Elfenlicht
Heyne, W (Verlag)
978-3-453-52218-3 (ISBN)
- Titel erscheint in neuer Auflage
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Bernhard Hennen, 1966 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatische Altertumskunde. Als Journalist bereiste er den Orient und Mittelamerika, bevor er sich ganz dem Schreiben phantastischer Romane widmete. Bernhard Hennen lebt und arbeitet in Krefeld.
DIE LETZTE GRENZE In dieser Nacht noch sollten die Trolle kommen, so hie�es. Der Schwertmeister der Elfenk�nigin beugte sich tief �ber die M�e seines Hengstes und trieb ihn unbarmherzig voran. Es waren noch viele Meilen zur Burg. Nichts hatte die Trolle in ihrem grausamen W�ten aufhalten k�nnen, seit sie nach Albenmark zur�ckgekehrt waren. Drei blutige Siege hatten diese grobschl�tigen Ungeheuer errungen, und Branbart, ihr K�nig, hatte geschworen, Emerelle, die Herrscherin Albenmarks, zu erschlagen und aus ihrem Sch�l eine Metschale f�r seine Festtafel fertigen zu lassen. Verzweifelt hing der Elf seinen Gedanken nach. Alle hatten Emerelle verlassen. Und die K�nigin hatte gewusst, dass es so kommen w�rde. Die Herrschaft der Elfen w�rde in dieser Nacht enden. Doch wenigstens er w�rde an ihrer Seite sein! Dort, wo immer schon sein Platz gewesen war, wenn es galt, mit dem Schwerte f�r Albenmark einzutreten. Hoffentlich kam er nicht zu sp� Ollowain blickte auf. Der Weg senkte sich in ein weites Tal und folgte dem silbern gesprenkelten Band eines Baches. D�stere Kopfweiden s�ten das Ufer; wie gro� Perlen schimmerten die wei�n Knospen auf den pfeilgeraden, jungen �ten im Mondlicht. Der Mond stand wie ein riesiger Schild aus geh�ertem Silber am Himmel. Sein licht verlieh der lauen Nacht einen unheimlichen Zauber. Eine leichte Brise strich �ber den Hang und trieb dem Elfenritter Bl�tenbl�er ins Gesicht. Er blinzelte und trieb den Hengst weiter an, seinem Ziel entgegen. Inmitten des weiten Tals erhob sich die Burg der K�nigin. Ihre schlanken T�rme schienen fast bis zum Mond hinaufzureichen, in dessen Schein die wei�n Mauern silbern leuchteten. Der dunkle Fels, auf dem die Burg sich erhob, verschwamm mit dem samtigen Blau der Nacht, sodass es schien, als schwebe die Festung in der Finsternis. Jahrhunderte hatte das Volk der Elfen an dieser Burg gebaut. Trotz ihrer T�rme und Mauern hatte niemand geglaubt, dass sie jemals angegriffen w�rde, und sie war auch nicht errichtet worden, um einem Feind die Herrschaft �ber das Herzland abzutrotzen. Sie sollte ein Sinnbild der Vollkommenheit sein. Obwohl Ollowain die Burg schon hunderte Male gesehen hatte, ber�hrte ihr Anblick ihn stets aufs Neue. Es war ein Gef�hl, wie es sonst nur Musik in ihm erwecken konnte, das traurige Lied einer Fl�te vielleicht oder melancholisches Harfenspiel. Ein Schmerz, der sich nicht in Worte fassen lie� s��und durchdringend. Kein Horn k�ndete von seiner Ankunft, und die �lampen, die gew�hnlich den Weg hinauf zum Burgtor in goldenes licht tauchten, waren verloschen. Der hohle Hufklang unter dem Torbogen war der einzige Willkommensgru� der den Schwertmeister empfing, als er in die Burg einritt. Die Wachen waren verschwunden. Ihre Speere lehnten entlang der Mauer, so als seien die