DER GRÜNE KOMET (eBook)
236 Seiten
hockebooks (Verlag)
978-3-911629-00-3 (ISBN)
Herbert Werner Franke (* 14. Mai 1927 in Wien, ? 16. Juli 2022 in Egling) war ein österreichischer Wissenschaftler, Sachbuchautor und Science-Fiction-Schriftsteller. Er gilt nach wie vor als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Science-Fiction-Autoren. Einige seiner Werke veröffentlichte er unter den Pseudonymen Sergius Both und Peter Parsival. Franke war außerdem in den Bereichen Zukunftsforschung, Höhlenforschung sowie Computergrafik und Computerkunst aktiv.
Herbert Werner Franke (* 14. Mai 1927 in Wien, † 16. Juli 2022 in Egling) war ein österreichischer Wissenschaftler, Sachbuchautor und Science-Fiction-Schriftsteller. Er gilt nach wie vor als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Science-Fiction-Autoren. Einige seiner Werke veröffentlichte er unter den Pseudonymen Sergius Both und Peter Parsival. Franke war außerdem in den Bereichen Zukunftsforschung, Höhlenforschung sowie Computergrafik und Computerkunst aktiv.
Die Geschichten aus »Der grüne Komet«: Start | Schlag und Gegenschlag | Flucht und Zuflucht | Die Pfauen | Der Auftrag | Havarie | Der Beweis | Kalziumaktivierung | Fahrt ins Ungewisse | Die Rakete | Tiefkühlschlaf | Gedankenkontrolle | Unterschätzt | Präparat 261 | Glühende Schlangen | In der grauen Burg | Die Puppe | Der Spiegel | Besuch am Abend | Weiße Pupillen | Das Ei | Aktion 3 | Paradies | Invasion | Verdoppelt | Landung | Gewalt | Ausstrahlung | Die Tausendfüßler | Sabotage | Die Raupen | Verwandlung | Vergangenheit und Zukunft | Erwachen | Anklage | Geflüster | Streit | Fahrt zum Licht | Misstrauen | Zweitexemplar | Kalziumfresser | Selbstvernichtung | Der Schmarotzer | Rettung I | Heimkehr | Das Gebäude | Willkommen daheim | Die Erfindung | Meteoriten | Rausch | Der Entschluss | Links ist Tod | Krieg | Der Fund | Frau vom andern Stern | Freundschaft | Der Patient | Die Entscheidung | Psychotherapie | Schicksal | Rettung II | Friedensbruch | Flieg, Käfer, flieg! | Traum | Der grüne Komet
Kalziumfresser
Die höheren tierischen Lebewesen der Erde ernähren sich von organischen Stoffen. Es gibt niedrige Lebewesen – Bakterienarten –, die von der Energie leben, die sie aus einfachsten chemischen Reaktionen gewinnen. In einem Raumschiff lauert ein Eindringling und giert nach Kalzium …
Ich hätte es eigentlich früher merken sollen. Denn ich war, soweit ich zurückdenken kann, stets vom Willen erfüllt, anderen zu helfen. Aber ich kam erst vorige Woche darauf. Und die Kollegen ahnen bis heute noch nichts …
Auch ich selbst erkannte es erst in einer außergewöhnlichen Situation. Wir befanden uns damals auf der Rückfahrt von Psi 16 und hatten gut zwei Drittel der Reise anstandslos zurückgelegt. Niemand dachte an irgendetwas Schlimmes. Und was gehört zum Schlimmsten, das einem Raumfahrer passieren kann? Zweifellos ein Versagen der Lufterneuerungsanlage. Und gerade uns musste es treffen!
Es gab auch keine Möglichkeit zur Reparatur. Der Katalysator aus pulverisiertem Kalzium verschwand. Ja, er wurde von Stunde zu Stunde weniger, vor unseren Augen, ohne dass jemand angeben konnte, wo er hingekommen wäre. Ohne Kalzium ist aber die Reduktion des Kohlendioxids nicht möglich. Und wir hatten im Schiff keinen Ersatz – wer rechnet auch mit einem solchen absurden Vorfall!
Unser Sauerstoff reichte bestenfalls noch drei Tage.
Willy rührte sich nicht vom Thermopeiler weg, aber es bestand so gut wie keine Aussicht, ein System mit Planeten zu finden und schon gar nicht eines mit atembarer Luft.
Alle wussten es, der Captain verschwieg nichts – dazu vertrauten wir ihm zu sehr und er uns. Und ich muss sagen, alle hielten sich vorbildlich, schweigend ging jeder an seinen Arbeitsplatz zurück.
Und dann scholl Willys Geschrei durchs Schiff. Wer Zeit hatte, lief zu ihm in den Navigationsraum.
