Plunder gibt es immer wieder. Ein Hansel & Pretzel Krimi (eBook)
248 Seiten
beTHRILLED (Verlag)
978-3-7517-4993-0 (ISBN)
Kaum jemand im verschneiten kanadischen Kitchener kann der Verlockung der neuen Dating-App 'Shappunzel' widerstehen. Partnersuchende Kunden strömen in Scharen in das gemütliche Café Hansel & Pretzel, das in der winterlichen Kulisse noch verlockender wirkt, in der Hoffnung, dort die Liebe ihres Lebens zu finden. Als eine Schießerei im Café und ein Toter im Nachbarhaus plötzlich ein ganz anderes Licht auf die hochgelobte Partnerbörse und ihre Nutzer werfen, ist Linns Neugier geweckt. Gemeinsam mit ihren Freunden macht sich Linn auf die Suche nach paarungswilligen Prinzen und Prinzessinnen und entdeckt dabei, dass nicht alle Märchen ein Happy End haben ...
Über die Serie:
Nach einer gescheiterten Ehe ist Linn Sommer froh, in Kanada einen Neuanfang wagen zu können. Die waschechte Norddeutsche mit einer Schwäche für Stepptanz, Fahrradfahren und attraktive Männer verschlägt es in das idyllische Städtchen Kitchener. Dort findet sie einen Job in der deutschen Bäckerei Hansel & Pretzel. Alles scheint perfekt - bis Linn hinter der Bäckerei eine Leiche findet! Sie beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln. Und das nicht nur, weil der zuständige Inspektor unwiderstehlich charmant ist.
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
<p>Aufgewachsen in der Nähe von Lüneburg, lebt Dani Baker nach Stationen in Bern, San Francisco und Hannover seit 2010 mit ihrer Familie in der Nähe von Toronto. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, Stinktiere, wilde Truthähne und unzählige Streifenhörnchen von ihren Gemüsebeeten fernzuhalten, schreibt sie Cosy Crime-Bücher, arbeitet als Lektorin und Korrektorin für Publikumsverlage, entwickelt Unterrichtsmaterialien für Bildungsverlage und unterrichtet Back- und Kochkurse.</p>
Kapitel 3
»Hier, bitte schön.« Das verliebte Pärchen entwirrte die ineinander verschlungenen Hände und zog sie zurück, sodass ich das Plundergebäck abstellen konnte.
Die Asiatin mit den schulterlangen, glatten Haaren entblößte zwei Reihen strahlend weißer Zähne beim Lächeln. »Das ist Rapunzels Zopf? Sieht das lecker aus!« Sie zückte ihr Handy aus der Tasche, richtete den Teller auf dem Tisch aus und drückte auf den Auslöser. »Und überhaupt ist es hier total nett.«
»Sind Sie das erste Mal hier?«, fragte ich.
»Ja. Ich dachte immer, Hansel & Pretzel sei eher was für alte Leute. Aber als ich den Namen bei der Shappunzelwahl gelesen hab, hab ich Michael gesagt, dass wir unbedingt mal herkommen müssen.«
»Und Jennys Wunsch ist mir Befehl.« Ihr Begleiter lehnte sich vor, um wieder die Hand seiner Freundin zu greifen.
»Freut mich, dass es Ihnen hier gefällt.«
Pling-Pling. Ich schaute auf den Boden, konnte aber keine Münze sehen.
»Ich glaube, das war sein Goldtopf.« Jenny deutete mit einer Kopfbewegung hinter mich.
Goldtopf? Hatte ich mich verhört, und sie hatte von einem Knopf gesprochen? Doch auch einen verlorenen Knopf konnte ich nicht entdecken.
Ich drehte mich zum Nachbartisch und zeigte auf die leere Tasse, die zwischen lauter BWL-Büchern herausragte. »Möchten Sie noch einen Kaffee?«
Es dauerte einen Moment, bis der junge Mann die Augen von seinem Smartphone löste. »Entschuldigung, mir ist gerade ein Fenster geöffnet worden. Mehr Kaffee wäre super.«
Alle Fenster unserer Fensterfront waren geschlossen, doch bevor ich bei dem Studenten nachfragen konnte, was er gemeint hatte, war er schon wieder in sein Handy vertieft. Ich machte ein paar Schluckbewegungen auf dem Weg zum Tresen. Denn obwohl ich kein Druckgefühl auf den Ohren spüren konnte, hatte ich ja offenbar Probleme mit dem Hören. Ich holte die Kaffeekanne und füllte die Tasse des Studenten nach.
Pling-Pling.
Dieses Mal schien das Geräusch von einem der Zweiertische gekommen zu sein. Zwei Frauen beugten sich kichernd über ein Handy. Wieso machten sich diese Menschen die Mühe, sich in einem Café zu treffen, wenn sie doch nur mit ihren Handys beschäftigt waren?
Vom Tresen aus betrachtete ich Jenny und Michael: Trotz des kalten Januarwetters trug Michael ein enges, kurzärmeliges T-Shirt, das seinen muskulösen Oberkörper betonte. Beide Arme waren stark tätowiert, er trug einen Brillantohrring in jedem Ohr, und um seinen Hals baumelte eine silberne, dicke Panzerkette. Sein Bürstenhaarschnitt war sehr kurz. Damit wirkten seine dunklen Haare nicht so sportlich wie bei David Beckham, sondern ähnelten mehr einem militärischen Kurzhaarschnitt. Mit diesem Äußeren hätte er in jedem Hollywoodstreifen einen Zuhälter verkörpern können, wohingegen Jenny wie eine ehrgeizige, chinesische Professorin für Volkswirtschaft wirkte. Von dem dunklen Hosenanzug bis zur dezenten Brille war sie äußerlich das genaue Gegenteil ihres Freundes.
Die beiden küssten sich und hielten weiter Händchen. Auch wenn sie dem Äußeren nach kein Traumpaar abgaben, schienen sie schwer verliebt zu sein. Ich fragte mich, ob die zwei auch ohne Dating-App zueinandergefunden hätten.
Die Glocke über der Tür bimmelte, und eine Frau mit hellblonden, langen Haaren betrat das Café. Ihre Wangen waren rosig von der Kälte, ihr Gesicht erinnerte mich an eine Puppe. Ich lächelte sie an, doch sie beachtete mich nicht. Stattdessen ging sie zielstrebig auf Michael und Jenny zu. Sie holte eine Waffe aus ihrer Handtasche und feuerte in die Luft.
BANG!
Erschrocken wich ich zurück. Schlagartig wurde es mucksmäuschenstill. Alle hatten sich der Frau zugedreht.
»DU MISTKERL!« Die Frau zielte mit der Waffe auf Michaels Kopf.
»Keely!« Michael rutschte auf seinem Stuhl herum. »Beruhige dich. Wir können über alles reden und ...«
»REDEN? Wie wäre es mit Taten anstelle von Worten?« Sie richtete die Waffe auf seinen Schritt. »Was hältst du von diesem Ziel? Passend für einen Hurensohn wie dich, oder?«
Jennys Unterlippe begann zu beben. Keely warf ihre langen Haare zurück und gab einen schnaubenden Laut von sich. »Glaub mir, ich tue dir einen Gefallen.« Sie blickte sich im Café um. »Ich tue euch allen einen Gefallen, wenn ich dieses Schwein erschieße!«
Ich starrte auf ihre Waffe. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Ich hatte vor langer Zeit mal einen Selbstverteidigungskurs belegt. In dem hatte ich zwar gelernt, wie man einen Angreifer mit allen möglichen Kniffen abwehren konnte, aber ich hatte keinen blassen Schimmer, wie man jemandem eine Waffe abnehmen sollte.
Die Tür zur Backstube öffnete sich einen Spalt, und Marianne lugte mit aufgerissenen Augen ins Café. Ich sah sie eindringlich an, doch sie reagierte nur mit Verständnislosigkeit. War es so schwer, meine Gedanken zu lesen? Lautlos formulierte ich ‚Polizei‘. Endlich begriff sie, was ich wollte. Die Tür schloss sich leise, niemand schien den Austausch bemerkt zu haben.
Keely fuchtelte mit der Waffe herum. »Was ist dir lieber? Mitten in die Eier oder gleich das Hirn wegpusten?«
Michael entschied sich, nicht auf den Multiple-Choice-Test einzugehen.
Irgendetwas war merkwürdig. Ich schaute an die Decke. Warum war nirgends ein Loch zu sehen, wo das Projektil getroffen hatte? Hätte nicht auch Putz herunterrieseln müssen? Ich betrachtete die Waffe. Konnte es sein, dass sie gar nicht echt war?
Michaels Hüsteln durchbrach die Stille.