Krieger eben erst gegangen. Auf einem Sims stand ein FalrachTisch. Die Partie war vor dem Ende abgebrochen worden. Doch ein einziger Blick gen�gte, um zu erkennen, dass Schwarz auf verlorenem Posten stand. Die K�nigin war eingekreist in ihrer Burg, ihre Krieger standen auf dem ganzen Spielfeld verstreut. Ollowain trieb den Hengst �ber den weiten Hof und dann den Marmoraufgang hinauf. Der Schwertmeister glaubte f�rmlich sp�ren zu k�nnen, wie sich das Unheil �ber der Burg zusammenzog. Er preschte einen S�engang entlang. Die schweren, eisenbeschlagenen Hufe seines Schlachtrosses lie�n Steinchen aus den kostbaren Bodenmosaiken splittern. Er musste Emerelle finden. Sie hatte die Burg nicht verlassen, da war er sich ganz sicher. Das schwere Bronzetor am Ende des Ganges, das sich sonst stets wie von Geisterhand ge�ffnet hatte, blieb verschlossen. Es war so gro� dass nicht einmal ein Riese sein Haupt h�e neigen m�ssen, wollte er in die Halle dahinter treten. Fein ziselierte Bilder zeigten, wie die Alben den letztgeborenen, den Elfen, ihre Welt anvertrauten, bevor sie f�r immer verschwanden. Es war eine Mahnung an alle, die den Weg zum Thronsaal beschritten. Jeder sollte sehen, wem es bestimmt war, in Albenmark zu herrschen. Doch die Trolle w�rden sich einen Dreck darum scheren. Ollowain sprang aus dem Sattel. Ein Sto�gen�gte, um einen der Torfl�gel aufschwingen zu lassen. Er schlug gegen die Wand, und dumpfes Dr�hnen wie ein Gongschlag schallte durch die verlassene Burg. Der Hengst des Schwertmeisters wieherte �stlich. Mit t�elnden Schritten wich er vor der Schwelle der Halle zur�ck. Geisterhaftes licht erf�llte den Bannersaal. Es lie�die fernen W�e vor dem Auge des Betrachters verschwimmen und gab ihm das Gef�hl, auf einem offenen Platz und nicht in einer Halle zu stehen. Von den Emporen, die in k�hnem Schwung aus dem licht hervorragten, hingen pr�tige Seidenbanner mit den Wappen der F�rsten Albenmarks: die Nixe Alvemers, der silberne Stern Carandamons, die scharlachfarbene Rose auf schwarzem Grund, die Alathaia von Langollion zu ihrem Feldzeichen erw�t hatte, und all die anderen stolzen Wappen jener, die heute nicht hier waren, um an Emerelles Seite zu stehen. Mit fliegendem Schritt durchma�Ollowain den Bannersaal und stie�das n�ste Bronzetor auf. Die Halle, die vor ihm lag, wurde von einem gro�n Brunnen beherrscht. Zwischen Wasserfont�n fochten marmorne Krieger verzweifelt gegen einen Sonnendrachen von Ischemon. Eine der Kriegerinnen in dem Gefecht war Emerelle; damals war sie noch nicht K�nigin gewesen. Die Kampfszene zeigte den Augenblick, in dem sich Falrach opferte, um den t�dlichen Hieb abzufangen, der Emerelle zu zerschmettern drohte. Wie stets �berlief Ollowain ein Schaudern, wenn er den Brunnen betrachtete. So lebensecht waren die Steinbilder, dass man erwartete, der Kampf werde jeden Augenblick mit lautem Get�se fortgef�hrt. Wo waren die Helden von einst geblieben?, fragte er sich bitter. Waren sie alle ins Mondlicht gegangen? Er hatte fast das Tor zum Thronsaal erreicht, als sich das licht in der weiten Halle wandelte. Es wurde blasser, und dann schien ein Zittern durch die W�e zu laufen. Einen Herzschlag lang wurden die Mauern der Halle