A Dark and Drowning Tide (eBook)
464 Seiten
Lyx.digital (Verlag)
978-3-7363-2330-8 (ISBN)
»Ich wollte nur, dass du mich ansiehst. Es macht mir Angst. Es ist aufregend. Du bist wie etwas aus einem Albtraum.«
Lorelei Kaskel und Sylvia von Wolff könnten unterschiedlicher nicht sein. Ihre einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie beide an der Universität zu Ruhigburg als Schützlinge der renommierten Professorin Ziegler studieren. Immer wieder geraten die akademischen Rivalinnen aneinander, doch da ist auch etwas zwischen ihnen, das ihre Herzen bei jedem hitzigen Wortgefecht schneller schlagen lässt. Als sie gemeinsam mit Ziegler und vier weiteren Studierenden zu einer Expedition zum Ursprung, einer sagenumwobenen Quelle, aufbrechen, passiert das Unfassbare: Ziegler wird ermordet, und Sylvia und Lorelei müssen zusammenarbeiten, um den Mörder ausfindig zu machen und die Expedition erfolgreich zu Ende zu bringen ...
»Allison Safts poetische Sprache verbindet sich mit ihrem cleveren Worldbuilding, um uns alle mit dieser atmosphärischen Fantasy voller märchenhafter Erzählungen, packender Intrigen und romantischer Spannung umzuhauen!« THEA GUANZON
Der neue Roman von NEW-YORK-TIMES-Bestseller-Autorin Allison Saft
<p><strong>Allison Saft</strong> hat ihr Studium an der Tulane Universität mit einem Master in englischer Literatur abgeschlossen und wohnt mittlerweile an der Westküste der USA. Wenn sie nicht gerade Tuchakrobatik übt, findet man sie an der Seite ihres Partners und ihres italienischen Windhundes Marzipan.</p>
1. Kapitel
Sylvia war schon wieder im Fluss. Lorelei musste sie nicht erst mit eigenen Augen sehen, um sich dessen sicher zu sein. Menschenmengen bildeten schließlich den Rauch um Sylvias Feuer.
Lorelei trotzte dem Wind mit hochgezogenen Schultern und konnte die Abscheu, die in ihr aufstieg, nicht unterdrücken. Im Laufe von nur einer Stunde hatte sich die gesamte Studierendenschaft der Universität zu Ruhigburg am Flussufer versammelt. Sie stritten sich laut rufend und einander anrempelnd um die Plätze, die den besten Blick aufs Wasser boten – oder vielmehr auf das Spektakel, das ihnen versprochen worden war. Wie zu erwarten, hatten die meisten ihre mitgebrachten Weinflaschen bereits geöffnet.
Als sie sich der Menge näherte, sah sie silbernes Glitzern die Hälse umspielen und Eisenketten an den Handgelenken baumeln. Sie trugen ihre Jacken mit dem Innenfutter nach außen und hatten sich Hufeisen um die Hälse gelegt. Einige – zweifellos Sylvias ergebenste Anhänger – trugen Kränze aus Eschenzweigen auf den Köpfen und hatten sich Kleeblätter ins Haar geflochten. Sie rechneten eindeutig mit Blut. Lorelei hatte noch nie in ihrem Leben so viele Schutzvorkehrungen gesehen.
Einfach nur lächerlich. Wenn sie sich tatsächlich vor Magie schützen wollten, sollten sie sich vom Fluss fernhalten, anstatt ihn wie Dummköpfe anzustarren. Warum überraschte sie das überhaupt? Gesunder Menschenverstand machte sich normalerweise aus dem Staub, sobald Sylvia von Wolff sich näherte.
Irgendein armer Trottel war angeblich vor einer Stunde beinahe ertrunken – nachdem ihn das Lied einer verirrten Nixe in die abgründigen Tiefen des Flusses gelockt hatte. In Anbetracht der Tatsache, dass seit zehn Jahren keine Nixe mehr in der Nähe der Stadt gesichtet worden war, grenzte das an ein Wunder. Sie hatte belauscht, wie ein Mädchen seine Freunde mit den grausamen Details unterhielt – und wie es mit ekelerregend verklärtem Blick verkündete: »Sylvia von Wolff hat versprochen, die Nixe zu zähmen.«
Lorelei wäre fast auf der Stelle in Flammen aufgegangen.
Lorelei und Sylvia hätten Professorin Ziegler bereits vor einer Viertelstunde treffen sollen – darum hatte Ziegler sie gebeten. Am heutigen Abend richtete der leibhaftige König von Brunnestaad einen Abschiedsball zu Ehren der Expedition aus, und von den dreien wurde ein großer Auftritt erwartet: die hochverehrte Professorin und ihre beiden brillanten Studentinnen. Wenn Ziegler ihretwegen zu spät käme … Nein, darüber konnte sie nicht einmal nachdenken.
Lorelei schob sich durch die Menge. »Aus dem Weg.«
Ihre Worte wirkten unmittelbar. Ein Mann sprang zur Seite und ließ dabei sein Opernglas fallen. Ein anderer schrie auf, als der Saum ihres schwarzen Wintermantels sein Bein streifte. Eine weitere unglückselige Person hatte das Pech, von Lorelei im Vorbeigehen an der Schulter gestreift zu werden und zu stolpern.
Dann hörte Lorelei, wie jemand hinter ihr »Schlange« zischte.
Hätte sie auch nur einen Augenblick zu verschwenden gehabt, wäre sie auf diese Provokation eingegangen. Ab und zu mussten die Leute daran erinnert werden, wie genau sie zu ihrem Namen gekommen war.
Sie drängte sich durch die Menge bis ganz nach vorn und ließ den Blick über das Flussufer schweifen. Selbst im fahlen Licht der Abenddämmerung war das Wasser des Vereist von einem unheimlichen, lichtlosen Schwarz. Der Fluss schlängelte sich wie ein unauslöschlicher Tintenfleck quer über den Campus. Und dort, verborgen in den Zweigen einer Trauerweide, entdeckte sie Sylvia.
Von ihrem Aussichtspunkt aus konnte sie Sylvias Gesicht nicht sehen, sehr wohl aber ihr Haar. Obwohl sie Sylvia seit fünf Jahren kannte, erschrak es sie immer noch – sein reines, totengleiches Weiß. Sie hatte ihre unbändige Mähne im Nacken mit einer blutroten Seidenschleife zusammengebunden, aber ein paar widerspenstige Locken waren entkommen. Lorelei stellte sich in ihren schwachen Momenten manchmal vor, wie es sich wohl anfühlte, dieses Haar zu packen: als würde sie die Hände in kühles Wasser tauchen.
Sie pirschte sich an Sylvia heran. »Von Wolff«, zischte sie, so giftig sie konnte.
Sylvia keuchte und wirbelte zu ihr herum. Sobald sich ihre Blicke trafen, nahm ihr Gesicht den bezaubernden Farbton von saurer Milch an. Einen Augenblick lang erlaubte sich Lorelei, beim Anblick ihrer erschrockenen Miene Freude zu empfinden, ehe Sylvia wieder ihre liebenswürdige Maske aufsetzte. Irgendwie hatte Sylvia sich in all der Zeit nicht daran gewöhnt, verachtet zu werden.
Und oh, wie sehr Lorelei sie verachtete.
»Lorelei!« Die Duellnarbe, die ihre Wange zierte, verzog sich unter ihrem gequälten Lächeln. »Welch angenehme Überraschung.«
Sylvia saß am Flussufer, ihre Füße baumelten im Wasser, und der Damaststoff ihres Abendkleides bauschte sich um sie herum. Die schlammverschmierten Schuhe lagen achtlos neben ihr, und im Schoß hielt sie ausgerechnet eine Gitarre.
Schmerz durchzuckte Loreleis Schläfen. Plötzlich war ihr, als beherrschte sie die brunnische Sprache nicht länger – oder als wäre sie in eine wunderliche Welt versetzt worden, in der man einem der tödlichsten Wesen von ganz Brunnestaad einfach so im Abendkleid gegenübertreten konnte. Andererseits erweckte Sylvia den Eindruck, als hätte sie sich in großer Eile fertiggemacht und wäre dann durch einen Wald gestreift. Den verirrten Blütenblättern in ihrem Haar nach zu urteilen, hatte sie genau das getan. Kirschblüten, wie Lorelei am Rande wahrnahm. Der Frühling war in diesem Jahr früh gekommen, aber eine feuchte Kälte hielt sich wie Fieber, das nicht abklingen wollte.
»Du bist spät dran.«
Sylvia besaß genug Verstand, um zusammenzuzucken, stimmte aber weiterhin ihre Gitarre. »Ich bin mir sicher, dass Ziegler es verstehen wird. Du hast vom Angriff der Nixe gehört, nehme ich an? Irgendjemand musste etwas tun.«
Mörderische Entschlossenheit durchströmte Lorelei. »Das heißt aber nicht, dass du das sein musstest, du arroganter Dummkopf.«
Sylvia schreckte beleidigt zurück. »Entschuldige bitte? Arrogant?«
Lorelei warf einen vielsagenden Blick auf die Menge hinter ihnen – auf die Hunderten Augenpaare, die auf Sylvia gerichtet waren. Sie konnte den Hunger, der in der Luft lag, beinahe schmecken. Lorelei wusste nicht, ob sie hier waren, um Sylvia dabei zuzusehen, wie sie ihre seltsame Magie ausübte, oder um dabei zu sein, wenn ihr Blut das Wasser rot färbte. Es spielte keine Rolle. So oder so würden sie bekommen, was sie wollten.
