Der Krimidinnermord (eBook)
384 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7517-6112-3 (ISBN)
»Heute Abend wird in Beecham House ein Mord geschehen« - so das Motto der Einladung, die gerade in das Haus von Agatha Christie geflattert kam: Als neue Nachbarn der Queen of Crime geben sich die Wokesleys mit einem Krimidinner die Ehre. Da ihre Herrin abwesend ist, wird Phyllida Bright, Agatha Christies energische Hausdame, zugegen sein. Offiziell, um der überforderten Haushälterin der Wokesleys unter die Arme zu greifen. Vor allem aber will Phyllida ihrer Leidenschaft für kriminalistische Rätsel frönen. Ihr besonderer Spürsinn kommt schon bald zum Einsatz, als der Hausherr in der Rolle der Leiche auch im wahren Leben - tot ist ...
<p><strong>Colleen Cambridge</strong> ist das Pseudonym einer <i><b>NEW-YORK-TIMES</b></i>-Bestsellerautorin, die mit Romanserien in unterschiedlichen Genres international erfolgreich ist. <strong>DER KRIMMIDINNERMORD</strong> ist der dritte Band ihrer Kriminalromanserie mit der scharfsinnigen Amateurermittlerin Phyllida Bright als Haushälterin von Agatha Christie. Colleen Cambridge lebt mit ihrer Familie und zwei Hunden im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten.</p>
2
Wie ungewöhnlich, dachte Phyllida angesichts der befremdlichen Einladung. Obschon erschrocken, war sie sofort fasziniert.
Sollte das ein Spiel sein?
Eine Warnung?
War das der unbeholfene, wenn auch einfallsreiche Versuch eines Journalisten oder Kriminalschriftstellers, Mrs Agatha auf sich aufmerksam zu machen?
Oder war das eine Drohung? Und wenn ja, wem galt sie?
Und, noch wichtiger: War die Einladung an jemand Bestimmten oder an mehrere Personen gerichtet?
Eingedenk dessen, dass sich in den vergangenen Monaten in Mallowan Hall und im benachbarten Dorf mehrere Morde ereignet hatten, konnte Phyllida nur hoffen, dass es sich um ein Spiel oder um einen Scherz handelte. Und obwohl sie mit Begeisterung Detektivromane las, hielt sie einen Mord oder andere Todesfälle nicht für unterhaltsam und fand, man sollte damit keine Späße treiben.
Nachdenklich ging sie den Flur hinunter zum Telefon und rief bei Mrs Agatha und Mr Max in London an. Es war fast Zeit für den Tee, also würden sie vermutlich zu Hause sein.
»Guten Tag, Phyllida!« Agathas fröhliche Stimme kam durch die Leitung. »Ist in Devonshire alles bestens?«
Phyllida versicherte ihr, dass man in Mallowan Hall alles gut im Griff habe, trotz derangierter Hausmädchen und deren Missgeschicke. Dann berichtete sie von der anonymen Einladung.
»Eine Mordankündigung?«, rief Agatha aus. »Also, das ist recht ungewöhnlich, nicht wahr?«
Da Phyllida das Gleiche gedacht hatte, brummte sie zustimmend. »Ich kann nicht feststellen, ob das ein Scherz oder ein Spiel sein soll … oder etwas noch Schlimmeres.«
»Du wirst natürlich hingehen«, sagte Agatha, als käme keine andere Entscheidung infrage. Als Phyllida zum Widerspruch ansetzte, ging Agatha entschieden darüber hinweg. »Nun, irgendjemand muss hingehen, und da Max und ich in London sind und ich an wirklichen Morden nicht interessiert bin, bist du sicherlich die geeignetste Person, um dem Mord beizuwohnen.« Sie lachte auf. »Immerhin machst du meinem versnobten kleinen Poirot allmählich Konkurrenz, wenn es um die Lösung von Mordfällen geht.«
Da es niemand sehen würde, erlaubte sich Phyllida ein stolzes Lächeln. Wohlwollend mit Hercule Poirot verglichen zu werden war für sie das größte Kompliment.
Agathas Stimme wechselte zu einem nachdenklicheren Ton, als sie ihre Gedanken weiterspann. »Die Ankündigung eines Mordes … Das ist äußerst faszinierend, auf eine grausige Art.«
»Hoffen wir, dass es kein echter Mord wird«, mahnte Phyllida.
