Das Geflüster der Nachtfalter (eBook)
360 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7597-3856-1 (ISBN)
Mark Fear wurde 1990 in Bayern geboren, ist stolzer Katzenpapa und verkriecht sich seit seiner Kindheit immer noch gerne in seiner Fantasie. Schon damals liebte er es, sich eigene Welten auszudenken und viele seiner Spielsachen durchlebten fantasievolle Reisen, die er sich in seinem Kinderzimmer ausgedacht hat. Im Laufe der Zeit wich das Spielzeug dem Erwachsenwerden, aber noch immer trifft er sich mit seinen Freunden, um bei einer Partie Magic: The Gathering oder einem guten Videospiel kleine Abenteuer zu erleben. 2019 begann er mit der Arbeit an seiner Debüt-Reihe, in der er die Grenzen zwischen Fantasy und Science Fiction aufbrach. Daraus entstand eine Mischung aus postapokalyptischer Fiction, dystopischer Dark Fantasy und einer Prise Horror. Im Dezember 2022 erschien der erste Band dieser Reihe mit dem Titel "Das Geflüster der Nachtfalter - Sternenstaub" und damit die Einladung an alle interessierten Leser*innen, ihm in eine seiner Welten zu folgen. Das Hörbuch dazu erschien im Oktober 2023. Mit "Das Geflüster der Nachtfalter - Glutwasser" folgte im August 2023 der zweite Band. Im April 2024 legte er mit "Das Geflüster der Nachtfalter - Blutregen" den dritten Band nach. Wer mehr Interesse an seinen künftigen Werken hat und am Weg zu den nächsten Veröffentlichungen teilhaben möchte, darf ihm gerne auf Instagram folgen.
- Kapitel 3 -
Lemokapi
Langsam erhob sich die Sonne am Horizont. Die ersten Strahlen des Tages wärmten Lemokapis Rücken, während er weiter diesem Gefühl folgte. Das Pochen in seinem Kopf war so schwach wie noch nie auf seiner Reise. Es war fast wie ein Echo, ein letztes Nachhallen, aber so lange es da war, ging er ihm nach.
Die Energie, die durch seinen Körper strömte, trieb ihn voran, gab ihm die Stärke und Ausdauer, durch diese verfluchte Wüste zu marschieren. Auch wenn er bei seinem letzten Zwischenstopp Unmengen dieser Kraft in sich aufgenommen und vor dieser nur so gestrotzt hatte, so war die Reise bis hier her doch anstrengender gewesen, als er erwartet hatte.
Noch mehr als zuvor wollte er das erreichen, was er sich in den Ruinen Kimubs selbst geschworen hatte. Dies war er Lady Margo und Tompin schuldig.
Als das Bild der lächelnden alten Frau und ihres ausdruckslosen Androidenbutlers in seinen Gedanken aufblitzte, legte sich Trauer wie eine viel zu schwere Decke auf sein Gemüt. Schwerfällig atmete er aus, seine Augenwinkel füllten sich mit Tränen und er wischte sie mit seinem sandigen Ärmel weg.
Die Kleidung, die noch wie neu gewesen war, als er sie von Lady Margo bekommen hatte, litt unter der Reise. Feiner roter Sand hatte sich unregelmäßig in den Fasern des Stoffes festgesetzt und zu hässlichen Flecken verbunden, die er nicht mehr abschütteln konnte. Auch war er ein paar Mal an Felsen und Schrottteilen hängen geblieben und hatte sich so Risse und Löcher zugezogen.
Diese Kleidung war für ein Leben in einer Stadt gedacht gewesen, oder in einem Bunker, nicht aber für die harte und raue Wildnis dieser Zeit. Bald musste er sich bessere und langlebigere Klamotten suchen und er hoffte, dass sie nicht wieder von Toten stammten.
Das Knirschen des Sandes unter Lemokapis Stiefeln war neben dem lauen Wind, das einzige Geräusch, das ihn umgab. Vorher hatte es ihm nicht gefehlt, doch seit seinem kleinen Abenteuer im Bunker vermisste er die Gesellschaft von anderen Menschen. Er wünschte sich, viel früher das Versteck gefunden zu haben. Zu gern hätte er mit der alten Frau und dem Androiden viele Gespräche geführt und sich wie ein normales Wesen gefühlt. Lemokapi war wieder ein Aussätziger, allein gelassen mit sich und seinen wirren Gedanken.
Warum ist es mir nicht vergönnt, ein ruhiges Leben zu führen? Was hat das Schicksal dagegen, dass ich einfach nur in den Tag lebe, wie andere Menschen auch?
Die unsichtbare Decke auf seine Schultern legte an Gewicht zu, drückte auf ihn und seine Stimmung. Er schüttelte die Gedanken fort und mit ihnen die Tränen, die sich in seinen Augenwinkeln gesammelt hatten.
Lemokapi erblickte die Stadtmauern schon von Weitem und ging schneller. Er hatte neuen Mut gefunden, endlich in einer Zivilisation anzukommen. Als die Stadt immer näher kam, vibrierte der Boden leicht und dunkle Rauchsäulen stiegen hinter den Mauern auf. Er marschierte weiter, ließ die Szene in der Ferne aber nicht mehr aus den Augen.
Eine Staubwolke näherte sich. Neugierig blieb er stehen.
Was ist das? Es ist zu schnell für Wirte …
Im letzten Moment sprang er beiseite, landete bäuchlings im Sand und wich damit gerade so dem Tod aus. Donnernd preschten drei altertümliche Transporter an ihm vorbei, wirbelten den Wüstensand auf und rasten davon.
Die hätten mich fast über den Haufen gefahren! Fassungslos starrte er ihnen hinterher. Ich bin doch kein verfluchter Wirt!
Zähneknirschend lag er im warmen Sand und beobachtete, wie die Transporter davon rasten. Plötzlich bebte der Boden.
Was zum …?
Ruckartig drehte er seinen Kopf in Richtung der Stadt und sah eine unglaublich große Anzahl an Wirten den flüchtenden Menschen folgen. Keine zwei Armlängen entfernt trampelten sie an ihm vorbei. Manche von ihnen waren so gewaltig mutiert, wie es Lemokapi noch nie gesehen hatte. Beim Anblick der Armee der Untoten verkrampften sich seine Muskeln. Schnell wandte er sich von der Horde ab und kniff die Augen zu. Der faulige Geruch des Todes kitzelte ihm in der Nase und sein Magen rumorte.
Als das Trampeln und Beben nachließ, wagte er einen Blick und öffnete ein Auge. Wieder war er von diesen Kreaturen der Albtraumwelt ignoriert worden.
Ist es ein Fluch oder ein Segen? Warum werde ich nicht gejagt und zerfleischt, wie jedes andere Lebewesen?
Er war unsicher, ob er wissen wollte, weshalb es so war. Ihm war bewusst, dass es nichts Gutes sein konnte. Aber fürs Erste wollte er in die verlorene Stadt, das schwächer werdende Signal finden und Antworten auf die Fragen, die ihm seit Kimub im Kopf umherschwirrten.
Er erhob sich aus dem Sand und klopfte diesen aus seinen Klamotten. Entschlossener als zuvor marschierte er los und näherte sich mit energischen Schritten der imposanten Festung.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte er endlich die halb geöffneten Toren Refins. Die hohen Festungsmauern schimmerten von der Hitze der Sonne und die Stadt selbst wirkte, als wäre sie nur eine Einbildung.
Unglaublich … Mit offenem Mund bestaunte er die Höhe der Stadtmauern.
Abrupt bremste er im nächsten Schritt, als er keinen Boden unter den Füßen spürte und verlagerte sein Gewicht nach hinten. Er starrte in einen Krater hinein. Lemokapi war sofort bewusst, dass hier etwas ordentlich schief gelaufen war.
Erst jetzt erkannte er, dass die Tore nicht einfach nur geöffnet, sondern nach außen hin verbogen waren. Eine gewaltige Explosion musste sich dort ereignet haben. Lemokapi erinnerte sich an eine Erschütterung, als er noch durch die Wüste gewandert war.