»Da ist etwas vor uns!«, rief er. »Schon ganz nahe!«
Richtig, auf dem Bildschirm bewegte sich ein blasses Scheibchen zwischen den unbeweglichen Sternen. Alle atmeten auf, aber der Captain dämpfte unsere Hoffnung.
»Was kann uns dieses Himmelskörperchen schon helfen?«, fragte er. »Ich schätze es auf nicht größer als einen Kubikkilometer. Sicher ein öder Felsbrocken.«
Rasch näherten wir uns, die Oberfläche war schon zu erkennen. Jack meinte: »Das ist ein komisches Ding! Wo sind die üblichen Zacken?«
Er hatte recht. Solche Irrläufer sind meistens wild zerklüftet, dieser war es nicht. Er hatte aber auch weder Kugel- noch Ellipsoidform – die tritt auf, wenn diese Metallklötze irgendwann einmal geschmolzen waren.
»Da ist eine Markierung!«, schrie jetzt der dicke Smoky. Sein fetter Bauch wabbelte aufgeregt.
Es war nicht zu verkennen. Drei weiße Pfeile zeigten auf eine zentrale Stelle. Willy lenkte dorthin. Alle schauten angestrengt.
»Kinder«, schrie der Captain, »das ist ein Raumschiff! Ein riesiges, tolles Monstrum von einem Raumschiff!«
Jetzt sahen wir auch die Luken und das Geländer einer Einstiegsrampe. Was soll ich berichten? Wir landeten, halfen Willy in seinen Raumanzug, und er stieg aus. Wir sahen ihn an der Luke hantieren, es dauerte gar nicht lange, und sie öffnete sich, er verschwand im Inneren. Unsere Geduld wurde kaum beansprucht, denn er erschien bald wieder und rief uns nur ein Wort durch die Sendeanlage zu: »Luft!«
Wir stiegen über und staunten. Das übertraf alle unsere Erwartungen. Nicht nur, dass die Luft atembar war – wir waren von einem Luxus umgeben, den man sich nicht einmal erträumen kann. Das Ganze war in unzählige Räume geteilt, größere und kleinere, aber jeder eingerichtet wie eine Hollywoodvilla – mit modernen Liegesesseln, farbigen Matten, Einbauschränken. Nur die Fische in den Aquarien waren tot und die Blattpflanzen auf eigentümliche Weise in sich zusammengesunken, gelb und verwelkt. Sonst war alles in bestem Zustand, geordnet und sauber, aber – wir fanden keinen Insassen!
Ich bemerkte, dass der Captain nicht so froh war, wie er es nach diesem unglaublichen Glücksfall eigentlich hätte sein sollen.
»Wir bleiben zusammen«, befahl er. »Zunächst quartieren wir uns in einigen Räumen in der Nähe des Eingangs ein. Keiner entfernt sich ohne Erlaubnis von den andern.« Wir schleppten einen Teil unserer Lebensmittel heran und machten es uns gemütlich. Am nächsten Tag begann der Captain mit Streifzügen, er nahm stets zwei Mann mit. Abwechselnd, sodass jeder drankam.
Zunächst passierte wenig. Wir fanden immer neue Räume, die sich durch nichts von den anderen unterschieden. Bis auf die abgestorbenen Lebewesen war alles in Ordnung. Nur einige Dinge fielen uns auf, erschienen uns aber nicht wesentlich: Da waren einige Gefäße zu Staub zerfallen – die pulvrigen Überreste lagen noch so da, dass man ihre früheren Formen erkennen konnte. Bei einigen Spiegeln hatte sich das überdeckende Glas zu einer undurchsichtigen, spröden Masse gewandelt. Fast in allen Bildern hatten sich einige Farben zersetzt. Ein groteskes Mosaik von Eindrücken.
Schon am zweiten Tag fand der Captain die Navigationsräume. Das System war leicht durchschaubar. Die Erbauer des Schiffs müssen menschenähnlich gewesen sein, wenn auch wahrscheinlich ein wenig weiter als wir. Conny stellte fest, dass noch genügend Treibstoff da war, und Willy konnte einen Kurs ausrechnen und einstellen.
Bei meinem ersten Patrouillengang streifte ich mit Smoky und dem Captain in den entlegensten Regionen umher, in den Räumen, die unserem Eingang gegenüberlagen. Als wir gerade eine Art Veranda mit ganzen Reihen vertrockneter Kakteen betraten, blieb der Captain plötzlich stehen. Er bedeutete uns mit der Hand, aufzupassen …
»Habt ihr es auch bemerkt?«, fragte er dann.
»Dieses eigentümliche Ziehen?«, fragte Smoky zurück.
»Genau das«, gab der Captain zurück. Beide sahen mich jetzt Antwort heischend an.
»Ich habe nichts gespürt«, musste ich gestehen.
