Lebenselixier "Angelfischen" (eBook)
408 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-5898-8 (ISBN)
Alfred Suttner, geboren 1950, hatte bereits als zwölfjähriger Feriengast die besondere Gelegenheit, in einem schönen, natur-belassenen Forellenbach mit seinem Cousin zu fischen. In den nachfolgenden Ferienaufenthalten konnte er dann auch mit einer Haselnussgerte selbständig den schönen, rotgetupften Forellen mit Wurm nachstellen. Diese Erlebnisse prägten ihn für seine zukünftige, lebenslange Angelleidenschaft. Trotz dieser frühjugendlichen Eindrücke wurde er aber erst mit dreiunddreißig Jahren zum geprüften Angelfischer. Mit zweiunddreißig Jahren wurde er beim Schwarzfischen in einem Forellenbach erwischt. Dies veranlasste ihn dazu, endlich die Fischerprüfung zu absolvieren. Etwa ab dem sechzehnten Lebensjahr wurde diese Leidenschaft durch die mehr oder weniger wichtigen Nebensächlichkeiten zunehmend gedämpft. Das jugendliche Interesse am anderen Geschlecht, schulische Weiterbildung, Bundeswehrzeit, Studium und Gründung einer Familie sowie das Interesse an der Modell- und Segelfliegerei waren die wesentlichen Gründe, die Fischerei zu vernachlässigen. Als Ausgleich zu seiner nebensächlichen beruflichen Tätigkeit als Ingenieur, hatte er dieses schöne Hobby nach der Fischerprüfung wiedergefunden. Es gab ihm oftmals die nötige mentale Atempause, die zur beruflichen Kreativität und Problemlösung beitrug.
Zuhause an der Donau
Angesteckt von meinen bisherigen Angelerlebnissen in den Ferien am Forellenbach, wollte ich mit fünfzehn Jahren auch mein Anglerglück an der Donau versuchen. Ich ging mit der aus Immeldorf mitgebrachten Haselnussgerte, die mit Wurm beködert war, an ein Altwasser. Ziemlich vorne auf einer Buhne warf ich meine Angel aus, sodass der Schwimmer im ruhigen Wasser stand. Im Gegensatz zum Fischen im Bach war dies eine für mich neue Art, Fische zu fangen. Diese Methode zeigten mir Freunde, die schon länger an der Donau fischten, natürlich ohne Angelschein. Der Flussbarsch, den man auch »Bürschterer« nannte, war die Hauptbeute meiner Freunde. In der Donau kommt der Flussbarsch sehr häufig vor und ist deshalb oft nicht größer als fünfzehn bis zwanzig Zentimeter. Aber es gibt auch einige größere Fische mit über dreißig Zentimeter, wie ich von meinen Freunden erfuhr.
An diesem Tag wollte ich gerne ein größeres Exemplar der genannten Gattung erwischen, deshalb ließ ich den Schwimmer nur kurz aus den Augen. Voller Anspannung merkte ich zunächst nicht, wie zwei Polizisten ihren Dienstwagen oben am Damm parkten und zu mir heruntergingen. Zum Glück wanderten meine Blicke noch rechtzeitig in Richtung Ufer. Als ich die beiden bemerkte, waren sie schon am Anfang der Buhne. Da eine Buhne eine schmale, weit ins Wasser ragende Halbinsel darstellt, blieb nur noch die Flucht nach vorne übrig. Kurz entschlossen zog ich meine Sachen bis zur Unterhose aus und schwamm in die hier stark strömende Donau. Sofort hörte ich die Zurufe der Polizisten. »Hallo Bub, wir wollen dir doch nichts tun, du bist doch verrückt, dich wegen unerlaubten Fischens in so eine Gefahr zu begeben. Wir wollen nur erklären, dass das Fischen in deinem Alter nur mit vorläufigem Erlaubnisschein in Begleitung eines Erwachsenen, der ebenfalls einen Angelschein besitzt, erlaubt ist.« Trotz der beruhigenden Worte änderte ich mein Vorhaben nicht. Ich wollte über die Donau schwimmen. Die beiden Ordnungshüter blieben an der Buhnenspitze stehen, bis ich das andere Ufer erreicht hatte. Als ich drüben angekommen war, sah ich, wie sie meine Sachen durchwühlten und meine Haselnussgerte mitnahmen. Dies ärgerte mich schon, da an dieser ersten Angelrute nicht nur meine ersten Forellen, sondern auch einige schöne Erinnerungen hingen.
