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Betrunkene Fliegen

Ein Roman nach einer wahren Geschichte.

(Autor)

Buch
272 Seiten
2024
hansanord (Verlag)
978-3-947145-88-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Betrunkene Fliegen - Anette Lucius
CHF 26,90 inkl. MwSt
Mitte fünfzig ist Karoline und seit Jahren erfolgreich als Zahnärztin in eigener Praxis, als die Diagnose Parkinson in ihr Leben kracht.
Ihre Freunde, die Familie, ihr behandelnder Arzt - alle wissen, wie sie sich zu verhalten hat.
Doch der Seitenwechsel von der Ärztin zur Patientin trifft sie hart.
Aus der großen Gruppe der Gesunden an den Rand katapultiert.
Aussortiert.
Für den Rest des Lebens.

Fünf Jahre lang sucht Karoline einen Weg aus dem Chaos, das die Diagnose in ihrem Leben anrichtet.
Wo ist er, der Leitfaden zum Verhalten bei unheilbaren Krankheiten?
Und wer bestimmt die Normen für das Akzeptieren des Unabänderlichen?
Wird Karoline es schaffen, das Schicksal anzunehmen, das die Krankheit ihr auferlegt hat?

»Man sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre in der neurologischen Facharztausbildung erklären, denn viele Kollegen haben keine Ahnung davon, was diese Krankheit in einem auslöst.«
Stephan Rinnert, Professor für Notfallmedizin, Parkinson-Patient

Anette Lucius, 1961 in Mecklenburg geboren, arbeitete siebenunddreißig Jahre als Zahnärztin, dreißig davon in ihrer eigenen Praxis. Nach der deutschen Wiedervereinigung erfüllt sie sich einen Kindheitstraum: Wochenlange Arbeitsaufenthalte in afrikanischen Ländern werden zu den Abenteuern ihres Lebens. Mit sechsundfünfzig Jahren durchkreuzt eine unheilbare Krankheit ihre Zukunftspläne, zwingt sie zur Praxisaufgabe und in die Frührente. Wie weit der Weg bis zur Annahme eines unabänderlichen Schicksals sein kann – davon erzählt sie in diesem Buch.

TEIL 1

2016 Zwei Jahre vor der Diagnose

Kapitel 1 Ulrike. Ein Geschenk.
Kapitel 2 Nichts wird gut. In Afrika.
Kapitel 3 Luise und Frau G.

2017 Ein Jahr vor der Diagnose

Kapitel 4 Es muss von zentral kommen
Kapitel 5 Die Erde ist eine Scheibe
Kapitel 6 Die Katze aus dem Sack

2018 Das Jahr der Diagnose

Kapitel 7 Die Arroganz der Gesunden
Kapitel 8 Der Professor hat sich geirrt

TEIL 2

Kapitel 9 Seitenwechsel
Kapitel 10 Der Zusammenbruch
Kapitel 11 Die Klinik am See
Kapitel 12 Ich will diese Krankheit nicht!

2019 Ein Jahr nach der Diagnose

Kapitel 13 Scherben
Kapitel 14 Sie wird es mir nicht verzeihen

2020 Zwei Jahre nach der Diagnose

Kapitel 15 Viren und Metastasen
Kapitel 16 Abschied 177
Kapitel 17 Ich bin wirklich krank

2021 Drei Jahre nach der Diagnose

Kapitel 18 Herr Weber und der Valentinstag
Kapitel 19 Professor Anton

2022 Vier Jahre nach der Diagnose

Kapitel 20 Der Brief meiner Schwester
Kapitel 21 Vergebung
Kapitel 22 Der eigene Rucksack ist nichtder schwerste
Kapitel 23 Du bist zu empfindlich, Lina!

2023 Fünf Jahre nach der Diagnose

Kapitel 24 Es ist, wie es ist
Kapitel 25 Hoffnung

Mittwoch, 11. Januar 2023

»Karoline, hast du mal darüber nachgedacht, deinen Weg abzukürzen?Oder willst du ihn bis zum Ende gehen?«»Ich versteh deine Frage nicht, Kai-Olaf. Meinst du, ob ich mich umbringenwill, oder was?«»Ja genau. Das meine ich.«

