Marie Schönbeck hat sich in das Nordfriesische Wattenmeer verliebt. Für sie sind die Küsten und Inseln Sehnsuchtsorte. Oft fährt sie mit ihrem Mann und ihren Hunden an die Nordsee, um lange Spaziergänge am Strand zu machen und die wildromantische Natur zu genießen. Nach dem Erfolg ihrer Schokoladen-Saga und ihrer Reihe um die malerische Inselpension »Lüttes Glück« legt sie nun mit der Geschichte um die Bonbon-Manufaktur »Dat Bontjehuus« die dritte große Nordsee-Saga vor.
Prolog
»Könntest du bitte nicht so rasen, Fabi«, ermahnte Annika ihren Mann auf der Rückfahrt von Eutin. Sie würden erst nach Mitternacht in Deichbüll sein, recht spät, wenn man bedachte, dass sie morgen früh arbeiten mussten. Hatte er es deshalb so eilig?
»Es hat doch aufgehört zu regnen«, sagte Fabian und trommelte gut gelaunt den Takt einer alten Fußball-WM-Hymne mit, die im Radio lief.
»Die Fahrbahn ist noch nass«, wandte sie besorgt ein. So spät waren nur eine Handvoll Autos auf der A7 unterwegs, dennoch ...
»Ich werde dich sicher zurück nach Hause bringen.« Aufmunternd drückte er ihren Oberschenkel. »Du bist doch das Wertvollste in meinem Leben.«
Verliebt lächelte sie ihn an, führte aber seine Hand wieder ans Lenkrad. Kurz erhellten die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Fahrzeugs sein Gesicht. Wie attraktiv er selbst mit feuchten, am Kopf klebenden Haaren und Augenringen war!
»Das wurde ja noch richtig lustig.« Fabians Stimme klang wie Schmirgelpapier vom vielen Reden und Mitgrölen der Lieder, die auf dem inoffiziellen Teil der Tauffeier für Partystimmung gesorgt hatten.
»Feuchtfröhlich.« Annika verdrehte die Augen und lachte.
Als sie aufgebrochen waren, hatte sie sich Sorgen gemacht, Fabian könnte zu viel getrunken haben, um noch fahren zu können. Er hatte ihr versichert, dass er nur ein einziges Flens zum Anstoßen gehabt hatte, vor Stunden. Sie glaubte ihm, er würde sie niemals belügen.
Der Regen hatte das Fest beendet. Hätte das Wetter gehalten, würden Krischan und seine Freunde vermutlich jetzt noch die Taufe seines ersten Kindes feiern.
Silke war mit der kleinen Marje früh nach Hause gegangen, aber Krischan, Fabians Cousin, war nicht zu bremsen gewesen. Er musste sein Familienglück mit der ganzen Welt teilen und lud jeden Wanderer und jeden Gassigänger zu Flens und Würstchen ein.
»Ich dachte, es gibt nur Kuchen bei Silke und Krischan zu Hause«, sagte Annika. »Mit einem anschließenden Grillfest am See hatte ich nicht gerechnet.«
»Hatte ich das nicht erwähnt?«, fragte Fabian beiläufig.
Mit großen Augen sah Annika ihn an. »Nein.«
Er zuckte mit den Schultern. »Ich wusste es auch erst seit Kurzem. Krischan hat es bei unserem letzten Telefonat erwähnt.«
Annika schnalzte mit der Zunge. »Jedes Mal, wenn du mit irgendwem sprichst, frage ich dich, ob es etwas Neues gibt, und du antwortest Nein. Später stellt sich dann heraus, dass du alle Neuigkeiten, die ich dir erzählen will, schon kennst.«
»Ich habe das nicht für wichtig gehalten«, erklärte er.
»In der Hinsicht wirst du dich nie ändern.«
Damit musste sie wohl leben. Dennoch boxte sie zur Strafe gegen seinen Arm. Fabian verzog das Lenkrad leicht, war wohl müder, als er aussah, aber er bekam den Wagen schnell wieder unter Kontrolle.
»Tut mir leid«, sagte Annika schuldbewusst.
»Mir tut es leid, also, dass ich vieles für mich behalte.« Er setzte einen Dackelblick auf. »Liebst du mich trotzdem?«
»Mehr als alles andere«, antwortete sie, ohne zu zögern.
Fabian grinste. »Ich bin ein Glückspilz!«
»Ich auch, weil du von allen Frauen auf der Welt mich geheiratet hast.« Sanft strich sie über seinen Hals.
Sein Blick wurde verträumt. »Sah Marje nicht total niedlich in ihrem Taufkleid aus?«
»Wie eine kleine Prinzessin«, pflichtete Annika ihm bei. Mit einer rosa Schleife und einer gleichfarbigen Rose an der Hüfte hatte sie die Blicke auf sich gezogen, drei Röschen hatten die Baumwollmütze geziert.
»Man könnte glatt neidisch werden.«
»Auf das Kleid?«, zog Annika ihn auf.
»Witzig. Wusstest du eigentlich ...«, begann Fabian und klang nachdenklich. »Ich wollte immer mit dreißig verheiratet sein.«
»Hinter den Punkt kannst du ein Häkchen machen«, erwiderte sie grinsend.
»Und Vater«, fügte er hinzu und warf ihr einen langen Blick zu.
»Guck auf die Fahrbahn«, bat Annika ihn. »Wir sind beide 29 Jahre alt. Das könnten wir noch schaffen, wenn wir uns ranhalten.« Fabian wollte ihre Ehe auf ein neues Level heben. Sie wurde plötzlich nervös, auf eine durchaus positive Art und Weise.
»Wir müssten sehr aktiv an unserem Kinderwunsch arbeiten.« Er schmunzelte.
»Ich bin bereit, dieses Opfer zu bringen.«
»Opfer?«, zischte er. »Ziehst du mich nur auf? Jetzt mal ernsthaft. Wir hatten vor der Hochzeit über Kinder gesprochen, waren uns einig, dass wir eine eigene Fußballmannschaft wollen. Findest du nicht, wir sollten das Thema Nachwuchs jetzt anpacken? Ich will keinen Druck machen, aber wenn es nach mir geht ...« Er drehte die Autoheizung, die er zum Trocknen ihrer Haare angeschaltet hatte, herunter und öffnete das Seitenfenster einen Spalt weit.
»Du vielleicht nicht. Ich werde jeden Monat von meiner Mutter gefragt, ob ich schwanger bin. Dann fühle ich mich gleich dick.« Annikas Worte gingen fast in den lauten Fahrgeräuschen, die von außen hereindrangen, unter.
»Du bist schlank wie eh und je«, beruhigte Fabian sie.
Annika lächelte dankbar, er wusste eben, was eine Frau hören wollte. »Es spricht nur die Hoffnung aus ihr, das weiß ich ja. Sie kann es kaum erwarten, Oma zu werden.«
»Fühl dich auch von mir nicht dazu gedrängt. Ich dachte nur ... wir könnten ... also, ich würde wollen ...«, stotterte er. »Worauf noch länger warten?«
Annika fand seine Unsicherheit süß. »Ich bin ganz deiner Meinung. Ich will auch eine Familie mit dir gründen. Gleich morgen werde ich die Pille absetzen.«
»Oh, Mann, ich werde Vater werden wie Krischan«, rief er aus und jauchzte.
»Ich freue mich darauf, einen kleinen Fabian auf dem Arm zu halten.«
»Oder eine kleine Annika in einem Taufkleid.«
»Ich liebe dich bis zum Mond und zurück«, sagte sie aus ganzem Herzen, neigte sich zu ihm und spitzte die Lippen.
»Ich liebe dich mehr«, erwiderte Fabian und küsste sie zärtlich. Sein Kuss wurde leidenschaftlicher. Er presste den Mund auf ihren, voller Verlangen, als wollte er gleich hier und jetzt an ihrem Kinderwunsch arbeiten.
Annika fühlte sich so begehrt wie nie zuvor. Er wollte, dass sie die Mutter seiner Kinder wurde. Sie würden eine Familie gründen, die Zukunft bereiten für Enkel und Urenkel – und noch enger zusammenwachsen.
Plötzlich verriss Fabian das Lenkrad. Der Wagen scherte nach links aus, geriet ins Schlingern.
