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Der Schmuckpalast – Camille und der Glanz von Gold (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
320 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-3671-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Schmuckpalast – Camille und der Glanz von Gold - Eva-Maria Bast
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Die schillernde Fortsetzung der großen Familiensaga um die Schmuckdynastie Cartier.

Mit dem Aufstieg zum kaiserlichen Hoflieferanten hat sich für die Familie Cartier ein Traum erfüllt. Mit der nächsten Generation entwickelt sich das Unternehmen stetig weiter. Tochter Camille fädelt erfolgreich eine Kooperation mit dem Modeschöpfer Charles Frederick Worth ein. Seine reichen Kunden zeigen sich begeistert von den Schmuckkreationen aus dem Hause Cartier. Derweil plant Sohn Alfred eine Erweiterung des Sortiments und setzt auf Uhren. Gelingt es ihm, aus dem Alltagsgegenstand einzigartige Schmuckstücke zu machen?



Eva-Maria Bast ist Journalistin und Autorin mehrerer Sachbücher, Krimis und zeitgeschichtlicher Romane. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Als eine Hälfte des Autorenduos Charlotte Jacobi schrieb sie u. a. den Spiegel-Bestseller 'Die Douglas-Schwestern'. Die Autorin lebt am Bodensee.

Im Aufbau Taschenbuch sind von ihr bisher die Bände der Saga 'Die Frauen der Backmanufaktur', der Roman 'Die Frauen von Notre Dame' sowie die ersten beiden Bände der Juwelier-Saga 'Antoinette und das Funkeln der Edelsteine' und 'Camille und der Glanz von Gold' erschienen.

Prolog


Laut quietschend fuhr der Zug in die große Bahnhofshalle der Londoner Paddington Station ein. Alfred Cartier erhob sich, setzte seinen Hut auf und strich seinen Mantel glatt, um dann die beiden Koffer, die er die ganze Fahrt über nicht aus den Augen gelassen hatte, aus dem Gepäcknetz zu heben. In dem kleineren der beiden befanden sich die Juwelen, die er im Auftrag seines Vaters in London verkaufen wollte. Der Schaffner öffnete von draußen die Tür, und Alfred stieg über den metallenen Tritt auf den belebten Bahnsteig. Sog tief die Luft ein – schließlich atmete er zum ersten Mal Londoner Luft – und stieß sie schnell wieder aus. Hustete. London, musste Alfred feststellen, roch nicht unbedingt gut, was, wie er der Stadt zugutehalten musste, allerdings auch daran lag, dass er den Dampf der Lokomotive inhaliert hatte und obendrein am Bahnsteig Bauarbeiten stattfanden. Es roch nach Ruß und Kohle, ganz so wie vorhin, als er mit dem Zug durch einen dunklen, dampf- und rauchgefüllten Tunnel gebraust war.

»Sir!« Ein Junge stürzte auf ihn zu. »Sir, ich nehme Ihre Koffer und bringe sie zur Droschke.« Aufgeregt zeigte er hinter sich, und Alfred stellte angenehm überrascht fest, dass zwischen seinem und dem Nachbargleis eine ganze Reihe von Droschken bereitstanden.

Dann musterte er den Burschen. Seine Wangen waren zwar rund, wodurch er auf den ersten Blick wohlgenährt wirkte, doch bei näherem Hinsehen entpuppte sich das als Irrtum: Die Haut unter seiner Kappe war blass und fahl, unter seinen Augen lagen tiefe Schatten, seine Hose war löchrig und seine Schuhe schienen nur noch aus Lederfetzen zu bestehen. Der Knabe dauerte ihn.

»Gut«, sagte Alfred daher und nickte zustimmend. »Aber du nimmst nur den einen Koffer, den großen. Den anderen trage ich selbst.«

»Aber …«, setzte der Knabe an, doch Alfred fiel ihm ins Wort. »Ich bezahle dich trotzdem für beide Koffer. Du machst ein gutes Geschäft, Junge, und solltest nicht lange zögern. Ich glaube, du hast jede Menge Konkurrenz.« Mit dem Kinn deutete er zu den anderen Jungen, die sich auf dem Bahnsteig drängten, offenbar begierig, sich ein paar Penny zu verdienen.

