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Elevator (eBook)

Sie weiß alles über dich. Und du kannst nicht entkommen. - Thriller

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
481 Seiten
Goldmann Verlag
978-3-641-32319-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Elevator - Claire Cooper
Systemvoraussetzungen
9,99 inkl. MwSt
(CHF 9,75)
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Als Cerys auf dem Weg zu einem wichtigen Meeting den Aufzug im Bürokomplex betritt, nimmt sie die Frau neben ihr zunächst kaum wahr. Doch kurz nachdem der Lift angefahren ist, gibt es einen plötzlichen Ruck. Der Aufzug hält, die Lichter gehen aus. Beide versuchen, Hilfe zu rufen, aber der Notruf funktioniert nicht, und die Handys haben keinen Empfang. Um nicht durchzudrehen, beginnen die beiden Frauen, sich zu unterhalten und entdecken viele Gemeinsamkeiten. Schließlich vertraut Cerys ihrer vertrauenserweckenden Mitgefangenen ihre dunkelsten Geheimnisse an. Bestimmt werden sie sich nie wiedersehen. Aber Cerys irrt sich: Die andere Frau ist keine Fremde …

Claire Cooper wuchs in einem kleinen Dorf in Südwales auf, bevor sie in London Alte Geschichte und Ägyptologie studierte. Nach einer Zeit als Entwicklungshelferin in Nepal kehrte sie nach London zurück, wo sie als Beamtin in verschiedenen Regierungsabteilungen arbeitete. Mittlerweile verfasst sie keine Ministerreden mehr, sondern konzentriert sich ganz aufs Schreiben von höchstspannenden Thrillern und lebt mit ihrem Mann im walisischen Küstenstädtchen Pembrokeshire.

ZWEI


London


Maeve, vor siebzehn Jahren


Maeve war durstig. Nicht weiter verwunderlich, schließlich saß sie schon geschlagene zwei Stunden und achtzehn Minuten auf dieser Bank und hatte seit dem Pub-Lunch mit Alistair nichts mehr getrunken. Ein Glas Orangensaft und einen Kaffee, mehr hatte sie nicht gehabt. Sie hatte mit gutem Beispiel vorangehen wollen. Alistair hatte trotzdem zwei Pints getrunken, obwohl er ursprünglich gesagt hatte: »Nur das eine« – wie ein Kind, das um einen Schokoladenkeks bettelt. Aber es war ihm gutgegangen, als sie sich verabschiedeten. Und ihr auch. Es wäre ihr immer noch gutgegangen ohne diese blöde Frau im Laden.

Maeve stand auf und streckte ihre Beine, ging ein paar Schritte nach links, dann wieder zurück. Sie durfte nicht riskieren, die Tür aus den Augen zu lassen. Zwei Leute waren vorhin dort herausgekommen, die an ihrer Kleidung als Angestellte zu erkennen waren – der Beweis, dass sie den Personaleingang richtig identifiziert hatte. Sie standen eine Weile herum und rauchten, ehe sie wieder hineingingen. Noch hatte es keinen Schichtwechsel gegeben, aber das war ihr egal. Sie konnte warten.

Sie drehte den dünnen Papierfetzen zwischen den Fingern und ließ zu, dass die Wut wieder in ihr aufloderte. Oben war das Wort »Gutschein« aufgedruckt. Es ging ihr nicht ums Geld, es ging ihr ums Prinzip, um die schiere Ungerechtigkeit der ganzen Sache. Sie hatte dieses Top nie getragen. Sie hatte keine Zeit gehabt, es anzuprobieren, als sie es gekauft hatte, und hatte ihren Einkaufsbummel abgebrochen, um den Zug zurück nach Bristol nicht zu verpassen. Aber als sie es dann zu Hause anzog, merkte sie sofort, dass es ihr überhaupt nicht passte. Die Ärmel zu kurz, um die Brust zu eng. Und die Farbe stand ihr auch nicht – sie ließ ihre ohnehin schon blasse Haut anämisch aussehen und verwandelte das Honigblond ihrer Haare in Strohblond. Sie hatte es gleich wieder ausgezogen und in die Tüte gestopft, mitsamt der Quittung, um es bei ihrem nächsten Besuch in London zurückzugeben.

Sie merkte, dass sie mit den Zähnen knirschte, und zwang sich, ihren Kiefer zu entspannen. Von dem Augenblick an, als sie die Frau im Laden erblickte, hatte sie gewusst, dass sie Ärger machen würde.

