Maggie Bell und die eisigen Seiten (eBook)
185 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-3243-4 (ISBN)
Kurz vor Weihnachten feiert Fair Haven sein jährliches Eisfischer-Fest. Doch die Stimmung wird jäh unterbrochen, als ein recht unbeliebter Anwalt erfroren in seiner Fischerhütte aufgefunden wird. Bald stellt die Polizei fest, dass er in Wirklichkeit erschossen wurde.
Der Hauptverdächtige ist die örtliche Eisfischerlegende Jim Campbell. Doch Maggie ist von seiner Unschuld überzeugt und beginnt mit Joshua an ihrer Seite, eigene Nachforschungen anzustellem. Obwohl Joshua ihr Chef ist, scheint er möglicherweise mehr als nur berufliches Interesse an ihr zu haben.
Während Weihnachten näherrückt, ist Maggie entschlossen, nicht nur den Mörder zu überführen, sondern auch einen Kuss unter dem Mistelzweig zu erhaschen ...
Band 4 der Cosy Crime Reihe mit Buchhändlerin Maggie Bell. Alle Bücher sind unabhöngig voneinander lesbar.
Harper Lin ist USA Today-Bestsellerautorin mehrerer cosy Crime Serien.
Wenn sie nicht gerade liest oder Krimis schreibt, geht sie gerne zum Yoga, wandert oder backt mit Freunden und Familie. ?
Kapitel 1
Die bunte Lichterkette mochte dieses Jahr so gar nicht gehorchen. Als Maggie Bell sie vor ihrer Haustür aufhängen wollte, verhedderte das Ding sich immer wieder.
»So ein Mist«, brummte Maggie. »Das Fenster im Buchladen sieht perfekt aus, dabei habe ich dort eine Million mehr Lichter aufgehängt. Warum bekomme ich das bloß nicht hin?«
In Wahrheit war es nicht die Lichterkette, die sie betrübte. Sie hatte sie beim Aufhängen fast jedes Jahr entwirren müssen. Doch letztes Jahr war ihr Chef, Mr Alexander Whitfield, noch am Leben gewesen. Er und Maggie hatten an den Tagen vor Weihnachten immer alte Kinderbücher über den Weihnachtsmann und Knecht Ruprecht gelesen und natürlich auch die Geschichte, die mit dem Stern am Himmel und der kleinen Krippe begann. Dieses Jahr konnte Maggie sich nicht einmal dazu überwinden, all diese Bücher auch nur anzusehen.
Maggie ließ die baumelnde Kette los und stieß einen tiefen Seufzer aus. Ihre Vermieterin Mrs Peacock war wild entschlossen, den Wettbewerb um die schönste Dekoration zu gewinnen. In erster Linie, um diese Ehre ihrer Erzfeindin Mrs Donovan wegzuschnappen. Auf dem Dach ihres Hauses thronte ein lebensgroßer Nikolaus auf einem Schlitten. Im Vorgarten befand sich eine komplette Weihnachtskrippe. Dem Jesuskind hatte sie neben Snoopy und Frosty, dem Schneemann, eine ganze Armee weiterer bunt blinkender Gefährten beigegeben, alle mit Girlanden um den Hals, versteht sich.
Maggie wollte nicht, dass ihr kleines Häuschen wie ein düsteres Gartenmausoleum neben dem aufwendig geschmückten Haupthaus dastand. Daher hängte sie immer etwas auf, um Mrs Peacock glücklich zu machen. Normalerweise machte ihr das auch Spaß. Es war eine Tradition, die Weihnachten einläutete. Aber dieses Jahr war eben alles anders.
Mr Whitfield fehlte, und mit ihm war auch Maggies ganze Vorfreude auf die Feiertage verschwunden. Traurig betrachtete sie die verknotete Lichterkette und war kurz davor, in Tränen auszubrechen, als sie plötzlich Schritte hörte. Sie wandte sich um und erblickte das Gesicht, das sie im Moment am wenigsten sehen wollte, auch wenn sie sich unablässig nach ihm sehnte.
