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Portugiesisches Schweigen (eBook)

Spiegel-Bestseller
Ein Lissabon-Krimi

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
237 Seiten
Heyne Verlag
978-3-641-32356-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Portugiesisches Schweigen - Luis Sellano
Systemvoraussetzungen
12,99 inkl. MwSt
(CHF 12,65)
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Helena Gomes steht vor einem Rätsel: Selbst im Herbst läuft Lissabon noch über vor Urlaubern. Ausländische Investoren haben den Tourismus-Trend schon vor Jahren erkannt. Unzählige Häuser in den alten Stadtvierteln wurden von ihnen zu Feriendomizilen umgebaut, während die Einheimischen wegen der steigenden Mieten aus ihren Wohnungen gedrängt werden. Als es zu Todesfällen in der Eléctrico kommt, der berühmten historischen Straßenbahn, glaubt Kommissarin Gomes nicht an einen Zufall. Offenbar ist jemand gewillt, die von vielen verhassten Touristen mit allen Mitteln zu verschrecken. Und als ihr Lebensgefährte Henrik Falkner unwissentlich in diese Fälle verstrickt wird, müssen die beiden alles daran setzen, die Verantwortlichen zu stoppen.

Luis Sellano ist das Pseudonym eines deutschen Autors. Auch wenn Stockfisch bislang nicht als seine Leibspeise gilt, liebt Luis Sellano Pastéis de Nata und den Vinho Verde umso mehr. Schon sein erster Besuch in Lissabon entfachte seine große Liebe für die Stadt am Tejo. Luis Sellano lebt mit seiner Familie in Süddeutschland. Regelmäßig zieht es ihn auf die geliebte Iberische Halbinsel, um Land und Leute zu genießen und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen.

9

Helena

Es herrschte eine nicht übersehbare Unruhe in der Abteilung für Gewaltverbrechen, als Helena morgens dort eintraf. Möglicherweise war in der Nacht etwas passiert, ein Tötungsdelikt, das in ihre Verantwortung fiel. Doch wäre es darum gegangen, einen Tatort in Augenschein zu nehmen, hätte man sie vermutlich aus dem Bett geklingelt. Also musste etwas anderes vorgefallen sein. Hatte es über Nacht einen Durchbruch bei ihrem aktuellen Fall gegeben? Sie sah sich nach Damasos um, konnte ihn jedoch nicht ausmachen. Ihre Kollegin Alexandra saß an ihrem Platz und telefonierte. Sie war die Assistentin ihrer Abteilung und erledigte und organisierte von ihrem Schreibtisch aus alles Erdenkliche, was für ihre Ermittlungen von Belang war. Egal, ob die Korrespondenz mit der Staatsanwaltschaft, die Beantragung von Durchsuchungsbeschlüssen oder Genehmigungen zum Abhören Verdächtiger, die Vernehmungstermine mit Zeugen bis dahin, dass dafür Sorge getragen wurde, dass immer ausreichend Kaffee und Tee zur Verfügung stand. Alexandra war schon beinahe so lange für das Dezernat tätig wie Helena. Trotzdem hatte sie es nie geschafft, sich über das dienstliche Verhältnis hinweg mit ihr anzufreunden. Alexandra, sportlich schlank, mit brünettem, schulterlangem Haar und einem treffenden Geschmack für elegante Mode, war fünf Jahre jünger als sie und, wie Helena wusste, momentan Single. Was zu der noch nicht allzu weit zurückliegenden Trennung von dem Mann geführt hatte, mit dem Alexandra davor über Jahre zusammengelebt hatte, war Helena entgangen. Was Helena hingegen bemerkte, war, wie offensichtlich Alexandra sich herausputzte, seit Sérgio Damasos von Porto ins Präsidium nach Lissabon gewechselt war. Und sie hatte keineswegs vor, Alexandra dabei im Weg zu stehen, auch wenn sie ihr keine sonderlich großen Chancen ausrechnete. Ohne dies in irgendeiner Weise begründen zu können, fehlte ihr der Glaube daran, dass Damasos sich für seine Assistentin auch nur im Ansatz auf zwischenmenschlicher Ebene interessierte.

»Was ist los?«, fragte Helena, nachdem Alexandra endlich aufgelegt hatte.

»Es gab ein Geständnis«, sagte Alexandra.

»Im Fall des Investors?«

Ihre Kollegin nickte. »Es hat sich jemand gestellt. Stand wohl mitten in der Nacht in einer Polizeistation unten in Fuseta. Ich kenne keine Details, Sérgio ist bereits auf dem Weg.«

Sérgio ist bereits auf dem Weg? »Wann ist er los?«

»Vor einer halben Stunde«, antwortete Alexandra. »Hat er dich nicht informiert?«

Würde ich sonst fragen?!