»Es ging mir durch den ganzen Körper«, erklärte der Captain, »als wenn darin ein Unterdruck entstanden wäre – etwas Wühlendes, Saugendes. Es war allerdings nicht schlimm, nicht einmal unangenehm.«
Es muss aber doch schlimmer gewesen sein, als die beiden zugeben wollten – der Captain ordnete den Rückzug an.
Nicht weit von unseren Räumen passierte dann ein Missgeschick: Smoky brach sich ein Bein. Ein glatter Bruch der Knöchelgabel. Wir mussten eine Tragbahre improvisieren und ihn das letzte Stück schleppen.
Er wusste selbst nicht, wie es gekommen war. Er meinte, dass er wohl gestolpert sein müsse. Er war aber nicht gestolpert. Ich war hinter ihm gegangen und hatte gesehen, dass das Bein unter dem Gewicht seines Körpers einfach nachgegeben hatte, eingeknickt war. Nun ist Smoky mit seinen 180 Pfund zwar kein leichter Knabe, aber das ist doch nicht in Ordnung, dass die Knochen einfach zusammenbrechen!
Bei diesem Pech blieb es aber nicht. Einige fingen nämlich über Mattigkeit, Appetitlosigkeit und Muskelschmerzen zu klagen an. Der Doc schüttelte den Kopf. Er konnte sich die Symptome nicht erklären. Die Stimmung wurde gereizt, einer fuhr den anderen an – aber gerade Jack, der durch nichts aus seiner Ruhe zu bringen ist, brachte sie auf den Nullpunkt. Der Captain pfiff den Koch an, weil ihm das Essen nicht schmeckte – wohl ein bisschen heftiger, als notwendig gewesen wäre –, und Jack wollte die Situation retten. Mit gezwungener Lustigkeit rief er: »Na, besser noch schlechtes Essen als keine Luft.« Und gab dem Captain freundschaftlich einen sanften Boxer. Ich war dabei, und ich kann versichern, dass es nur ein ganz leichter Schlag war. Aber der Captain knickte glatt zusammen. Zuerst glaubten wir, es wäre ein Witz, dann ging uns ein Licht auf, dass es doch ernster sein müsse. Wir holten den Doc, und der stellte drei gebrochene Rippen fest.
Der Captain konnte nun die Streifzüge nicht mehr anführen. Man kann sich seine Laune vorstellen, als er Willy damit beauftragte.
Gleich bei seinem zweiten Erkundungsgang kam dieser mit einigen Lochstreifen zurück – das erste Anzeichen einer Art Schrift. Der Captain, der sich nicht bewegen durfte, machte sich an die Entzifferung. Sie gelang ihm ziemlich schnell, und endlich erfuhren wir, was es mit dem Schiff für eine Bewandtnis hatte.
»Alles ist mir noch nicht klar, aber einiges habe ich doch herausgebracht«, erklärte er. »Der Kasten, in dem wir jetzt festsitzen, ist ein Fahrzeug einer großen Flotte, die bei irgendeiner Übersiedlungsaktion war. Ungefähr eine Million Lebewesen war drin. Während der Fahrt erkrankten sie nach und nach und wurden auf andere Schiffe übergesetzt. Was die Ursache dafür war, verstehe ich noch nicht ganz, da steht zwar etwas, die wörtliche Übersetzung hieße ›Kalziumfresser‹.«
Wir sahen wohl alle etwas ratlos drein, aber der Doc sprang auf, holte sein ärztliches Besteck und rannte zu Spike, den es am ärgsten gepackt hatte. Er lag in einem Einzelraum, den wir als Krankenzimmer ausgestattet hatten. Der Doc zapfte ihm Blut ab, und was es noch an solchen Dingen gibt, und verschwand in seinem notdürftig ausgestatteten Labor. Nach einer Weile kam er mit einem Reagenzgläschen heraus, das er uns vor die Nase hielt.
»Da habt ihr die Erklärung«, rief er.
Ein weißer flockiger Niederschlag wirbelte in der Eprouvette – wir hatten natürlich keine Ahnung, was er zu bedeuten hatte.
»Kalziummangel!«, japste der Doc. »Der Kalziumspiegel ist weit unter den zulässigen Wert gesunken. Jetzt verstehe ich, wieso unsere Knochen brechen und unsere Zähne wackeln.«
»Kalzium?«, fragte der Captain nachdenklich. »Unser Katalysator bestand doch aus Kalzium …?«
»Unsinn«,...
| Erscheint lt. Verlag | 27.10.2024 |
|---|---|
| Verlagsort | Grünwald |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Goldmann • Kurzgeschichten • Science-fiction • Short Storys |
| ISBN-10 | 3-911629-00-1 / 3911629001 |
| ISBN-13 | 978-3-911629-00-3 / 9783911629003 |
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