Ein Autofahrer, der sie gerade trotz der widrigen Wetterverhältnisse im Dunkeln überholte, hupte aggressiv.
Annika drückte sich tiefer in den Beifahrersitz.
Fabian fluchte und versuchte, seinen Kombi unter Kontrolle zu bringen, aber die Räder rutschten auf der nassen Fahrbahn wie über eine Eisfläche.
Annika hielt den Atem an.
Er sah immer verzweifelter aus, bremste, was alles noch schlimmer machte. Das Fahrzeug drohte auf die Gegenfahrbahn zu geraten. Also lenkte er gegen und drückte aufs Gaspedal.
Erleichtert stieß Annika die Luft aus.
Doch plötzlich bekamen die Reifen mehr Haftung. Der Wagen schoss pfeilschnell nach rechts, kam von der Fahrbahn ab und stürzte einen kleinen Abhang hinab.
Annika schrie.
Das Auto kam auf, überschlug sich mehrmals und blieb auf dem Dach liegen. Feuer brach aus.
Durch den Schock war Annika wie betäubt. Das Blut lief ihr in den Kopf. Sie hatte mal gelesen, dass Fahrzeuge nicht so leicht in Brand gerieten, wie in Filmen gezeigt wurde. Entweder das war eine Fehlinformation, oder sie hatten Riesenpech gehabt.
Wo ist der Regen, wenn man ihn braucht, dachte sie benommen.
Annika sah zu Fabian. Bewusstlos hing er in seinem Anschnallgurt. Sie stieß ihn an, schüttelte ihn, doch er wachte nicht auf. War er tot? Sie musste ihn aus dem Auto ziehen.
Als sie ihren Gurt löste, fiel sie auf Schultern und Nacken. Das hätte wehtun müssen, aber sie spürte merkwürdigerweise keinen Schmerz. Schwerfällig kroch sie aus dem Kombi, ihr Körper fühlte sich fremd an. Sie rappelte sich auf, schleppte sich um den Wagen herum.
Flammen loderten aus dem Tank. Sie folgten der Benzinspur auf dem Chassis wie einer Zündschnur und begannen auf den Innenraum überzugreifen.
Entsetzt riss Annika die Augen auf. Ihr Puls raste. Panik erfasste sie.
Sie näherte sich der Fahrerseite, rang ihren Überlebensinstinkt nieder, der ihr zuschrie, nicht näher heranzugehen. Wie durch Watte hörte sie das bedrohliche Knistern des Feuers.
Die Flammen wuchsen und krochen von allen Seiten auf Fabian zu, noch immer regte er sich nicht.
Annika durfte keine Zeit verlieren. Ihr war es egal, dass sie sich selbst in Gefahr brachte. Sie spürte die Hitze auf ihrem Gesicht, rutschte auf dem nassen Untergrund aus, fiel hin, stand wieder auf und blinzelte ihre Tränen weg.
Der Rückspiegel schien sich wegen der Hitze zu verformen. Fabians Sitz fing Feuer.
Sie schrie. Oder bildete sie sich das nur ein? Sie zitterte so stark, dass sie ihre Arme und Beine kaum kontrollieren konnte. Ihr verzweifelter Versuch, die Tür zu öffnen, schlug fehl.
Die Seitenscheibe war zerbrochen. Annika hob einen Stein vom Boden auf und schlug die Scherben ab. Dann langte sie in den brennenden Fahrerraum und versuchte, die Tür von innen zu öffnen, doch es ging wieder nicht, die Karosserie musste sich beim Überschlagen verzogen haben.
Annika fasste den Plan, Fabian durch das Fenster hinauszuziehen. Sie wollte seinen Sicherheitsgurt öffnen, doch er schien mit dem Schloss verschmolzen. Verzweifelt versuchte sie, den...
| Erscheint lt. Verlag | 11.6.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Das Bontjehuus |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Bonbonfabrik • eBooks • Familiengeheimnis • Frauenromane • Große Gefühle • Liebe • Liebesromane • Nordsee • Romane für Frauen • Romantik • Serien |
| ISBN-10 | 3-641-32717-2 / 3641327172 |
| ISBN-13 | 978-3-641-32717-0 / 9783641327170 |
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