Helena konnte sich ein Augenrollen nicht verkneifen. Gut, sie war später dran als sonst, weil Sara heute erst zur zweiten Stunde in der Schule sein musste. Aber das war sicher kein Argument, sie nicht wenigstens in Kenntnis zu setzen. Endlich war ihr Computer bereit, und sie konnte sich einloggen. Aber auch dort fand sie keine Nachricht von Damasos.

»Übrigens, der Comandante will dich sehen«, fiel Alexandra wieder ein. »Er hat schon zweimal nach dir gefragt.«

»Hat er gesagt, wieso?«

»Hat er nicht«, entgegnete Alexandra, dann klingelte erneut ihr Telefon.

Der Comandante will mich sehen. Ralha war nicht dafür bekannt, sonderlich früh im Revier aufzukreuzen. Sie hoffte, dass sie nicht der Grund dafür war, dass er ausgerechnet heute vor ihr eingetroffen war. Entgegen der vermeintlichen Dringlichkeit, die Alexandra hatte verlauten lassen, ließ Helena sich Zeit. Sie machte einen Umweg über die Küche, wo sie sich einen Kaffee einschenkte und diesen in langsamen Schlucken trank, während sie ihre Gedanken zu sortieren versuchte. Wieso hatte man sie nicht informiert? Was trieb Damasos für ein Spielchen? Er verhielt sich kaum mehr anders als ihr früherer Kollege Lui, der bei einem nicht weit zurückliegenden Fall zu Tode gekommen war. Dessen Alleingänge waren ihr nicht minder auf die Nerven gegangen. Und Lui war ebenso Ralhas Liebling gewesen wie nun Sérgio Damasos. Luis Tod hatte sie dennoch getroffen. Das war eine Sache, über die sie bis dahin nie nachgedacht hatte. Dass dieser Job sie ebenso das Leben kosten könnte. Derartige Überlegungen waren kein guter Einstand, um beim Comandante vorstellig zu werden. Und warum in Gottes Namen wollte Ralha sie überhaupt sprechen, wenn Damasos doch schon auf dem Weg in den Süden war? Bisher hatte ihr Vorgesetzter stets vermieden, Unterhaltungen unter vier Augen mit ihr zu führen. So, als könnte er von ihr keine zufriedenstellenden Antworten erwarten, wenn nicht auch Major Damasos mit dabeisaß. Gerade so, als hätte Ralha Angst, mit ihr allein in einem Raum zu sein. Nein, das war ein widersinniger Gedanke. Die Erklärung war schlichtweg, dass ihr Vorgesetzter mit Frauen auf höherrangigen Positionen nichts anfangen konnte. Der portugiesische Polizeiapparat war von paritätischen Strukturen innerhalb des Corps entgegen allen politischen Zugeständnissen und Bestrebungen noch meilenweit entfernt. Gelegentlich hatte Helena den Eindruck, dass sie sich von diesem parlamentarisch angesteuerten Ziel eher wegbewegten, als je einen gerechten Ausgleich zwischen Männern und Frauen in dieser Hierarchie zu schaffen. Nicht, solange Männer wie Comandante Ralha die Führungsebene für sich beanspruchten.

Helena trank ihren Kaffee aus und machte sich mit gemischten Gefühlen auf den Weg ins Obergeschoss. Die Sekretärin ihres Vorgesetzten winkte sie unverzüglich durch. Offenbar wurde sie schon sehnsüchtig erwartet.

»Wo haben Sie so lange gesteckt?«, polterte es ihr entgegen, kaum dass sie durch die Tür getreten war. Der sechzigjährige Dienststellenleiter hielt nichts von Begrüßungsfloskeln, zumindest nicht ihr gegenüber. Helena verzichtete auf eine Antwort. Plötzlich verspürte sie den großen Drang, auf der Stelle zu kündigen. Ralha stierte ihr unter seinen buschigen Brauen entgegen. Wie üblich trug er seine mit Auszeichnungen überladene Uniform. Der Deckenleuchter über ihm spiegelte sich in seiner Glatze. Er bot ihr an, sich zu setzen, doch sie lehnte ab. Die Klimaanlage surrte über ihrem Kopf und blies ihr eiskalte Luft ins Genick.