»Dann bist du also unersättlich«, höhnte Lorelei. »In wenigen Stunden wird dich eine Horde Gratulanten umzingeln, und trotzdem hungerst du nach Aufmerksamkeit.«
Unwillkürlich hatte sich ein bitterer Unterton in ihre Stimme geschlichen. Vor einem halben Jahr hatte Ziegler angekündigt, eine ihrer Studierenden zu ihrer Co-Leiterin der Expedition zu ernennen, und heute Abend würde sie auf dem Abschiedsball ihre Wahl endlich bekannt geben. Lorelei erwartete keinesfalls, ausgewählt zu werden. Mit ihren fünfundzwanzig Jahren war Sylvia bereits eine der berühmtesten und beliebtesten Naturkundlerinnen des Landes. Und Lorelei war ein Niemand, die Tochter eines Schusters aus der Yevanverte.
Und trotzdem hatte sie Träume.
Wenn sie diese Bekanntheit erlangte, würden sich sämtliche Verleger darum reißen, ihre Forschungsberichte zu veröffentlichen. Besser noch, der König würde dazu gezwungen, sie anzuerkennen. Frühere Herrscher hatten Yevani nur als Bankiers und Finanziers am Hof gehalten, aber König Wilhelm umgab sich mit Künstlerinnen und Gelehrten. Lorelei war nicht schön genug, um dem König ihre Herzensangelegenheiten ins Ohr flüstern und glauben zu können, er würde ihr zuhören. Sie besaß weder Charme noch Einfluss, der ihre Feinde dazu bringen würde, sich ihr zu Füßen zu werfen. Alles, was sie hatte, war ihr Verstand. Wenn sie die von ihm beauftragte Expedition mitanführen würde, läge es in ihrer Macht, ihn zu bitten, sie zur Shutzyeva zu ernennen: eine Yeva, die unter dem direkten Schutz des Königs stand.
Sie hatte gelernt, in der Schlangengrube der Universität zu Ruhigburg zu überleben, indem sie die Schlimmste von ihnen geworden war. Aber außerhalb der Universität bedeutete ihr Ruf nichts. Als Shutzyeva stünden ihr die vollen Rechte einer Bürgerin zu. Dann könnte sie unbehelligt und unangreifbar außerhalb der Mauern der Yevanverte leben. Sie könnte ihren direkten Kontakt zum König nutzen, um sich für ihre Leute einzusetzen. Aber ihr geheimster, egoistischster Wunsch war einfach. Als Bürgerin wäre sie in der Lage, einen Pass zu besitzen, ihre Eintrittskarte in eine Welt, von der sie bislang nur gelesen hatte. Das war alles, was sie sich jemals gewünscht hatte, die einzige Sache, nach der zu sehnen sie sich erlaubt hatte: die Freiheit, eine echte Naturkundlerin zu sein.
Im Laufe seiner kurzen Regentschaft hatte Wilhelm niemanden zur Shutzyeva ernannt. Es war eine äußerst seltene Ehre – von der sie sicher war, sie sich verdienen zu können.
»Es geht mir nicht um Aufmerksamkeit«, sagte Sylvia verärgert. »Ich bin hier, um …«
»Um unsere Zeit zu verschwenden«, unterbrach Lorelei sie brüsk. Sie hatte im Laufe der Jahre zu viele Vorträge über die Pflichten des Adels ertragen müssen, um Sylvia einfach so fortfahren zu lassen. »Meine, Zieglers … und auch die Seiner Majestät. Du hast dich mit deiner Forschung viel zu lange als fahrende Ritterin aufgespielt. Es ist höchste Zeit, dass du deine Verantwortung...
| Erscheint lt. Verlag | 23.12.2024 |
|---|---|
| Übersetzer | Anne-Sophie Ritscher |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | A Dark and Drowning Tide |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | academia • Adel • A Far Wilder Magic • An Education in Malice • Bookstagram • Booktok • BookTok Germany • dark academia • female/female • Folklore • Große Gefühle • Leidenschaft • lgbtqia+ • Liebe • Lorelei Kaskel • Magie • Märchen • Mord • New-York-Times-Bestseller-Autorin • opposites attract • Paranormal • Professorin Ziegler • Queer • Rivalinnen • Rivals to Lovers • Romance • Romantasy • Romantic Fantasy • Romantik • Romantische Fantasy • Sylvia von Wolff • The Familiar • TikTok • TikTok books • TikTok Germany • tiktok made me buy it |
| ISBN-10 | 3-7363-2330-1 / 3736323301 |
| ISBN-13 | 978-3-7363-2330-8 / 9783736323308 |
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