»Gut, Sir, danke Sir«, strahlte der Junge, griff nach dem Koffer und steuerte auf eine der Droschken zu. Der Kutscher, ein brummiger Alter, quälte sich mit unfassbar langsamen Bewegungen von seinem Kutschbock, verlud den Koffer und wollte auch nach dem kleineren greifen, doch wieder wehrte Alfred ab. »Nein«, sagte er. »Den nehme ich mit in die Droschke.«

Mit einem Knurren und einem Achselzucken kletterte der Alte wieder auf seinen Kutschbock. Alfred entlohnte den Knaben großzügig, der sich daraufhin strahlend trollte, dann rief er dem Kutscher die Adresse zu, an der sein Vater ihn eingebucht hatte: dem Hotel Langham in der Regent Street im Stadtteil Marylebone.

Er hatte kaum die Tür geschlossen, als der Kutscher auch schon mit einem Ruck anfuhr und die Droschke in den dichten Stadtverkehr lenkte.

»Und ich habe immer gedacht, in Paris’ Straßen gehe es wild zu«, murmelte Alfred eingeschüchtert, als er aus dem Fenster blickte. Irritierend war vor allem, dass hier alles verkehrt herum war. Aber es herrschte auch ein unglaubliches, scheinbar völliges Durcheinander aus Händlern mit Handkarren, Kutschen und Fußgängern. Schon nach wenigen Minuten war Alfred schweißgebadet und dachte, dass er vielleicht doch besser diese neumodische Erfindung hätte ausprobieren sollen, von der sein Vater Louis-François Cartier ihm in Vorbereitung auf die Reise erzählt hatte: In sechzig Meter Tiefe rauschte eine Bahn durch den Londoner Untergrund. Alfred fand diese Vorstellung allerdings eher beunruhigend und hatte sich deshalb entschieden, den Weg an der Oberfläche zu wählen. Dass es hier mindestens ebenso turbulent zugehen würde, hatte er nicht geahnt. Aber er hätte es ahnen müssen: Der Vater, der die britische Hauptstadt auf seinen Handelsreisen schon sehr häufig besucht hatte, hatte ihm schließlich davon erzählt.

Sie bogen in eine Straße ein, in der der Verkehr zu Alfreds Erleichterung etwas ruhiger dahinfloss. Nun hatte er Muße, sich auf die Stadt und auf die Menschen zu konzentrieren und ließ seine Blicke schweifen. Knaben kamen vorbei, die dem Kofferträger am Bahnhof zum Verwechseln ähnlich sahen, sie waren offenbar mit Botengängen beschäftigt, mit denen sie sich den einen oder anderen Penny zu verdienen hofften. Herren in grauen Anzügen und mit eleganten Bowler-Hüten eilten vorüber, die wohl auf dem Weg in ihre Büros waren. Aus dem Souterrain eines Feinkostgeschäfts, in dessen Schaufenster Reklameschilder für EGG&MILK, R. White’s SodaWater und R. White’s Lemonade warben, linste ein Mann heraus. Bei näherem Hinsehen erkannte Alfred, dass dieser auf einem Tuch vor sich auf der Straße Schuhe präsentierte. Wohl ein Schumacher, der auf einer winzigen Arbeitsfläche halb unter Tage seiner Arbeit nachging.

Je näher sie der Regent Street kamen, desto eleganter wurde die Gegend, und kurz darauf hielt die Droschke vor dem Langham-Hotel, in dem Alfred während seines Aufenthalts residieren würde. Beeindruckt sah er an der mächtigen Sandsteinfassade empor, als auch schon ein Page herbeieilte, um ihm mit dem Gepäck behilflich zu sein. Alfred trat durch die große Flügeltür und bemerkte, dass die Anspannung und die Reisestrapazen langsam von ihm abfielen. Die kühle Eleganz dieses Hotels wirkte augenblicklich entspannend!

