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The Devils (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
1136 Seiten
Heyne Verlag
978-3-641-32297-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

The Devils - Joe Abercrombie
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Europa steht am Abgrund. Krankheiten und Hunger raffen die Bevölkerung dahin, Monster lauern in den Schatten und gierige Prinzen nehmen sich rücksichtslos alles, was sie wollen. Nur eins ist sicher: Die Elfen werden zurückkehren und alles vernichten. Manchmal sind es die dunkelsten Pfade, die uns ins Licht führen. Pfade, auf denen nur die Gerechten wandeln können. Unter dem Prunk des Himmlischen Palastes liegt die geheime Kapelle eines Ordens, der aus Monstern besteht. Sie haben jede Sünde begangen, jede Grenze überschritten und im Blute Unschuldiger gebadet. Bruder Diaz muss nun versuchen, diese Kreaturen dazu zu bringen, eine heilige Mission zu erfüllen und die drohende Apokalypse aufzuhalten. Es wird ein Ritt durch die Hölle – doch um zu überleben, braucht Diaz ein paar Teufel an seiner Seite.

Joe Abercrombie arbeitet als freischaffender Fernsehredakteur und Autor. Mit seinen weltweit erfolgreichen »Klingen«-Romanen hat er sich auf Anhieb in die Herzen aller Fans von packender, düsterer Fantasy geschrieben und schafft es regelmäßig auf die internationalen Bestsellerlisten. Mit »The Devils« schlägt er nun ein neues Kapitel seines fantastischen Erzählens auf. Joe Abercrombie lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Bath.

Die Dreizehnte Tugend


Ich … bin …«

Bruder Diaz ließ den Saum seiner Kutte fallen, nachdem er sie, um schneller laufen zu können, auf Kniehöhe zusammengerafft hatte wie eine Braut, die zu spät zu ihrer Hochzeit erscheint. Seine schlappenden Schritte hallten vom spiegelhell polierten Marmor zurück, während er in beständig wachsender Panik durch das Korridorlabyrinth des Himmlischen Palasts hastete.

»Ich … bin …« Er rutschte auf einem Fleck frischer Spucke aus, nachdem ein Grüppchen hochrangiger Büßer den Boden hier offenbar besonders engagiert saubergeleckt hatte. Gleichzeitig überkam ihn der Verdacht, dass ihm im Schritt dabei ein Unglück passiert sein mochte. Jedenfalls fühlte er nichts von der überwältigenden Würde, mit der er in seinen Träumen durch diese heiligen Hallen geschritten war, bevor man ihn endgültig offiziell für seine Qualitäten auszeichnete. Bei Gott, vor seinen Augen drehte sich alles. Wurde er ohnmächtig? Musste er sterben?

»Bruder Eduardo Diaz?«, fragte die unglaublich große Sekretärin.

Der Name kam ihm vage bekannt vor. »Ich glaube, ja …« Er stützte sich mit beiden Fäusten auf den Tresen und versuchte, sein Keuchen so weit zu unterdrücken, dass er für einen respektablen Posten auf der mittleren Ebene der Kirchenhierarchie geeignet erschien. »Und ich kann mich nur … dafür entschuldigen … dass ich zu spät komme.« Mit heroischer Anstrengung unterdrückte er den Reflex, sich auf den Empfangstresen zu übergeben. »Da war diese verdammte Menge von Gichtkranken, die sich wegen des Sankt-Aelfrics-Tags versammelt hatten! Und der Kutscher …«

»Ihr seid zu früh.«

»… hat sich auch überhaupt keine Mühe gegeben, und ich … Was?«

Die Sekretärin zuckte die Achseln. »Wir sind hier in der Heiligen Stadt, Bruder Diaz. An jedem Tag wird mindestens eines Heiligen gedacht, und alle kommen ständig zu spät. Wir passen aufgrund dieser Erfahrung alle Termine entsprechend an.«

Erleichtert sank Bruder Diaz in sich zusammen. Die gütige Sankt Beatrix hatte doch noch an ihn gedacht! Beinahe wäre er auf die Knie gefallen, um ihr an Ort und Stelle tränenreich dafür zu danken, aber da er befürchtete, anschließend nicht mehr auf die Beine zu kommen, blieb er lieber stehen.

»Aber keine Angst.« Die Sekretärin kletterte von einem offenbar sehr hohen Stuhl und erwies sich nun wirklich als überraschend klein. »Kardinalin Zizka hat Euch einen Platz in ihrem Terminkalender freigeräumt und darum gebeten, dass Ihr sofort nach Eurem Eintreffen zu ihr gebracht werdet.« Mit einer großen, theatralischen Geste deutete sie auf eine Tür.

Auf einer Bank davor saß ein hünenhafter Mann mit gefurchtem Gesicht und schiefen Knöcheln, der vielleicht auch auf einen Termin wartete. Er hielt die grauen Augen mit einer solchen Ruhe auf Bruder Diaz gerichtet, dass man hätte glauben mögen, der Himmlische Palast sei um ihn herum errichtet worden. Sein kurz geschnittenes Haar war eisengrau und von zwei langen Narben durchzogen, sein grauer Bart sauber gestutzt und von drei Narben durchzogen – und seine Augenbrauen waren beinahe mehr Narbe als alles andere. Er sah aus, als hätte er ein halbes Jahrhundert damit zugebracht, von einem Berg herabzustürzen. Wahrscheinlich von einem, der aus lauter Äxten bestand.

»Wartet«, murmelte Bruder Diaz. »Kardinalin Zizka?«

»So ist es.«

»Ich war der Auffassung, ich würde Ihre Heiligkeit die Päpstin sprechen … um eine Pfründe zu erhalten …«

»Nein.«

War es möglich, dass es für ihn jetzt doch einmal aufwärts ging? Ihre Heiligkeit mochte zwar das Herz der Kirche sein, aber sie vergab täglich viele Tausend irrelevante Posten, Ämter und Segnungen an eine Warteschlange irrelevanter Priester, Mönche und Nonnen und verschwendete daran vermutlich ebenso wenige Gedanken, wie sie ein Traubenleser jeder einzelnen Traube zumisst, die er von der Rebe pflückt.

Aber eine Unterredung mit Kardinalin Zizka, dem Oberhaupt der Irdischen Kurie, das war etwas völlig anderes. Sie war die unbestrittene Herrscherin über die ausufernde Bürokratie und die kolossalen Einkünfte der Kirche. Sie beachtete nur die Beachtenswerten. Und sie hatte Platz in ihrem Terminkalender freigeräumt …

»Nun, dann …« Bruder Diaz wischte sich den Schweiß von der Stirn, tupfte seine geschwollene Lippe ab, zog sich den verrutschten Habit zurecht und begann das erste Mal seit seiner Ankunft in der Heiligen Stadt zu lächeln. Es wollte scheinen, als hätte sich die gütige Sankt Beatrix sogar selbst übertroffen. »Dann kündigt mich doch bitte an!«

Angesichts der Tatsache, dass sie das Zentrum kirchlicher Macht repräsentierten, waren Kardinalin Zizkas Räumlichkeiten ein wenig enttäuschend. Gemessen an den Maßstäben eines Mönchs vom Lande war das Zimmer zwar riesig, wirkte aber absolut beengt, weil überall schwindelerregend hohe Papierstapel lauerten, die vor Quasten, Lesezeichen und Siegeln nur so strotzten und sich auf zwei gegenüberliegenden Bänken stapelten, als seien sie verfeindete Armeen kurz vor einer Schlacht. Bruder Diaz hatte eine gewisse Großartigkeit erwartet – jede Menge Fresken, Samt und Marmor sowie in jeder Ecke vergoldete Cherubim. Aber das Mobiliar, das sich auf dem schmalen Streifen zwischen den beiden Bürokratie-Klippen drängte, ging bestenfalls als langweilig und funktional durch. Die rückseitige Wand war eine einzige Steinfläche, die ein seltsames Wellenmuster aufwies, als sei sie einmal geschmolzen, herabgeflossen und dann ausgehärtet, vermutlich ein Überbleibsel der uralten Ruinen, auf denen der Himmlische Palast errichtet worden war. Die einzige Dekoration war ein kleines und ziemlich brutales Gemälde, das die Geißelung des Heiligen Barnabus darstellte.

Auf den ersten Blick war auch Kardinalin Zizka selbst eine gewisse Enttäuschung. Sie war eine robuste Frau mit ergrautem Haarschopf und damit beschäftigt, Papiere von einem Stapel zu ihrer Linken zu nehmen, sie in ernüchternd krakeliger Handschrift abzuzeichnen und dann auf einen Stapel zu ihrer Rechten zu legen. Ihre goldene Amtskette hatte sie über eine der Spitzen ihrer Stuhllehne gehängt, und die Vorderseite ihrer karmesinroten Amtstracht war stattdessen mit Krümeln übersät.