sichtbar. Das helle Pl�chern des Brunnens setzte aus. Der Schwertmeister stie�das letzte Tor auf. Der Thronsaal war ein gro�r, kreisrunder Raum, dessen W�e hinter Kaskaden silbern schimmernden Wassers verborgen blieben. Anstelle einer Decke spannte sich der sternklare Nachthimmel �ber Ollowain. Gegen�ber dem hohen Tor f�hrten sieben Stufen hinauf zum Thron von Albenmark. Dort, neben dem schlichten Holzstuhl, dessen Intarsien aus Marmor und Onyx zwei untrennbar ineinander verflochtene Schlangen zeigten, stand Emerelle, die K�nigin der Elfen. Sie war klein und von zierlicher Gestalt, doch strahlte sie eine Kraft aus, vor der einst selbst Drachen zur�ckgeschreckt waren. Sie hielt sich gerade, ohne steif zu wirken; das Kinn trotzig vorgereckt, war ihr Blick auf die Mitte des Thronsaals gerichtet. Mit einer knappen Geste bedeutete sie dem Schwertmeister, zum Thron zu kommen. Der Boden des Saals war mit einem weitl�igen Mosaik ausgelegt. Das Schmuckmotiv des Throns aufgreifend, zeigte es sieben Schlangen, die sich einander umschlingend bek�ften. Neben Marmor und Onyx hatten hier auch meerdunkle Jade, heller T�rkis, purpurroter Porphyr, sonnengelber Bernstein und grausilberner Granit Verwendung gefunden. Obwohl in den Jahrhunderten, die der Palast bestand, ganze Heerscharen von G�en und H�flingen �ber das Mosaik geschritten waren, hatten die Steine nichts von ihrem Glanz verloren. Ja, sie schienen auf geradezu magische Weise von innen heraus zu leuchten und lie�n die Schlangen lebendig erscheinen. Helles Vogelzwitschern lie�Ollowain aufblicken. Zwei Nachtigallen stie�n einander umkreisend in den weiten Kreis des Saals hinab und lie�n sich auf dem Rand der Silbersch�ssel nieder, die auf einer niedrigen S�e neben dem Thron stand. Ausgelassen begannen sie im flachen Wasser zu spielen. Ein l�eln umspielte die schmalen Lippen der K�nigin. Sie strich sich eine Str�e ihres sanft gewellten, dunkelblonden Haars aus der Stirn und sah Ollowain an. Ihre hellbraunen Augen wirkten traurig. �Ganz gleich, was in dieser Nacht geschehen wird, auch morgen werden die Nachtigallen noch singen. Vielleicht ist unser Volk zu selbstverliebt, zu alt geworden. Vielleicht ist nun unsere Stunde gekommen, und wir m�ssen gehen, so wie vor uns die Alben und die Drachen gegangen sind. Doch was immer auch geschieht, nicht einmal die Trolle k�nnen die Sch�nheit Albenmarks zerst�ren. Auch morgen werden die Nachtigallen noch singen.� Eine leichte Brise spielte mit dem Haar der K�nigin und lie�den Stoff ihres schulterfreien Kleides leise rascheln. Der zartblaue, mit Silberf�n durchwirkte Stoff betonte die edle Bl�e Emerelles. Ihre milchwei� Haut schien von feinem, silbrigem licht umspielt zu sein, wie die Mauern ihrer Burg. Sie hatte etwas �herisches, Unwirkliches. Allein der d�nne Lederriemen um ihren Hals erschien wie ein eigent�mlicher Stilbruch. Er wirkte zu plump. An ihm hing ein schlichter Stein mit einem einfachen Ritzmuster. Jetzt war dieses Schmuckst�ck in Emerelles Dekollet�erborgen. Der Schwertmeister hatte den Stein nur wenige Male zu sehen bekommen. So schlicht er wirkte, war er doch der gr��e Schatz seines Volkes. Die Alben hatten jedem ihrer V�lker einen solchen Stein