CASSIE - VERBUNDEN IN LIEBE & SCHMERZ (eBook)
312 Seiten
epubli (Verlag)
978-3-7598-3474-4 (ISBN)
Bridget Sabeth, Jahrgang 1977, ist gebürtige Österreicherin. Bereits im Alter von 3 Jahren waren die Schulsachen des Bruders nicht mehr vor ihr sicher. Sie sehnte sich nach der Magie der Buchstaben, die sich zu Wörtern zusammenfügten. Als sie Sätze bilden konnte, entstanden die ersten Geschichten, und brachte diese schließlich aufs Papier. Die Faszination von damals ist bis jetzt nicht in ihr erloschen.
Bridget Sabeth, Jahrgang 1977, ist gebürtige Österreicherin. Bereits im Alter von 3 Jahren waren die Schulsachen des Bruders nicht mehr vor ihr sicher. Sie sehnte sich nach der Magie der Buchstaben, die sich zu Wörtern zusammenfügten. Als sie Sätze bilden konnte, entstanden die ersten Geschichten, und brachte diese schließlich aufs Papier. Die Faszination von damals ist bis jetzt nicht in ihr erloschen.
Ungewissheit
Während Philipp in den Keller gelaufen war, hatte er den Notarzt und Gertrude verständigt. ‚Wir kommen sofort!‘, hatte seine Schwiegermutter in spe ins Telefon gerufen.
»Tinktur. Schafgarbentinktur!« Hektisch klapperte Philipp die Regale ab. Ein Fläschchen kippte um, zerbarst und die Flüssigkeit versickerte im Hochflorteppich.
»Mist!« Bange besah er sich das Etikett. Zum Glück war es kein böses Omen, sondern eine andere Tinktur. Eilig suchte er weiter, fand endlich die entsprechende Mixtur. Drei Stufen auf einmal nehmend rannte er nach oben.
Gertrude saß am Bett ihrer Tochter und hielt deren Hand. »Halte durch!«
Philipp vernahm klar den brüchigen Unterton, die Sorge, die seiner um nichts nachstand. Er rang nach Atem. »Schau Süße, hier ist die Schafgarbentinktur.«
Cassies Augen waren angstvoll geweitet. Sie zitterte am gesamten Leib, kalter Schweiß glänzte auf ihrer Haut. Sanft hob er ihren Kopf und flößte ihr zwei Pipetten voll der Flüssigkeit ein, die sie brav schluckte. Statt tröstender Worte brachte er keine Silbe heraus. Stumm schloss seine Liebste die Lider. Ein Beweis dafür, dass die Energie rasend schnell aus ihrem Körper wich.
‚Wann kommen die Einsatzkräfte?‘
»Wieso dauert das so lange?«, jammerte Gerti neben ihm, die so wie er vor Ungeduld verging.
Endlich erklangen Sirenen. »Cassie, Liebes, hörst du? Hilfe ist ganz nah!« Gerti küsste ihre Tochter auf die Stirn.
Stimmen, Schritte. Herbert lotste die Rettungskräfte ins Schlafzimmer. Philipp und Gerti wurden zurückgeschoben. Der Notarzt verschaffte sich einen Überblick. »Schock … Infusion … sie verliert zu viel Blut!« Zügig wurde ein venöser Zugang gelegt, in den bald Flüssigkeit schoss – nicht tropfte – sondern wie ein aufgewirbeltes Rinnsal in die Adern floss. Philipp konnte kaum hinschauen.
»Welche Blutgruppe hat die Patientin?«, fragte der Doktor, während Cassie auf eine Trage gehievt wurde. Ein leises Stöhnen erklang.
»A positiv«, teilte Gerti mit und drückte dem Arzt den Mutter-Kind-Pass in die Hand.
»… bereitet Bluttransfusionen und den Operationssaal vor. Zweiundzwanzigste Schwangerschaftswoche …«
Verwirrt lauschte Philipp den Worten des Notarztes, begriff erst, dass der mit dem Krankenhaus telefonierte.
Onkel Herbert nahm Philipp zur Seite, damit er nicht länger im Weg stand. »Das wird schon, Junge.«
Die Männer schleppten Cassie auf der Trage im engen Treppenhaus hinunter.
Betäubt starrte Philipp auf die blutigen Laken. Nicht einmal einen Kuss hatte er ihr aufdrücken können! Er löste sich aus seiner Starre, flitzte nach unten. Zu spät. Die Türen des Rettungswagens schlossen sich und das Fahrzeug brauste mit Blaulicht und Sirenen los. Bebend sah er ihnen nach.
Herbert legte eine Hand auf seine Schulter. Sein Onkel war der Einzige, der so halbwegs die Ruhe bewahrte. »Zieht euch rasch um, dann fahren wir hinterher. Mit meinem Wagen.«
Philipp schielte auf die Schlafshorts, die er nach wie vor trug. Was war mit Cassie? Mit dem Kind? Würde er beide verlieren? Das viele Blut …! Ein trockener Schluchzer entwich aus seiner Kehle. Sie mussten sich beeilen!
Nie war Philipp die Fahrt nach Leoben so lange vorgekommen, obwohl es keinen nervenaufreibenden Verkehr gab und sie dem Rettungswagen mit überhöhter Geschwindigkeit gefolgt waren. Im Spital herrschte überschaubarer Betrieb. Die Gänge waren abgedunkelt, wirkten wie verwaist. In der Ferne klappte eine Tür. Wo sollten sie hin?
Herbert steuerte auf eine Pflegekraft zu, die ihnen den Weg erklärte, wo sie warten konnten. Sein Onkel trottete vor. Sie gelangten in einen Gang. Entlang der Wand befanden sich Sitzplätze. Gerti ließ sich mit einem leisen verzweifelten Aufstöhnen auf einem Stuhl nieder. Herbert rückte an sie heran und hielt sie liebevoll. Philipp tastete nach einer Zigarettenpackung und unterdrückte einen Fluch. Er hatte nichts zum Rauchen dabei, außerdem herrschte im Gebäudeinneren absolutes Rauchverbot.
Sein Blick glitt zu den Zeigern der Uhr, die kaum vorgerückt schienen und sich doch summierten: Stunde um Stunde ohne Neuigkeiten, weder Informationen noch vorsichtige Entwarnung. Nicht einmal eine Pflegekraft spitzte zur Tür heraus, die sie hätten fragen können. Der Geruch von Desinfektionsmittel zog durch Philipps Nase. Er sprang zum wiederholten Male auf, tigerte auf dem Krankenhausflur hin und her. ‚Cassie darf nicht sterben! Verdammt! Sie darf nicht …‘
»Philipp, nimm bitte Platz«, kam es matt von Gerti.
»Sorry.« Ertappt hielt er in der Bewegung inne. Ihnen setzte die nervenaufreibende Warterei zu, und da war sein ungezieltes Herumgehen gar nicht förderlich. »Was ist? Müsste sie nicht längst …?« Philipp brach ab. Er suchte Gertrudes Blick, entdeckte darin dieselbe Sorge und Angst.
Ächzend ließ er sich neben ihr im Wartesessel nieder. Keiner von ihnen wollte laut aussprechen, was sich wie ein Karussell im Kopf drehte. Würden Cassandra und das Ungeborene die Blutung überstehen? Wieso kam niemand heraus? Wie schlimm stand es um die beiden?
‚Tatütata, tatütata‘, rauschte es beängstigend in Philipps Ohr. ‚Bitte, wenn es einen Gott oder ein Schicksal gibt, Cassie darf nicht sterben! … Wenn, dann nehmt mich! Ich bin im Vergleich alt. Nicht sie! Nicht unser Kind!‘ Es gruselte über Philipps Nacken. Übelkeit wallte in ihm empor und tobte wie ein Feuer hinter seinem Brustbein.
Dumpfe Schritte erklangen. Herbert kam den Flur entlang, in seinen Händen hielt er drei Becher gefüllt mit Kaffee, die er bei einem Automaten herausgedrückt hatte. »Hier bitte. Hat sich in der Zwischenzeit was getan?«
Gerti schüttelte betrübt den Kopf.
Philipp nippte am Kaffee. Zu hastig und unbedacht, was das brennende Gefühl an der Lippe bewies. »Verflucht.« Er räusperte sich. »Cassie ist seit Stunden da drinnen!«
Herbert legte mitfühlend die Hand auf die Schulter des Neffen. »Sie wird es schaffen.«
Gerti erhob sich. Die Warterei war eine Tortur. Beharrlich und mit gähnender Langsamkeit hatte der große Zeiger der Uhr eine dreihundertsechzig Grad Drehung gemacht und zeigte, dass eine weitere Stunde vergangen war. Sie stellte sich an ein Fenster, blickte hinaus. Langsam neigte sich die Nacht dem Ende zu und es würde demnächst der frühmorgendliche Trubel beginnen. Ein Vogel ließ sich am Boden nieder und pickte. Ob das ein positives Zeichen war? »Kleines, wie geht es dir?« Sie spürte in sich hinein. Unverändert, zwischen Bangen und Hoffen. In diesem Ausnahmezustand konnte sie ihrer Intuition nicht recht trauen.