Nachdem das grüne Auto verschwunden war, ging ich etwas weiter stromaufwärts, um beim Zurückschwimmen das Abtreiben durch die Strömung auszugleichen. An diesem Tag herrschte warmes Hochdruckwetter, sodass ich bei diesem Unternehmen nicht zu frieren brauchte. Durch den Verlust meiner Haselnussgerte kam ich zu einer Teleskoprute mit Stationärrolle, die es im Kaufhaus als Fertigset mit Schwimmer, Schnur und Haken zu kaufen gab. Durch dieses Erlebnis wurde ich beim Barschangeln schlauer. Ich fischte nun nicht mehr an leicht einsehbaren Uferbereichen, sondern achtete bei der Wahl des Angelplatzes auf ausreichende Deckung.
~
In der Schule lernte ich von unserem Lehrer J. M. während des Heimat- und Sachkundeunterrichtes alle Fischarten der Donau kennen. Viele von uns mussten ein Schaubild des jeweiligen Fisches, mit detaillierter Ansicht seines Innenlebens, mit bunter Malkreide an die Tafel zeichnen. Alle anderen Schüler zeichneten die Fische dann ins Heft von der Tafel ab. Unser Lehrer, der auch das Fischrecht an der Donau besaß, durfte mit dem Netz die Donaufische fangen, die er auch für seine Gastwirtschaft benötigte.
Eines Tages fragte er uns während des Unterrichtes, ob zwei von uns Buben bereit wären, seine Zille mit den Netzen wieder stromaufwärts zu bringen. Mein Freund und Klassenkamerad Rudolf und ich meldeten uns sofort, denn wir sollten noch im Laufe des Vormittags damit anfangen. Wir waren uns einig, dass diese Beschäftigung uns besser gefallen würde, als gelangweilt in der Schule zu sitzen. Unser Lehrer schlief nämlich manchmal vorne auf seinem Pult mit der Zeitung in der Hand ein und wurde erst wieder wach, wenn wir immer lauter wurden. Meistens hatten wir dann schon das Abmalen erledigt.
Voller Vorfreude rannten wir zur Donau Richtung Oberndorf und schauten uns nach der Zille um. Es war so gegen neun Uhr vormittags, die Donau dampfte noch in der Morgenkälte, als wir die Zille vom Ufer losbanden. Wir hatten natürlich unsere Angelruten dabei. Wie die alten Donaufischer stachen wir uns mit den Rudern gegen die Strömung am Ufer entlang aufwärts, um möglichst schnell ins nahegelegene Altwasser zu gelangen. Für uns war es die erste Gelegenheit, mitten in einem Altwasser im Boot zu fischen. Schnell waren die Würmer am Haken und schon konnte deren Tauchfahrt in die verheißungsvolle Tiefe beginnen. Wir hatten schöne Schwimmer aus Kork, bei denen die obere Hälfte rot angestrichen und nach unten weiß umrandet war. Nachdem sich die Schwimmer aufgestellt hatten, warteten wir voller Spannung auf das so ersehnte Abziehen und eventuelle Abtauchen der Bissanzeiger.
