Die junge Prinzessin Elara lebt in einer Welt, die von den Sternen, so mächtigen wie erbarmungslosen Göttern regiert wird – und diese Götter haben sie verflucht. Eine uralte Prophezeiung besagt, dass Elara sich eines Tages in einen Stern verlieben wird, und dass diese Liebe sie beide das Leben kosten wird. Der Gott des Krieges und des Zorns steigt daraufhin vom Himmel herab und vernichtet Elaras Zuhause, das Königreich der Nacht. Sie kann entkommen – und findet überraschend Zuflucht im verfeindeten Königreich des Lichts. Der Preis für ihr Leben: Prinz Lorenzo soll aus Elara, die sich ihrer Magie kaum bewusst ist, eine Waffe machen, die die brutalen Götter zu Fall bringen kann. Doch im Königreich des Lichts gibt es auch Schatten, und einer davon verbirgt Lorenzos dunkelstes Geheimnis …
Imani Erriu verbrachte ihre Kindheit in den Wäldern um den Lake District und entdeckte dort ihre Leidenschaft für fantastische Geschichten. Sie studierte Kreatives Schreiben und Englische Literatur an der Manchester Metropolitan University, ehe sie mit »Heavenly Bodies« ihren ersten Roman veröffentlichte. Wenn sie sich nicht gerade den nächsten Plottwist ausdenkt oder sich in ihre Figuren verliebt, sitzt sie am liebsten auf dem Sofa, isst Pasta und schaut »The Office«.
1
Elara Bellereve wandelte schon durch Träume, solange sie denken konnte. Manche waren Albträume, so schwarz wie der Styx und ebenso zerklüftet und scharfkantig; andere waren bunt und voller fluffiger Wolken, die typischen Tagträume der Unschuldigen eben. Und dann waren da noch die braunen, schlichten Träume des Alltags sowie die weihrauchgeschwängerten prophetischen Träume, welche die Seher von Celestia ereilten.
Sie war in der Traumlandschaft eines Bewohners von Helios gelandet. So viel stand fest. Und doch, als sie die roten Sanddünen seiner Träume erkundete, kam ihr etwas daran vertraut vor. War sie schon einmal hier gewesen? Die Farben waren lebendig und leuchtend, die Luft trocken und heiß, so anders als in den kühlen und dunklen Träumen, wie sie sie von sich selbst kannte. Ihr Blick fiel auf eine männliche Gestalt, die ihr den Rücken zukehrte; kraftvoll und geschmeidig schwang er sein goldenes Schwert und kämpfte gegen einen unsichtbaren Feind. Doch als sie sich näher heranschlich, erkannte sie, dass er von Schatten umzingelt war, die auf ihn losgingen. Schwer keuchend schrie der Mann um Hilfe, während sie ihm nach und nach die Luft zum Atmen raubten.
Mit einem Ruck fuhr sie aus dem Schlaf hoch. Ganz allmählich sickerte ihre Umgebung in die Überreste ihres Traums. Ihr panisches Blinzeln produzierte nichts als Dunkelheit. Ein kratziger Stoff streifte ihre Wange, dem Gefühl nach Sackleinen.
Sie war im Viertel der Träumenden übers Kopfsteinpflaster gerannt, das Gewand blutdurchtränkt, und dann …
Fieberhaft durchforstete sie ihr Gehirn. Da war der Duft von Klatschmohn gewesen, der ihr in die Nase gestiegen war, Arme, die sie um die Hüften packten, und anschließend … nichts mehr.
Sie schluckte und hob ihre mit einem Seil gefesselten Hände hoch, um sich den Sack vom Kopf zu ziehen. Doch etwas hinderte sie mit einem schmerzhaften Ruck daran. Sie stieß einen zischenden Laut aus, ließ die Hände wieder sinken und mühte sich in eine halbwegs aufrecht sitzende Position. Jetzt merkte sie, dass sie in Bewegung war; das Klapperdiklapp von Hufen und die harten hölzernen Latten, die sich ihr in den Rücken bohrten, brachten sie zu der Annahme, dass sie sich auf einer Art Fuhrwerk befand. »Falls es Geld ist, das Ihr wollt, kann ich Euch welches geben«, rief sie lautstark und blinzelte gegen das verschwommene Grau vor ihren Augen an.
