flammen zu stehen. Genauso wie die Wände, der Boden, die Decke.
An solchen Tagen, wenn der Schmerz in meiner Brust besonders unerträglich wurde, meinte ich ihn wieder schmecken zu können. Den Rauch auf der Zunge. Ich meinte zu spüren, wie das Feuer über meine Haut leckte, mein Fleisch zerfraß, während ihre Schreie in meinen Ohren wüteten und jedes andere Geräusch übertönten. Ich war wieder da, in Mums Atelier, steckte fest in der Erinnerung, die mein Leben bestimmte, und erst das eiskalte Wasser der Dusche schaffte es allmählich, mich zurückzuholen.
Keine Ahnung, wie ich es in meine Suite geschafft hatte. Keine Ahnung, wie ich die Brause aufgedreht hatte. Aber ich war hier. Im Jetzt, wo die Kälte des Wassers die Hitze der Flammen allmählich erstickte. Ich lehnte die Stirn gegen die Fliesen aus schwarzem Marmor und versuchte, meinen unregelmäßigen Atem unter Kontrolle zu bringen, während ich die Bilder zurück ins Unterbewusstsein drängte.
Mühevoll konzentrierte ich mich auf meine zitternden Hände, die nassen Ärmel meines Hemds und die Uhr an meinem Handgelenk, die mir mit ihrem steten Ticken versicherte, dass ich noch am Leben war.
Wie ich es hasste, wenn das passierte. Wenn ein einziges Gespräch mich völlig die Kontrolle verlieren ließ und mich in einen unbezwingbaren Strudel aus Erinnerungen riss. Ich hasste es, dass mein Vater diese Macht über mich besaß. Und dass ich mich nicht dagegen wehren konnte.
Ich hasste es, dass er mir so eine Scheißangst einjagte.
Allmählich beruhigte sich mein Puls. Ich streifte die nassen Kleider ab und drehte die Temperatur der Brause auf lauwarm, doch obwohl ich mich nach und nach entspannte, wollte das Unwohlsein nicht weichen.
Die heutigen Dreharbeiten saßen mir zu tief in den Knochen. Die Schuldgefühle schienen mich zu ersticken. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mir Mühe zu geben, doch kaum war ich mit den übrigen sechs Kandidatinnen beim Gruppendate gewesen, hatte Resignation die Kontrolle an sich gerissen. Mein ganzes Leben war ich darauf vorbereitet worden, vor der Kamera den verdammten Traumprinzen zu spielen, und jetzt, wo ich es musste, wünschte ich mir mehr denn je,...
| Erscheint lt. Verlag | 11.6.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Chosen-Reihe |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | betrayal • Competition • eBooks • enemies to lovers • Fantasy • hidden identity • high fantasy neuerscheinungen 2023 • Love Triangle • Magie • New Adult • Romantasy • romantasy bestseller 2022 • romantasy neuerscheinungen • Royals • Serien • urban fantasy neuerscheinungen 2022 |
| ISBN-10 | 3-641-32184-0 / 3641321840 |
| ISBN-13 | 978-3-641-32184-0 / 9783641321840 |
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