»Vielleicht ist das eines dieser Detektivspiele«, meinte Agatha. »Wo alle um einen Tisch sitzen und einer der Mörder ist und jemandem zuzwinkert, um ihn quasi umzubringen, und man versuchen muss, den Mörder zu ermitteln.«
»Hoffen wir es«, sagte Phyllida, doch Agathas geistesabwesender Ton verriet kurz darauf, dass sie nicht mehr an das vorliegende Problem dachte.
»Stell dir vor: Ein Mord wird angedeutet – oder angekündigt! – bevor er begangen wird … Ein Mord wird angekündigt … Nun, das wäre doch ein fesselnder Titel für einen Roman, nicht wahr? Gütiger Himmel! Warum bin ich nicht längst darauf gekommen?«
Obwohl es in der Leitung knisterte, konnte Phyllida hören, dass Agatha hastig in eines ihrer allgegenwärtigen Notizbücher schrieb. Trotz der Situation musste Phyllida schmunzeln. Ihre Arbeitgeberin kam häufig durch Alltagsgespräche auf die Ideen für ihre Kriminalromane.
»Der würde sicher Aufsehen erregen – solch ein Titel.« Phyllida hütete sich, Agatha bei ihren Notizen zu unterbrechen.
»Ja, ja, ich muss mir das aufschreiben, damit ich es nicht vergesse … Ein Mord wird angekündigt. Vielleicht könnte man sogar eine Kleinanzeige aufgeben«, murmelte sie. »Das würde ziemliche Aufregung hervorrufen, nicht wahr? Besonders in einem Dorf, wo jeder die Zeitung liest.«
»Das würde ich auch sagen.« Phyllida wartete ab, während Agatha schrieb.
»Na schön. Ja. Das ist ganz gut. Recht spannend.« Agatha klang noch immer ein wenig geistesabwesend. Dann schien sie sich zu sammeln. »Also, wo waren wir? Ach ja, der Mord. Du solltest wirklich hingehen, Phyllida. Ich bestehe sogar darauf. Nur um herauszufinden, worum es da eigentlich geht.«
»Als Ort wird Beecham House genannt«, sagte Phyllida, erleichtert, wieder die volle Aufmerksamkeit ihrer Freundin zu haben. »Kennst du die Leute dort?«
»Beecham House … Sie sind neu, nicht wahr? Sie haben das Anwesen kürzlich erst gemietet, wenn ich mich recht entsinne. Ich komme nicht auf den Namen … Verflixt, mir gehen schon zu viele Namen für Verdächtige durch den Kopf, und Max ist ausgegangen, sodass ich ihn nicht fragen kann. Aber du wirst sicher mehr über die Leute erfahren können. Ich weiß doch, dass die Bediensteten der verschiedenen Häuser untereinander reden«, sagte Agatha glucksend. »Man darf wohl annehmen, dass deine Mädchen schon allen Klatsch mit deren Hausmädchen ausgetauscht haben.«
Phyllida war geneigt zuzustimmen. Sie würde sicher mit ihrem Personal sprechen und fragen, was sie über die neuen Bewohner von Beecham House wussten. »Demnach habt ihr beide die Leute noch nicht kennengelernt?«
»Nein, nein, ich glaube nicht …« Agatha klang nachdenklich. »Glaubst du, die Einladung dient dem Zweck, mich kennenzulernen?«
Sie war die berühmteste Persönlichkeit in Listleigh und Umgebung und äußerst bemüht, ihr Privatleben zu schützen, vor allem seit ihrem berüchtigten elftägigen Verschwinden während der schwierigen Trennung von ihrem ersten Mann Archie. Seitdem scheute sie die Öffentlichkeit und gab der Presse nur selten Interviews – wofür Phyllida größtes Verständnis hatte.
Wenn man eine Vergangenheit mit mysteriösen oder fragwürdigen Begebenheiten hatte, lebte man lieber anonym … und zog vielleicht sogar aufs Land und nahm eine dienende Stellung an.
»Ich dachte, ich rufe bei einigen Nachbarn an und erkundige mich, ob sie auch so einen Brief erhalten haben.« Phyllida fragte sich, ob Mr Dobble deshalb in dieser Verfassung war. Vielleicht hatte Mr Billdop beschlossen, an dem »Mordabend« teilzunehmen, anstatt wie jede Woche mit ihm Schach zu spielen. Doch sie verwarf den Gedanken sogleich als unwahrscheinlich. Das Schachspiel stand so unverrückbar in seinem Wochenplan wie Weihnachten.
»Ein exzellenter Plan. Ich hoffe mal, dass die Ankündigung nicht auf den Mallowan’schen Haushalt beschränkt war«, bemerkte Agatha trocken.
»Hoffentlich nicht«, erwiderte Phyllida. »Wer weiß, was sie denken werden, wenn ich anstelle der berüchtigten Agatha Christie durch die Tür komme?«
»Oh, das dürfte recht unterhaltsam werden.« Agatha lachte. »Ich wünschte nur, ich könnte dabei sein. Du wirst mich morgen anrufen und mir alles erzählen, ja?«
»Gewiss doch«, versprach Phyllida, und in dem Moment wurde ihr bewusst, dass ihr nur noch drei Stunden blieben, bis sie das Haus verlassen musste, um zu dem »Mordabend« zu gehen, und vorher gab es noch einiges zu erledigen.
So viel zu einem ruhigen Abend mit einem Detektivroman und ihren Katzen, den sie eigentlich im Sinn gehabt hatte.
»Sie gehen zu einem was?« Mr Dobble richtete seine hohe schlanke Gestalt noch ein wenig gerader auf. Die flache Delle an seinem haarlosen Kopf, die sich über dem linken Ohr befand, schien heute ausgeprägter zu sein. »Nun, das ist anmaßend, Mrs Bright. Sie denken doch sicher nicht …«
»Wäre es Ihnen lieber, an meiner Stelle hinzugehen?«, fragte sie überaus liebenswürdig. »Oh, das hätte ich fast vergessen … Heute ist ja Ihr Schachabend mit dem Pfarrer. Da sind Sie natürlich verhindert.«
Er bedachte sie mit einem halb vernichtenden, halb gequälten Blick. »Ich werde den Pfarrer heute Abend nicht besuchen«, entgegnete er steif.
Phyllida war überrascht. Da lag offenbar etwas im Argen.
Dennoch ging sie darauf nicht ein, behielt das aber im Hinterkopf. Vielleicht erklärte das Mr Dobbles ungewohnt launenhaftes, absurdes Benehmen von vorhin.
»Jedenfalls verlangt Mrs Agatha, dass ich an dem … hm, Abend in Beecham House teilnehme. Die Bewohner sind offenbar neu hier. Haben Sie etwas über die Leute gehört?«
Der Themawechsel schien Mr Dobble zu erleichtern. »Jeremy Trifle ist dort seit vielen Jahren Butler. Soweit ich weiß, hat das Ehepaar das Anwesen nur gemietet und zusätzlich neues Personal mitgebracht.«
»Wissen Sie die Namen oder etwas anderes über den Haushalt?«, hakte Phyllida nach.
»Ich glaube, die Leute heißen Wokesley.« Mr Dobble zog die Brauen zusammen und überlegte. »Und möglicherweise hat er mit dem Theater zu tun. Ja, ich glaube, das hat Mr Trifle gesagt. Ein Theatermensch … Aber auch etwas mit Schafen, wenn ich mich recht entsinne.«
Theatermensch? Nun, das passte zu der theatralischen Mordankündigung. Auf die Schafsache konnte sie sich dagegen keinen Reim machen.
»Vielleicht könnten Sie ihn anrufen und herausfinden, ob auch andere oder nur Mrs Agatha und Mr Max eingeladen worden sind«, sagte sie, wohl wissend, dass die Namen ihrer Arbeitgeber bei ihm jede Widerrede im Keim ersticken würden. »Mrs Agatha fürchtet, das könnte ein Trick sein, um sie kennenzulernen.«
»Das könnte ich wohl tun«, antwortete Mr Dobble gnädig.
»Das wäre sehr hilfreich. Um sechs Uhr werde ich das Haus verlassen, um in jedem Fall pünktlich zu sein«, informierte sie ihn....
| Erscheint lt. Verlag | 29.11.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Phyllida-Bright-Serie |
| Übersetzer | Angela Koonen |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | 1930er-Jahre • Agatha Christie • Britisch • COSY • Cozy • Crime • Detektivin • Devon • Downton Abbey • Ermittlerin • Großbritannien • Hercule Poirot • Humor • humorvoll • Krimidinner • Krimis • Landhauskrimi • Mord • Rätselkrimi • Richard Osman |
| ISBN-10 | 3-7517-6112-8 / 3751761128 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-6112-3 / 9783751761123 |
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