geschenkt, bevor sie die Welt verlie�n. Die Albensteine waren ein quell unvorstellbarer Macht, wenn man sie recht zu nutzen wusste. Es waren Kriege um diese Steine gef�hrt worden. Etwas bewegte sich unter Ollowains F��n und schreckte ihn aus seinen Gedanken auf. Gleichzeitig erklang ein leises, schleifendes Ger�ch, so als werde Stein auf Stein gerieben. Die Schlangen im Mosaik begannen sich zu bewegen. Ein flacher, purpurner Kopf erhob sich unmittelbar vor ihm. Aus dem schmalen Maul schnellte eine feuchte Zunge. Geschlitzte Pupillen musterten ihn kalt. Der Schwertmeister trat einen Schritt zur�ck und strauchelte fast. Alle Leiber waren in Bewegung geraten. Nun schnellte der schwarze Schlangenkopf empor. Die steinernen Kiefer klappten auf, und die Kreatur stie�ein durchdringendes Zischen aus. Um sie herum verging das licht. Das Rauschen der Wasserw�e erstarb. Die beiden Schlangenh�ter richteten sich immer h�her auf und neigten sich zueinander. Dunkelheit, schimmernd wie ein schwarzer Spiegel, wuchs zwischen ihnen empor. Ollowain vermochte den Blick nicht von dem Spektakel zu wenden. Schon oft war er Zeuge gewesen, wie Kundige die Pforten zu den Albenpfaden ge�ffnet hatten. Doch diesmal war es anders. Bedrohlicher. Der Schwertmeister geh�rte zu den wenigen Elfen, denen sich die Kraft der Magie verschloss. Dennoch sp�rte er die dunkle Macht, die diesem Zauber innewohnte. Die wei� Schlange aus dem Mosaik wand sich wie in Qualen, w�end die �brigen sich nur kurz erhoben hatten, um nun wie erstarrt dazuliegen. Der Purpurkopf sah auf Ollowain hinab. Die schmalen Schlitze der Pupillen weiteten sich, und pl�tzlich erblickte der Schwertmeister einen stahlblauen Winterhimmel. Auf einer vereisten Ebene hatte sich ein gewaltiges Heer versammelt. Tausende Trollkrieger schlugen mit Keulen auf ihre gro�n Schilde und schrieen dem Himmel ihre Schlachtrufe entgegen. Auf langen Stangen trugen sie Banner aus Elfenhaut vor sich her. Wie ein Vogel im Sturzflug fiel Ollowain einem dunklen Tor entgegen. Es hatte sich dicht neben einem schwarzen Obelisken ge�ffnet, der �ber die Eisebene aufragte. Dort war das Eis rot von Blut. Ein altes, gebeugtes Trollweib st�tzte sich schwer auf einen Knochenstab. Ollowain hatte sie w�end der Schlacht um Phylangan unter den Angreifern gesehen. Ihren Namen kannte man selbst im Elfenvolk: Skanga, der quell allen �bels! Sie war es, die ihr Volk aus der Verbannung zur�ck nach Albenmark gebracht hatte. Nicht der K�nig, sondern dieses alte, gebrechliche Weib war die Kraft, die ihr Volk lenkte und die Heere der Trolle �ber die leuchtenden Albenpfade f�hrte. Als sp�re die Alte seine Gedanken, hob sie unvermittelt den Kopf und blickte Ollowain aus blinden, wei�n Augen an. �Komm zur�ck!�, befahl ihm eine vertraute Stimme. Etwas ber�hrte ihn am Arm. Der Zauberbann war gebrochen. Benommen sch�ttelte der Schwertmeister den Kopf. Seine Glieder waren steif vor K�e; Raureif bedeckte seinen Leinenpanzer, so als sei er tats�lich in der fernen Snaiwamark gewesen. �Komm.