Für Arwen Valondale würde Kane Ravenwood, der König von Onyx, sogar bis ans Ende der Welt reisen. Um sein Königreich der Menschen und seine große Liebe Arwen zu retten, ist Kane entschlossen, die alte Prophezeiung zu erfüllen und seinen Vater, den Faen-König Lazarus zu töten, auch wenn es ihn selbst das Leben kostet. Doch möglicherweise kommt Arwen ihm da zuvor ...
Kate Golden lebt in Los Angeles und arbeitet hauptberuflich in der Filmindustrie. Mit »A Dawn of Onyx«, dem Auftakt zu ihrer großen »Edelstein«-Saga begeisterte sie auf TikTok bereits Millionen von Fans. In ihrer Freizeit liebt Kate Golden es, ins Kino zu gehen, zu lesen, knifflige Puzzles zu lösen, zu wandern und auf Flohmärkten herumzustöbern.
Prolog
ARWEN
Dreizehn Jahre zuvor
»Ich gehe da nicht rein.«
Um meine Worte zu unterstreichen, grub ich die Hacken tief in den kümmerlichen Flecken Gras, auf dem ich stand.
In Powells Werkzeugschuppen geschahen schlimme Dinge. Dinge, von denen mein Rücken furchtbar wehtat und ich weinen musste.
»Na schön.« Ryder ließ meine Hand los und verschränkte die Arme. »Wie du willst.«
Was auch immer das bedeuten sollte, es ließ nichts Gutes erhoffen.
Mein Bruder wartete nicht ab, ob ich noch etwas sagen wollte. Er rannte in die frische Nacht hinaus, Holden hinterher. Mit Leichtigkeit knackten die beiden dann das verrostete Schloss, das den Schuppen sicherte, und verschwanden in der kleinen Reetdachhütte.
Ich stand da, während die kalte Luft um mein Gesicht und meine Schienbeine fuhr, und fing heftig an zu zittern. Der fadenscheinige Baumwollstoff meines Lieblingsnachthemds war voller Löcher. Viel zu verschlissen, um mich vor der Nachtkühle zu schützen. Ich brauchte einen Mantel. Oder ich musste wieder zurück ins Warme. Aber wenn ich jetzt nach Hause lief, dann würden Halden und Ryder denken, dass ich Angst hatte.
Was ja stimmte, aber …
Das mussten sie nicht wissen. Mein Bruder und sein bester Freund hatten niemals Angst. Weder wenn sie in der Schule Ärger fürs Zuspätkommen bekamen, noch wenn der Blitz mit einem solchen Knall einschlug, dass es wie ein peitschender Gürtel klang. Und auch nicht, wenn sie sich in dunklen, windigen Nächten wie jetzt nach draußen schlichen.
Tapfere, starke, selbstbewusste Jungen, wie meine Mutter das liebevoll nannte.
Und dann … ich. Ich rannte immer hinter ihnen her. Die Kleinste aus dem Wurf.
Wieso hätten sie mich nicht einfach fragen können, ob ich mitmachen wollte? Als ich ihr unterdrücktes Lachen gehört hatte, war ich auf Zehenspitzen aus meinem Zimmer geschlichen und hatte wissen wollen, worum es denn ging. Hätten sie mich da gefragt, dann hätte ich höflich Danke nein sagen und wieder ins Bett gehen können, ohne das Gefühl zu haben, ausgeschlossen worden zu sein.
Irgendwo in den fernen Wäldern heulte ein Wolf den riesigen, weißen Mond an, und ich biss die Zähne zusammen. Ich wäre so gern wieder ins Bett gegangen. Wahrscheinlich war es sogar noch warm. Dann hätte ich unter der Decke liegen können, bis die Dunkelheit verging, bis die Sonne und der Morgen kamen und meine Mutter wach war.
Ich wandte mich auf dem Absatz um und zertrat dabei mit dem Pantoffel ein trockenes Blatt. Dann würden sie morgen eben über mich lästern und mich feige nennen – das würde ich schon aushalten. Vielleicht würde der Schuppen sie aber auch verschlingen, und sie würden nie wieder nach Hause kommen.