»Hey, das sieht gut aus«, sagte Joshua Whitfield und kam über den Kiesweg auf ihr Haus zu.
»Danke.« Maggie biss sich hastig auf die Zunge. »Ich dachte, ich mache Mrs Peacock dieses Jahr mal richtig Konkurrenz.«
Joshua wandte seinen Blick auf Mrs Peacocks Haus und schmunzelte. »Sieht aus, als hätte sie eine Landebahn für Jumbojets angelegt mit all den Lichtern.«
»Letztes Jahr hat Mrs Donovan den Dekorations-Wettbewerb gewonnen. Das kann Mrs Peacock nicht ein weiteres Mal durchgehen lassen«, sagte Maggie und griff unwillig nach dem verhedderten Ende der Lichterkette.
Joshua nahm ihr das Kabelknäuel ab. »Komm, ich helfe dir.«
»Danke.« Maggie seufzte tief. Sie hasste es, Hilfe anzunehmen, besonders, wenn sie sie am meisten brauchte.
»Was machst du in dieser Gegend?«, fragte sie. »Der Donnerstag ist doch dein freier Nachmittag. Und da spazierst du bei dieser Eiseskälte durch die Straßen von Fair Haven?«
»Um genau zu sein, wollte ich ein wenig in Weihnachtsstimmung kommen, genau wie du.« Joshua lächelte. Mit ein paar wenigen Handgriffen hatte er die Lichterkette entwirrt.
Wie einfach das mit einem Mal aussah! Maggie waren die Finger bei ihrem Entwirrungsversuch fast abgefroren. Ärgerlich. Sie würde Joshua wissen lassen, dass sie überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung war.
»Ach so. Na, dann bist du tatsächlich in der perfekten Gegend, um bis zu den Ohren in Weihnachtsstimmung zu versinken.« Genervt zog sie die Brauen hoch und zerrte an ihren Handschuhen.
»Allerdings. Ich fand schon unsere Main Street total rausgeputzt, aber gegen das hier wirkt sie fast trist. Abgesehen vom Büchercafé. Da hast du dich wirklich mal wieder übertroffen, Maggie«, sagte Joshua.
Gegen ihren Willen musste Maggie lächeln. Sie war froh, dass die Lichterkette nur einen schwachen Schein abgab und Joshua nicht sehen konnte, wie ihr die Röte in die Wangen stieg.
»Wir haben ja auch unglaublich viel Weihnachtsschmuck. Dein Vater hat praktisch alles aufgehoben, was er jemals gekauft oder geschenkt bekommen hat. Er liebte Weihnachten. Wir haben zusammen Geschichten gelesen und …« Maggie brach ab und zog Joshua die entwirrte Lichterkette aus den Händen.
»Soll ich dir beim Aufhängen helfen?«, fragte er.
Sie hatte schon ein »Ja« auf der Zunge, doch dann schüttelte sie schnell den Kopf. »Nicht nötig. Ich bin zum Glück fast fertig. Im Haus wartet ein Berg Wäsche auf mich, und ich muss auch noch ein paar Telefonanrufe erledigen. Meine Schwester hat gestern eine Nachricht hinterlassen und ich sollte sie wirklich zurückrufen«, log sie. Dabei wartete nichts im Haus auf sie. Die Wäsche hatte sie schon vor Tagen erledigt. Angel, ihre Schwester, hatte vor genau einer Woche über eine Stunde mit ihr telefoniert. Auf Maggie wartete nichts außer einem Teller Suppe und einem Fernsehabend. Zurzeit gab es nicht einmal ein interessantes Buch, das sie ablenkte.
»Bevor du wieder reingehst, können wir doch mal bei Mrs Donovans Haus vorbeischlendern und nachsehen, ob es an Mrs Peacocks Kunstwerk heranreicht.« Joshua zog fragend die Augenbrauen hoch. »Vielleicht auch eine kleine Wette abschließen, welche Lady wohl gewinnt?«
»Ich spiele nicht um Geld«, platzte Maggie heraus, ehe sie an sich halten konnte.
