Broken Souls and Bones - Feind. Beschützer. Geliebter. (eBook)
661 Seiten
Blanvalet Taschenbuch Verlag
978-3-641-33051-4 (ISBN)
Das Knochenwirken ist eine Kunst, die im Königreich Estra nur wenige beherrschen. Denn der magiebesessene König hat es auf alle abgesehen, die Knochen heilen – oder zerstören – können, und zwingt sie in seinen Dienst. Lyra ist es gelungen, sich vor den Schergen des Königs zu verbergen. Bis Roark, der Meuchelmörder der Krone, sie entlarvt. Lyra muss aus der Gefangenschaft entkommen, und das gelingt nur, wenn sie den Mann für sich gewinnt, der sie hinter Gittern gebracht hat. Doch warum spricht Roark kein einziges Wort? Zusammen werden Lyra und Roak das Reich heilen oder zerstören ...
Enemies-to-Lovers trifft auf nordisch inspirierte Mythologie: Der neue Romantasy-Roman von SPIEGEL-Bestsellerautorin LJ Andrews!
Die SPIEGEL-Bestsellerautorin LJ Andrews ist bekannt für ihre düsteren Romantasy-Sagas »The Broken Kingdoms« und »The Ever Seas«, die auf TikTok zum Bestsellerphänomen geworden sind und millionenfach gelesen werden. Ihr neuester Roman »Broken Souls and Bones« erscheint im Mai 2025 zeitgleich auf Deutsch und Englisch. LJ Andrews liebt dunkle Welten, die von unbeugsamen Love Interests bevölkert werden. Wenn die Autorin nicht schreibt, hält sie ihre vier Kinder im Zaum, verbringt Zeit mit ihrem heißen Ehemann oder wandert durch die Berge von Utah.
1
Roark
DER TOD DES JUNGEN WAR MEINE SCHULD.
Uther wurde vor Anbruch der Morgendämmerung unweit der Steinmauern der königlichen Festung mit dem Gesicht nach unten im Fluss gefunden. Ein neuer Stav-Gardist in der Einheit, die meiner Obhut anvertraut war, bloß ein Junge von achtzehn Jahren. Die Leiche war in der Mitte aufgerissen, die Brust zerfleischt, die Rippen geborsten wie ein aufgesprungenes Gänseei.
Man hatte ihn zu früh in die Halle der Götter in Salur geschickt.
Der flache Karren, auf dem der Leichnam des jungen Gardisten lag, rollte an einer Reihe reglos verharrender Stav vorbei. Die Palastheilerin hatte sein zu Brei zerschlagenes Gesicht, das von der Nacht im Wasser blau gefärbt war, mit einem Tuch bedeckt, doch als ein Rad über einen Stein im Weg holperte, verrutschte der Stoff.
Ich ballte die Fäuste; meine Fingernägel drangen in meine schwieligen Handflächen.
Uthers blasse Augen standen weit offen, zu starr, um geschlossen zu werden, und stierten mit einem Ausdruck von Furcht die Mittagssonne an. Blutspritzer bedeckten seinen Hals, seine Lippen, seine zerfetzte schwarze Stav-Tunika.
»Dravener«, flüsterte ein schlaksiger Stav-Gardist einem anderen zu. »So muss es sein. Uther war Knochenwirker.«
Ich schloss die Augen und verabscheute die Wahrheit, die in diesen Worten lag.
Geschichten über verschiedene Arten magischen Wirkens fanden sich in den Sagas über den ersten König, den Wanderer, der eine Tochter der Götter gerettet hatte. Zur Belohnung hatte der Wanderer einen Anteil an den drei Mitteln der Macht der Götter erhalten, um sein neu gegründetes Königreich zu stärken: Knochen, Blut und Seele.
Die meisten in den Reichen Stìgandr hielten die Geschichten für bloße Märchen, aber das magische Wirken gab es tatsächlich.
Knochenwirken formte Knochen zu Klingen, die so gut wie unzerbrechlich waren. Es stellte Heilelixiere aus Pulver und Gifte aus ausgekochtem Knochenmark her. Blutwirken nutzte Blut für Zaubersprüche und Runenmagie. Seelenwirken entzog den Toten Kraft und war in Dravenmoor, dem Königreich jenseits der Schluchten, die gängigste magische Veranlagung.
Die Dravener verabscheuten König Damir aus dem Hause Oleg, den König von Jorvandal, und behaupteten, er würde auf Zauberwirken zurückgreifen, um seine Krieger und Rüstkammern auf verwerfliche und verbotene Art zu stärken.
