Feuer und Skepsis
Klett-Cotta (Verlag)
978-3-608-93728-2 (ISBN)
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Eine schöne, konzentrierte Auswahl also, die von den frühen Texten über prägnante Selbstdarstellungen und Interviews bis zu Ausschnitten aus den großen Romanen reicht. Ein Kaleidoskop, dessen Teile sich gegenseitig spiegeln. Kindheitsszenen aus »Rita Münster« gehören dazu, eine Italien-Impression aus dem »Berittenen Bogenschützen«, eine Betrachtung über Tiere - eines der großen Themen der Autorin. Die kurze Erzählung ist vertreten und der literarische Essay. Kundiger und abwechslungsreicher kann der neugierige Leser kaum durch durch dieses Werk geführt werden.
Höhepunkt und Finale dieses »Einlesebuchs« ist die Schlußszene aus »Verlangen nach Musik und Gebirge«.
Der Reader enthält ein Vorwort der Herausgeberin, einen brillanten Überblick über Brigitte Kronauers schriftstellerische Entwicklung.
Brigitte Kronauer, 1940 in Essen geboren, lebte als freie Schriftstellerin in Hamburg. Ihr schriftstellerisches Werk wurde unter anderem mit dem Fontane-Preis der Stadt Berlin, mit dem Heinrich-Böll-Preis, dem Hubert-Fichte-Preis der Stadt Hamburg, dem Joseph-Breitbach-Preis und dem Jean-Paul-Preis ausgezeichnet. 2005 wurde ihr von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung der Büchner-Preis verliehen. Brigitte Kronauer verstarb im Juli 2019.
Elisabeth Binder ist 1951 in Bürglen (Thurgau/Schweiz) geboren. Nach einem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte in Zürich war sie Lehrerin, dann Literaturkritikerin beim Feuilleton der »Neuen Zürcher Zeitung«. Seit 1994 ist sie freie Schriftstellerin. 2004 erschien bei Klett-Cotta ihr Roman »Sommergeschichte«. Elisabeth Binder erhielt die Medaille der Schweizer Schiller-Stiftung sowie den Förderpreis zum Mörikepreis.
Vorwort: An ungeschützter Front (von Elisabeth Binder)
Auftakt
Sie! (In: Die Tricks der Diva)
I. Strophen einer Kindheit
Auszug aus dem Roman Teufelsbrück
Rita Münster (Aus: Rita Münster)
II. Vom Umgang mit der »wilden Literatur«: Werdegang - frühe Texte
Entscheidung für das grüne Gras (In: Die Revolution der Nachahmung)
Auszug aus dem Klappentext Die Revolution der Nachahmung
Ein Tag, der zuletzt doch nicht im Sande verlief (In: Die gemusterte Nacht)
Die Wirklichkeit und die narrativen Tricks (Aus: Ist Literatur unvermeidlich?)
Der Kontrolleur (In: Vom Umgang mit der Natur)
Eine erfolgreiche Bemühung um Fräulein Block (In: Vom Umgang mit der Natur)
Hinter der Mauer (In: Die gemusterte Nacht)
Eine prinzipielle Unsicherheit (In: Die Revolution der Nachahmung)
III. Das Idyll der Begriffe und die freien Bahnen
Achtung! Achtung! Es wird ernst (Aus: Berittener Bogenschütze)
Auszug aus dem Essay Das Idyll der Begriffe (In: Die Lerche in der Luft und im Nest)
Die Weite (In: Schnurrer)
Auszug aus dem Nachwort in: Die Wiese
Auszug aus Die Dinge sind nicht unter sich (In: Aufsätze zur Literatur)
IV. Auf Goldgrund: die »inbrünstige Präsenz« der Dinge
»Es gibt keine Ideen außer in Dingen«. Zu Dieter Asmus Bild Katze + Maus (In: Die Einöde und ihr Prophet)
Auszug aus: Zur Eröffnung der Ausstellung von Dieter Asmus in Fellbach
Auszug aus: Großmutters Verdammung im Fliederhain. Vom Abklatsch in der Kunst (In: Betrifft)
V. Stockente - Ratte - Gießkanne: Die Erscheinung an sich
Das allerletzte Stündlein (In: Schnurrer)
Auszug aus einem Interview in: Falter
Brief an das Pferd des Lord Chandos. Zu Hugo von Hofmannsthals Ein Brief (In: Zweideutigkeit)
VI. Tiere
Auszug aus einem Interview in: Falter
Auszug aus Tierlos. Zu Elias Canettis Tierbuch (In: Zweideutigkeit)
Der Abschied von einem sehr zerbrechlichen Prinzip (Aus: Rita Münster)
Was wollen die Tiere von uns? (In: Zweideutigkeit)
Die alte Frau und der Mähnenwolf (Aus: Die Frau in den Kissen)
Auszug aus Tierlos. Zu Elias Canettis Tierbuch (In: Zweideutigkeit)
VII. Der höchst erotische Moment
Auszug aus Nachwort zu Tania Blixens »Ehrengard« (In: Aufsätze zur Literatur)
Gisela und Matthias Roth am Küchentisch (Aus: Berittener Bogenschütze)
Auszug aus Nachwort zu Tania Blixens »Ehrengard« (In: Aufsätze zur Literatur)
Zwischenspiel
Antworten Brigitte Kronauers auf den Proustschen Fragebogen der FAZ
VIII. Die Errettung des Einzelfalls
Auszug aus Was kann Literatur? (In: Die Lerche in der Luft und im Nest)
Willi Wings in seiner Apotheke (Aus: Das Taschentuch)
Frau Ainz (In: Die Einöde und ihr Prophet)
Willi Wings: allen entronnen (Aus: Das Taschentuch)
Auszug aus Der letzte Finger der linken Hand (In: Die Einöde und ihr Prophet)
IX. Kleine Privatmythologien
Auszug aus einem Interview in: Falter
Das Gericht in der Küche I (In: Hin- und herbrausende Züge)
Die Wirtin (In: Die Tricks der Diva)
X. Märchen, Mythen, Metamorphosen: die Anziehungsmacht des Zweideutigen
Im Einkaufszentrum unter hell strahlendem Gewölbe (Aus: Teufelsbrück)
Auszug aus Ein Augenzwinkern des Jenseits: Die Zweideutigkeit der Literatur (In: Zweideutigkeit)
Marlon Brando (Aus: Marlon Brando. In: Aufsätze zur Literatur)
Lord Jim (Aus: Schützende Gebilde und verbotener Blick. Zu Joseph Conrads Lord Jim. In: Zweideutigkeit)
Hotel Wald International (In: Zweideutigkeit)Liedchen (In: Die Tricks der Diva)
XI. Natur, Natur!
Auszug aus dem Roman Teufelsbrück
Der sterbende Urwald (Aus: Die Fr
Vorwort
von Elisabeth Binder
An ungeschützter Front
Sollte man, was Brigitte Kronauer einmal in einer Skizze über den »Weg des Älterwerdens« formuliert, vielleicht umstandslos als ihr eigenes Lebensprogramm, ja mehr noch: als ihr eigentliches Literaturprogramm verstehen? Nämlich: nicht dem »wohligen Schutz vorgeprägter Muster«, der »Geborgenheit von Vorerzähltem und Wahrnehmungsbefehlen«, der »Macht der Schablonen«, »besserwisserischer Konvention«, dem »Trost der Gruppe« zu verfallen, »sondern das paradoxerweise so Simple wie Schwierige schaffen: ohne Einflüsterungen wahrzunehmen, was man erlebt. Angenehmes wie Schmerzliches auf sich gemünzt, ein Registrieren an ungeschützter Front.«
An ungeschützter Front! Das setzt allerdings Mut und einen beträchtlichen Eigensinn voraus. Wenn hier aber von jedermann gefordert wird, was für einen Schriftsteller - jedenfalls von Format, und vom Format dieser Autorin - notwendige Voraussetzung des Schreibens ist, so zeigt sich darin nicht nur, wie eng bei ihr der »Clinch von Leben und Literatur« ist, sondern auch die Überzeugung, daß »Literatur nie auf der Seite von Eliten steht«. Oder müßte man es anders formulieren? Wird hier schlankweg vom Leben dasselbe Elitäre, nämlich Rebellische (der Rebell definiert als der »unerbittliche Nicht-Ideologe aus Instinkt«) wie von der Kunst gefordert?
Was aber fordert die Autorin Brigitte Kronauer von der Kunst der Literatur? Im Endeffekt, dort, wo sie mehr ist als eine Lebenshaltung, nämlich dann doch dem Leben als »fixsternhaft Anderes« gegenübergestellt: jene »neue, alte Utopie«, welche sie gelegentlich kühn »Poesie« nennt - »die Gegenwelt der Poesie«?
Vielleicht im Innersten dies: daß sie, gerade als energisch gesetzte Kunstform, dennoch auf das Leben, und es aus dieser Gegenposition »nur umso genauer observierend«, inständig bezogen bleibt. Denn von dieser Vorgabe (sie steht heute bekanntlich wieder zur Diskussion), es gebe hinter der Sprache keine substantielle Wirklichkeit, mit der sie in Kontakt steht, alles sei nur »Text auf Text« und unser Bewußtsein dem rettungslos eingesperrten Rilkeschen »Panther« vergleichbar (»... als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt«), ist die Autorin nie ausgegangen. »Ich glaube«, so Brigitte Kronauer in einem Interview von 1992, »daß es hinter der Sprache etwas gibt, auf das Literatur zielt, das sie mit immer neuen Variationen und Tricks zu erreichen versucht, wobei immer nur Sprache herauskommt. Wenn man als Schriftsteller aufhört, wie mit einem Stein oder einem Netz nach der Wirklichkeit zu zielen, dann verflüchtigt sich auch das Leben, das Temperament der Literatur.«
Ob aber »Netz« oder »Stein« oder eventuell Pfeil - und die Autorin eine Art »Berittener Bogenschütze«, auf der Jagd nach Wirklichkeit: Voraussetzung dieser Metaphorik ist, daß die Wesen und Dinge in ihrer eigentlichen Gestalt nicht einfach taube, schläfrig und für jedes x-beliebige Allerwelts- und Modewort vorhandene Klötze sind. Sondern scheues, behendes, womöglich im Dickicht, und sei es auch des modernen Lebens, verborgenes Wild, das, aufgestöbert, aufgestört von einem aufmerksamen, gebannten Jäger, getroffen, aber natürlich nicht getötet, im Gegenteil: angesprochen vom richtigen Wort und im Kunstraum des Textes zu einer im Gestrüpp, in der Gleichgültigkeit des Alltags gar nicht möglichen Präsenz kommt. »... niemand hatte sie sehen wollen«, heißt es einmal in einer frühen Erzählung von einer grau und reizlos gewordenen alten Frau, »nun auch sie gewiß sich selbst nicht mehr.« Die Autorin schon, eine ganze Erzählung lang, bis auch diese »graue« Figur, etwas Lebendiges, Eigenwilliges, ihre »abenteuerlichen Reize« preisgibt.
Jägerin und Hüterin also. So wie Artemis, die alte Waldgöttin, es mit dem ihr anvertrauten Wild hält, wobei sie manchmal auch Menschen in Tiere verwandelt, einen vorwitzigen Mann zum Beispiel auf der Stelle in einen H
| Erscheint lt. Verlag | 2.11.2005 |
|---|---|
| Vorwort | Elisabeth Binder |
| Zusatzinfo | zwei s/w-Abbildungen |
| Verlagsort | Rotebühlstr. 77 |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 127 x 205 mm |
| Gewicht | 325 g |
| Themenwelt | Literatur ► Anthologien |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 20. Jahrhundert • 21. Jahrhundert • Autorenlesung • Belletristik • Belletristische Darstellung • Büchnerpreis • Büchner-Preis • Deutsche Literatur • Gegenwartsliteratur • Moderne Literatur • Mord • Provinz • Schriftstellerin |
| ISBN-10 | 3-608-93728-5 / 3608937285 |
| ISBN-13 | 978-3-608-93728-2 / 9783608937282 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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