»Ich habe auch nicht erwartet, dass du dein Haus als Einsatz nimmst«, konterte Joshua mit einem Grinsen. »Nur eine einfache kleine Wette. Oder hast du Angst, zu verlieren …?«
»Hast du nicht gehört, wie viel ich noch erledigen muss? Ich habe schlicht keine Zeit für einen Spaziergang, zumal es auch bald schneien soll«, gab Maggie zurück. Endlich hatte sie die Kette um die Haustür befestigt. Gereizt griff sie nach einem mit bunten Kugeln geschmückten Kranz aus dicken Kiefernzweigen, der an den Stufen zur Haustür lehnte.
Joshua ließ sich nicht abwimmeln. »Es soll nur ganz leicht schneien …«
»Genau das ist am gefährlichsten. Die Leute merken nicht, wie glatt die feine Schneeschicht ist. Und schwups landen sie samt ihren Autos im Graben.«
Joshua schüttelte den Kopf. »Spaßbremse. Wie kann jemand, der die Atmosphäre von Weihnachten in unserem Schaufenster so perfekt eingefangen hat, gleichzeitig so ein Scrooge sein?«
»Scrooge? Ein Geizhals?«
»Genau, Scrooge.« Joshua grinste spöttisch. »Ich sag dir mal was, Maggie Bell: Es braucht mehr als deine abfällige Haltung, um mir den Abend zu vermiesen.«
»Wenn du Pragmatismus oder gesunden Menschenverstand als abfällige Haltung bezeichnest, dann soll Marleys Geist kommen.« Maggie machte sich daran, den Kranz an den Haken in ihrer Tür zu hängen.
»Wer?«
»Marleys Geist! Der Geist, der Ebenezer Scrooge berichtet, er sei von drei Erscheinungen heimgesucht worden. Pu! Du zitierst Dickens und kennst die Geschichte nicht mal.« Maggie verdrehte die Augen.
»Kenne ich wohl. Ich hatte den Geist nur gerade nicht auf dem Schirm.« Joshua grinste Maggie nach wie vor an und sah zu, wie sie sich bemühte, an den Haken zu kommen. Es fehlten ihr nur wenige Zentimeter, aber so sehr sie sich auch streckte, es reichte nicht.
»Worüber lachst du?«, fragte Maggie, obwohl sie die Antwort auf ihre Frage natürlich genau kannte. Und ehe sie sich’s versah, hielt Joshua den Kranz in seinen Händen und hängte ihn an ihre Tür.
»Ich habe über … dich gelacht«, antwortete er wahrheitsgemäß, trat einen Schritt zurück und begutachtete sein Werk. »Dann bis morgen im Buchladen. Einen schönen Abend noch, Margaret.«
Maggie sah Joshua hinterher. Sie musste sich immer noch an seine ironische Art gewöhnen. Er war ganz anders als sein Vater. Mr Whitfield war ein echter Gentleman gewesen. Wie konnte der Inhaber eines Buchladens nicht wissen, wer Marleys Geist war? Dafür kannte Joshua garantiert jede Zeile aus dem albernen Film Fröhliche Weihnachten, in dem sich ein kleiner Junge eine Schrotflinte zu Weihnachten wünschte.
»Macht sich über mich...
| Erscheint lt. Verlag | 1.11.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | A Bookish Cafe Mystery |
| Übersetzer | Eva Riekert |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Crime before Christmas |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Bücher • Büchermord • Buchhandlung • Bunburry • cherringham • Cosy Crime • Cozy Crime • Helena Marchmont • Mordermittlung |
| ISBN-10 | 3-8412-3243-4 / 3841232434 |
| ISBN-13 | 978-3-8412-3243-4 / 9783841232434 |
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