Ich hätte nicht unbedingt behauptet, dass sie unrecht hatten, aber das linderte nicht den in meinem Blut tobenden Zorn darüber, dass ein Junge allein dafür abgeschlachtet worden war, dass er seine Pflicht erfüllt hatte.
»Wenn ich könnte, würde ich jeden verdammten Dravener auf einem Spieß verbrennen«, verkündete der Gardist.
Der andere Stav zischte ihm zu, still zu sein, und sein Blick suchte mich – ein Dravener und ihr Vorgesetzter.
Meine Blutlinie entstammte dem feindlichen Königreich, aber meine Treue gehörte Jorvandal, seit ich vor den Toren der Festung vor einem Dutzend Winter vermeintlich tot zurückgelassen worden war.
Aber für einige, sogar für meine eigenen Männer, würde ich immer ihr Feind bleiben.
Meine Schritte knirschten im Kies, als ich durch den Türbogen der Stav-Quartiere eilte, eines Langhauses, das darauf ausgelegt war, Dutzenden von Männern Platz zu bieten.
Im großen Saal erstarben die Flammen in der Feuerstelle im Winkel schon zu glühenden Kohlen, und Trinkhörner mit dünnem Honigmet lagen noch aus den letzten Nächten voller Ausschweifungen unbeachtet herum. Stav in Ausbildung hatten die kalten Monate in Steintor verbracht, aber nach dem Feiern waren sie zu ihren Familien und in ihre Dörfer überall im Königreich zurückgekehrt, um auf Befehle des Königs zu warten.
Ein paar jüngere Stav kamen schwankend auf die Beine und versuchten, Haltung anzunehmen, um mich zu grüßen. Ich hätte sie tadeln können, weil sie nicht für ihren gefallenen Bruder Spalier gestanden hatten, aber nach dem Hauch von Grün in ihren Gesichtern und ihren geröteten Augen zu urteilen, hätten sie es vielleicht einfach nicht ertragen können.
Ich ignorierte ihre gemurmelten Grüße und ging weiter in die größeren Gemächer, die den Stav-Offizieren vorbehalten waren. Mein Quartier war eher ein ganzer Gebäudeflügel: eine Bibliothek mit Arbeitszimmer, ein Schlafzimmer und ein Waschraum. Ich verriegelte die Tür hinter mir und legte den Weg zum Waschraum in zehn langen Schritten über den Webteppich zurück.
Längs der gezackten Narbe, die über meine Brust und meine Kehle bis zu meinem Kiefergelenk verlief, spürte ich einen tosenden Schmerz, als hätte ich den heulenden Zorn des Meeres verschluckt.
Galle stieg in meinem Oberkörper hoch, und ein grausiger Schatten legte sich über meinen Blick.
Ich umklammerte die tönerne Waschschüssel und atmete scharf und tief durch.
Gewalt war mir nicht fremd, aber es wurde immer schwieriger, den Blutdurst in Zaum zu halten. Ich war der Wächter von Steintor, und der Wächter sollte das unerschütterliche Maß aller Dinge in Sachen Beherrschung sein.
In diesem Moment wollte ich ein schrecklicheres Monster sein als diejenigen, die Uther abgeschlachtet hatten.
Die Hitze verging allmählich, und der Sturm in meinem Kopf ließ nach. Ich schöpfte mit der hohlen Hand eiskaltes Wasser aus der Schüssel und spritzte es mir ins Gesicht; dann kehrte ich ins Zimmer zurück.
»Du, mein Freund, hast einen ganz erbärmlichen Magen. Der Anblick von Tod und Blut bringt dich zum Kotzen? Also wirklich, was für einen Königlichen Leibgardisten habe ich mir da ans Bein gebunden?«
So erschrocken ich auch war, dass jemand in meinem Zimmer war, ich ließ es mir nicht anmerken.
Da drüben, auf meinem Bett lümmelnd, die Knöchel übereinandergeschlagen, grinste Prinz Thane der Kühne mich an und war sich höchstwahrscheinlich bewusst, dass ich mich gerade selbst gescholten hatte. In meiner Hast, den Waschraum zu erreichen, war ich so töricht gewesen, mein Gemach nicht zu überprüfen.
Ich runzelte die Stirn, was sein Grinsen nur noch breiter werden ließ.
Du bist ein Arsch und gehörst in eine der Höllen. Meine Finger bewegten sich zur Antwort schnell, aber Thane konnte sogar meinen hastigsten Gebärden folgen, seit er mich vor der Festung gefunden hatte, blutüberströmt und gebrochen, meine Stimme genauso aus mir herausgeschnitten wie mein Platz in meinem Clan.
