Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Daimon Diamonds (eBook)

eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
342 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7597-8239-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Daimon Diamonds -  Margarethe Alb
Systemvoraussetzungen
3,99 inkl. MwSt
(CHF 3,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Leandra liebt die neue Zeit. Seit der Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert genießt sie die Musik, die Mode und noch mehr. Leider ist ihr Vater, der Waldelf Leander Buchenblatt, wie so oft schon geschehen, spurlos verschwunden. Luzifer, eine gemeinsame Freundin und Dämonin, hat allerdings einen Verdacht. Tief in den sibirischen Wäldern geht angeblich Eigenartiges vor sich. Man munkelt, dass die magischen Bewohner des riesigen Landes verschwunden sein sollen und von militärischen Zuchtprogrammen für Drachenwesen und sogar die gutmütigen Delfine. Außerdem sind mehrere Diamantenminen, deren Oberhoheit seit dem Anbeginn der Zeit bei Luzifers Volk liegt, seit einer Weile nicht mehr aufzufinden. Leandra reist daher in die neu entstandene Sowjetunion, um nicht nur ihren Vater aufzuspüren.

Margarethe Alb ist das Pseudonym einer Südthüringer Autorin aus Floh-Seligenthal. Sie ist verheirtatet, hat zwei erwachsene Kinder und nennt jede menge Zierfische ihr eigen. Außerdem kümmert sie sich um die in der Nähe lebenden Feen und andere magische Wesen.

1923


1


Leandra lehnte sich an die Bar aus dunkel gebeiztem Holz. In dem mit opulenten Schnitzereien verzierten Spiegel, der an der Wand dahinter hing, reflektierten sich die glitzernden Kleider der tanzenden Damen, die von ihren Partnern schwungvoll umhergewirbelt wurden. Die relativ kleine, kreisrunde Tanzfläche war gut besucht und die Paare tanzten, als stünden sie miteinander in einem Wettbewerb.

Durch den großen Spiegel schaffte sie es bequem, gleichzeitig die vielfältigen Flaschen zu betrachten, die im Regal davor aufgereiht waren, und den Gastraum der Bar im Blick zu behalten. Das war ihr absoluter Lieblingsladen. Die Anmutung des Etablissements war zwar irgendwo zwischen leicht schmuddelig und edel glitzernd, aber das Publikum war einzigartig. Davon abgesehen verschwammen im „Lichtertanz“ die Grenzen zwischen den Welten.

„Möchtest du noch was, Liebchen?“ Die Barfrau mit dem frechen Kurzhaarschnitt hielt eine hübsch geschliffene Karaffe hoch, von der Leandra wusste, dass sich der gute Gin darin befand. Nickend schob sie ihr Glas über den Tresen.

Einen konnte sie sich noch erlauben. Immerhin wartete sie schon mindestens eine halbe Stunde auf ihre Verabredung.

Offenbar konnte er sich mal wieder nicht von seiner aktuellen Flamme trennen. Vermutlich vergnügten sie sich in deren Lotterbett, während Leandra hier Ewigkeiten warten musste. Wenn sie nicht so dringend auf die Informationen angewiesen wäre, welche nur Ragnan ihr verschaffen konnte, dann hätte sie ihn längst in den Wind geschossen. So hielt sie sich eben an seinen Alkoholvorräten schadlos, bis es dem Herrn gefiel, endlich aufzutauchen.

Als sie schon kurz davor war, ihm eventuell die Kavallerie auf den Hals zu hetzen, bequemte der Herr und Meister der Schnapsflaschen sich dieses Ladens doch noch, sich zu ihr zu gesellen. An jedem seiner Arme hing jeweils eine langbeinige Blondine, die beide überreich mit Pailletten verzierte Flapperkleider trugen. Ebenso hielten beide lange, schwarz glänzende Zigarettenspitzen in der jeweils freien Hand. Opulente Perlenketten hingen in mehreren Reihen von den langen schlanken Hälsen.

Leandra setzte ihr Glas an die Lippen und wartete ab. Der ganz in schwarz gekleidete Besitzer der Bar gab seinen beiden Gespielinnen jeweils einen Klaps auf dem Po. Mit dieser galanten Geste schickte er sie zur Tanzfläche.