»Kriegst du jetzt einen Anfall?« Keely fasste mit der linken Hand in ihre Jackentasche und schleuderte etwas auf den Tisch, was aussah wie eine kleine Spraydose. »Hast du bei mir vergessen, nachdem du dich aus dem Staub gemacht hast. Ich wollte es eigentlich leersprühen, damit du bei der nächsten Attacke verreckst, weil nichts mehr drin ist!«
Michael machte Anstalten, nach der Flasche zu greifen.
»Lass die Finger davon!«, keifte Keely.
Michaels Hand zog sich in Zeitlupe zurück über den Tisch.
Vorsichtig schlich ich um den Tresen herum. Keely war auf Michael fixiert, sie bemerkte mich nicht. Doch der Student verfolgte jeden meiner Schritte aufmerksam. Ich legte einen Finger an den Mund und näherte mich Keely langsam von hinten.
Pling-Pling.
Ich warf einen Blick auf den Studenten, der fast unmerklich mit einer Kopfbewegung verneinte.
»Jetzt reicht’s. Dem setzen wir jetzt ein ENDE.« Keely stupste Michael mit der Waffe an den Oberarm. »Los! Hol’s raus.«
Wie ihm befohlen wurde, zog Michael sein Handy aus der Hosentasche. Das Display war erleuchtet. Als er es aktivieren wollte, schlug Keely ihm das Smartphone mit der Waffe aus der Hand. Er jaulte vor Schmerz auf, das Telefon fiel zu Boden.
»Glaubst du allen Ernstes, ich lasse zu, dass du eine andere Frau ruinieren kannst? Lieber sorge ich dafür, dass du stirbst. Hörst du? STIRBST!«
Wenn ich meinen Arm ausstreckte, konnte ich sie fast schon berühren. Ich musste nur noch ein bisschen näher an sie herankommen, dann könnte ich sie von hinten überwältigen. Beim nächsten Schritt knirschte es unter meinem Schuh.
Kekskrümel, schoss es mir durch den Kopf. Ich stürzte mich auf sie. Keely wandte sich blitzschnell um. Ihr Ellenbogen traf mich am Brustkorb, sie riss ihren Unterarm hoch, und ihr Handrücken knallte mir ins Gesicht. Explosionsartig breitete sich Schmerz von meiner Nase aus, ich schnappte nach Luft, dann wurde es dunkel.
»Linn? Linn!« Die Stimme meiner Freundin Kamryn war kaum zu hören.
Wieso hielt sie mir die Ohren zu? Mein Kopf wurde hochgenommen und auf zwei erhöhten Rollen abgelegt. Eine Hand strich mir über die Stirn. Ich musste meiner besten Freundin zu verstehen geben, dass es mir gut ging.
Ich öffnete die Augen. Braun. Ich blinzelte. Seit wann hatte Kamryn braune Augen? Ich schloss die Lider und setzte zu einem tiefen Atemzug an, doch brach diesen ab, als es zu schmerzhaft wurde. Ich atmete flach und wagte einen weiteren Versuch. Immer noch braun. Dichte, lange Wimpern umrundeten das Auge. Ich konnte kleine Lachfältchen am äußeren Rand erkennen.
»Linn?« Ihre Stimme klang dunkler als sonst.
Langsam erweiterte sich mein Blickfeld. Ich erkannte eine schiefe Nase, die offenbar mal gebrochen gewesen war, sowie ein glatt rasiertes Gesicht. Der Mann nahm seine Hand von meinem Kopf, knickte den Daumen und den kleinen Finger weg und hielt mir die Hand vor Augen, sodass ich die Handfläche sehen konnte.
»Kannst du mir sagen, wie viele Finger du siehst?«
»Fünf«, krächzte ich.
Er stutzte. »Das ist wohl wahr.« Er drehte die Hand um hundertachtzig Grad. »Und so?«
»Drei.«
»Gut.«
Erst jetzt realisierte ich, dass ich nicht auf zwei Rollen lag, sondern es sich dabei um die Beine des Mannes handelte. Ich war in seinen Schoß gebettet.
»Mensch, Linn.« Kamryn kniete neben ihm. »Hättest du...
| Erscheint lt. Verlag | 1.2.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Mord in der kleinen Bäckerei |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Amerika • Backen • Bäckerei • Cosy Krimi • Dating • Dating App • eBook • Ermittlung • Gemütlich • H.Y. Hanna • joanne fluke • Kanada • Krimis • Liebe • lustig • Mord • Privatermittlerin • Rezepte • Single • spannend • Urlaub • Verbrechen • Verlieben |
| ISBN-10 | 3-7517-4993-4 / 3751749934 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-4993-0 / 9783751749930 |
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