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Pandora (eBook)

Hinter uns nur Schatten
eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
368 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7597-5658-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Pandora -  Katharina Erfling
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(CHF 3,90)
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Wie machst du weiter wenn du alles schon verloren hast? Anyas Kindheit endet mit einem Schlag, als die Epidemie die Welt, die sie kannte, vernichtet. Zusammen mit ihrem kleinen Hund und ihrem besten Freund muss sie lernen, in einer Welt zu überleben, die ihren Tod will. Als sie den Falschen vertraut, verliert sie beinahe alles. Ausgerechnet der arrogante Fremde Asher ist es, der unerwartet zu ihrer letzten Hoffnung auf Rache gegen jene wird, die ihre Unschuld zerstörten. Doch er hütet ein düsteres Geheimnis, das ihn mit ihrem einstigen Widersacher verbindet.

Katharina Erfling wurde 1989 in der Nähe von Köln geboren. Wenn sie sich nicht gerade in fantastischen Welten verliert, arbeitet sie in einem Verlag und macht ganz klischeehaft "etwas mit Medien"

1. Schöne neue Welt


Grußaufstellung gegen die Hand. Mittelschritt knapp im Raumgriff“, diktierte ihr Großvater dem Protokollanten. Anya saß neben ihm, in der Ecke der großen Halle, die für die Richter abgetrennt worden war. Ihre Augen verfolgten unablässig die Reiter, die in der Abteilung hin und wieder an ihnen vorbeiritten. „Mitteltrab nicht gezeigt“, fuhr er fort. Hektisch kratzte der Stift über das Blatt. Der Schreiber Tobias schaffte es kaum hinterherzukommen. „174 raumgreifend. Mehr Biegung.“

Die Pferde waren unruhig und ihre Reiter wirkten verbissen. Selbst Anya erkannte, wie chaotisch diese Abteilung war. Ihr Großvater verfolgte die einzelnen Reiter mit seinem wachsamen Blick. Ohne die Augen von den Pferden zu lösen, die mehr staksten als trabten, lehnte er sich zu der zweiten Richterin vor und raunte ihr etwas zu. Anya streichelte den kleinen Hund, der auf ihrem Schoß saß. Die schwarze Havaneserhündin beobachtete die Pferde misstrauisch. Navi war noch nie ein Fan von Tieren gewesen, die größer waren, als sie selbst. „Denk dran“, flüsterte Anya und kraulte sie hinter dem Ohr. „Noch einmal so laut bellen und wir fliegen wirklich raus.“

Navi legte den Kopf schief und sah mit ihren grauen Augenbrauen so aus, als würde sie sie spöttisch mustern. Noch einmal streichelte Anya dem kleinen Hund über den Kopf, ehe sie sich wieder zurücksinken ließ. Sie liebte es mit ihrem Großvater am Wochenende auf Turniere zu fahren. Hier konnte sie eine Limo nach der anderen trinken, seinen kryptischen Beurteilungen lauschen und den vertrauten Stallgeruch einatmen. Sie konnte es sich nicht schöner vorstellen.

Anya hob den Blick, als eines der Pferde erschrak und zur Seite sprang. Der Schimmel hinter ihm brach ebenfalls aus und überholte den ersten Reiter, der alle Mühe hatte, sein bockendes Pferd davon abzuhalten, endgültig loszuschießen. „Die bringen sich noch gegenseitig um“, murmelte ihr Großvater und zwirbelte seinen buschigen Schnäuzer.

„So sind nun einmal junge Pferde“, sagte die zweite Richterin mit einem nachsichtigen Lächeln. „Aber mir graut schon vor dem Parcours.“

Anyas Großvater schmunzelte und gab der Ansagerin ein Zeichen. „Abteilung bereitmachen zum Springen“, ertönte es daraufhin stark rauschend durch das Mikrophon.

Der Richter löste seinen Blick von den Reitern und wandte sich dem Protokollanten zu. Tobias war einer seiner Reitschüler und zudem der Bruder von Anyas besten Freund Dan. Während die beiden über die Prüfung sprachen, an der Tobias mit seinem eigenen Pferd teilnehmen würde, beobachtete Anya die Reiter in der Halle. Zwei von ihnen beugten sich vor, um ihre Bügel richtig einzustellen, während der Reiter des Schimmels schon im Schritt um das erste Hindernis herumritt. Die beiden Richter behielten Recht. Mehr als einmal knallten die Stangen zu Boden. Manche der Pferde quittierten den Dienst von vorneherein, oder stürmten so kopflos auf die Hindernisse zu, dass ihre Reiter Mühe hatten sich oben zu halten.

Nachdem auch der letzte Reiter seinen Parcours beendet hatte, steckten die beiden Richter die Köpfe zusammen. Sie diskutierten leise über die Wertnoten, ehe sie eine Liste an die Ansagerin weiterreichten.

Anya drehte den Kopf, als ihr jemand auf die Schulter tippte. Tobias gab ihr mit einem Nicken zu verstehen, zu dem großen Tor herüberzusehen. „Hier die Wertnoten für die letzte Abteilung“, erklang es kratzend aus den Lautsprechern, als sie ihren besten Freund entdeckte. Dan lehnte an sein Fahrrad und grinste breit, als sein Blick auf sie fiel. Er trug wieder eines seiner Minecraft-T-Shirts und hatte seine Haare hochgegelt, wie er es in letzter Zeit so gerne machte.

„Nun geh schon“, flüsterte ihr Großvater neben ihr und zwinkerte ihr zu. „Hier wird nur noch gerechnet. Du kannst also nichts mehr verpassen.“

Das ließ sich Anya nicht zweimal sagen. Als sie aufsprang und Navi an der Leine hinter sich herzog, bemerkte sie, dass Tobias sich hinter ihr ebenfalls verabschiedete, um nach seinem Pferd zu sehen und so langsam für das M-Springen abzureiten. Welchen Tipp ihr Großvater ihm noch gab, hörte sie schon nicht mehr.

„Was machst du denn hier?“, fragte sie, als sie Dan erreicht hatte. Sie konnte gar nicht anders, als sein Grinsen zu erwidern.

Dan strich sich eine hellbraune Strähne hinters Ohr. „Ich dachte, wir holen uns bei Onkel Mario einen Crêpe und sehen uns Tobis Springprüfung an.“

Als könnte sie auch nur irgendetwas dagegen einwenden. Die Crêpes von Dans Onkel waren der helle Wahnsinn.

Auf dem Platz vor der Halle herrschte geschäftiges Treiben. Sie versuchten, niemandem vor die Füße zu laufen, als sie sich in Richtung der beiden Springplätze durchschlugen. Anya liebte die Turnieratmosphäre. Das Schnauben der Pferde. Das aufgeregte Warten vor und nach den Prüfungen. Das Stand up for the Champions, wenn die Schleifen verteilt waren und die Pferde zu einer Ehrenrunde über den Platz fegten.

Marios Stand lag direkt am Abreiteplatz der Springreiter und war von einer Traube Menschen umgeben. Seine Crêpes und das Eis wurden ihm hier auf den Turnieren förmlich aus den Händen gerissen. „Na, ihr beiden?“, begrüßte Onkel Mario sie, als sie sich endlich zu ihm durchgekämpft hatten. Noch bevor sie den Mund aufmachen konnten, schob er ihnen schon Crêpes und einen großen Becher Vanillepudding mit Erdbeeren zu. Er zwinkerte ihnen zu und wandte sich dann dem nächsten Kunden zu.

Dan stieß sie mit dem Ellbogen an und nickte in Richtung Springplatz. Dort ließen sie sich auf dem Wall in das Gras sinken und verfolgten die Siegerehrung des L-Stilspringens. Anya ließ sich auf den Rücken fallen und genoss die Sonne, die ihr auf die Haut schien.