„So. Sollen sie sich ein paar dumme Kerle suchen, die sie ausnehmen können.“ Breit grinsend folgte Leandra seinem Blick.

Die beiden Mädels schoben sich gerade geschickt zwischen zwei ihrer Geschlechtsgenossinnen und deren Tanzpartner.

„Die sind gut. Wo hast du sie aufgetrieben?“ Ragnan von Spiessberg lachte laut auf.

„Das glaubst du mir sowieso nicht. Also lasse ich es gleich, dir davon zu erzählen. Aber nun sprich, was dich zu mir treibt. Leandra Grünwald taucht ja wohl nicht grundlos in meiner Höhle auf.“

Leandra schüttelte amüsiert den Kopf. Von Smalltalk und sinnlosen Herumgerede hatte Ragnan noch nie viel gehalten.

„Bist immer noch der Alte oder? Nur kein Wort zu viel. Wie wäre es mit „Hallo schöne Frau? Habe dich viel zu lange nicht gesehen?““

„Hallo schöne Frau, wie kann ich Ihnen dienen?“

„Das war schon besser, ist aber noch ausbaufähig.“

„Nun spricht schon, was dich zu mir treibt, Leandra. Wenn ich hier zu viel Zeit vergeude, verschwinden die beiden mit diesen geistlosen Anzugträgern dort. Wo ich doch mit ihnen noch lange nicht fertig bin.“

„Hast du was von den Russen gehört?“ Ragnan spuckte beinahe seinen guten Whisky über den blank polierten Tresen.

„Was willst du denn von denen? Soweit ich weiß sind die allesamt beschäftigt. Man hat mir zugetragen, dass deren derzeitige Regierung plant, einschneidende Änderungen in der Zusammenarbeit mit den anderslebenden Gruppierungen in Russland durchzusetzen. Wir dürften es ab demnächst also mit einem mit einem größeren Zuzug russischer Mitbewohner zu tun bekommen. Man munkelt sogar, dass hinterm Ural neue Hexenprozesse geplant werden.“

Das hatte Leandra auch schon läuten hören. Aber Ragnan war augenscheinlich nicht auf dem neuesten Stand.

„Der sogenannte Zuzug ist längst im Gange, Meister der Dunkelheit. Täglich kommen Russen hier an, die untergebracht und in die Gesellschaft integriert werden müssen. Aber du weißt genau, dass ich das nicht meinte.“ Leandra funkelte Ragnan mit ihrem bösesten Blick an. Dieser trank sein Glas grinsend leer. Dann wich das Amüsement aus seinen attraktiven Zügen.

„Nein, es gibt keine Nachricht, tut mir leid, Leandra. Unsere Nachrichtenkanäle wurden abgeschnitten. Niemand hat etwas von ihm gehört.“ Er legte seine warme Hand auf Leandras.

„Ich würde dir niemals verschweigen, wenn ich wüsste, was geschehen ist. Viel eher würden wir dich brauchen, um unsererseits Rache zu nehmen. Das weißt du doch?“ Leandra schluckte trocken und nickte. Ragnan hatte in dieser Sache ihr vollstes Vertrauen. Auch wenn seinesgleichen nicht unbedingt immer die Wahrheit sagte, hier standen sie aber auf derselben Seite. Die Band setzte zu einem der derzeitigen Dauerbrenner an.

„Ich habe im Mai von der Liebe geträumt“ riss die Tanzwütigen förmlich von den Socken. Der etwas kitschige Text und die eingängige Melodie hatten die Musikwelt der Bars und Tanzkaffees letztes Jahr im Sturm erobert.

„Was meinst du, drehen wir auch eine Runde?“ Leandra griff schmunzelnd nach der zu ihr hingestreckten Hand Ragnans und ließ sich auf die kleine Tanzfläche geleiten.

Sie atmete tief durch und ließ sich von der beschwingten Musik in eine bessere Welt entführen. Eine Welt, in der es keine von Menschen geschaffenen Grenzen gab. Eine Welt, in der die Liebe regierte. Eine Welt, in der auch sie ein Herz geschenkt bekam.