� Emerelle nahm ihn bei der Hand und f�hrte ihn aus dem Schlangenkreis, die Stufen zum Thron hinauf. Die K�pfe der beiden Schlangen ber�hrten nun einander. Hoch aufgerichtet bildeten ihre Leiber einen weiten Torbogen, angef�llt mit spiegelnder Dunkelheit. Aus der Finsternis t�nte ein laut wie Trommelschlag. Nein, es war das l�en der Keulen, die auf Schilde schlugen. Das Trollheer war auf dem Marsch. Wie gebannt starrte Ollowain in die Dunkelheit. Ein golden leuchtender Pfad f�hrte durch das Nichts, den Raum zwischen den Welten. Die Snaiwamark lag mehr als zweitausend Meilen vom Herzland entfernt, doch f�r all diejenigen, die den Mut aufbrachten, die Albenpfade zu beschreiten, schrumpfte diese Wegstrecke auf ein paar hundert Schritt. Ollowain blickte zu seiner K�nigin. Emerelle galt als die m�tigste Zauberin Albenmarks. Sie stand hier, um zu k�fen. Selbst in dieser verzweifelten Lage schien ihr Mut sie nicht verlassen zu haben. Wie kein anderer verk�rperte sie in diesem Augenblick die beiden Eigenschaften, die sein Volk vor allen anderen Kindern Albenmarks auszeichneten: Stolz und Sch�nheit. Die anderen F�rsten hielten Emerelle f�r kalt und unnahbar. Ollowain w�nschte sich, dass sie die K�nigin nun sehen k�nnten. In ihren Augen brannten Trotz und Leidenschaft, und ein Funke dieses Feuers sprang auf ihn �ber. Ihre Sache mochte aussichtslos erscheinen, doch noch war die letzte Schlacht nicht geschlagen! Er zog das Schwert und trat die Stufen zum Mosaik hinab, wobei er es vermied, zu den Schlangenh�tern emporzublicken. Mehr als zwei Trolle konnten nicht nebeneinander durch das Schlangenportal schreiten, so gro�und unf�rmig wie sie waren. Dort an der Schwelle vermochte ein einzelner Krieger ein ganzes Trollheer eine Weile lang aufzuhalten. Ollowain wusste, dass er diesen Kampf dennoch nicht gewinnen konnte. Die Spanne seines Lebens hing nun an seinem Geschick, den w�tenden Keulenhieben auszuweichen. Und dabei war auch er ein Gefangener der Schwelle, denn er durfte nicht einen Herzschlag lang vor den anst�rmenden Trollen zur�ckweichen. Gab er die Schwelle preis, so w�rde sich die Flut der Feinde in den Thronsaal ergie�n, und alles war verloren. Ollowain l�elte. Der Tod hatte keinen Schrecken f�r ihn. Im Gegenteil: Diesen letzten gro�n Kampf zu fechten, war die Bestimmung seiner Seele. Danach w�rde der Zyklus aus Tod und Wiedergeburt durchbrochen sein. Er w�rde ins Mondlicht gehen, um wieder mit Lyndwyn vereint zu sein. Er f�hlte sich leicht. Es gab keine Zukunft mehr, die ihn bedr�cken konnte. �Du solltest fliehen, Herrin, du hast die Macht dazu. Den Trollen ist es nicht bestimmt, in Albenmark zu herrschen. Das ist undenkbar! An einem anderen Tag wirst du siegen.� �Tritt zur Seite.� Emerelle sprach leise, in ihrer Stimme lag keine Sch�e. Ollowain gehorchte ihr widerstrebend. Besorgt blickte er ins Dunkel des Tors. Etwas bewegte sich nahe dem goldenen Pfad und beobachtete sie. War da ein Ger�ch? Einen Herzschlag lang glaubte er in weiter Ferne das l�en der Keulen zu h�ren, doch nun war wieder Stille. �Sp�rst du die Ersch�tterung der Albenpfade? Sie kommen. Es ist wie damals in Vahan calyd.