Während die Reiter auf dem Platz zur Ehrenrunde ansetzten, beschwerte sich Dan über die Hausaufgaben, die ihr Lehrer ihnen über das Wochenende aufgebrummt hatte. „Was interessiert es mich, wie ein Schmetterling von innen aussieht?“, mokierte er sich und riss ein Stück von seinem Crêpe ab.

Anya lachte und beobachtete die Parcourshelfer, die die Hindernisse für das nächste Springen erhöhten. „Wer weiß. Vielleicht erkennst du ja deine wahre Leidenschaft und wirst Insektenforscher. Und dann hast du auch überall diese gruseligen Setzkästen an der Wand.“ Dan sagte nichts. Er hob nur vielsagend die Augenbrauen. Nach einer Weile stupste Anya ihren besten Freund an, als sein Bruder als dritter Reiter an den Start ging. Tobias trabte mit seiner schwarzen Stute auf den Platz und hielt vor den Richtern, um zu grüßen. Das Pferd hörte auf den hochgestochenen Namen Con la Doria. Dan‘s Bruder hütete die Stute wie seinen Augapfel und steckte lieber selbst zurück, bevor es seiner Conny auch nur an irgendetwas fehlte. Kaum zu glauben, dass der sonst so einschüchternd wirkende Kerl mit seinem Pferd so sanft umgehen konnte. Anya konnte ihn trotzdem nicht leiden.

Sie hob den Kopf, als ihr Großvater neben sie trat. Mit den Augen verfolgte er den Ritt seines Schülers und murmelte lautlos vor sich hin. Sie wusste, dass er die beiden mehrmals die Woche trainierte, damit sie in der nächsten Saison den Sprung in die nächsthöhere Klasse schafften. „Dein Bruder reitet heute wieder sehr gut“, sagte Großvater zu Dan. „Con la Doria ist in Topform.“

Dan rollte mit den Augen. „Das lässt er mich auch nicht vergessen.“ Das Publikum klatschte, als Tobias seinen Ritt beendete. Anyas Großvater lächelte ihr kurz zu und ging dann auf die Schleuse zu, um ihn abzufangen und mit ihm über seinen Ritt zu sprechen.

Erst machte Dan Anstalten ihm zu folgen, entschied sich dann aber doch dagegen und fiel über den Becher Pudding her. „Fährst du nächstes Wochenende wieder mit aufs Turnier?“, fragte er sie.

Anya nickte. „Wie jedes Wochenende.“

Ihr Rucksack schlug ihr bei jedem Schritt in den Rücken, als Anya dem Weg vom Schulbus nach Hause folgte. Sie konnte es kaum erwarten, die schweren Bücher auf ihrem Rücken loszuwerden. Etwas zu schwungvoll riss sie das gusseiserne Gartentörchen auf und stolperte beinahe über die fette Katze ihrer Mutter. Diva fauchte empört und floh, nicht aber, ohne ihr noch einen missmutigen Blick zuzuwerfen.

„Anya? Kätzchen, komm doch mal rüber!“, rief ihre Mutter. Sie warf gerade ihre Handtasche auf den Rücksitz des Autos und drehte sich um, als ihre Tochter näherkam. Noch bevor ihre Mutter etwas sagte, wusste Anya schon, dass sie auf dem Weg zum Krankenhaus war. Das verrieten ihr allein schon die bequemen Schuhe auf dem Beifahrersitz, die sie nur zur Arbeit trug. „Kannst du deiner Oma die Salben bringen, die in der Küche liegen? Im Krankenhaus gab es einen Notfall. Ich schaffe es nicht, vorher hinzufahren und sie braucht sie doch so dringend.“

Anya stöhnte auf. So viel zu ihrer Planung mit Dan abzuhängen. „Warum?“, fragte sie,...

Erscheint lt. Verlag 24.7.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Apokalypse • dystopian romance • Dystopie • New Adult • Zombie
ISBN-10 3-7597-5658-1 / 3759756581
ISBN-13 978-3-7597-5658-9 / 9783759756589
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