Stimmen der Vergangenheit (eBook)
432 Seiten
HarperCollins eBook (Verlag)
978-3-7499-0777-9 (ISBN)
Neues Liebesglück im alten Château
Ein zauberhaftes, zweihundert Jahre altes Chateau, einsam in einem Wald Neuenglands gelegen, bietet Charles Waterston den Frieden, den er nach seiner gescheiterten Ehe sucht. Als er plötzlich in dem Haus eine wunderschöne junge Frau sieht, glaubt er noch an den Streich einer Nachbarin. Doch bei der nächsten Begegnung zeigt ihm die Erscheinung ihre Tagebücher, deren Aufzeichnungen im Jahre 1789 beginnen. Fasziniert vertieft sich Charles in die Lebens- und Liebesgeschichte von Sarah Ferguson und dem französischen Adligen Francois de Pellerin. Sie öffnet ihm die Augen für eine neue Hoffnung und eine große Liebe ...
Ein malerisches Setting in Neuengland und eine unerwartete Begegnung werden die Leserinnen und Leser verzaubern!
<p>Danielle Steel ist mit einer Milliarde verkaufter Exemplare ihrer Romane eine der beliebtesten Autorinnen der Welt. Zu ihren jüngsten internationalen Bestsellern gehören »The Ball at Versailles«, »Das nächste Kapitel« und »Das Glück finden«. Ebenso schrieb sie »His Bright Light«, die Geschichte über das Leben und den Tod ihres Sohnes Nick Traina, und »A Gift of Hope«, eine Erinnerung an ihre Arbeit mit Obdachlosen. Danielle Steel teilt ihre Zeit zwischen Paris und ihrem Haus in Nordkalifornien auf.</p>
1. Kapitel
An diesem Novembertag brauchte das Taxi ewig von London zum Flughafen Heathrow. Es regnete in Strömen und war so dunkel wie am Spätnachmittag, und Charlie Waterston konnte kaum etwas erkennen, als die vertrauten Sehenswürdigkeiten am Fenster vorbeizogen. Es war erst 10 Uhr morgens. Als er den Kopf zurücklehnte und die Augen schloss, fühlte er sich ebenso trübsinnig wie das Wetter.
Es war kaum zu glauben, dass alles zu Ende war. Zehn Jahre in London, aus und vorbei. Sie lagen plötzlich hinter ihm. Selbst jetzt fiel es ihm schwer zu glauben, dass all das geschehen war. Es war so perfekt gewesen, als es begann. Es war der Start in ein Leben gewesen, eine Karriere, ein Jahrzehnt voller spannender Erlebnisse und voller Glück für ihn in London. Und nun? Mit gerade mal zweiundvierzig hatte er bereits das Gefühl, dass die guten Zeiten endgültig vorbei waren. Er hatte den langen, langsamen Abstieg auf der anderen Seite des Berges begonnen.
Das ganze vergangene Jahr hindurch war es ihm vorgekommen, als würde sein Leben sich allmählich auflösen, was ihn immer noch fassungslos zurückließ.
Als das Taxi endlich am Flughafen hielt, drehte sich der Fahrer um und blickte ihn skeptisch an. »Sie kehren zurück in die Vereinigen Staaten, oder, Sir?« Charlie zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, ehe er nickte. Ja, es stimmte, er ging zurück in die Staaten. Nach zehn Jahren in London. Neun davon mit Carole. Vorbei. Alles. Innerhalb weniger Augenblicke.
»Ja, das stimmt«, sagte er und klang überhaupt nicht wie er selbst, was der Fahrer jedoch nicht wissen konnte. Der sah lediglich einen gut gekleideten Mann in einem gut geschnittenen englischen Anzug und einem Burberry-Regenmantel. Er hatte einen teuren Schirm bei sich sowie eine elegante Aktentasche, in der er Verträge und andere Dokumente aufbewahrte. Doch selbst mit all den ausgesuchten Accessoires sah er nicht britisch aus. Er sah aus wie das, was er war: ein attraktiver Amerikaner, der seit Jahren in Europa lebte. Er war hier ganz und gar zu Hause, daher machte es ihm mehr als nur ein bisschen Angst, dass er fortging. Er konnte sich überhaupt nicht vorstellen, wieder in New York zu leben. Aber er war dazu gezwungen worden, und das Timing war perfekt. Es hatte ohnehin keinen Sinn mehr hierzubleiben, ohne Carole.
Bei dem Gedanken an sie wurde ihm das Herz schwer, während er aus dem Taxi stieg und dem Fahrer ein Trinkgeld gab. Er hatte nur zwei kleine Taschen bei sich. Der Rest war bereits eingelagert.
Er checkte sein Gepäck am Schalter ein und setzte sich anschließend in die First-Class-Lounge. Erleichtert stellte er fest, dass sich dort niemand befand, den er kannte. Er hatte noch eine lange Wartezeit vor sich, bis er an Bord des Flugzeugs gehen konnte. Bis der Flug aufgerufen wurde, arbeitete er. Wie immer wartete er und ging als letzter Passagier an Bord. Und während die Flugbegleiterin ihn zu seinem Sitz führte und ihm den Mantel abnahm, blieben seine dunkelbraunen Haare und die sanften braunen Augen nicht unbemerkt.
Er war groß und athletisch und unbestreitbar gut aussehend. Außerdem trug er keinen Ehering, was sowohl der Frau auf der anderen Seite des Ganges als auch der Flugbegleiterin, die ihm seinen Mantel abnahm, unweigerlich auffiel.
Er hingegen nahm die beiden nicht wahr, während er sich ans Fenster setzte und auf das Rollfeld im Regen schaute. Es war unmöglich, nicht an das zu denken, was geschehen war, unmöglich, es sich nicht wieder und wieder durch den Kopf gehen zu lassen. Als suche er den Moment, ab dem es mit der Beziehung bergab gegangen war, ohne dass sie es gemerkt hatten.
Er verstand es immer noch nicht. Wie hatte er so blind sein können? Wieso hatte er es nicht gespürt? Wie hatte er nur glauben können, dass sie vollkommen glücklich waren, während sie ihm gleichzeitig entglitt? Wann hatte sich alles plötzlich verändert? Oder war es gar nicht das gewesen, was er stets geglaubt hatte? Er war felsenfest davon überzeugt gewesen, dass sie das perfekte Paar waren … Bis zum vergangenen Jahr, als sie ihm eröffnet hatte …
Bis zu Simon. Charlie kam sich dumm vor. Er war ein solcher Narr gewesen! Während er von Tokio nach Mailand geflogen war, um Bürogebäude zu entwerfen, hatte Carole überall in Europa ihre Kanzlei vertreten. Sie waren beide wirklich sehr beschäftigt gewesen. Jeder von ihnen hatte sein eigenes Leben geführt, als wären sie Planeten in verschiedenen Umlaufbahnen. Dennoch hatten sie beide es für perfekt gehalten, für exakt das, was sie wollten, wann immer sie zusammen waren. Carole selbst schien überrascht davon gewesen zu sein, was sie getan hatte. Am schlimmsten war jedoch, dass sie es nicht hatte beenden wollen. Sie hatte es versucht, doch letztlich war ihr immer klar gewesen, dass sie es nicht konnte.
Eine der Flugbegleiterinnen bot ihm einen Drink vor dem Start an, doch Charlie lehnte ab. Dann reichte sie ihm die Speisekarte und Kopfhörer, doch keiner der Filme interessierte ihn. Er wollte nichts als grübeln. Er wollte sich über die Ereignisse klar werden, als könnte etwas anderes dabei herauskommen, wenn er nur lange genug darüber nachdachte. Als könnte er doch noch die richtigen Antworten finden. Manchmal war ihm nach schreien zumute und danach, mit der Faust gegen eine Wand zu schlagen oder irgendwen zu schütteln.
Warum hatte sie ihm das angetan? Warum war dieses Arschloch dahergekommen und hatte alles zerstört, was er und Carole gewollt hatten?
Natürlich wusste Charlie, dass es nicht Simons Schuld war. Blieben nur Carole und er selbst als Schuldige. Manchmal fragte er sich, warum es so wichtig war, jemandem die Schuld zuzuweisen. Aber irgendwer musste doch schuld sein, und in letzter Zeit neigte er dazu, sich selbst die Schuld an allem zu geben. Er musste irgendetwas getan haben, was Carole dazu gebracht hatte, sich jemand anderem zuzuwenden.
Dass es vor über einem Jahr in Paris passiert war, hatte sie gebeichtet, während Simon und sie gemeinsam an einem Fall gearbeitet hatten.
Simon St. James war Seniorpartner in ihrer Kanzlei. Sie arbeitete gern mit ihm, lachte gelegentlich über ihn und erzählte, wie klug er sei und wie gut er bei Frauen ankam. Er war bereits von drei Ehefrauen geschieden und hatte mehrere Kinder. Er war unbefangen, verwegen, gut aussehend und äußerst charmant. Er war außerdem einundsechzig und Carole neununddreißig. Sie war nur drei Jahre jünger als Charlie, aber zweiundzwanzig Jahre jünger als Simon. Allerdings hatte es keinen Sinn, sie darauf aufmerksam zu machen, dass er alt genug war, um ihr Vater zu sein. Das alles wusste sie, schlau, wie sie war, und ihr war auch klar, wie verrücktdas alles war und was sie Charlie damit angetan hatte. Das war das Schlimmste. Sie hatte niemandem wehtun wollen. Es war einfach passiert.
Carole war neunundzwanzig gewesen, wunderschön, extrem scharfsinnig, mit einem großartigen Job in einer Anwaltskanzlei an der Wall Street. Sie hatten sich seit einem Jahr gelegentlich getroffen, als Charlie aus New York versetzt wurde, um in London eine Außenstelle des Architektenbüros Whittaker and Jones zu leiten. Aber bis dahin war es nie ernst zwischen ihnen gewesen. Er wurde nach London versetzt, als er zwei Jahre für die Firma gearbeitet hatte, und er war begeistert.
Aus einer Laune heraus kam sie nach London, um ihn zu besuchen, sie hegte aber keinerlei Absicht, zu bleiben. Aber sie verliebte sich in London, und dann auch in ihn. Es war anders dort, alles war romantischer. Von da an flog sie an den Wochenenden herüber, wann immer sie es einrichten konnte. Es war das perfekte Leben für sie beide. Sie liefen Ski in Davos und Gstaad und St. Moritz. Sie war in der Schweiz zur Schule gegangen, als ihr Vater in Frankreich gearbeitet hatte, und sie hatte Freunde überall in Europa. Sie fühlte sich dort vollkommen zu Hause. Sie sprach fließend Deutsch und Französisch, sie liebte das gesellschaftliche Leben in London, und Charlie betete sie an. Nach sechs Monaten des Pendelns fand sie einen Job in einer Londoner Kanzlei eines amerikanischen Anwaltsunternehmens. Sie kauften ein altes Carriage House in Chelsea und zogen zusammen. Sie waren wie zwei verrückte, wilde, glückliche Menschen. Fast jeden Abend verbrachten sie tanzend bei Annabel’s und erkundeten all die wundervollen abgelegenen Orte, Restaurants, Antiquitätenläden und Nachtclubs in London. Es war himmlisch.
Das alte Kutschenhaus befand sich in einem sehr baufälligen Zustand, als sie es kauften, und sie renovierten es fast ein Jahr lang. Als es fertig war, sah es spektakulär aus. Es war ein Werk der Liebe, und sie füllten es mit lauter schönen Dingen und den Schätzen, die sie gesammelt hatten. Sie fuhren aufs Land, wo sie alte Türen fanden und bemerkenswerte Antiquitäten, und als sie des Herumreisens in England überdrüssig wurden, fingen sie an, die Wochenenden in Paris zu verbringen. Sie führten ein gesegnetes Leben, und zwischen ihren verschiedenen Geschäftsreisen schafften sie es sogar, zu heiraten. Sie verbrachten die Flitterwochen in Marokko, in einem Palast, den Charlie gemietet hatte. Alles, was sie taten, hatte Stil, machte Spaß und war aufregend. Sie gehörten zu der Sorte von Leuten, die jeder kennt oder mit denen jeder zusammen sein will. Sie feierten große Partys, unternahmen exotische Reisen und kannten sämtliche interessanten Leute. Wohin sie auch gingen, jedermann war gern in ihrer Nähe. Und Charlie liebte es mehr als alles andere, mit Carole zusammen zu sein. Er war verrückt nach ihr. Sie war groß und schlank und blond, mit einem Körper, der aussah wie...
| Erscheint lt. Verlag | 29.7.2025 |
|---|---|
| Übersetzer | Christian Trautmann |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | The Ghost |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Bestsellerautorin • Chateau • Erscheinung • Frauen • Geist • Heimsuchung • historisch • Kristin Hannah • Lebensmitte • Liebe • Liebesroman • Mittleres Alter • Nachbarin • Neuanfang • Neue Liebe • Neuengland • neues Glück • New York Times • Scheidung • Tagebücher • Trauerbewältigung • weibliche Autorin • Weihnachten • Winterroman |
| ISBN-10 | 3-7499-0777-3 / 3749907773 |
| ISBN-13 | 978-3-7499-0777-9 / 9783749907779 |
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