Eine Tür schwang auf. Philipp, Herbert und Gertrude wirbelten herum.
Ein Arzt trat in den Flur. »Ich habe gute Neuigkeiten.«
»Gott sei Dank«, sprach Gerti, während die Männer erleichtert seufzten.
»Es war knapp, aber wir konnten die Blutung stoppen«, fuhr der Doktor fort. »Frau Rosenrauch hatte eine Zyste, die sich in den Wochen der Schwangerschaft mit Blut gefüllt hat und eruptiert – geplatzt – ist. Dabei wurde die Schleimhaut der Gebärmutter verletzt, weshalb die Blutung sich derart ausgeprägt präsentierte. Unsere Patientin ist jetzt stabil und wurde auf die Intensivstation transferiert. Sie hat einige Blutkonserven erhalten.«
»Und … und das Kind?«, hakte Gerti leise nach.
»Ob der Fötus es schafft, werden die nächsten Tage zeigen. Noch ist die Schwangerschaft intakt. Wie massiv sich Blut- und Sauerstoffmangel auf das Ungeborene ausgewirkt haben, vermag ich an dieser Stelle nicht zu sagen. Wir wollen hoffen, dass unsere Manipulation nicht zusätzlich Wehen forciert. Auf alle Fälle wird Frau Rosenrauch in den kommenden Wochen oder eher Monaten Ruhe benötigen, bis sie sich vom Blutverlust und der Anstrengung erholt hat. Auch, um dem Kind in ihr eine Chance zu geben.«
Gerti lehnte sich an Herberts Schulter, der sie schützend umfasste. »Es wird sich alles zum Guten wenden«, raunte er ihr ins Ohr.
Sie war dankbar für Herberts optimistischen Worte.
»Kann ich zu meiner Lebensgefährtin?«, fragte Philipp.
Der Arzt nickte. »Eine Person lasse ich gerne kurz zu ihr, weitere Besuche bitte ich aber zu den angestammten Zeiten.«
»Geh du nur!«, sprach Gertrude, obwohl ihr Mutterherz in Flammen stand und sie sich mit eigenen Augen davon überzeugen wollte, dass es Cassandra besserging.
»Danke.« Philipp folgte dem Doktor.
Wie ein Häufchen Elend lag Cassandra in dem überdimensionalen Bett. Ihre Wangen waren bleich und blutleer. Sie war angeschlossen an Apparate, die ihre Vitalfunktionen überwachten. Zaghaft fasste Philipp nach ihrer Hand und legte diese an seine Wange. Ihre Haut war warm, es pulsierte darin das Leben und die gleichförmigen Atemzüge wirkten beruhigend.
»Du hast mir einen riesigen Schrecken eingejagt«, gestand er und zwinkerte die Nässe in den schwimmenden Augen in die Tiefen zurück. Er wollte nicht derart rührselig sein, sondern hoffnungsvoll. Dennoch fühlte er sich verantwortlich für diese Misere. Cassie trug das gemeinsame Kind in sich. Ohne ihn gäbe es keine Schwangerschaft …
»War das eine Warnung an uns?«, wisperte er. »Hast du dich für den falschen Kerl an deiner Seite entschieden?«
Bei den ausgesprochenen Worten zerriss es ihn fast. Niemand war da, der ihn beschwichtigte. Selbst Cassie blieb stumm, die ihn ansonsten stets von seinen Dämonen befreien konnte. Aus dem Hintergrund drangen dumpfe Stimmen durch den Raum. Vermutlich stand die Dienstübergabe an. Somit blieben ihm ein paar Minuten mehr. Er ließ den Kopf an ihre Schulter sinken und schloss die...
| Erscheint lt. Verlag | 1.7.2024 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Dualseele • Hexe • Krimi • Menschenhandel • Murtal • Seelenverbindungen • Spätmittelalter |
| ISBN-10 | 3-7598-3474-4 / 3759834744 |
| ISBN-13 | 978-3-7598-3474-4 / 9783759834744 |
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