TEIL 1

Donnerstag, 15. Februar 2018, 19 Uhr, im Wohnzimmer meiner Eltern

»Ich habe Darmkrebs«, hörte ich meinen Vater sagen.»Und ich hab Parkinson«, flüsterte ich. Ratlos starrte ich von einem zum anderen.Meine Mutter, die fast taub ist, hatte es wieder einmal nicht verstanden,sodass ich laut und deutlich wiederholen musste: »Ja,Mama, es stimmt. Ich habe wirklich Parkinson.«Fast schrie ich es aus mir heraus.In die daraufhin einsetzende Stille flüsterte ich irgendwann: »Papa,was sollen wir denn jetzt machen?«Mein Vater sah mich lange an mit seinem gütigen Blick.»Na, kämpfen, Lina. Was denn sonst?«Dann stand er langsam auf von seinem Lieblingsplatz auf dem Sofaund kam auf mich zu. Er nahm meine Hand, schaute sie an undschüttelte sie.»Na, siehst du. Geht doch. Du zitterst ja gar nicht. Da hat sich dieSchwester wohl geirrt.«»Es war nicht die Schwester, Papa. Ich war beim Professor.«»Na, dann hat sich eben der Professor geirrt«, sagte mein Vater,nahm mich in den Arm und hielt mich ganz fest.In diesem Moment wurden wir zu Komplizen.
* * *
»Miriam, wissen Sie, wohin ich meine Praxisschlüssel schon wiederverlegt habe?«Immer dasselbe mit mir, denke ich, und ziehe die Skalpellklingedurch die Schleimhaut. Ich schiebe den Schleimhautlappen zurück,spanne die Knochenfräse ein und suche nach dem passenden Hebel.Miriam assistiert mir heute, ausnahmsweise, denn eigentlich arbeitetsie vorn an der Rezeption.Ein paar Minuten später liegt der Weisheitszahn in der Zange aufdem OP-Tisch und ein leichter Kaffeeduft aus dem Personalraumerinnert mich an die Frühstückspause. Ich vernähe die Wunde,schneide den Faden ab und stutze. Ich kann die Schere nicht aus derHand legen. Ich will sie auf dem Instrumententisch ablegen. Es gehtnicht.Moment, bitte! Finger, könnt ihr mal tun, was das Gehirn euch sagt?Mein Kopf gibt der Hand den Befehl: Schere loslassen! Sofort!Es geht nicht. Ich kann die Bewegungen meiner Finger nicht steuern.Als wäre die Leitung zwischen Gehirn und Hand gestört.Ich habe nicht ewig Zeit, und die Patientin will auch nach Hause,also gibt mein Kopf Anweisung: Die linke Hand nimmt der rechtendie Schere aus den Fingern und legt sie auf den Tisch. So!Hat das außer mir noch jemand gemerkt? Miriam vielleicht? Unauffälligsuche ich in ihren Augen nach einem Zeichen.»Ist alles in Ordnung, Miriam?«»Ja, alles gut, Chefin. Wir waren schneller als geplant.«Ich verbiete mir, jetzt weiter darüber nachzudenken. Es ist früh amMorgen und ich habe viel zu tun an diesem ganz gewöhnlichen Montagim September 2016.Meine Praxisschlüssel findet Miriam im Röntgenraum und legt siemir ins Büro.

Das Jahr 2016
Zwei Jahre vor der Diagnose

Kapitel 1
Ulrike. Ein Geschenk.

Sonntag, 3. Januar 2016

Seit Stunden schneit es. Von der Rezeption aus kann ich durch dieGlasfassade der Praxis bis zu den Häusern meiner Patienten sehen,und wenn ich aufstehe, sogar bis an den Waldrand. Wie verzaubertsieht die Welt da draußen aus. Mein Blick bleibt am Korkspindelstrauchvor der Eingangstür hängen. Die Schneekristalle auf seinenZweigen glitzern in der Sonne.Im Personalraum riecht es nach Glühwein. Ich kippe das Fenster anund stelle mir den Teller mit den Weihnachtsplätzchen an die Anmeldungneben den Computer. Bevor ich die Post aus dem Briefkastenhole, gieße ich den afrikanischen Bleistiftbaum im Wartezimmerund mache mir einen Kaffee.Heute ist der erste Sonntag im neuen Jahr. Schreibtischtag.An der Rezeption ist es hell und warm, mein Lieblingsplatz, wennich allein in der Praxis bin. Die tief stehende Wintersonne fällt aufdas große Wandbild im Wartezimmer, ein

Erscheinungsdatum
Verlagsort Feldafing
Sprache deutsch
Maße 135 x 215 mm
Gewicht 379 g
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Akzeptanz • Krankheit • Leben • Mut • Optimismus • Parkinson • Praxis • Schock
ISBN-10 3-947145-88-8 / 3947145888
ISBN-13 978-3-947145-88-1 / 9783947145881
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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