Science Fiction Stories IV (eBook)
364 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7597-5766-1 (ISBN)
Galax Acheronian ist ein Autor und Illustrator, der bereits in jungen Jahren Geschichten schrieb. Anstatt über sich selbst zu sprechen konzentriert er sich darauf, gute Geschichten zu erzählen. Seit 2009 veröffentlicht er regelmäßig Kurzgeschichten, Novellen und Romane aus dem Bereich Science-fiction und Fantasy. Gelegentlich versucht er sich auch als Herausgeber. Mehr Informationen gibt es auf www.acheronian.de
Mit einem summenden Ton meldete die Heizfläche, dass das Wasser die richtige Temperatur erreicht hatte: 41,5 Reed.
Stoßweise drang heißer Dampf aus der fünfeckigen Pyramide, an der seitlich ein gebogener Griff befestigt war. Direkt daneben befand sich eine hohe verzierte Schale mit einem aromatischen Pulver aus 27 getrockneten Makobibeeren.
Das dampfende Nass ergoss sich in das Pulver und verströmte sofort den sinnlichen Duft der Beeren, die so süß waren, dass man sie pur kaum essen konnte.
Clay griff die Schale und trug diese an sein Computerterminal, das sich noch immer nicht mit dem Satelliten verbunden hatte.
Hier draußen zu leben hatte zwei Seiten: Zum einen gab es natürlich die Abgeschiedenheit, die Stille und die Tatsache, dass man auch mal nackt in den Garten gehen konnte … Außer Flugechsen, Traponas und Dri'gans gab es hier keine Kreatur, die sich merklich nahe an Clays Hütte neben dem See heranwagte.
Auf der anderen Seite dauerten Bestellungen beinahe einen halben Sonnenzyklus, ehe sie diesen Planeten erreichten. Ebenfalls war keine Echtzeitkommunikation möglich. Clay hielt sich jedoch an die positiven Dinge, startete sein
Musikprogramm und ließ ein paar seiner Lieblingslieder anklingen. Früher hatte er mitgesungen, da ihn hier niemand hören oder kritisieren konnte. Er meinte sogar, dass er inzwischen eine ganz passable Stimme hatte, … schließlich traf er die Töne, konnte sie allerdings nie sehr lange halten.
Neben seinem Computerterminal befand sich ein schmaler Tisch, den Clay wie vieles hier selbst gezimmert hatte. Mit seiner Liebe zum Detail war jedes Möbelstück in Handarbeit entstanden und wie die Wände mit Schnitzwerk geschmückt. Dabei war der Fokus auf die Optik gelegt, aus den wenigen Zimmern ein gemütliches Heim zu schaffen, in dem man gerne lebte ... und sich wohlfühlte.
Um das Tageslichtfenster hingen reihum breite Blumenampeln in kunstvoll geschnitzten Behältern. Auch der Tisch hatte an den Seiten feine Verzierungen. Auf der mit einem geschwungenen Rand versehenen Platte waren mehrere Miniaturhügel angehäuft sowie feine aus Holz, Steinen oder Lehm zusammengesteckte Pflanzen, Häuser und Plätze.
Wenn dieses Modell irgendwann einmal fertig sein sollte, bildete es Clays Heimatdorf ab, welches er nun schon so lange nicht mehr gesehen hatte. An einigen Tagen stand er nur davor, versuchte sich zu erinnern, wie es einmal gewesen war. Manchmal musste er die filigranen Gebäude oder Pappfelsen umsetzen, weil er bemerkte, dass sie sich in Wahrheit an einem ganz anderen Standort befunden hatten. Auch jetzt starrte er auf das Modell und überlegte.
Genüsslich schlürfte er dabei seinen Makobi. Einer Eingebung folgend nahm er einen Spatel und hob mit dessen feiner Spitze einen Weg in seinem Modell aus. Nachher würde er wohl Kieselsteinchen sammeln, die er dort auslegen wollte.
Mit Blick zum offenen Fenster erkannte er den hohen Sonnenstand. Es war längst überfällig, seine Pflanzen zu gießen. Clay hatte jede einzelne der hier wachsenden Nutzpflanzen selbst entdeckt, gesammelt und kultiviert. Als er damals auf diesem sumpfigen Planeten gelandet war, um an diesem Ort sein Leben zu verbringen, war er durch Dutzende Wälder und über unzählige Wiesen gestreift, um Proben von allerhand Pflanzen zu nehmen, die er auf ihre Verträglichkeit und den Nährwert getestet hatte.
Sieben Gemüsesorten und drei Obstbäume zählten zu seiner stolzen Ausbeute. Die Schalentiere aus dem See und Eingelegtes halfen ihm über die kühlen Jahreszeiten, die sich unregelmäßig abwechselten. Der Planet besaß zwei Monde, wovon einer erheblich größer war und den Planeten zu einer elliptischen Bahn um seine Sonne zwang, die sich alle zwei Zyklen wieder einpendelte.
Daher folgte im steten Wechsel ein besonders kalter Winter auf einen sehr milden. Natürlich hatte Clay sich eine Region ausgesucht, die von den kalten Zeiten nur gering heimgesucht wurde und auch von Hitzewellen der gelegentlich sehr heißen Sommer verschont blieb. Mit seinen kräftigen Armen hebelte er die Pumpe und ließ Wasser in seinen Eimer laufen, den er schließlich sorgfältig neben den Pflanzen in die dafür angelegten Rillen goss. Clay hatte es sich angewöhnt, jeden Tag mit seinem Gemüse zu sprechen. In seiner Kultur war das auch mit der Jagdbeute üblich – vor und nach der Tötung. Solche Beute gab es hier jedoch nicht allzu viel, sogar weniger als Gesprächspartner, wie er scherzhaft seinen Pflanzen erzählte, die er als solche in Betracht zog.
