Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Der Ruf des schwimmenden Gartens (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
472 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7517-7422-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Ruf des schwimmenden Gartens -  Tara Haigh
Systemvoraussetzungen
7,99 inkl. MwSt
(CHF 7,80)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Bremen, 1914: Sofie arbeitet als Ärztin im dortigen Krankenhaus, leidet jedoch darunter, von den männlichen Kollegen nicht ernst genommen zu werden. Da hört sie, dass deutsche Investoren auf Madeira ein Krankenhaus eröffnen wollen und händeringend nach Ärzten suchen. Bei einem Treffen beeindruckt der Geschäftsmann Richard Hauenstein Sofie mit seinem Charme und schlägt ihr vor, beim Aufbau der Tuberkulose-Station dabei zu sein.

Auf Madeira angekommen muss sie jedoch feststellen, dass das Krankenhaus noch nicht fertiggestellt ist. Und auch weitere Ungereimtheiten lassen Sofie an ihrem Entschluss zweifeln. Doch dann taucht Richards jüngerer Bruder Ludwig auf, der Sofies Herz höherschlagen lässt. Richards Eifersucht ist geweckt. Sofie dämmert, dass sie nur eine Schachfigur im Spiel um die Macht auf Madeira ist. Und ausgerechnet ein Waisenjunge in einem Nonnenkloster gibt ihr den Schlüssel in die Hand, um sich aus einem Netz aus Geheimnissen und Intrigen zu befreien ...

Vor der atemberaubenden Kulisse Madeiras kämpft eine junge Frau entgegen allen Widerständen um ihre Freiheit und ihre Liebe.

Der neue große Saga-Stoff von Kindle-#1-Bestseller-Autorin Tara Haigh.

eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.



<p><strong>Tara Haigh</strong> schrieb viele Jahre große TV-Unterhaltung und als Tessa Hennig Komödien mit Herz und Humor, die bereits erfolgreich verfilmt und alle Bestseller wurden. Mit ihren historischen Romanen erzählt sie spannende Liebesgeschichten an exotischen Sehnsuchtsorten, die mit viel Liebe zum Detail recherchiert sind und dabei Aspekte der Weltgeschichte aufgreifen, die weniger bekannt oder bisher kaum literarisch in Erscheinung getreten sind.</p>

Kapitel 1


Bremen, April 1914

Die Allgemeine Krankenanstalt in der St.-Jürgen-Straße war nicht nur das größte Krankenhaus Bremens, sondern galt als eines der modernsten – verglichen mit deutschen Standards. Ein imposantes dreistöckiges Ziegelgebäude mit erhöhtem Mittelbau und Rundbogenfenstern, das im internationalen Vergleich mithielt. Zumindest was die Architektur und das geräumige Innenleben betraf. Von Modernität in jeder Hinsicht konnte Sofies Meinung nach aber schon allein deshalb nicht die Rede sein, weil sie die einzige Ärztin in der Lungenheilkunde war. Ohne ihr Studium in der Schweiz und einer einjährigen Tätigkeit im renommierten Londoner St. Thomas Hospital hätte sie die Stelle vermutlich gar nicht erst bekommen. Es fehlte an Fachkräften, die auf dem neuesten medizinischen Stand der Dinge waren. Und ihrer Meinung nach an weiblicher Intuition, aber auch Empathie und Einfühlungsvermögen, was ihre männlichen Kollegen oft vermissen ließen. Pionierarbeit also, um es mit Vaters Worten zu sagen, der ihr das Studium in der Schweiz, wo Frauen bereits seit über vierzig Jahren der Zugang zum Medizinstudium möglich war, nur unter der Bedingung finanziert hatte, dass sie nach Bremen zurückkehrte. Dem Land dienen und eine Vorreiterrolle spielen – Vaters Idee, gegen die an sich nichts einzuwenden war. Allerdings zu einem hohen Preis, weil ihr Wissen und Erlerntes nicht selten mit dem ihrer Kollegen kollidierten. Das fing bereits bei der Hygiene an. Sofie wusch sich wie jeden Morgen vor dem Dienst die Hände mit Lavendelseife. Einem deutschen Kollegen zu erzählen, dass Lavendel desinfizierende Eigenschaften hatte und in England das ätherische Öl sogar bei der Reinigung der Patientenzimmer zum Einsatz kam, grenzte hier an Ketzerei. Von Hahnemann und der Homöopathie hatten die Kollegen sowieso keine Ahnung – alles Dinge, über die Ärzte im St. Thomas Hospital zumindest Bescheid wussten. Wenigstens die Gesichtsmasken aus dreilagigen Mullbinden hatte Sofie jüngst durchsetzen können. Sie boten nach heutigem Wissensstand im Umgang mit Patienten, die an Tuberkulose erkrankt waren, den besten Schutz. Und der war hier in der Klinik dringend erforderlich. Zuerst hatte es geheißen, dass Seeleute und Zuwanderer aus dem Osten die Krankheit einschleppten, doch Sofie wusste, dass die meisten Tuberkulosefälle in erster Linie auf die zunehmende Verarmung der Bevölkerung, aufgrund einer immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich, zurückzuführen waren. Die im Volksmund genannte Schwindsucht, der auch ihre Mutter zum Opfer gefallen war, als Sofie die neunte Klasse besucht hatte, grassierte trotz massiver Aufklärung über Hygieneregeln vor allem in den Mietskasernen, bei schlecht bezahlter angelernter Arbeiterschaft und unter den Obdach- und Arbeitslosen. Armut schuf nahezu paradiesische Zustände für Bakterien, die sich ungehindert ausbreiten konnten – bis vor Kurzem mangels breit angelegter Aufklärung in fast allen Bevölkerungsschichten. Die Stadtverwaltung ließ mancherorts sogar Schilder aufstellen, auf denen »Ausspucken verboten« stand.