Ein schwaches Lachen war zu hören, und eine männliche Stimme mit leicht melodischem Akzent antwortete: »Davon haben wir mehr als genug.«
»Was wollt Ihr dann?«, fragte Elara mit erzwungen fester Stimme. »Habt Ihr ein Bündnis mit dem Stern?«
Schweigen.
Enttäuscht ließ sie sich zurücksacken. Die letzten Erinnerungsfetzen an die Zeit vor der Dunkelheit schwirrten am Rand ihres Bewusstseins umher, außer Reichweite.
In einem Moment hatte sie noch auf ihrem Geburtstagsball mit Lukas getanzt, und im nächsten …
Rotes Sternenlicht, Blut – jede Menge Blut, das über Marmor geflossen war, gefolgt von einem Schrei, der sie zur Flucht gemahnte.
Ihre Atemzüge gingen immer schneller, und sie zwang sich, die sich anbahnende Panik durch kräftiges Schlucken zurückzudrängen, einmal, zweimal, während sie gleichzeitig die Augen fest zukniff.
Zurück in die Kiste, los, ab in die Kiste mit euch.
Sie wiederholte diese Worte mantraartig, bis sie ihre Gefühle wieder tief in ihr Inneres verbannt hatte und sich äußerlich gelassen gab.
Sie machte eine kurze Bestandsaufnahme ihrer aktuellen Lage. Wie es aussah, hatte man sie entführt. Entführt, verdammt! Aquaria, der Unglücksstern, hatte sich hinter ihrem Rücken gewiss ins Fäustchen gelacht.
Elara blinzelte und zwang sich, in der Gegenwart zu bleiben, ihr unmittelbares Umfeld mit allen Sinnen zu erfassen. Die Erinnerungen an die letzten Stunden machten lautstark auf sich aufmerksam, verlangten danach, freigelassen zu werden. Elara aber biss fest die Zähne aufeinander und schenkte ihnen keine weitere Beachtung. Sie konnte sich momentan nicht mit ihnen aufhalten, durfte nicht an zu Hause denken – andernfalls würde es ihr komplett den Boden unter den Füßen wegziehen.
Denk nach!
Wie konnte sie diesen Leuten entkommen? Sie prüfte die Quelle ihrer Magie. Zum Glück war sie wach, regte sich in den Tiefen ihrer Eingeweide, bereit, sich in ihren Dreien zu entladen.
Sie bemühte sich gar nicht erst, jene Schatten zu beschwören, die von Geburt an zu ihr gehörten. Sie waren in den letzten achtzehn Jahren nicht erschienen, warum sollte es also ausgerechnet jetzt klappen?
Und ihr Talent zum Traumwandeln war in dem Fall wenig hilfreich, sodass ihr nur noch eine letzte Gabe übrig blieb. Und die konnte sie zumindest einsetzen.
»Wohin bringt Ihr mich?«, verlangte Elara in bemüht forschem Tonfall zu wissen. Sie blickte nach unten – durch einen schmalen Spalt am unteren Saum des Sacks, den man ihr über den Kopf gestülpt hatte, war ein Streifen Licht zu sehen. Unauffällig verlagerte sie ihre Sitzposition und vergrößerte den Spalt ein klein wenig. Jetzt sah sie ihre eigenen Füße und zu ihrer Rechten ein schweres Stiefelpaar, das in asterianisches Licht getaucht war.
»Das werdet Ihr noch früh genug erfahren.«
Sie hielt den Blick fest auf das sanfte violette Licht gerichtet – der einzige Hinweis darauf, dass sie immer noch in Asteria waren. Gleichzeitig versuchte sie fieberhaft, sich einen Plan zurechtzulegen. Sie musste sich nur gedulden, bis der Wagen anhielt, was früher oder später passieren würde. Und wenn diese Banditen, wer immer sie sein mochten, sie dann wegschleiften, würde sie sich losreißen und zurück in die Freiheit fliehen. Es war machbar. Sie musste es wenigstens versuchen. Der Wagen rumpelte vorwärts, während Elara den perfekten Zeitpunkt abwartete und ihren Fluchtplan gedanklich noch einmal durchging. Sie entspannte ihre Glieder und täuschte vor zu schlafen.
Es mussten Stunden vergangen sein, das Licht begann bereits eine indigoblaue Färbung anzunehmen, als eine Stimme die Stille durchbrach.
»Ich komme um vor Hunger.«
Beim Klang dieser Stimme, auch diese mit leicht melodischem Akzent, aber von einem anderen Kerl, versteifte Elara sich.