»Was hast du denn da?«, grunzte seine tiefe Stimme und schob eines der faltigen Blätter zur Seite.
Schwarz wie die Nacht hockte da einer dieser ekelhaften Klammerkäfer mit pulsierendem Hinterleib. Ekelhaft, weil sie einfach scheußlich schmeckten – selbst gebraten.
Vorsichtig nahm er das handtellergroße Insekt, das nur widerwillig das Blatt der Kosani freigab. Mit kräftigem Schwung warf er ihn in den See und widmete sich sofort wieder der Pflanze; wo ein Klammerkäfer war, war meist ein zweiter oder gar dritter, weshalb Clay unter jedes Blatt einer jeden Kosani blickte.
Es blieb bei dem einen, was ihn ungemein erleichterte. Kosani reiften nur einmal pro Zyklus und zählten zu den gesündesten und schmackhaftesten Pflanzen des ganzen Planeten. Schon jetzt waren die fleischigen Knospen kräftig grün und strömten ihr eigentümliches Aroma aus.
Allerdings war die Erntezeit noch nicht gekommen. Vorsichtig strich er über eine der Früchte und prüfte ihre Kon-sistenz. Jede einzelne musste perfekt sein und sollte erst geerntet werden, wenn sie sich leicht lösen ließ und auch noch nicht zu Boden geneigt war. Nur mit den Spitzen seiner Finger testete er die mit dem dunkelsten Grün, goss an jeder Pflanze etwas Wasser in die Rillen und überließ das Gewächs sich selbst. Andere Gemüsesorten war bereits erntereif. Sorgfältig grub er die Scodwurzeln aus wie auch die Trins, ein längliches Hülsengemüse.
Mit den getrockneten Kräutern des Vorjahrs und einigen der frischen Schalentiere ergaben sie eine würzige, sättigende Suppe.
***
Nach dem Essen betrachtete Clay noch einmal das Modell seines Dorfes und entschied aufgrund der Uhrzeit, nicht mehr nach Steinen zu suchen. Stattdessen widmete er sich dem Webstuhl. Seit einer gefühlten Ewigkeit steckte er gefärbte Grasfasern zu einem Teppich zusammen. Ihm war der Platz vor seinem Bett immer zu kahl gewesen.
Zwar fehlte es seiner Hütte nicht an Atmosphäre, aber einen Teppich gab es bisher nicht. Daher hatte er sich die Bauanleitung eines Webstuhls heruntergeladen und auch, wie man einen schönen Vorleger knüpfte. Da das Tageslichtfenster über ihm nicht ausreichend Licht für die Arbeit spendete, aktivierte er die Beleuchtung in seiner winzigen Küche und setzte bei der Gelegenheit noch einmal Wasser auf. Fast schon automatisch zählte er die getrockneten Makobibeeren ab. Eine Zeitlang hatte er versucht, die korrekte Anzahl mit nur einem Griff zu nehmen, doch es wollte ihm einfach nicht gelingen. Der Computer in seinem Rücken signalisierte, dass etwas in den Erfassungsbereich des Satelliten gekommen war. Clay wandte seinen großen Kopf und trat an die vier runden Displays.
»Jetzt schon?«, fragte er sich und wählte die Analysedaten des soeben aufgetauchten Kontaktes an.
Regungslos starrte er auf den Hauptschirm. Die anderen drei Bildausgaben, seitlich davon angebracht, zeigten weitere Details des näherkommenden Raumobjektes. Es war keine Kurierkapsel, die wie üblich seine Bestellung brachte, sondern etwas deutlich Größeres. Hatte er schon wieder so viel bestellt, dass ein Schiff benötigt wurde? Was das wieder kosten würde …
Das System hatte den Transponder ausgelesen und zeigte nun die Kennung »Unbekannt« neben dem Statussymbol an.
Clay brummte unzufrieden auf. Seine drei Finger glitten über die Eingabefelder und aktivierten eine neue Analyse. In der Darstellung teilte sich das Objekt. Ein kleineres, offenkundig ein Shuttle, löste sich vom Hauptteil und senkte sich rapide ab. Obwohl es sich in einem ungewöhnlich schnellen Sinkflug befand, sollte dieser Flug noch eine ganze Weile anhalten. Sicher war nur eines: Der Kurs führte es direkt hierher.
Als die Kennungsanalyse erneut versagte, ließ Clay sich den Bestellungsstatus von Light Speed Delivery anzeigen, der ihm nur die Information nannte, dass seine Waren »unterwegs« seien und bald ihr Ziel erreichen würden.
»Sehr informativ«, brummte er, blickte auf den Status des ankommenden Schiffes, legte die Hände an seinen Kiefer und ließ seine Gedanken spielen. Es lag sehr wohl im Rahmen der Möglichkeiten, dass seine Lieferung diesmal etwas schneller kam. Gründe dafür gab es zur Genüge. »Nun ja …«, beendete er seine Überlegungen. »Womöglich sind doch noch Wunder möglich.«
Er wählte die Steuerung für die Landezone an, aktivierte die Positionslampen und die Assistenten-KI, die der Schiffs-KI des Shuttles bei der...
| Erscheint lt. Verlag | 8.10.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-7597-5766-9 / 3759757669 |
| ISBN-13 | 978-3-7597-5766-1 / 9783759757661 |
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