Die Maske, die Sofie sich nun anlegte, schützte sie vor einer Tröpfcheninfektion über die Atemwege. Sie überprüfte den korrekten Sitz. Eine ihrer blonden Haarsträhnen hatte sich in der Schlaufe am Ohr verfangen und ragte aus dem Maskenrand. Das passierte regelmäßig, wenn man sie mangels ausreichend Personal nach einem Spätdienst gleich am nächsten Morgen um halb sechs in der Früh antanzen ließ. Sofie zupfte sie heraus und steckte sie unter eine der Haarklammern, die ihr schulterlanges Haar zu einem Dutt bändigten. Im Gegensatz zu ihren Kollegen setzte sie sich zusätzlich eine Schutzbrille auf. Es reichte schließlich, wenn einer der Lungenkranken, die in einem gesonderten Trakt untergebracht waren, sie unabsichtlich anhustete, um sie über die Augen zu infizieren. Professor Helmreich, der Leiter der Pneumologie, trug keine, was sicherlich in erster Linie daran lag, dass er während der Visite keinem der Patienten zu nahekam – auch im übertragenen Sinn. Ein persönliches kurzes Gespräch, aufmunternde Worte oder einfach nur ein offenes Ohr für die Kranken zu haben, galt auf seiner Station als verpönt.

Die Maske saß. Sofie verließ das zum Desinfektionsraum umgestaltete kleine Bad und begab sich zum Sprechzimmer. Der Vorteil des Frühdienstes war, dass die Wartezimmer um die Zeit noch nicht überquollen. Das für die Tuberkulosetests sowieso nicht. Mehr als drei Menschen durften sich in diesem stets gut belüfteten Raum nicht aufhalten. Durch die Glastür sah sie lediglich einen älteren Mann, der sicher darauf wartete, getestet zu werden.

Sofie trat ein und begrüßte ihn mit einem aufmunternden Lächeln. Nur an seiner Augenpartie, die kleine Fältchen warf, konnte sie erkennen, dass er es erwiderte. Er hielt sich ein Tuch vor den Mund. Es war sauber. Sofie konnte keine Blutflecken oder sonstigen Auswurf darauf entdecken.

»Guten Morgen. Sie kommen zum Tuberkulosetest?«

Er nickte und erhob sich.

»Wie fühlen Sie sich? Hatten Sie Fieber? Bekommen Sie gut Luft?«

»Schlimmer Husten.« Er keuchte.

Sofie hatte genug Erfahrung mit Tuberkulosepatienten und mittlerweile ein gutes Gespür, aber auch Gehör dafür entwickelt, ob jemand daran erkrankt war. Kolleginnen schrieben ihr schon den siebten Sinn zu. So wie er hustete, klang es eher nach einer tiefsitzenden Bronchitis. Seine Gesamtkonstitution sprach sowieso dagegen.

Er folgte ihr ins Sprechzimmer und krempelte sich bereits den Arm hoch. Offenbar war das nicht sein erster Test.

»Ihr Name?«

»Wilhelm Schneider. Ich war schon mal hier.«

Sofie ging zum Schreibtisch und wühlte im Karteikasten. Wie sie es sich gedacht hatte, war auf dem Datenblatt für den Sechsundfünfzigjährigen bisher kein positives Testergebnis verzeichnet. Sie sah an seiner Anschrift, dass er in einer der Mietskasernen wohnte, an seiner Kleidung, dass er nicht der Oberschicht angehörte. Ein Wunder, dass er bislang gesund geblieben war.