»Wirklich?« Der Prinz lachte leise. »In welche, die geschmolzene oder die gefrorene?«
Beide. Was, wenn ich ein Messer in der Hand hätte?
»Roark, mein ältester, liebster, furchterregendster Freund, die bessere Frage ist doch, warum du dein Messer nicht in der Hand hattest. Du wirst nachlässig, Wächter.«
Ich schüttelte den Kopf und ging zu einem Servierwagen, auf dem ein Krug mit altem Wein neben einigen Trinkhörnern stand. Ich füllte nur eines der Hörner, als Thane mit einer Hand abwinkte und mein Angebot ausschlug.
»Spaß beiseite«, sagte Thane und schwang die Beine über die Bettkante. »Du nimmst dir diesen Todesfall zu sehr zu Herzen.«
Er war mir anvertraut.
»Roark.« Thane seufzte. »Mach dir keine Vorwürfe wegen der Taten dieser Dreckskerle. Es ist nicht deine Schuld.«
Das war es aber. In vielerlei Hinsicht war der Tod des jungen Stav allein meine Schuld.
Wir wissen nicht, warum er getötet worden ist, sagte ich.
»Wir werden es herausfinden, und der Schuldige wird dafür bezahlen.«
Ich nutzte eine Hand, um zu antworten. Warum bist du hier? Zwingt deine Mutter dich nicht, deine Hochzeit zu planen?
»Wahrscheinlich wird es keine Hochzeit geben, wenn Stav-Gardisten abgeschlachtet werden.« Thane zuckte zusammen. »Entschuldige, du bist verzweifelt, und ich gehe so achtlos mit meinen Worten um! Gestatte mir, es noch einmal zu versuchen. Ja, es ist mir gelungen, meiner Mutter zu entkommen, aus dem Palast zu fliehen wie ein ängstliches Kind und stattdessen dich zu besuchen.«
Ich stieß einen Atemzug aus, ein leises Lachen.
Thane war ein Kriegerprinz durch und durch, von dem goldenen Haarkamm, der geflochten über die Mitte seines Kopfes verlief, bis zu den Knochen, die er durchs Ohr gestochen trug. Er war unwesentlich größer als ich; dabei war ich kein kleiner Mann. Aber die knochige Königin Ingir und ihre endlosen Feste waren genug, um jeden Mann in die Flucht zu schlagen, wenn er nicht in den Wahnsinn rund um importierte Satin- und Seidenstoffe und die verschiedenen Geschmacksrichtungen der Füllungen mit Zuckerguss überzogener Kuchen hineingeraten wollte.
»Ich komme aus einem bestimmten Grund.« Thane griff in seine Hosentasche und zog ein zerfleddertes, gefaltetes Pergament daraus hervor. »Du hast von Jarl Jakobson gehört, oder?«
Dem Jarl, der besessen davon ist, die Gunst des Königs zu erlangen?
Thane stieß mit dem gefalteten Papier in die Luft zwischen uns. »Genau dem. Er hat eine recht interessante Entdeckung gemacht.«
Der Prinz reichte mir die Nachricht. Ich las sie einmal, dann ein zweites Mal. Thane lächelte nicht mehr.
Meine Finger gestikulierten schnell. Jakobson ist sich sicher?
»Anscheinend haben die Blutzauber meines Vaters endlich gewirkt.«
König Damir konnte nicht behaupten, dass die Blutaufspürzauber sein Verdienst waren, denn die Blutwirkerin in der Burg war die Königin. Nicht, dass es eine Rolle gespielt...
| Erscheint lt. Verlag | 1.5.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Magie der Knochen |
| Übersetzer | Maike Claußnitzer |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Broken Souls and Bones |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | A Breath of Winter • a fate inked in blood • Asuka Lionera • Booktok • booktokgermany • broken by death • Carina Schnell • Carissa Broadbent • coven of bones • Danielle L. Jensen • eBooks • enemies to lovers • Erotik • fallen gods • Fantasy • Fantasy für Frauen • Godkiller • Hannah Kaner • harper l. woods • lauren roberts • Liebesromane • neuerscheinung romantasy 2025 • nordic clans • Nordische Mythologie • powerless • Rachel Van Dyken • Rebecca Yarros • Romantasy • sarah j maas • Serien • Spiegel Bestsellerautorin • The Serpent and the Wings of Night • #tiktokmademebuyit • what lies beyond the veil • Wikinger |
| ISBN-10 | 3-641-33051-3 / 3641330513 |
| ISBN-13 | 978-3-641-33051-4 / 9783641330514 |
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