� Die K�nigin trat in den Schlangenkreis und kniete an der Schwelle des Tors nieder. Bed�tig streifte sie den d�nnen Lederriemen mit dem schlichten Schmuckstein �ber den Kopf, dann umschloss sie den Stein mit der Faust. So verharrte sie, tief in Gedanken versunken. Besorgt blickte Ollowain zum Tor. Es blieben nur noch wenige Augenblicke, bis die Trolle erscheinen w�rden. Emerelle konnte dort nicht bleiben. �Herrin �� Sanft ber�hrte er sie an der Schulter. Die K�nigin blickte zu ihm auf. Ihre sonst so warmen braunen Augen erschienen ihm jetzt wie d�stere Abgr�nde. Ollowain kannte Emerelle seit Jahrhunderten, doch nie zuvor hatte er sie so hasserf�llt gesehen. Selbst als sie einst auf der Shalyn Fallah, der wei�n Br�cke, die Ermordung der gefangenen Trollf�rsten befohlen hatte, hatte sie diese Entscheidung in kalter Ruhe getroffen. Nun aber spiegelte sich blanker Hass in ihrem Blick. �Skanga verl�t sich darauf, dass wir wieder fliehen werden. Doch sie hat die letzte Grenze erreicht. Von hier aus gibt es keinen R�ckzug mehr, und ich werde nicht l�er dulden, dass die Trolle alles zerst�ren, was sch�n ist in unserer Welt. Sollen ihre Seelen in der Finsternis verloren sein!� Sie nahm den Albenstein und zog knirschend einen Strich �ber einen der Schlangenleiber des Mosaiks. Dann stie�sie ein einzelnes Wort hervor. Ollowain kannte die Sprache nicht, derer sich die K�nigin bediente, doch das war nicht notwendig, um zu verstehen. Es war ein Wort wie ein Messerstich. DER WEG IN DIE FINSTERNIS Der Wind schnitt ihr ins Gesicht und biss in ihre alten Knochen. Ihre Armgelenke knirschten, als Skanga den Fleischklumpen hochhielt, der vor wenigen Augenblicken noch ein schlagendes Elfenherz gewesen war. Das Heer, das sich rings um den niedrigen Eish�gel versammelt hatte, sollte sehen, dass ihr Zauber mit Blut gewirkt war. Die Trollschamanin selbst war blind. Das war der Preis, den Skanga vor langer Zeit daf�r gezahlt hatte, in die tieferen Mysterien der Magie eingeweiht zu werden. Doch auch wenn ihre Augen nur noch knochenbleicher Gallert waren, nahm sie deutlich wahr, was um sie herum geschah. Sie sp�rte das warme Elfenblut ihre Arme hinabrinnen und genoss den eisigen Wind auf ihrer Haut.
DIE LETZTE GRENZE In dieser Nacht noch sollten die Trolle kommen, so hie es. Der Schwertmeister der Elfenk nigin beugte sich tief ber die M e seines Hengstes und trieb ihn unbarmherzig voran. Es waren noch viele Meilen zur Burg. Nichts hatte die Trolle in ihrem grausamen W ten aufhalten k nnen, seit sie nach Albenmark zur ckgekehrt waren. Drei blutige Siege hatten diese grobschl tigen Ungeheuer errungen, und Branbart, ihr K nig, hatte geschworen, Emerelle, die Herrscherin Albenmarks, zu erschlagen und aus ihrem Sch l eine Metschale f r seine Festtafel fertigen zu lassen. Verzweifelt hing der Elf seinen Gedanken nach. Alle hatten Emerelle verlassen. Und die K nigin hatte gewusst, dass es so kommen w rde. Die Herrschaft der Elfen w rde in dieser Nacht enden. Doch wenigstens er w rde an ihrer Seite sein! Dort, wo immer schon sein Platz gewesen war, wenn es galt, mit dem Schwerte f r Albenmark einzutreten. Hoffentlich kam er nicht zu sp Ollowain blickte auf. Der Weg senkte sich in ein weites Tal und folgte dem silbern gesprenkelten Band eines Baches. D stere Kopfweiden s ten das Ufer; wie gro Perlen schimmerten die wei n Knospen auf den pfeilgeraden, jungen ten im Mondlicht. Der Mond stand wie ein riesiger Schild aus