Ragnan führte sie mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen den anderen Paaren hindurch. Er war ein wirklich gutaussehender Mann mit seinen kohlschwarzen Haaren, den scharf geschnittenen Gesichtszügen und den tiefbrauen Augen. Sein Anzug saß wie maßgeschneidert.

Was er mit Sicherheit auch war. Für Ragnan musste es eben der beste Schneider sein, sowie er nur die besten Spirituosen trank oder die hübschesten Frauen in sein Bett einlud. In der Bewegung nahm Leandra aus dem Augenwinkel einen großen, glatzköpfigen Mann wahr, der gleich darauf Ragnan auf die Schulter klopfte und sie von diesem übernahm.

Während Ragnan sich nun seinerseits eine seiner mitgebrachten Schönheiten abklopfte, ließ Leandra sich von dem kahlköpfigen Mann mit seinem überaus schrecklichen Kleidergeschmack im Kreis wirbeln.

„Hallo, mein Schatz.“ Sie drückte ihm statt einer Antwort einen Kuss auf die Wange. Dann musterte sie ihn von Kopf bis Fuß.

„Wer hat dir denn diese Scheußlichkeit aufgeschwatzt, lieber Cernun? Doch nicht etwa deine Tochter? Oder hat eine Dame mit ausnehmend schlechtem Geschmack endlich dein kaltes Herz erobert?“ Cernun schleuderte sie ein wenig zu schwungvoll in eine Drehung.

„Sag nichts über mein Hemd, verfluchtes Weib. Ich finde es nämlich ausnehmend einnehmend.“ Leandras Mundwinkel zuckten automatisch.

„Naja, der Anzug geht ja auch. Aber wer zum Kuckuck fertigt solche Schrecklichkeiten wie dieses Hemd?“ Sie schaute nach unten und kicherte.

„Oder diese Schuhe? Nennt man das jetzt Kannibalismus? Oder ist es ein ekliger Fetisch?“ Cernun schnaubte.

„Nur weil ich diese Drucke von Schlangenhaut sehr passend finde, musst du dich nicht darüber lustig machen.“ Leandra verschluckte beinahe ihre Zunge. Sie zog Cern zügig von der Tanzfläche und in die Nähe der Tür zu den Waschräumen.

„Cernun. Das Leder deiner Schuhe ist kein Rindsleder.“ Der große Mann erbleichte sekundenschnell. Mit einem kurzen Blick auf seine eben noch so geliebten Treter schleuderte er die Slipper blitzschnell von sich. Mit Entsetzen im Blick musterte er die nun verwaisten Schuhe.

„Merde. Die sind wirklich echt.“ Leandra legte ihm beruhigend eine Hand auf die kühle Wange.

„Hast du es nicht gewittert?“ Er schüttelte den Kopf.

„Sie riechen nach Farbe und Wachs. Niemals wäre mir der Gedanke gekommen, dass sie dafür Schlangen meucheln. Ich dachte, das wäre ein Druck, wie bei dem Hemd. Das ist doch aus Seide, oder?“

Entsetzt schien er zu überlegen, ob er dieses auch von sich werfen sollte. Leandra rieb eine Ecke des Kragens zwischen den Fingerspitzen.

„Ja, das ist es. Reinste Maulbeerseide. Diese ist wirklich nur bedruckt worden.“ Sie sah, wie er den Satz gedanklich vollendete. „Nicht wie die Schuhe.“

Es war Zeit für einen Themenwechsel und außerdem brauchte Cernun von Asgard neue Treter an die zarten Füßchen.

„Was machst du eigentlich hier? Und erzähle mir nichts davon, dass es Zufall sei, dass du und ich zeitgleich in Ragnans Schuppen...

Erscheint lt. Verlag 7.8.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Diebstahl • Drachen • Elfen • Liebe • Verschwörung
ISBN-10 3-7597-8239-6 / 3759782396
ISBN-13 978-3-7597-8239-7 / 9783759782397
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich