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Das Lied des Wolfes (eBook)

Ein Green-Creek-Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
643 Seiten
Heyne Verlag
978-3-641-32798-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Das Lied des Wolfes - T. J. Klune
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Oxnard Matheson ist zwölf als sein Vater die Familie verlässt. Ox fühlt sich ungeliebt und wertlos – und irgendwie anders als andere Jungs in seinem Alter. Ox ist sechzehn, als die Familie Bennett nach Green Creek kommt. Die Bennetts sind lebensfroh und charismatisch – und Werwölfe. Ox fühlt sich unwiderstehlich angezogen von dieser aufregenden neuen Welt voll Magie, Freundschaft und Abenteuer. Doch als Ox dreiundzwanzig ist, geschieht ein Mord und nichts ist mehr wie zuvor ...

Im Alter von sechs Jahren griff T. J. Klune zu Stift und Papier und schrieb eine mitreißende Fanfiction zum Videospiel »Super Metroid«. Zu seinem Verdruss meldete sich die Videospiel-Firma nie zu seiner verbesserten Variante der Handlung zurück. Doch die Begeisterung für Geschichten hat T. J. Klune auch über dreißig Jahre nach seinem ersten Versuch nicht verlassen. Nachdem er einige Zeit als Schadensregulierer bei einer Versicherung gearbeitet hat, widmet er sich inzwischen ganz dem Schreiben. Für die herausragende Darstellung queerer Figuren in seinen Romanen wurde er mit dem Lambda Literary Award ausgezeichnet. Mit seinem Roman »Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte« gelang T. J. Klune der Durchbruch als international gefeierter Bestsellerautor.

Staubflocken / Kalt und aus Metall


Ich war zwölf, als mein Dad einen Koffer neben die Tür stellte.

»Wofür ist der?«, fragte ich von der Küche aus.

Er seufzte, tief und grollend. Es dauerte ein bisschen, bis er sich zu mir umdrehte. »Wann bist du heimgekommen?«

»Vor ’ner Weile.« Meine Haut juckte.

Er warf einen Blick auf die alte Wanduhr. Die Plastikabdeckung hatte einen Sprung. »Schon später, als ich dachte. Hör zu, Ox …« Er schüttelte den Kopf. Wirkte durcheinander. Verwirrt. Mein Dad war vieles: ein Säufer, schnell mit Flüchen und Schlägen bei der Hand. Ein charmanter Teufel mit einem Lachen, so tief wie das Bollern der alten Harley-Davidson WLA, die wir letzten Sommer wieder flottgemacht hatten. Aber er war nie durcheinander, nie verwirrt. Nicht so wie jetzt.

Das Jucken war kaum auszuhalten.

»Du bist nicht der Schlauste«, sagte er und schaute auf seinen Koffer.

Das stimmte. Ich war nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte. Meine Mom sagte, ich sei in Ordnung. Mein Dad sagte, ich sei langsam. Meine Mom meinte, das Leben wäre schließlich kein Rennen. Damals hatte er schon tief ins Whiskeyglas geschaut und angefangen zu schreien und Sachen zu zertrümmern. Er hat sie nicht geschlagen, zumindest nicht an diesem Abend. Dafür habe ich gesorgt. Aber als er dann in seinem alten Sessel zu schnarchen angefangen hat, bin ich in mein Zimmer geschlichen und habe mich unter der Bettdecke versteckt.

»Ja, Sir«, erwiderte ich.

Er schaute mich an, und ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, dass ich so was wie Liebe in seinen Augen gesehen habe. »Dumm wie’n Ochse«, sagte er. Es hörte sich nicht gemein an, wenn er es sagte. Es war einfach so.

Ich zuckte die Achseln. Ich hörte das nicht zum ersten Mal von ihm. Mom sagte zwar immer, dass er aufhören soll, aber es war okay. Er war schließlich mein Dad und wusste es am besten.

»Die Leute werden dich wie Scheiße behandeln«, sagte er. »Die meiste Zeit deines Lebens.«

»Ich bin stärker als die meisten«, sagte ich ernst. Die Leute hatten Angst vor mir, auch wenn ich es gar nicht wollte. Aber ich war stark. Wie mein Dad. Er war ein Schrank von einem Mann mit einer Plauze vom Trinken.

»Die Leute werden dich nicht verstehen«, sprach er weiter.

»Aha.«

»Werden sie nicht.«

»Das müssen sie auch gar nicht.« Ich wünschte es mir sehr, aber gleichzeitig wusste ich, dass es nie passieren würde.

»Ich muss los.«

»Wohin?«

»Weg. Hör zu …«

»Weiß Mom Bescheid?«

Dad lachte, doch es klang nicht so, als würde er irgendwas lustig finden. »Klar. Vielleicht. Sie hat gewusst, was passieren wird. Wahrscheinlich schon eine ganze Weile.«

Ich machte einen Schritt auf ihn zu. »Wann kommst du wieder?«

»Ox. Die Leute werden gemein zu dir sein. Ignorier sie einfach. Bleib cool.«

»Die Leute sind nicht gemein. Nicht immer.« Ich kannte nicht allzu viele Leute. Ich hatte keine Freunde, keine echten. Aber die, die ich kannte, waren nicht fies zu mir. Nur manchmal. Sie wussten nicht, was sie mit mir anfangen sollten. Die meisten jedenfalls, aber das war okay. Ich wusste auch nicht, was ich mit ihnen anfangen sollte.

Und dann sagte Dad: »Du wirst mich ’ne Weile nicht mehr sehen. Vielleicht lange nicht.«

»Was ist mit der Werkstatt?«, fragte ich. Er arbeitete bei Gordo’s, roch nach Schmierfett, Öl und Metall, wenn er nach Hause kam. Seine Finger waren schwarz, und er hatte Hemden, auf denen sein Name stand. Curtis war in Rot und Weiß und Blau daraufgestickt. Ich fand das immer toll. Nur große Männer bekamen ein Hemd mit dem eigenen Namen drauf. Manchmal hat er mich mitgenommen. Als ich drei war, hat er mir gezeigt, wie man einen Ölwechsel macht. Mit vier, wie man einen Reifen wechselt. Wie man den Motor eines 1957er Chevy Bel Air Coupé restauriert, mit neun. An solchen Tagen habe ich beim Heimkommen nach Schmierfett und Öl und Metall gerochen und davon geträumt, ein Hemd mit meinem Namen darauf zu haben. Oxnard würde draufstehen. Oder vielleicht auch nur Ox.

»Gordo isses egal«, war alles, was mein Dad antwortete.

Das stimmte nicht. Gordo war gar nichts egal. Er war ein bärbeißiger Kerl, aber er hat einmal zu mir gesagt, wenn ich alt genug bin, könnte ich einen Job bei ihm haben. »Jungs wie wir müssen zusammenhalten«, hat er gesagt. Ich wusste zwar nicht, was er damit meinte, aber die Tatsache, dass er überhaupt an mich dachte, reichte mir.

»Oh«, war alles, was ich darauf sagen konnte.

»Ich bereue dich nicht«, sagte Dad. »Aber alles andere.«

Ich verstand nicht, was das bedeuten sollte. »Geht es um …?« Wovon redete er?

»Hier zu sein«, sagte er. »Ich halt’s nicht mehr aus.«

»Halb so schlimm«, erwiderte ich. »Das lässt sich ändern.« Wir könnten einfach irgendwo anders hinziehen.

»Lässt es sich nicht, Ox.«

»Hast du dein Handy aufgeladen?«, fragte ich, weil er es immer vergaß. »Du musst es aufladen, damit ich dich anrufen kann. Wir haben in Mathe was Neues durchgenommen, und ich verstehe es nicht. Mr. Howse hat gesagt, du könntest mir helfen.« Dabei wusste ich genau, dass mein Dad Mathe genauso wenig kapierte wie ich. Der neue Stoff nannte sich Algebra. Einführung. Und das machte mir Angst, denn allein die Einführungen waren meistens schon schwer genug. Was würde erst passieren, wenn richtige Algebra drankam?

Ich kannte die Miene, die Dad daraufhin aufsetzte. Es war sein zorniges. Er war wütend. »Kapierst du es denn nicht?«, bellte er.

Ich versuchte, nicht zusammenzuzucken. »Nein«, sagte ich, denn ich kapierte es wirklich nicht.

»Ox«, sagte Dad. »Es wird kein Mathe geben und auch keine Anrufe. Bring mich nicht dazu, dich auch noch zu bereuen.«

»Oh«, sagte ich.

»Du musst jetzt ein Mann sein. Deshalb versuche ich, dir was beizubringen. Die Leute werden dich mit Scheiße bewerfen, aber du schüttelst sie einfach ab und machst weiter.« Er hatte die Hände zu Fäusten geballt. Warum, wusste ich nicht.

»Ich kann ein Mann sein«, versicherte ich, weil ich dachte, dann würde es ihm vielleicht wieder besser gehen.

»Ich weiß«, erwiderte er.

Ich lächelte ihn an, aber Dad schaute weg.

»Ich muss jetzt los«, sagte er schließlich.

»Wann kommst du wieder?«, fragte ich.

Er machte einen schwankenden Schritt Richtung Tür. Nahm einen rasselnden Atemzug. Bückte sich nach seinem Koffer und ging nach draußen. Ich hörte, wie er seinen alten Truck anließ. Der Motor stotterte kurz. Hörte sich an, als bräuchte er einen neuen Zahnriemen. Ich würde es ihm später sagen.

Mom kam an dem Abend spät nach Hause, nachdem sie eine Doppelschicht im Diner übernommen hatte. Sie fand mich in der Küche. Ich hatte mich nicht von der Stelle bewegt, seit mein Dad zur Tür rausgegangen war. Die Dinge würden sich jetzt ändern.

»Ox?«, fragte sie. »Was ist los?« Sie sah sehr müde aus.

»Hey, Mom«, sagte ich.

»Warum weinst du?«

»Ich weine nicht.« Tat ich auch nicht, denn ich war jetzt ein Mann.

Sie berührte mein Gesicht. Ihre Finger rochen nach Salz und Pommes frites und Kaffee. Ihre Daumen fuhren über meine feuchten Wangen. »Was ist passiert?«

Ich sah sie an – nach unten, weil sie schon immer klein gewesen war und ich sie irgendwann letztes Jahr überholt hatte. Ich wünschte, ich könnte mich an den Tag erinnern, an dem es passiert war. Es fühlte sich so wichtig an. »Ich werde mich um dich kümmern«, versprach ich. »Du musst dir nie Sorgen machen.«

Ihr Blick wurde weich. Ich konnte die Fältchen um ihre Augen erkennen, den müden Mund. »Das tust du auch jetzt schon. Aber …« Sie verstummte, atmete einmal tief durch. »Ist er gegangen?«, fragte sie und hörte sich so unglaublich klein an.

»Ich glaube, ja.« Ich wickelte eine ihrer Haarsträhnen um meine Finger. Sie waren dunkel wie meine. Wie die von meinem Dad. Wir waren alle dunkel.

»Was hat er gesagt?«, fragte sie.

»Dass ich jetzt ein Mann bin«, antwortete ich. Denn das war das einzig Wichtige.

Mom lachte und lachte, bis sie zusammenbrach.

Er hat das Geld nicht mitgenommen. Oder wenigstens nicht alles. Es war sowieso nicht viel.

Er hat auch keine Fotos mitgenommen. Nur ein paar Kleider. Seinen Rasierer. Seinen Truck. Ein paar von seinen Werkzeugen.

Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich fast geglaubt, dass es ihn nie gegeben hat.

Vier Tage später rief ich ihn auf seinem Handy an. Es war mitten in der Nacht.

Es klingelte zweimal, dann sagte eine Stimme, dass die Nummer nicht mehr existierte.

Am nächsten Morgen musste ich mich bei Mom entschuldigen. Ich hatte den Hörer so fest umklammert gehalten, dass er einen Sprung bekommen hatte. Sie sagte, es wäre halb so schlimm, und wir redeten nie wieder darüber.

Ich war sechs, als mein Dad mir einen eigenen Werkzeugkasten kaufte. Kein Kinderkram, kein buntes Plastik, sondern kalt und aus Metall und echt.

»Halte es gut sauber«, sagte er zu mir. »Und Gott steh dir bei, wenn du es draußen rumliegen lässt. Das Zeug rostet, und dann zieh ich dir die Haut vom Leib. Dafür ist es nicht gedacht. Hast du verstanden?«

Ich berührte das Geschenk ehrfürchtig. »Okay«, sagte ich nur, weil ich keine Worte fand, um auszudrücken, wie überglücklich ich...

Erscheint lt. Verlag 1.5.2025
Reihe/Serie Green-Creek-Romane
Übersetzer Michael Pfingstl
Sprache deutsch
Original-Titel Wolfsong – Green Creek Book 1
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte agententhriller neuerscheinungen 2023 • Booktok • Coming of Age • eBooks • erotik neuerscheinungen 2023 • Fantasy • fated mates • found family • kinderkrimi neuerscheinungen 2022 • Magie • märchenbuch neuerscheinungen 2022 • Queere Fantasy • Romantasy • romantasy neuerscheinungen 2022 • Serien • SPIEGEL-Bestsellerautor • TikTok • Time Gap • Urban Fantasy • Werwölfe • winterromane neuerscheinungen 2022 • wirtschaftsthriller neuerscheinungen 2022
ISBN-10 3-641-32798-9 / 3641327989
ISBN-13 978-3-641-32798-9 / 9783641327989
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