Herr Schneider hielt ihr routiniert den Unterarm hin – bereit für die sogenannte Pirquet-Probe.

Sofie desinfizierte seinen Arm großzügig mit Alkohol, der zugleich die Haut entfettete, und trug dann mit einer Pipette das Tuberkulin an zwei Stellen etwa im handbreiten Abstand auf. Damit allein war es leider zum Unmut der Patienten nicht getan. Die Substanz musste mit scharfen Klingen regelrecht in die Haut eingeritzt werden. Beim Skarifizieren, wie sich das nannte, gab Herr Schneider keinen Mucks von sich. An einer Stelle, die weiter weg lag, führte Sofie die Prozedur erneut durch. Das war notwendig, um unspezifische Reaktionen abzugrenzen und somit eine negative Kontrollstelle zu haben. Zeigten sich nach achtundvierzig Stunden keine Knötchen, konnte sie sicher davon ausgehen, dass er sich tatsächlich nur eine Bronchitis zugezogen hatte. Das ihr bekannte Rasseln in seiner Lunge und ein begleitender Pfeiflaut sprachen dafür. Abhören brauchte sie ihn nicht mehr, um sich dessen gewiss zu sein.

»In der Apotheke am Eck sollten Sie sich Naturlakritz und Thymianöl besorgen.«

»Dass Lakritz gut für die Lunge ist, habe ich schon gehört, aber Thymian?«

»Ätherisches Öl! Träufeln sie sich ein wenig auf ihr Kopfkissen. Noch besser wäre, damit zu inhalieren. Zwei Tropfen in eine Schüssel mit heißem Wasser geben. Darüberbeugen und ein Handtuch über den Kopf legen.«

»Und das soll helfen?«

Herr Schneider klang wie Professor Helmreich, der grundsätzlich alles ablehnte, was sie aus ihrer Zeit in England an Wissen erworben hatte und eben nicht in schulmedizinischen Lehrbüchern stand. Sofie nickte entschlossen.

Herr Schneider ebenfalls, während er sich den Ärmel seines Hemds wieder nach oben krempelte. »In unserem Stockwerk gibt es zehn Mieter mit Auszehrung. Hoffentlich ist es wirklich nur ein Husten.«

»Nicht jeden erwischt es. Händewaschen. Türklinken mit dem Hemdsärmel öffnen. Abstand halten.«

Herr Schneider winkte ab. Sofie war sich sicher, dass er diese Regeln kannte und auch befolgte. Bevor sie sich von ihm verabschieden konnte, schneite Schwester Käthe, die Dienstälteste auf der Station, herein.

»Helmreich will dich sprechen«, sagte sie zwischen Tür und Angel, ehe sie mit ihrem Rollwagen, in dessen Etagenfächern Tabletts mit dem Frühstück für die Patienten lagen, von dannen zog.

Wahrscheinlich ging es Helmreich darum, ihren Jahresvertrag zu verlängern oder auch nicht, wobei Sofie letzteres für eher unwahrscheinlich hielt.

»Gute Besserung und denken Sie an das ätherische Öl. Thymian«, sagte sie Herrn Schneider, nachdem sie ihn hinausgeleitet hatte.

Im Grunde genommen war Professor Helmreich ein sehr umgänglicher Zeitgenosse. Sofie ließ kein schlechtes Wort über ihn kommen, was in erster Linie daran lag, dass er sie vor zwei Jahren nach einem zugegebenermaßen harten und fast zweistündigen Bewerbungsgespräch, das man eher als intellektuelle Anamnese bezeichnen konnte, ohne mit der Wimper zu zucken eingestellt...

Erscheint lt. Verlag 1.11.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Das schwarze Gold des Südens • Der süße Duft der Reben • Funchal • Große Gefühle • Historical Romance • Historische Romane • Kindle-#1-Bestseller-Autorin • Kolonialisierung • Love & Landscape • Madeira • Starke Frauen • Tara Haigh
ISBN-10 3-7517-7422-X / 375177422X
ISBN-13 978-3-7517-7422-2 / 9783751774222
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Das Ende der Welt. Roman

von Sabine Ebert

eBook Download (2025)
Knaur eBook (Verlag)
CHF 18,55

von Rebecca Gablé

eBook Download (2025)
Bastei Entertainment (Verlag)
CHF 24,40