Er hatte sich das alles anders vorgestellt, hatte gedacht, er könne hier Sicherheit und die Person finden, der er schon so lange folgte. Sie war in dieser Festung gewesen, das spürte er. Wenn er sich auf sie konzentrierte, war das Signal zwar noch da, aber zu schwach um herauszufinden, wo genau es war.
Wer zum madenzerfressenen Wirt sprengt die Stadttore?
Lemokapi schritt über den Rand des Kraters und rutschte hinab. Man hätte mehrere Transporter ohne Mühe in dem Sandtrichter parken können. Seine Waden brannten, als er den Hang hinaufstieg. Mit jedem Tritt prüfte er, ob er sicheren Halt hatte und während ihm der Schweiß die Stirn hinab lief, ließ er den Punkt, an dem er das Erdloch verlassen wollte, nicht aus den Augen. Als er weit genug gekommen war, warf er den Rucksack über den Kraterrand und zog sich mit großer Kraftanstrengung hinauf. Seine Finger und Oberarme protestierten zitternd und ein aufflammendes Ziehen wanderte durch jede Muskelfaser. Aber er ignorierte es. Als er sich über den Rand wuchtete, rollte er schwer atmend auf den Rücken und lag dort erst einmal einige Zeit. Er rieb sich die schmerzenden Oberarme und mit jeder Sekunde, die er ruhte, beruhigte sich sein rasender Herzschlag. Das Brennen in seiner Lunge ebbte ebenso ab.
Mittlerweile wusste Lemokapi, dass sein Körper diese Energie in ihm nutzte, um Verletzungen zu heilen. Nicht nur Schnitte und andere zugefügte Wunden, auch Blasen an den Füßen und der tägliche Sonnenbrand zählten dazu.
Beiläufig fischte er in seinem Rucksack nach einer Feldflasche, öffnete diese und trank das warme Wasser. Seine Kehle freute sich über dieses nasse Geschenk, auch wenn sein Geist sich wünschte, es wäre angenehm kühl. Er starrte in den blauen Himmel. Seit seiner Flucht aus Kimub hatte er keine Wolke gesehen.
Ist der Regen in all den Jahren noch seltener geworden?
Lemokapi versuchte, sich an seine Kindheit zu erinnern, als er lachend durch den warmen Niederschlag gelaufen war, das Gefühl auf seiner Haut genossen und ohne Sorgen und Ängste den Moment gelebt hatte. Angestrengt wollte er sich den Geruch, den dieser Regen auf dem aufgeheizten Asphalt hinterließ, in sein Gedächtnis zurückrufen, aber schaffte es nicht.
»Nicht einmal das gönnt mir mein verfluchter Verstand …« Er seufzte, während er langsam aufstand und seinen Rucksack schulterte.
Refin lag im Sterben. Die Gebäude waren in weitaus besserem Zustand wie die in Kimub, aber er merkte sofort die Abwesenheit sämtlichen Lebens. Lemokapi sah, wo gekämpft worden war, erspähte die Überbleibsel von Menschen, zerfetzt und in Stücke gerissen. Alles, was nicht mutiert war, lag tot in den Straßen dieser Festung. Einschusslöcher zierten die Fassaden der Häuser und der Geruch von frischem Blut stieg ihm in die Nase. Krähenschwärme kreisten am Himmel und krächzten ihr Lied vom Tod.
Vor ihm standen die Wracks einiger Transporter. Sie wirkten wie ausgenommene Kadaver, Lemokapi traute sich nicht, einen Blick in diese zu werfen. Er ahnte, was er dort vorfand und wollte seinen Verstand nicht mit noch mehr Bildern von entstellten sterblichen Überresten verstören.
Langsam passierte er die Wracks. Hinter ihnen klaffte ein weiterer Krater im Boden, dieses Mal war er von den Leichen einiger Wirte gesäumt. Etwas blitzte am Grund der Tiefe auf. Wieder rutschte er den Abhang hinab. Unten angekommen...
| Erscheint lt. Verlag | 31.3.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Das Geflüster der Nachtfalter |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | found family • Mutant • Survival • Wüste • Zombie |
| ISBN-10 | 3-7597-3856-7 / 3759738567 |
| ISBN-13 | 978-3-7597-3856-1 / 9783759738561 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich