Nordweststurm (eBook)
320 Seiten
HarperCollins eBook (Verlag)
978-3-7499-0832-5 (ISBN)
Der fünfte Fall für die SoKo St. Peter-Ording
Als in St. Peter-Ording der schwedische Investigativ-Journalist Petter Jansson verschwindet, wendet sich Lennart Norberg an seinen Sohn, der mittlerweile in die Bezirkskriminalinspektion Itzehoe zurückgekehrt ist. Hendrik Norberg untersucht zu diesem Zeitpunkt in Zusammenarbeit mit der Mordkommission ein Tötungsdelikt. In Itzehoe ist ein Stricher ums Leben gekommen. Im Verlauf der Ermittlungen ergeben sich Überschneidungen zum Fall des verschwundenen Journalisten. Als Norberg und seine Kollegin Anna Wagner erfahren, dass dieser an einer explosiven Story über einen Korruptionsskandal innerhalb der schwedischen Polizei arbeitet, befürchten sie, dass er in St. Peter-Ording aufgespürt wurde und in Lebensgefahr schwebt. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
<p>Svea Jensen ist das Pseudonym einer erfolgreichen Krimiautorin. Sie ist in Hamburg aufgewachsen und dem Norden stets treu geblieben: Nach vielen Jahren beim Norddeutschen Rundfunk lebt sie heute in Schleswig-Holstein, wo sie sich mittlerweile ganz dem Schreiben widmet. Während sie Verbrechen für ihre nächsten Bücher plottet, lässt sie sich am liebsten eine Nordseebrise um die Nase wehen.</p>
1
Zwei Wochen später
Dienstag, 24. August
Der junge Mann war vor vier Tagen im Nebengebäude einer stillgelegten Fabrikhalle am Stadtrand von Itzehoe aufgefunden worden. Nackt unter einer Plane, der Körper mit fünfzehn Stichwunden übersät, von denen laut Rechtsmedizin mindestens vier tödlich waren. Ein typisches Übertöten. Aufgrund der Temperaturen, die jetzt seit Wochen die Dreißig-Grad-Marke knackten, war der Verwesungsprozess beim Auffinden der Leiche bereits weit fortgeschritten gewesen, und ein nicht unerheblicher Tierfraß, vermutlich Ratten und Krähen, hatte ebenfalls dazu beigetragen, dass es zuerst so aussah, als bestünde keine Möglichkeit, den Toten zu identifizieren. Über den Zahnstatus war nichts herauszubekommen gewesen, obwohl eine deutschlandweite Abfrage gestartet worden war, aber bei einer weiteren Untersuchung hatten dann doch zwei Fingerabdrücke der rechten Hand gesichert werden können, die ein Match im System ergeben hatten. Der Todeszeitpunkt konnte aufgrund der Umstände allerdings nicht mit Sicherheit festgestellt werden, die Rechtsmedizin ging von circa sieben Tagen vor dem Auffinden aus.
Hendrik Norberg blickte auf, als Mattes Hellmer sein Büro betrat. Der Leiter der Itzehoer Mordkommission, mit dem er schon vor seiner Versetzung nach St. Peter-Ording erfolgreich zusammengearbeitet hatte und der über die Jahre ein guter Freund geworden war, hatte im vergangenen Jahr einen nicht zu verachtenden Anteil an Norbergs Rückkehr nach Itzehoe gehabt. Allerdings hatte Norberg nicht seinen alten Arbeitsplatz im K1, der Mordkommission, eingenommen, sondern den Posten des stellvertretenden Kommissariatsleiters im Bereich der Organisierten Kriminalität angeboten bekommen, wo im K4, dem Dezernat für Komplexermittlungen, jede Form der Kriminalität bearbeitet wurde, seien es Raubserien, Entführungen, Sexualdelikte, BtM-Handel oder Ähnliches.
Der Wechsel von Itzehoe nach St. Peter-Ording war seinerzeit zwar auf Norbergs eigenen Wunsch geschehen, weil er seinen beiden minderjährigen Söhnen nach dem Tod ihrer Mutter keinen Umzug hatte zumuten wollen, aber glücklich war er damit nicht geworden. Er war mit Leib und Seele Kripobeamter, der sich in dem neuen Job als Schutzpolizist und Dienststellenleiter nur dann wohlgefühlt hatte, wenn er die Möglichkeit gehabt hatte, seine Kollegin Anna Wagner bei ihren Vermisstenfällen zu unterstützen.
Seine Jungs hatten von dieser beruflichen Unzufriedenheit mehr mitbekommen, als ihm lieb gewesen war. Vor allem bei Lasse, seinem Ältesten, hatte er die Sorge gehabt, dass es Probleme geben würde, wenn er ihnen seine Entscheidung mitteilte, wieder in der Bezirkskriminalinspektion und damit in einem weitaus gefährlicheren Umfeld als St. Peter-Ording arbeiten zu wollen. Nach dem Tod seiner Mutter und Monaten voller Stress hatte Lasse irgendwann eingestanden, dass er den Beruf seines Vaters ablehnte, weil er Angst hatte, dass diesem etwas zustoßen und er auch noch ihn verlieren könnte. Aber seitdem war einige Zeit ins Land gegangen, Lasse war jetzt fünfzehn und hatte begriffen, dass sein Vater einen Job brauchte, der ihn erfüllte. Und so hatten beide Jungs seinen Wechsel ohne Murren akzeptiert und ihm damit eine große Sorge genommen. Ihr gemeinsamer Wohnort würde St. Peter bleiben, darüber hatte Einigkeit geherrscht.
Hellmer strich über seinen schweißglänzenden Glatzkopf und ließ sich auf den Stuhl vor Norbergs Schreibtisch fallen.
»So langsam nervt mich dieses Wetter.« Eine Klimaanlage gab es im Polizeihochhaus nicht, und so wurde das Arbeiten in den aufgeheizten Räumen trotz zahlreicher in Betrieb befindlicher Ventilatoren langsam zur Qual. Im Freien war es allerdings noch unerträglicher, weil die Sonne dort gnadenlos vom Himmel brannte.
Norberg war zum Glück nicht so hitzeempfindlich und im Moment sowieso ausgesprochen positiv eingestellt.
»Vergiss das Wetter, freu dich lieber, dass die Kollegen den Toten identifiziert haben und wir jetzt endlich richtig loslegen können.«
Bis zur Identifizierung des Leichnams vor zwei Tagen waren die Kollegen des K1 einer Vielzahl von Ermittlungsansätzen nachgegangen, allerdings waren bisher alle Spuren ins Leere gelaufen. Die Spurensicherung hatte die Halle samt Nebengebäuden sowie deren Umgebung auf den Kopf gestellt und eine Menge Müll eingesammelt, weil der Komplex ein beliebter Treffpunkt für Junkies und darüber hinaus ein häufig aufgesuchter Aufenthaltsort für Obdachlose war. Nach Freigabe des Leichenfundorts – dass es der Tatort war, hatte man von Anfang an ausgeschlossen – hatten Mitarbeiter der Mordkommission das Areal in regelmäßigen Abständen aufgesucht und die dort Angetroffenen befragt. Die Ergebnisse dieser Bemühungen waren allerdings erwartungsgemäß schlecht ausgefallen, da diese Klientel keine große Aufgeschlossenheit gegenüber der Polizei zeigte. Auch der anonyme Anrufer, der den Leichenfund vor vier Tagen gemeldet hatte, war bisher nicht ermittelt worden. Die Telefongesellschaft weigerte sich standhaft, die Personalien herauszugeben – ein Hoch auf den Datenschutz!
Mit der Identifizierung des Toten waren sie dann einen großen Schritt weitergekommen. Der Mann hieß Oleg Radloff, war fünfundzwanzig Jahre alt und vor anderthalb Jahren das erste Mal auf dem Radar der Polizei aufgetaucht, nachdem er einen Freier beraubt hatte, der auf dem Parkplatz Forst Rantzau seine Dienste in Anspruch genommen hatte. Der Parkplatz lag an der A23 zwischen den Anschlussstellen Pinneberg-Nord und Tornesch und war als sogenannte Gay-Cruising-Area bekannt. Also als ein Bereich, in dem die aktive und mobile Suche nach einem Sexualpartner stattfand. Mit dem sogenannten Cruising versuchten homosexuelle Männer gesellschaftliche Konventionen zu umgehen, hier fand in den meisten Fällen spontaner und anonymer Sex mit einander zumeist unbekannten Partnern statt. Gelegentlich trieben sich dort auch Stricher herum. Der Freier hatte den Raub einer Polizeistreife gemeldet, die bei ihrer täglichen Kontrollfahrt just in dem Moment aufgetaucht war, als sich Radloff mit der erbeuteten Brieftasche in einem Wagen hatte davonmachen wollen. In der nachfolgenden Zeit hatte sich Radloff mehrerer Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gemacht, eine mehrmonatige Haftstrafe abgesessen und sich auch danach nicht gebessert, sondern weiterhin als Stricher sowie als Drogendealer verdingt und war daraufhin in den Fokus des K4 gerückt.