geh ertem Silber am Himmel. Sein licht verlieh der lauen Nacht einen unheimlichen Zauber. Eine leichte Brise strich ber den Hang und trieb dem Elfenritter Bl tenbl er ins Gesicht. Er blinzelte und trieb den Hengst weiter an, seinem Ziel entgegen. Inmitten des weiten Tals erhob sich die Burg der K nigin. Ihre schlanken T rme schienen fast bis zum Mond hinaufzureichen, in dessen Schein die wei n Mauern silbern leuchteten. Der dunkle Fels, auf dem die Burg sich erhob, verschwamm mit dem samtigen Blau der Nacht, sodass es schien, als schwebe die Festung in der Finsternis. Jahrhunderte hatte das Volk der Elfen an dieser Burg gebaut. Trotz ihrer T rme und Mauern hatte niemand geglaubt, dass sie jemals angegriffen w rde, und sie war auch nicht errichtet worden, um einem Feind die Herrschaft ber das Herzland abzutrotzen. Sie sollte ein Sinnbild der Vollkommenheit sein. Obwohl Ollowain die Burg schon hunderte Male gesehen hatte, ber hrte ihr Anblick ihn stets aufs Neue. Es war ein Gef hl, wie es sonst nur Musik in ihm erwecken konnte, das traurige Lied einer Fl te vielleicht oder melancholisches Harfenspiel. Ein Schmerz, der sich nicht in Worte fassen lie s und durchdringend. Kein Horn k ndete von seiner Ankunft, und die lampen, die gew hnlich den Weg hinauf zum Burgtor in goldenes licht tauchten, waren verloschen. Der hohle Hufklang unter dem Torbogen war der einzige Willkommensgru der den Schwertmeister empfing, als er in die Burg einritt. Die Wachen waren verschwunden. Ihre Speere lehnten entlang der Mauer, so als seien die Krieger eben erst gegangen. Auf einem Sims stand ein FalrachTisch. Die Partie war vor dem Ende abgebrochen worden. Doch ein einziger Blick gen gte, um zu erkennen, dass Schwarz auf verlorenem Posten stand. Die K nigin war eingekreist in ihrer Burg, ihre Krieger standen auf dem ganzen Spielfeld verstreut. Ollowain trieb den Hengst ber den weiten Hof und dann den Marmoraufgang hinauf. Der Schwertmeister glaubte f rmlich sp ren zu k nnen, wie sich das Unheil ber der Burg zusammenzog. Er preschte einen S engang entlang. Die schweren, eisenbeschlagenen Hufe seines Schlachtrosses lie n Steinchen aus den kostbaren Bodenmosaiken splittern. Er musste Emerelle finden. Sie hatte die Burg nicht verlassen, da war er sich ganz sicher. Das schwere Bronzetor am Ende des Ganges, das sich sonst stets wie von Geisterhand ge ffnet hatte, blieb verschlossen. Es war so gro dass nicht einmal ein Riese sein Haupt h e neigen m ssen, wollte er in die Halle dahinter treten. Fein ziselierte Bilder zeigten, wie die Alben den letztgeborenen, den Elfen, ihre Welt anvertrauten, bevor sie f r immer verschwanden. Es war eine Mahnung an alle, die den Weg zum
| Reihe/Serie | Die Elfen | Heyne Bücher |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Maße | 135 x 210 mm |
| Gewicht | 752 g |
| Einbandart | Paperback |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Schlagworte | Elfen; Romane/Erzählungen • Fantasy • Fantasy, High Fantasy, Elfen, Albenmark, Emerelle |
| ISBN-10 | 3-453-52218-4 / 3453522184 |
| ISBN-13 | 978-3-453-52218-3 / 9783453522183 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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