Der Concierge begrüßte ihn wie einen lang verloren geglaubten Freund – ohne dabei jedoch seine professionelle Zurückhaltung zu verlieren, was Alfred ausgesprochen beeindruckend fand.

»Willkommen im Langham«, sagte der Mann, er mochte Mitte zwanzig sein, und deutete eine Verbeugung an. »Wir freuen uns immer ganz besonders, einen Gast aus Frankreich bei uns begrüßen zu dürfen.«

»Oh!«, machte Alfred überrascht. »Weshalb das?«

»Nun«, erwiderte der Mann, und sein Strahlen vertiefte sich noch etwas, »vor nicht allzu langer Zeit logierte Ihr Kaiser, Napoleon III., ebenfalls bei uns. Ich hatte die große Ehre, ihm persönlich zu begegnen. Ein äußerst beeindruckender Mann.«

Er ist nicht mehr unser Kaiser, dachte Alfred und wunderte sich. Hatte der junge Mann das etwa nicht mitbekommen? Oder hatte er sich lediglich unpräzise ausgedrückt? Vermutlich eher Letzteres, dachte Alfred, denn es gehörte mit Sicherheit zu den Aufgaben des Concierge, über derartige politische Umbrüche informiert zu sein! Der Concierge schlug indes mit einem Blick auf die Uhr vor: »Wenn es Ihnen recht ist, Sir, lasse ich das Gepäck auf Ihr Zimmer bringen und lade Sie auf einen Nachmittagstee auf Kosten des Hauses ein?«

Alfred bemühte sich, nicht das Gesicht zu verziehen. Ein kräftiger Kaffee wäre ihm lieber gewesen. Doch er wusste von seinem Vater von der Sitte des britischen Nachmittagstees – und dass man gut daran tat, diesen niemals abzulehnen.

Der Concierge fuhr freundlich fort: »Wir sind sehr stolz darauf, dass die Tradition, um fünf Uhr nachmittags Tee, Gurkensandwiches und Gebäck zu servieren, 1865 in unserem Hause begründet wurde.«

»Dann«, sagte Alfred und lächelte ihm zu, »nehme ich dankend an. Ich würde es allerdings bevorzugen, mich zunächst ein wenig frisch zu machen.«

»Selbstverständlich«, stimmte der Concierge zu. »Ich begleite Sie zu unseren hydraulischen Aufzügen. Wenn Sie mir die Bemerkung erlauben: Wir sind das erste Haus in England, das über diese Aufzüge verfügt.«

Alfred nickte beeindruckt. Sein Vater hatte sich nicht lumpen lassen, als er dieses Hotel gebucht hatte. Es verfügte über hundert Toiletten und sechsunddreißig Badezimmer – Louis-François Cartier hatte für seinen Sohn sogar ein Zimmer mit Badezimmer reservieren lassen, was aber vor allem daran lag, dass diese gehobenen Zimmer auch über einen Tresor verfügten – und einen solchen brauchte Alfred für die mitgebrachten Juwelen.

Minuten später ließ der junge Franzose sich glücklich seufzend auf einem ausladenden Ohrensessel nieder, der unter einem großen Fenster stand und einen hervorragenden Blick auf den Regent’s Park eröffnete. Er liebte Parks! Als er noch ein kleiner Junge gewesen war, war seine Mutter Antoinette mit ihm und seiner kleinen Schwester Camille täglich in...

Erscheint lt. Verlag 12.3.2025
Reihe/Serie Die Juwelier-Saga
Die Juwelier-Saga
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Ära • Cartier • Die Douglas-Schwestern • Familiensaga • Juwelier • Kaiserin Eugénie • London • Paris • Schmuck • Unternehmensgeschichte
ISBN-10 3-8412-3671-5 / 3841236715
ISBN-13 978-3-8412-3671-5 / 9783841236715
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