Die erste Stimme, die sie vor Stunden schon einmal gehört hatte, antwortete in gedämpftem Tonfall: »Du kannst essen, sobald wir die Grenze überquert haben. Wenn du dir so viele Gedanken über die Befehle des Königs machen würdest wie darüber, was du dir zwischen die Kiemen schieben könntest, wärst du im Rang längst aufgestiegen. Dass du nicht zur Königsgarde gehörst, hast du dir selbst zuzuschreiben.« Die Antwort war ein unverständliches Grummeln.
Elara verfolgte den Wortwechsel mit und überlegte. König? Grenze?
Unbehagen kroch ihre Wirbelsäule empor. Man brachte sie nach Helios.
Die Erkenntnis, dass man sie in feindliches Territorium verfrachtete, verlangte Elara all ihre Selbstbeherrschung ab. Am liebsten würde sie auf der Stelle Reißaus nehmen. Noch dazu waren es nicht irgendwelche asterianischen Halunken, sondern Helianer. Allem Anschein nach Soldaten.
Mitglieder jener Streitmacht, die ihr Königreich über viele Jahre mit Überfällen und Blockaden terrorisiert hatte. Und den Rest der Welt angestachelt hatte, sich nicht mit ihrem Volk einzulassen. All das hatten sie dem Mann zu verdanken, der an der Spitze der Befehlskette stand, derjenige, der den Krieg gegen die Dunkelheit und gegen ihren Vater angezettelt hatte, und das vor mittlerweile zwei Jahrzehnten. König Idris D’Oro.
»Wisst Ihr, für einen aus der Königsgarde seid Ihr nicht gerade geschickt im Bespitzeln«, sagte sie. »Solltet Ihr nicht … ich weiß nicht … Euren König bewachen?«
Ein dumpfer Schlag war zu hören, bevor der Erste, der Anführer, wie sie annahm, antwortete: »Was bringt Euch auf den Gedanken, wir wären von der Königsgarde?«
»Nun, Ihr greift nicht auf Eure inneren Stimmen zurück, wenn Ihr Euch unterhaltet«, gab sie forsch zurück.
Unterdrückte Flüche waren zu vernehmen, deutlich genug, dass Elara fünf bis sechs weitere Kerle zählte, die mit auf dem Wagen saßen, bevor der Anführer barsch sagte: »Schluss mit den Fragen.«
»Ihr könntet uns allen den Umstand ersparen und mich einfach jetzt und auf der Stelle erledigen«, sagte sie. Es würde für sie den Tod bedeuten oder ein weitaus übleres Schicksal, wenn sie auch nur einen Fuß in den Palast des Lichts setzte. Wenn sich also knapp vor der Grenze noch eine Gelegenheit zur Flucht ergab, würde sie sie nutzen, so viel stand fest.
»Wir werden Euch nichts tun«, kam die mürrische Antwort.
Noch einmal zerrte Elara möglichst unauffällig an ihren Fesseln. Dabei spürte sie, wie sich ihr Dolch gegen ihren Oberschenkel drückte. Im ersten Moment durchspülte sie eine Woge der Erleichterung. Die Soldaten hatten ihn also übersehen. Doch im nächsten Moment stieß sie innerlich eine Salve von Flüchen aus, als ihr bewusst wurde, dass er für ihre gefesselten Hände unerreichbar war.
Endlich kam das Fuhrwerk knirschend zum Halt. Es folgte ein harter Schlag zu ihrer Linken.
»Was wollt Ihr?«, ertönte eine herrische Stimme mit dem schweren Akzent der asterianischen Grenzlande.
Elara holte tief Luft und machte sich bereit, aus Leibeskräften um Hilfe zu schreien, doch eine Hand presste sich fest auf ihre Lippen, sodass das grobe Sackleinen ihren Mund ausfüllte. Sie hustete dagegen an, aber die Hand ließ nicht locker, und als sie sich gegen den harten Griff wehrte, legte...
| Erscheint lt. Verlag | 16.7.2025 |
|---|---|
| Übersetzer | Bettina Spangler |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Heavenly Bodies Book 1 |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | eBooks • enemies to lovers • Fantasy • Götter • he falls first • Romantasy • Romantasy deutsch • romantasy neuerscheinungen • Romantische Fantasy • SPICE • Sternzeichen • Zweiteiler |
| ISBN-10 | 3-641-32796-2 / 3641327962 |
| ISBN-13 | 978-3-641-32796-5 / 9783641327965 |
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