Aber ich hatte erst einen Schritt zurück zum Haus getan, als ein lautes Klappern und ein Schmerzensschrei durch die Nacht hallten.
Eulen riefen. Blätter raschelten. Mir gefror das Blut in den Adern.
Wieder ein gequälter Schrei …
Und ich rannte, ohne nachzudenken, los.
Nicht zu meinem zerwühlten Bett, sondern zum düster vor mir aufragenden Werkzeugschuppen, der sich wie ein kleines Koboldhaus deutlich und einsam vor der sternenlosen Nacht abhob.
»Was ist passiert?«, hauchte ich, als ich die Tür aufriss. »Wölfe?«
Mir stieg der Geruch von Lack und Sägemehl in die Nase, und mein Rücken sandte einen Phantomschmerz aus.
»Es ist Halden …« Ryders Stimme klang ganz wacklig. »Wir haben Soldat gespielt. Halden hat in die Säge gefasst. Seine Hand, sie ist …«
Als ich die Augen zusammenkniff, sah ich im Dunkeln die Blutlache. Sie glänzte wie Öl. Und darüber … war Halden, der Junge, der immer lächelte, jetzt völlig in Tränen aufgelöst.
Noch nie hatte ich jemanden so weinen sehen.
»Es wird alles gut«, flüsterte ich, ohne zu wissen, warum ich das sagte. Seine Hand sah nicht danach aus. »Ich hole Mutter.«
»Bist du blöd?«, zischte Ryder und hielt mich am Ärmel zurück. »Sie weckt dann Vater, und wir werden alle bestraft. Bleib, wo du bist, ich lasse mir etwas einfallen.«
Ryders Augen, von einem Mondstrahl erhellt, glitten kurz zu Halden. Zorn leuchtete daraus wie eine Kerzenflamme, und mir fiel auf, wie sehr er mich an Powell erinnerte, wenn er so guckte.
Mein Magen verknotete sich bei diesem Anblick.
Halden hielt die verletzte Hand an die Brust gepresst, während ihm dicke Tränen und Rotz über das Gesicht liefen. »Das ist alles deine Schuld«, heulte er anklagend und starrte meinen Bruder dabei an. »Ich habe dir gleich gesagt, wir hätten hier gar nicht reingehen sollen.«
Damit hatte Halden recht. Der Schuppen war entsetzlich. So heruntergekommen, staubig und klein. Immer verschlossen. Ich wurde nur dann hier hineingeschleppt, wenn ich bestraft werden sollte. Mein Herz schlug jetzt schon viel zu schnell, weil ich es in diesen vier Wänden kaum aushielt. Mir war so eng um die Brust, als hätte ich vergessen, wie man atmet.
Ein und aus. Ein und aus.
Am liebsten wäre ich gerannt. So weit weg von hier, wie es mir in meinen verdreckten Pantoffeln möglich gewesen wäre.
Aber mein Bruder landete immer auf den Füßen. Er wusste immer, was zu tun war.
Und Halden schluchzte wie ein Tier, und … meine Finger taten weh.
Nein, das war nicht das richtige Wort. Sie kribbelten. Als hätte ich einen ganzen Nachmittag verkehrt auf ihnen gelegen, und sie wären mir eingeschlafen.
»Kann ich mal sehen?«, fragte ich meinen Bruder.
Ryder überlegte. Halden war für eine lange, tränenreiche Minute still, bevor Ryder nickte.
»Komm her«, sagte ich zu Halden.
Er widersprach nicht. Im trüben Mondlicht untersuchte ich die Wunde, die mit gezackten, wie ausgefranst aussehenden Rändern quer über seine Handfläche verlief. Die Nadelstiche in meinen Fingern wurden stärker. Jetzt begann auch noch mein Herz viel zu intensiv zu klopfen, wie ein Vogel, der in meiner Brust gefangen war.
»Ich glaube, ich höre etwas«, sagte Ryder. »Ihr beiden bleibt hier, ich gehe nachsehen …« Er schob sich so hastig an Powells Werktisch vorbei, dass Schrauben und Muttern herunterfielen.
Meine Brust schnürte sich noch weiter zu. Das würde Powell nicht gefallen. Er sortierte seine Schrauben nach Größe, und die Muttern waren dazu passend aufgereiht.