»Sie untersuchen ab sofort die jüngsten Todesfälle in der Eléctrico!«, ordnete er ohne Einleitung an. Diese Ankündigung traf sie völlig unvorbereitet. Sie hatte mit allem Möglichen gerechnet, nicht aber, eine neue Ermittlung zugeteilt zu bekommen. »Gibt es denn einen Verdacht, dass es sich um nicht natürliche Todesfälle handelt?«

»Verdacht? Nein, Inspetora Gomes! Kein Verdacht. Genau das wird Ihre Aufgabe sein. Räumen Sie sämtliche Anzeichen dahingehend aus. Ich will bei dieser Untersuchung nichts und rein gar nichts in der Ermittlungsakte darüber lesen, was einen Interpretationsspielraum in eine andere Richtung zulässt. Keine Andeutungen über Fremdeinwirkung und weiß der Teufel was. Alles, was ich von Ihnen sehen will, ist ein knapper, sauberer Bericht, den ich guten Gewissens ans Referat für Tourismus im zuständigen Ministerium weiterreichen kann. Ein Zufall von zwei eng aufeinanderfolgenden Todesfällen natürlichen Ursprungs. Der Hitze wegen vermutlich. Das kommt ja bei älteren Personen und den vorherrschenden Temperaturen vermehrt vor. Will sagen, kein Einzelfall im Sommer, wenn auch die Örtlichkeiten zuletzt ungewöhnlich waren. Und gerade deshalb soll niemand in der Stadt Bedenken oder gar Ängste verspüren, mit einer unserer wunderbaren Straßenbahnen zu fahren. Haben wir uns verstanden?«

Helena nickte.

»Was ich am wenigsten brauchen kann, sind nervöse Politiker, die sich Sorgen um einen Rückgang von Hotelbuchungen und damit verbundenen Finanzeinbrüchen im Tourismussektor machen. Also geben wir den Parlamentariern keinen Grund für derartige Befürchtungen. Noch Fragen?«

»Was, wenn die Untersuchung dennoch Ungereimtheiten zutage fördert?«

Ralha legte seinen Kopf schräg und betrachtete sie, als glaubte er sich jemandem mit vermindertem Intellekt gegenüber. »Was war an meiner Ausführung unverständlich?«

»Ist eine Obduktion der Toten angeordnet?«, hakte Helena unbeeindruckt weiter nach.

Der Comandante verzog schmerzhaft das Gesicht, als müsste er übelste Blähungen unterdrücken. »Ganz schwierig. Leider war die Staatsanwaltschaft dahingehend sträflich voreilig. Vielmehr ein übereifriger Jurist, der wohl neu auf dem Posten ist und die entsprechende Entscheidung ohne Absprache getroffen hat«, murrte Ralha. »Nun gut, sehen wir es positiv. Wir haben ohnehin die Aufgabe, die Identität der Toten zu ermitteln. Das ist der einzige Grund, warum die Leichname nicht gleich an ein Bestattungsunternehmen übergeben, sondern an die Pathologie überstellt wurden. Weil wir immer noch nicht wissen, wer die bedauernswerten Personen sind, und daher keine Chance besteht, Angehörige zu informieren, damit die sich um alles Weitere kümmern. Daher ist zu hoffen, dass die Sektionen uns wenigstens dahingehend weiterhelfen. Sonst haben wir ja keinerlei Anhaltspunkte …« Er sah noch mal auf den Ausdruck vor ihm. »… außer dem Handy«, fügte er an.

»Handy?«

»Ja, Inspetora, stellen Sie sich vor, es ist ein Handy aufgetaucht. Der Fahrgast oben am Miradouro de Santa Luzia hatte eins einstecken. Einer der Polizisten, die als Erste vor Ort waren, hatte es sichergestellt, weshalb wir erst verspätet davon erfuhren.«

»Es wurde keine Spurensicherung hinzugezogen?«

»Selbstverständlich nicht. Beim Ableben des Mannes deutete nichts auf Fremdeinwirkung hin. Daher blieb die Regelung des Todesfalls vorerst bei der Polícia Municipal. Und da der Tote sonst nichts bei sich trug, was auf seine Identität schließen lässt, wollte...

Erscheint lt. Verlag 14.5.2025
Reihe/Serie Lissabon-Krimis
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte eBooks • Gil Ribeiro • Helena Gomes • Henrik Falkner • Kloster Krimi • Krimi • Kriminalromane • Krimi Neuerscheinung 2025 • Krimis • Lissabon • Portugal • Serien • Sommerkrimi • Spiegel-Bestseller-Autor • Strandlektüre • Urlaubskrimi • Urlaubslektüre
ISBN-10 3-641-32356-8 / 3641323568
ISBN-13 978-3-641-32356-1 / 9783641323561
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