Eigentlich stand das Schicksal von Prinzessin Elowen unter einem guten Stern: Zu ihrer Geburt bekam sie fünf Dracheneier geschenkt, und als die Drachen schlüpften, erkannten sie Elowen als ihre Herrin an. Doch der König von Imirath fürchtete, seine Tochter könnte ihn vom Thron stoßen, sobald sie ihre volle Macht erlangt, also sperrte er das Mädchen ins Verlies. Jahre später gelang Elowen mithilfe ihres Onkels die Flucht. Seither leben die beiden im Verborgenen und haben dort ein Königreich der Ausgestoßenen und Verdammten errichtet. Wenn ihr Vater sie findet, ist sie tot, so viel ist Elowen klar. Als ihr Cayden Veles, der größte Feind ihres Vaters, ein Bündnis anbietet, geht Elowen darauf ein, auch wenn sie seine großkotzige Art nicht ausstehen kann. Doch ein Bündnis mit Veles ist die einzige Chance, ihren Thron zurückzubekommen – und ihre Drachen …
Olivia Rose Darling wuchs in New York und Manchester, Vermont, auf. Schon als Kind entdeckte sie ihre Begeisterung für das Schreiben und notierte in ihren Schulbüchern Gedichte und Kurzgeschichten. Sie studierte Kreatives Schreiben an der Pace University und erfüllte sich mit ihrem Debütroman »Fear the Flames« ihren großen Traum von einem Leben voll Geschichten und Magie.
1
Regen und Wind peitschen mir ins Gesicht, als ich mein Pferd noch schneller durch den dunklen Wald treibe, nur Mondlicht und Blitze erhellen mir den Weg. Der Donner grollt im Gleichtakt mit den aufschlagenden Pferdehufen. Es gibt viele Gründe für eine Mission unter gefährlichen Bedingungen – Geheimhaltung, Verzweiflung, Neugier, Rache und Eile, um nur einige zu nennen. Schon vor Jahren habe ich es aufgegeben, das Durcheinander meiner Gefühle zu verstehen, aber ich kann nicht leugnen, welch überwältigende Neugier mich heute Nacht durchströmt.
Der steile Berghang ähnelt einem Labyrinth aus gefallenen Bäumen, unebenen Pfaden und glatten Felsen. Mein Umhang kann die Kälte kaum davon abhalten, bis zu meinen Knochen durchzudringen, und einige Haarsträhnen haben sich aus dem Zopf in meinem Nacken befreit und kleben mir im Gesicht wie von Honig getränkt. Aber ich schlage nie eine Möglichkeit aus, mehr über die aufkommenden Spannungen zwischen Vareveth und Imirath zu lernen.
Wenn ich an meine gefangenen Drachen denke, fließt purer Hass durch mich und verzerrt mein Gesicht zu einer Grimasse. König Garrick wird für das, was er getan hat, mit Blut bezahlen, und selbst das wird nicht ausreichen. Meine Patrouille benachrichtigte mich, weil sie Soldaten aus dem verfeindeten Königreich meines Vaters gesichtet hatten, und ich will wissen, was sie so weit weg von zu Hause treiben, warum sie durch eines der gefährlichsten Gebiete des Kontinents reisen.
Der Wald von Terrwyn ist voller Biester, Banditen und giftiger Gewächse, und die Nebelschwaden aus den Berggipfeln können selbst die erfahrenste Entdeckerin von einer steilen Klippe stürzen lassen. Aber verliert man nicht den Kopf und folgt dem leisen Rieseln des Wassers, findet man mein Königreich, Aestilian, versteckt in einem Tal neben den Syssa-Fällen.
Finnian lässt sein Pferd das Tempo anziehen, um an meiner Seite zu reiten. Seine roten Locken fallen ihm flach in die Stirn, und seine Porzellanhaut leuchtet beinahe in der Dunkelheit. »Erzählst du mir endlich, warum du wie ein geistesgestörter Goblin in mein Haus gerannt kamst und mich herausgezerrt hast?«, ruft er gegen den Sturm an.
Genau genommen habe ich Finnian noch nie einen Grund genannt, wenn wir wieder einmal losritten; mit solchen Kleinigkeiten halten wir uns schon seit Jahren nicht mehr auf.
Wohin ich gehe, dorthin geht auch er.
Wohin er geht, dorthin gehe auch ich.
»Ein geistesgestörter Goblin?«
»Ja.« Als er sich räuspert, ist mir klar, dass er mich gleich nachahmen wird. »Finnian, beeil dich! Schwing den Arsch aufs Pferd! Selbst ein Leichnam ist schneller als du!« Beim letzten Wort bricht seine Stimme, was mich nur noch lauter lachen lässt.
»Soldaten aus Vareveth wurden in einer Taverne in der Nähe gesichtet, und für ein Bier wäre das eine ziemlich lange Strecke.«
Wir zügeln unsere Pferde, um durch ein verwittertes Gatter zu reiten, ihre Hufe platschen über den matschigen Weg. Der Geruch von Salz schwebt in der Luft, zieht vom Meer herüber. Dieses Dorf habe ich schon einmal besucht; in der Dunkelheit sehen die dunklen Holzhäuser, Läden und Tavernen noch trostloser aus.
Ich folge Finnian in Richtung des rustikalen Etablissements voller Soldaten, und wir binden unsere Pferde an einem Pfosten fest. Zwar haben wir eine ganze Auswahl an Waffen dabei, doch da wir keine Rüstung tragen, werden wir nicht wie normale Reisende wirken. Messer schmücken mein Korsett und meine Beine bis runter zu den Stiefeln; der einzige Hinweis auf meine Identität sind die beiden Drachendolche, die ich immer bei mir habe.
Laternenlicht tanzt über Finnians sommersprossige Wangen. »Was ist unser Plan?«
»Du bleibst unten und versuchst, was von den Soldaten zu erfahren, die schon zu tief ins Glas geschaut haben. Ich gehe hoch und spioniere die höheren Ränge durch die Dielen aus.«
Er nickt und streicht seine rote Tunika glatt, ehe er in der Taverne verschwindet.
Wenige Minuten später versinke ich in einem Meer dissonanter Musik, während die quietschende Tür hinter mir ins Schloss fällt. Ich war noch nie eine Liebhaberin lauter Orte, aber Finnian blüht dort regelrecht auf. Deshalb funktionieren wir so gut zusammen. Ich spähe durch die Menschenmassen und entdecke ihn am Tresen, umgeben von dunkelgrünen Umhängen. Mit einem wilden Lachen wirft er den Kopf in den Nacken; zwar kann ich ihn nicht hören, doch die Melodie seines Lachens ist tief in mein Gehirn gebrannt.
Ich finde mein Gleichgewicht auf dem unebenen Boden, bahne mir mit eingezogenem Kopf einen Weg zur dunklen Treppe in der Ecke und zwänge mich dabei an den zusammengewürfelten Tischen voller Soldaten beim Kartenspiel oder auf der Suche nach der nächsten Getränkerunde vorbei. Niemand dreht sich nach mir um. Sie sind alle zu tief in das versunken, was sich direkt vor ihnen befindet.
Von innen ist die Taverne genauso unansehnlich wie von außen. Viel Schnickschnack braucht es nicht, wenn sowieso alle nur aus einem Grund hierherkommen – um sich auf der Durchreise zu betrinken. Dicke Holzbalken stützen das Obergeschoss, und bis auf die rostigen Laternen samt ihren Wachspfützen sind die Wände völlig kahl.
Endlich habe ich den kleinen Raum mit seinen dicken Wolken aus Pfeifenrauch, die meine Augen tränen lassen, durchquert. Die Schatten entlang der Wand bieten mir Schutz, und ich nehme die erste Stufe der klapprigen Treppe. Sie knarzt so laut, dass ich fürchten würde, das Holz würde unter meinem Gewicht nachgeben, wenn ich diesen Aufstieg nicht schon unzählige Male hinter mich gebracht hätte. So setze ich meinen Weg fort, ohne weiter darüber nachzudenken, und weiche lediglich den Spinnweben aus.
Auf dem Treppenabsatz halte ich inne und spitze die Ohren für irgendein Anzeichen von Bewegung oder Atemzüge, doch ich höre nichts. Getreidesäcke, Fässer voller Wein und Bier, staubige Möbel und alles Weitere, was man in der Taverne brauchen könnte, füllen den offenen Dachboden. Der perfekte Ort für Spielchen im Schatten. Hier dringt nur das Mondlicht durch die Löcher im Dach und das Laternenlicht durch die Dielenspalten.
Ich gehe vorsichtig weiter, auch wenn mich bei all dem Lärm niemand hören wird. Das Letzte, was ich will, ist ein kleiner Staubregen in die alkoholgefüllten Gläser unter mir, der mich verraten würde, bevor ich irgendetwas in Erfahrung bringen kann. Ich schleiche über die Dielen, während ich mir die Aufteilung der Taverne ins Gedächtnis rufe – bis ich über dem Bereich ankomme, wo die Generäle sitzen. Hoffentlich kann ich etwas herausfinden, was es wert ist, auf dem Dachboden zu hocken. Beim Anblick des mit Staub und Dreck übersäten Dielenbretts, an das ich üblicherweise mein Ohr presse, verziehe ich das Gesicht. Es ist sogar noch dreckiger als sonst.
Ich nehme ein Messer von meinem Oberschenkel, wische es an meinem Umhang ab und schiebe den Kopf an den kleinen Spalt zwischen den Dielen. Der Stahl in meiner Hand ist angenehm vertraut. Seit meiner Flucht aus Imirath trage ich jeden Tag ein Messer bei mir – und tat das schon, bevor ich wusste, wie man damit umgeht. Ich schließe die Augen und lasse all die anderen Geräusche verschwinden, konzentriere mich nur auf das eine Gespräch, das zusammen mit den Rauchschwaden zu mir emporschwebt.
»König Eagor mag ein Schwächling sein, aber in dieser Sache wird er nicht aufgeben«, donnert eine tiefe Männerstimme.
»Er weiß, es dient den Interessen von Vareveth, aber Cayden lässt ihn nicht«, antwortet eine scharfe Frauenstimme.
Cayden.
Cayden Veles, Kommandant von Vareveth, ist mit seinen neunundzwanzig Jahren der jüngste und dabei meistgefürchtete Kriegsherr des Kontinents. Er ist so reich wie ein gieriger Gott und so moralbewusst wie ein Dämon. Manche nennen ihn sogar den Dämonenkommandanten oder den Dämon von Ravaryn.
»Er hat es satt, Soldaten in irgendwelchen sinnlosen Schlachten an der Grenze zu verlieren. Die Spannung kocht beinahe über.« Dieselbe Männerstimme durchschneidet die Musik.
»Ja, aber dieser Krieg wird vorüber sein, ehe er begonnen hat, sollte König Garrick eine Möglichkeit finden, die Drachen zu kontrollieren.« Ich reiße die Augen auf, Schock rast durch meinen Körper. Mein Herz schlägt so schnell, dass ich fürchte, es könnte wie eine Faust auf den Boden einhämmern. Garrick hat nie auch nur ein Wort über die Drachen verloren. Dass sie leben, weiß ich nur, weil ich ihren Tod gespürt hätte. Mein Bund mit ihnen wäre zerbrochen, und ich hätte unerträgliche Qualen erlitten. Schon die bloße Existenz der Drachen hält ganz Ravaryn von Garricks Grenzen fern.
Zu meinem ersten Geburtstag veranstalteten meine Eltern einen Ball, um die Erbin Imiraths zu feiern, und alle Königreiche waren eingeladen, auch Galakin. Königin Cordelia erschien in Begleitung ihrer Hofseherin, um meinen Eltern zu Ehren ihrer Babyprinzessin eine glückliche Vorhersage zu schenken. Ans untere Ende meiner Wiege wurden Dracheneier gelegt, die längst nicht mehr als Steine sein sollten, doch stattdessen schlüpften fünf Drachen.
Die Prophezeiung besagte, meine Seele sei aus Flammen geschmiedet und an fünf Drachen gebunden. Ich würde Imirath entweder Zerstörung oder unermesslichen Ruhm einbringen.
Ich war vier Jahre alt, als man mir meine Drachen entriss und ich über Nacht von einer Prinzessin zur Gefangenen wurde.
Mit einem Kopfschütteln konzentriere ich mich wieder auf das Gespräch unter mir.
»Cayden hat einen Plan. Du weißt ja, er heckt immer irgendwas aus«, bemerkt die Männerstimme.
»Nun, wir werden sehen, was...
| Erscheint lt. Verlag | 1.2.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Drachen-Reihe | Flammenzorn-Reihe |
| Übersetzer | Katharina Herzberger |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Fear the Flames |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2024 • Drachen • eBooks • enemies to lovers • Fantasy • forced proximity • High Fantasy • Liebe • Magie • Neuerscheinung • not like other girls • Rache • Romance • Romantasy • Serien • TikTok Erfolg • urban fantasy neuerscheinungen |
| ISBN-10 | 3-641-32330-4 / 3641323304 |
| ISBN-13 | 978-3-641-32330-1 / 9783641323301 |
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