»Nun?«, schniefte Halden. »Wie sieht es aus?«
»Ich habe das für Mutter schon gemacht«, sagte ich ihm und reckte mich auf Zehenspitzen nach dem wackligen Regalbrett, das sich knapp außerhalb meiner Reichweite befand, und zog ihn dabei ein wenig mit. »Manchmal wollen ihre Beine nicht mehr so. Sie hat oft kleine Schnitte und Abschürfungen.«
Jetzt hatte meine suchende Hand den Lappen gefunden, der immer dort oben lag, und ich drückte den weichen Stoff auf seine Wunde und hielt ihn fest.
Haldens Schluchzer verebbten zu leisem Schniefen. Draußen unter der dunklen Decke der Nacht heulte noch einmal der Wolf. »Er wird nicht zurückkommen, weißt du.«
Ryder? Natürlich würde er wiederkommen. Das wollte ich Halden gerade sagen, als das Stechen in den Fingern so heftig wurde, dass ich nicht mehr denken konnte. Sie brannten und kribbelten. Obwohl mir vor dem blutigen Anblick grauste, hörte ich mich unwillkürlich fragen: »Zeigst du es mir noch einmal?«
Halden nickte, drehte aber den Kopf so weit zur Seite, wie er konnte, bis zu den dreckverschmierten Fensterscheiben, die fast kein Mondlicht durchließen. Dann kniff er auch noch die Augen zu.
Der Lappen hatte die Blutung schon etwas gestillt, aber … dann ging es plötzlich wieder los, und dicke Tropfen quollen hervor und fielen auf den Boden. Der Schnitt war tief. Unter der Haut konnte ich etwas Steifes, Weißes hervorragen sehen. Knochen und Muskelfasern. Sanft berührte ich die ausgefransten Wundränder, und ein schwaches Glühen wie das Morgenrot drang aus meinen Fingern bis in seine Hand.
Mir blieb vor Schreck fast das Herz stehen, und ich riss meine Finger zurück.
Haldens Haut begann sich vor meinen Augen von selbst wieder zu schließen.
Ich blinzelte. Einmal, zweimal …
Aber da war es. Eine Wunde, die sich von allein schloss.
Und dieses seltsame, panische Gefühl in meiner Brust, bei dem ich immer vergaß, wie man richtig atmete, war auch weg, genau wie das nervige Kribbeln. Ich drückte die Fingerspitzen gegen die Handfläche und spürte den jetzt verschwundenen Nadelstichen nach.
»Bist du fertig?« Halden hatte die Augen noch immer fest geschlossen.
»Fast.« Ich berührte die Wunde noch einmal, und jetzt war mein Glühen nicht mehr so intensiv, weniger wie ein Stern, eher wie eine Streichholzflamme. Aber nach einer Minute war in seiner Handfläche nur noch rosige, neue Haut zu sehen.
War ich eine Hexe? Würde Halden das glauben? Würde er es Mutter und Powell erzählen?
Oh, steinverdammt noch mal.
Ich verzog das Gesicht. Wir durften nicht fluchen.
Heute Nacht machte ich einfach alles verkehrt.
»Sieh noch nicht hin«, sagte ich und fühlte mich plötzlich unglaublich müde. Dann wickelte ich ihm die Hand wieder in den Lappen und machte einen festen Knoten, damit man nichts von der schnellen Heilung sah. »Ich denke, morgen früh wird es besser sein.«
»Danke, Arwen.« Halden wischte sich die Tränen mit dem Rücken seiner gesunden Hand von den Wangen. »Das hättest du nicht tun...
| Erscheint lt. Verlag | 16.7.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Edelsteinsaga |
| Übersetzer | Kirsten Borchardt |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | The Reign of the Rose Book 3 |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Abenteuer • chosen one • Drachen • eBooks • enemies to lovers • Fantasy • forced proximity • good girl bad boy • High Fantasy • Liebe • Magie • not like other girls • Prophezeiung • Romantasy • Serien • tiktokmademebuyit |
| ISBN-10 | 3-641-31595-6 / 3641315956 |
| ISBN-13 | 978-3-641-31595-5 / 9783641315955 |
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