»Die Nächste«, hatte sie gerufen – kein »Bitte«, kein Lächeln. Sie hatte schwarz gefärbte Haare, zu einem strengen Pferdeschwanz gebunden, und harte Falten um den Mund, dabei war sie bestimmt nicht älter als fünfundzwanzig.

Maeve legte die Tüte auf den Tresen und erklärte, dass sie den Einkaufspreis erstattet haben wollte. Sie war höflich, sagte »bitte«, weil sie schließlich gut erzogen war – und das, obwohl sie die Kundin war und die Kundin doch immer recht hatte.

Die Frau befingerte das Top. »Das ist getragen«, sagte sie.

»Ich habe es anprobiert und gleich wieder ausgezogen. Wie ich Ihnen bereits sagte, es passt mir nicht.«

Die Frau deutete mit einem Acrylfingernagel auf den Halsausschnitt. »Das Sicherungsetikett fehlt.«

»Ach wirklich?« Maeve schaute auf die Stelle, auf die der Finger zeigte. »Dann muss Ihre Kollegin es abgenommen haben, als ich es gekauft habe.«

»Das machen wir nicht. Sie brauchen das Etikett für eine Rückerstattung.«

Maeve atmete tief durch und versuchte die aufsteigende Verärgerung zu ignorieren. »Aber ich habe den Kassenzettel. Da stehen alle Angaben drauf.«

»Darum geht es nicht. Ohne das Sicherungsetikett kann ich einen Artikel nicht zurücknehmen. Sonst könnten Sie das Top einfach tragen und es dann zurückbringen und sich das Geld erstatten lassen.« Die Frau legte den Kopf schief und fixierte Maeve mit zusammengekniffenen Augen. »Nicht wahr?«

Maeve spürte, wie ihr Nacken unter den Blicken der anderen Kundinnen warm wurde. »Nein«, sagte sie und straffte sich. »Das könnte ich nicht, weil ich weder eine Lügnerin noch eine Betrügerin bin.« Hinter sich hörte sie das Publikum amüsiert glucksen. »Und im Übrigen hat mir das Teil nicht gepasst, wie ich Ihnen bereits sagte. Also, bekomme ich jetzt mein Geld zurück, oder möchten Sie die Abteilungsleiterin holen?«

Doch inzwischen war schon eine ältere Frau hinter dem Tresen aufgetaucht, die das Top übertrieben sorgfältig inspizierte. Maeve nahm halb bewusst wahr, dass sie mit ihr redete, doch sie wandte den Blick nicht von der Frau mit den Acrylnägeln. »Geschäftsgrundsätze«, sagte die Frau. »… unter den Umständen … der Zustand der Ware …« Miss Acryl starrte zurück, die Oberlippe gekräuselt, als ob Maeve in etwas Unappetitliches getreten wäre. »… aber in diesem Fall« – die Tonlage der Abteilungsleiterin suggerierte, dass sie zum krönenden Abschluss ihrer Überlegungen gelangt war, »… bin ich gerne bereit, Ihnen auf Kulanzbasis einen Gutschein auszustellen.«

Da lag ein Zettel auf dem Tresen. Maeve konnte ihn aus dem Augenwinkel heraus sehen, wie eine weiße Fahne, die ihr entgegengereckt wurde. Sie schob die Hand darüber, den Blick immer noch auf Miss Acryl geheftet, um sich das Gesicht so einzuprägen, dass sie es auch ganz bestimmt wiedererkennen würde. Dann sah sie die Abteilungsleiterin an und lächelte. »Vielen Dank für Ihre Hilfsbereitschaft«, sagte sie.

Jetzt ging ihr Blick zur Uhr. Kurz nach halb fünf. Der Laden schloss erst um sieben. Würde es vorher noch einen Schichtwechsel geben? Aber selbst wenn, hieß das noch nicht, dass Miss Acryl dann Schluss machte. Sie könnte auch bis Ladenschluss bleiben oder noch länger. Vielleicht musste sie noch die Umkleidekabinen aufräumen oder die Kleiderständer auffüllen.

Du könntest es einfach auf sich beruhen lassen, sagte eine Stimme in ihrem Kopf. Aber sie wusste, wem diese Stimme gehörte, und sie hatte nicht vor, auf sie zu hören. Die Dinge auf sich beruhen zu lassen, brachte nichts als Ärger. Ihre Mutter hatte diese Lektion mühsam lernen müssen, und Maeve war entschlossen, ihre Fehler nicht zu wiederholen. Sie drehte den Kopf hin und her, um ihre Nackenmuskeln zu lockern, und nahm wieder auf der Bank Platz.