Nach vielleicht einer halben Stunde zitterte endlich Rudolfs Schwimmer und legte sich dann auf die Seite. Als sich nach einer Weile der Schwimmer immer noch nicht rührte, dachten wir, dass der Fisch den Wurm wieder losgelassen hat. Rudolf wollte gerade die Schnur einholen, als plötzlich der Schwimmer unter Wasser gezogen wurde. Rudolf setzte den Anhieb. Die Schnur straffte sich und die gekrümmte Rute zeigte an, dass ein beträchtliches Gewicht an der Angel zog. Der Fisch wehrte sich jetzt mit uns unbekannter Ausdauer, die wir beim Fang der Barsche nie erlebt hatten. Ich rief Rudolf zu, er soll doch die Spulenbremse lockern, damit die Angelschnur nicht reißt. Mein Angelkumpel gab mir nun die stark unter Spannung stehende Rute und wollte, dass ich die enorme Abzugskraft des Fisches zu spüren bekam. Es ist gut, dass mein Freund die Drillfreuden mit mir teilen will, fiel mir auf. Aber schon nach etwa zwei Minuten nahm er mir die Rute aus der Hand, um weiter zu drillen. Wann kommt denn dieser Fisch endlich an die Oberfläche, rätselten wir. Rudolf quälte sich schon sichtlich mit dem Fisch ab. Doch dann kam ein dunkler, breiter Rücken aus der Tiefe empor. Wie wir erkannten, handelte es sich um einen Karpfen. Es war ein voll beschupptes Exemplar. An der Wasseroberfläche dauerte es noch einige Zeit, bis sich der Fisch ermüdet zeigte. Nach noch vielleicht fünfzehn Minuten ließ sich der etwa zwei Kilogramm schwere Cyprinide mit den Händen ins Boot hieven. Soweit ich mich erinnern kann, war dies der schwerste Fisch, der von unserer Anglerbande damals gefangen wurde. Ich erlebte später noch viele schöne Angelabenteuer mit meinen Freunden an der Donau.
Wir fingen auch manchmal schöne Aitel (Döbel) mit den Händen auf der lang gezogenen Buhne, die ein größeres Altwasser von der strömenden Donau trennte. Die nicht mehr intakten Stellen der Steinpackung wurden durch Hochwasser öfters überspült, sodass wir die hierdurch gebildeten Tümpel zur Donau hin mit Steinen absperren konnten. Ich kann mich heute noch an diesen spezifischen, schwer beschreibbaren Geruch erinnern, der mir beim Riechen an den Schuppen der frisch gefangenen Aitel in die Nase stieg.
Kam ich ohne Socken nach Hause, ließ mich auch das Geschimpfe meiner Mutter nicht von der Fischerei abbringen. Die Socken wurden nämlich einige Male ein Opfer des Lagerfeuers, wenn sie beim Trocknen ins Feuer fielen.
Schließlich erlaubte uns der Lehrer, dass wir die Fische aus den Netzen holen durften. Dabei lernten wir die meisten Donaufische, die wir in der Schule von der Tafel abzeichneten, in natura kennen. Es gab damals noch viele große Nasen in der Donau, die im Volksmund als »Weiße« bezeichnet wurden. Heute gibt es diese Fische durch den Bau des Wasserkraftwerkes und eventuell durch verstärktes Einleiten kommunaler Abwässer nur noch selten.
~
Ein besonderes Ereignis, das mir gut in Erinnerung blieb, möchte ich noch an dieser Stelle erwähnen. Als wieder einmal im Frühjahr ein größeres Hochwasser die Gemüter beschäftigte, kam eine herrenlose Zille die Donau heruntergeschwommen. Meine beiden Freunde und ich schwammen, trotz der gut gemeinten Warnrufe der Feuerwehrleute, zur Zille hin und stiegen ein. Mit einem lockeren Holzbrett dirigierten wir das Wassergefährt zum Ufer. Als das Hochwasser vorbei war, zogen wir auf untergelegten, runden Hölzern das Boot an Land und restaurierten es. Die Unterseite wurde geteert und die fehlenden Bretter und der beschädigte Spant am Bug durch neues Holzmaterial ersetzt. Auf diese Weise kamen wir selbst zu einer gut brauchbaren Zille, die schätzungsweise sechs Zentner gewogen haben dürfte. Auf meinen Ratschlag hin rüsteten wir unsere Zille als segelfähigen Kahn aus. Dadurch konnten wir bei steifer Brise aus Nord die Donau von Oberndorf aus bis Bad Abbach stromaufwärts befahren.
An einem schönen Sommernachmittag warf Rudolf in der Strommitte plötzlich den Anker, der sich natürlich am Grund verfing. Mit einem Ruck wurde die Zille am Abtreiben gehindert. Die gespannte Kette ragte circa zwei bis drei Meter aus dem Wasser. Wir waren zu dritt an Bord und gingen zum Bug des Kahns vor. Durch die enorme Gewichtsverlagerung nach vorne...
| Erscheint lt. Verlag | 22.10.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| ISBN-10 | 3-7693-5898-8 / 3769358988 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-5898-8 / 9783769358988 |
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