Hätte nicht der rote Kardinalshut verkehrt herum auf dem Tisch gelegen, hätte man den Raum für die Amtsstube eines niederen Schreibers halten können, der darin seinen wenig aufregenden Pflichten nachkam. Aber, wie Bruder Diaz’ Mutter gesagt hätte, das war kein Grund, von den eigenen Standards abzuweichen.

»Euer Eminenz«, intonierte er und vollführte seine eleganteste Verbeugung.

Sie war an die Kardinalin verschwendet, die nicht einmal den Kopf hob und weiter ihre Feder über die Papiere kratzen ließ. »Bruder Diaz«, knurrte sie. »Wie gefällt Euch die Heilige Stadt?«

»Sie ist ein Ort …« Er räusperte sich höflich. »Von bemerkenswerter Spiritualität?«

»Oh, zweifelsohne. Wo sonst könnte man wohl an drei verschiedenen Ständen, die keine Meile voneinander entfernt liegen, den eingeschrumpelten Ochsenziemer des Heiligen Eustacius erwerben?«

Bruder Diaz war sich schrecklich unsicher, ob er das als Witz oder als harte Anklage werten sollte, ergo rettete er sich dahingehend, gleichzeitig zu grinsen und den Kopf zu schütteln, während er murmelte: »Wahrlich ein Wunder …«

Glücklicherweise hatte die Kardinalin noch immer keinen Blick auf ihn verschwendet. »Euer Abt lobt Euch in höchsten Tönen.« Das sollte er wohl auch, wenn man bedachte, wie viele Gefallen ihm Bruder Diaz schon erwiesen hatte. »Sagt, Ihr seid der vielversprechendste Verwalter, den sein Kloster seit Jahren hatte.«

»Er erweist mir zu viel der Ehre, Euer Eminenz.« Bruder Diaz leckte sich die Lippen bei dem Gedanken daran, aus den einengenden Zwängen ebendieses Klosters auszubrechen und endlich all das zu beanspruchen, was ihm seiner Meinung nach zustand. »Aber ich werde mir jede erdenkliche Mühe geben, Euch und Ihrer Heiligkeit zu dienen, in welcher Funktion auch immer Ihr Euch wünscht, bis an die Grenzen …«

Er sprang auf, als sich die Tür geräuschvoll hinter ihm schloss, und als er herumwirbelte, sah er, dass ihm der vernarbte, graue Mann von der Bank draußen ins Amtszimmer gefolgt war. Justament bleckte er die abgewetzten Zähne und ließ sich auf einen der harten Stühle sinken, die vor dem Schreibtisch standen.

»Bis an die Grenzen …«, stolperte Bruder Diaz unsicher weiter voran, »meiner Fähigkeiten …«

»Das ist eine enorme Beruhigung.« Ihre Eminenz legte endlich die Feder beiseite und dann das letzte Dokument sorgfältig auf den rechten Stapel, rieb sich mit dem tintenfleckigen Zeigefinger den tintenfleckigen Daumen und hob den Kopf.

Bruder Diaz schluckte. Kardinalin Zizka mochte das öde Zimmer, die langweiligen Möbel und die fleckigen Finger eines unbedeutenden Schreibers haben, aber ihre Augen waren die eines Drachen. Und zwar eines außergewöhnlichen Exemplars, das sich nicht einmal ansatzweise auf der Nase herumtanzen ließ.

»Das hier ist Jakob von Thorn«, sagte sie und deutete mit einer Kopfbewegung auf den Neuankömmling. Dessen Hauklotzgesicht hatte schon im Korridor beunruhigend gewirkt, aber jetzt, da es plötzlich in Bruder Diaz’ privater Audienz auftauchte, war es absolut erschreckend. So, wie es lediglich unangenehm sein mochte, wenn man einen Bettler vor der eigenen Haustür entdeckte, aber völlig entsetzlich, wenn dieser Bettler...

Erscheint lt. Verlag 14.5.2025
Reihe/Serie The Devils
Übersetzer Kirsten Borchardt
Sprache deutsch
Original-Titel The Devils Book 1
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Düstere Fantasy • ebook kindle • eBooks • epische Fantasy • Europa • Fantasy • geheimer Orden • Grimdark • High Fantasy • historische Fantasy • Klingen-Romane • Kriegsklingen • Pest • Serien • Teufel
ISBN-10 3-641-32297-9 / 3641322979
ISBN-13 978-3-641-32297-7 / 9783641322977
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