Aus diesem Grund saß Hellmer jetzt hier in Norbergs Büro.
»Was gibt es Neues von den Untersuchungen des Parkplatzes und der Wohnung des Toten? Sind die Kollegen bei den Befragungen von Radloffs Umfeld weitergekommen?«, wollte Norberg wissen.
»Nicht wirklich. Der Parkplatz kann als Tatort ausgeschlossen werden. Dasselbe gilt für die Wohnung. Ein heruntergekommenes Rattenloch in einem Hochhaus in der Brunnenstraße, in der zwar das reinste Chaos herrscht, Spuren auf einen Kampf oder den Mord jedoch keine zu finden waren. Die Nachbarschaftsbefragungen haben ebenfalls nicht das Geringste ergeben. Man war sich einig, dass man Radloff nie zu Gesicht bekommen hätte. Wir haben uns außerdem in den Ecken umgehört, in denen er sich größtenteils rumgetrieben hat, aber von Stammkunden sowohl der einen als auch der anderen Art will keiner etwas wissen. Ebenso wenig von eventuellen Freunden. Radloff stammt ja aus Polen, seine Mutter lebt in Warschau und wurde von den dortigen Kollegen über den Tod ihres Sohnes informiert und befragt. Seitdem er nach Deutschland gezogen ist, hat sie fast nichts mehr von ihm gehört, er hat ihr allerdings ab und an Geld geschickt.« Hellmer erhob sich und schaltete den Standventilator an, der in einer Ecke stand. »Wenn du den nicht benutzt, nehme ich ihn mit in mein Büro.« Er stellte das Gerät auf die höchste Stufe und blieb einen Augenblick mit verklärtem Blick davor stehen.
Norberg machte eine zustimmende Geste. »Nur zu.«
Hellmer packte den Ventilator und kam mit ihm zum Stuhl zurück, wo er wieder Platz nahm und sein Gesicht in die Windrichtung hielt.
»Und was ist mit den Bordellen in unserer schönen Stadt?«, wollte Norberg wissen und konnte sich ein Grinsen angesichts seiner Frage nicht verkneifen. Man konnte ja so einiges über Itzehoe sagen, aber für sein Empfinden sah eine schöne Stadt nun wirklich anders aus.
»Haben wir überprüft, aber auch dort Fehlanzeige. Wir lassen doch keinen Stricher für uns arbeiten, der zwischendurch auf der Straße anschafft, der kann uns ja sonst was reinschleppen, war die einhellige Auskunft.«
Norberg legte die Arme auf dem Schreibtisch ab und verschränkte die Hände. »Wir haben zwei Stellen, an die wir andocken können. Radloffs Vergangenheit als Stricher und die als Dealer. Ich schlage vor, dass ihr euch weiter im Prostituiertenmilieu umhört und wir den Drogenbereich übernehmen. Wir sind da sowieso schon seit einiger Zeit an ein paar Personen dran, vielleicht gibt es Verbindungen zwischen Radloff und denen. Er muss ja von irgendwoher seinen Stoff bezogen haben.«
Das Klingeln von Norbergs Handy unterbrach seine Ausführungen. Lennart. Norberg stutzte. Sein Vater hatte ihn noch nie im Dienst angerufen, also musste es etwas Wichtiges sein. Hoffentlich war nichts mit den Jungs.
Der Anruf war kurz, und nachdem er beendet war, warf Norberg seinem Kollegen einen irritierten Blick zu.
»Was ist?«
»Ein ehemaliger...
| Erscheint lt. Verlag | 25.3.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Ein Fall für die Soko St. Peter-Ording |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Abgründe • alte Freunde • Aufdeckung • Band 5 • Ermittler • Ermittlung • investigativ • Investigativer Journalismus • Korruption • Küstenkrimi • Mörderisches Watt • Mordfall • Nordsee Krimi • Nordwest-Reihe • Organisierte Kriminalität • Organisiertes Verbrechen • Polizei • Prostitution • Rechtsextremismus • Schweden • Soko St. Peter-Ording • SPO • St. Peter-Ording • Svea Jensen Band 5 • Vermisst • Wettlauf gegen die Zeit |
| ISBN-10 | 3-7499-0832-X / 374990832X |
| ISBN-13 | 978-3-7499-0832-5 / 9783749908325 |
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