Es war 16.47 Uhr, als die Tür wieder aufging. Als Erste kamen zwei Frauen heraus, beide mit identischen Glatthaarfrisuren, jede über ihr Smartphone gebeugt. Maeve rutschte ein Stück vor und schlang sich den Riemen ihrer Tasche über die Schulter, um sofort aufspringen zu können.

Und dann sah sie sie.

Miss Acryl trug eine kurze rote Jacke über einer Bootcut-Jeans, die Haare immer noch zu diesem fiesen Pferdeschwanz gebändigt. Sie war allein und schritt zügig aus, als ob sie es eilig hätte. Maeve sah zu, wie sie bis zur Ecke ging und sich dann nach rechts wandte, zur Haupteinkaufsstraße. Sie stand auf und folgte ihr.

Die Gehsteige waren immer noch voller Menschen, die ihre Samstagseinkäufe erledigten, doch Maeve blieb gelassen. Die rote Jacke und die gefärbten Haare waren leicht im Auge zu behalten, während sie sich zwischen Grüppchen von Teenagern, jungen Familien und Frauen, die sich zum Shoppen und Kaffeetrinken trafen, hindurchschlängelte. War Miss Acryl auf dem Weg nach Hause? Vielleicht, um zu duschen und sich umzuziehen, weil sie heute Abend noch ausgehen wollte? Vielleicht legte sie sich schon die Geschichte zurecht, die sie ihren Freundinnen erzählen würde, über die arrogante Schnepfe, die sie heute Nachmittag vor allen Leuten gedemütigt hatte. Vielleicht dachte sie, dass sie beeindruckt sein würden.

Das Gedränge wurde dichter, als sie sich dem U-Bahn-Eingang näherten. Maeve erhaschte einen Blick auf die Jacke und strebte darauf zu. An ihrer Position erkannte sie, dass Miss Acryl die Treppe nehmen würde. Eine längere Fahrt also. Höchstwahrscheinlich nach Hause.

Sie schlängelte sich geschickt durch die Menge, froh um ihre jahrelange Erfahrung mit den Londoner Verhältnissen – ihre Fähigkeit, die Lücken zu erspähen, die gerade groß genug waren, um hindurchschlüpfen zu können, ohne dass sich jemand beschwerte. Sie wollte auf keinen Fall riskieren, ihr Opfer aus den Augen zu verlieren.

Was willst du sagen, wenn du sie eingeholt hast?, fragte die Stimme in ihrem Kopf. Was genau willst du damit erreichen?

Ich werde sie in Verlegenheit bringen, entgegnete sie stumm. Ich werde ihr klarmachen, wie unverschämt und unmöglich ihr Verhalten ist, und dass sie so nicht mit den Leuten reden kann. Ich werde sie zwingen, sich bei mir zu entschuldigen, und das vor lauter wildfremden Leuten.

Sie hatte die Schalterhalle erreicht, und da war Miss Acryl, an den Sperren zur Central Line. Maeve steckte ihre Travelcard in das Lesegerät und schlüpfte durch die Schranke. Miss Acryl war schon auf der Rolltreppe und stieg auf der linken Seite die Stufen hinunter. Maeve umkurvte ein trödelndes älteres Paar und folgte ihr mit ein paar Schritten Abstand. Sie würde warten, bis sie den Bahnsteig erreicht hatte, ehe sie sie zur Rede stellte. Bis sie mit einem aufmerksamen Publikum rechnen konnte.

Sie hatten jetzt das Ende der Rolltreppe erreicht, und Miss Acryl wandte sich nach links, zum Bahnsteig Richtung Osten. Maeve erhaschte einen Blick auf ihr Gesicht, als sie um die Ecke bog, ein permanentes spöttisches Lächeln auf den dünnen Lippen. So hatte sie Maeve angeschaut, als sie sie beschuldigt hatte, nicht die Wahrheit über das Top zu sagen.

Als ob ich etwas wäre, das an ihrer Schuhsohle klebt, dachte Maeve und ballte unwillkürlich die Fäuste.

Sie würde von hinten an sie herantreten, sodass sie keine Zeit hätte, sich vorzubereiten. Ihr auf die Schulter tippen. Und ihr dann gnadenlos die Meinung geigen, dort,...

Erscheint lt. Verlag 1.8.2025
Übersetzer Andreas Jäger
Sprache deutsch
Original-Titel The Elevator
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte eBooks • New York • Psychothriller • Thriller
ISBN-10 3-641-32319-3 / 3641323193
ISBN-13 978-3-641-32319-6 / 9783641323196
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