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Die Gemäldespringerin (eBook)

eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
428 Seiten
Sternensand Verlag
978-3-03896-320-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Gemäldespringerin -  Sarah-Maria Köpf
Systemvoraussetzungen
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Kunststudentin Mika traut ihren Augen nicht, als sie bei einem Besuch der Londoner National Gallery ihren verstorbenen Bruder auf einem der Gemälde sieht. Tief erschüttert verlässt sie das Museum und trifft auf den mysteriösen Nicolas, der mehr zu sein scheint als nur ein gut aussehender Fremder. Er offenbart ihr, sie entstamme einer alten Blutlinie, welche die Gabe besitzt, Gemälde zu bereisen und die wertvollen Werke zu erhalten. In der Hoffnung, ihren Bruder wiederzusehen, schließt sie sich der Geheimgesellschaft der Gemäldespringer an - nichts ahnend, dass sie dadurch in einen Kampf um Macht und Einfluss gerät. Denn der Rat, dem die Gemäldespringer unterstehen, hat viel mehr vor, als bloß Kunstwerke zu bewahren. Und Mika stellt plötzlich die wichtigste Schachfigur in einem Spiel dar, dessen Sieg oder Niederlage über das Schicksal der ganzen Welt entscheiden könnte.

Sarah-Maria Köpf, geboren 1997 in Leipzig, studierte Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Multimedia-Journalismus. Sie arbeitet als freie Journalistin und ist seit vielen Jahren in der Bloggerszene aktiv. Ihre größte Leidenschaft gilt aber schon von klein auf dem Lesen und der Literatur, weshalb sie stets mit einem Buch in der Hand und einem Notizbuch in der Tasche anzutreffen ist.

Sarah-Maria Köpf, geboren 1997 in Leipzig, studierte Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Multimedia-Journalismus. Sie arbeitet als freie Journalistin und ist seit vielen Jahren in der Bloggerszene aktiv. Ihre größte Leidenschaft gilt aber schon von klein auf dem Lesen und der Literatur, weshalb sie stets mit einem Buch in der Hand und einem Notizbuch in der Tasche anzutreffen ist.

Kapitel 1


 

Jedes Gemälde hatte seine eigene Geschichte. Was wir auf der Leinwand sahen, war nur ein Ausschnitt eines großen Ganzen. Die Gedanken eines Künstlers eingefroren im Augenblick. Die exakte Kopie einer Szene oder die Verfremdung eines Moments, der so flüchtig war, dass man ihn nicht konservieren konnte.

Seit meiner Kindheit begleitete mich die Kunst, die Liebe zur Malerei, für Galerien und Museen. Doch wie tief diese Leidenschaft in meinem Blut verwurzelt war, hatte ich erst vor Kurzem erfahren. Als alles, an das ich zu glauben dachte, unweigerlich auf den Kopf gestellt wurde.

Meine Geschichte begann vor achtzehn Jahren, als ich in einer verschneiten Londoner Winternacht geboren wurde. Behütet von meinen Eltern und regelmäßig genervt von meinem großen Bruder Jasper, verband ich bis zu meinem zehnten Lebensjahr die schönsten Erinnerungen mit unserem Haus im Stadtteil East Twickenham.

Aber so richtig zu leben fing ich erst mit meiner Rückkehr nach London an. Und seitdem war so vieles anders geworden.

Die Stadt war lauter und dreckiger, als ich sie in Erinnerung hatte. Die Leute hektischer und die Straßen überfüllter. Doch auch ich hatte mich verändert. Seit dem Tag, an dem meine Welt aus den Fugen geraten war, war ich nicht mehr dieselbe.

Und nun war ich zurück in London. In der Stadt, wo alles seinen Anfang genommen hatte.

Der süße Duft von Neuanfängen umfing mich bereits, als ich im Zug in Richtung King’s Cross saß. Das bekannte Kribbeln im Bauch, das mich die Nächte davor wachgehalten hatte, war wieder da. Ich konnte es kaum erwarten, mein Studium zu beginnen.

Die fünf Stunden Fahrt, die mich die letzten Jahre von London getrennt hatten, vergingen wie im Flug. Immer schneller kamen wir den Vororten näher und das warme Gefühl von Heimat machte sich in mir breit.

Gleichzeitig begannen die Erinnerungen an meine Familie zu pochen und eine Sehnsucht stieg in mir auf, die ich mir selbst schon lange nicht mehr erlaubt hatte.

Ich vermisste sie jeden Tag. Mum, Dad und meinen Bruder Jasper. Und vielleicht tat ich das hier ebenso wegen ihnen. Um zu beweisen, dass ich es schaffen konnte. Dass ich stark genug war.

Die letzten Sonnenstrahlen des Sommers wurden von einer grauen Wolkendecke verschluckt. Die Äste der vorbeirauschenden Bäume wiegten sich im Wind, als führten sie einen einstudierten Tanz auf – im Einklang miteinander und doch jeder für sich allein. Der Herbst kündigte sich an und ich bereitete mich auf das Ende der brütenden Sommerhitze vor. Endlich.

Auch jetzt schaffte es die Klimaanlage des Zuges nur mit Ach und Krach, das Abteil mit lauwarmer Luft zu versorgen. Es störte mich nicht. Ich war so gut wie in London.

Die Vorstadthäuser hatten sich mittlerweile in immer größere Gebäude verwandelt.

Als die Durchsage über unsere Ankunft ertönte, stopfte ich das Buch, in dem ich gelesen hatte, in meine Tasche und sammelte meine restlichen Sachen zusammen. Der schwarze Rucksack, der schon mit etlichen Flicken versehen war, und die Lederreisetasche meiner Tante Rose waren alles, was ich für den Start in mein neues Leben bei mir hatte.

Ich schob meine Sonnenbrille in die Seitentasche und reihte mich in die Schlange an der Tür ein.

»Sorry«, murmelte ich, als ich versehentlichen einen Mann anrempelte.

Der Zug war an diesem Tag besonders voll und jeder wollte zuerst aussteigen. Der Mann nickte jedoch nur abwesend und widmete sich wieder seiner Zeitschrift.

Während ich wartete und der Zug nach und nach langsamer wurde, wanderten meine Gedanken zurück zum Morgen, als ich mich am Bahnhof in Warkworth von meiner Tante verabschiedet hatte. Ihr besorgter Blick hatte mich durchbohrt, als ich mit Sack und Pack beladen am Gleis stand.

»Bist du dir ganz sicher, dass das die richtige Entscheidung ist, Baby?«, hatte sie gefragt. Ihr langer brauner Wollmantel war vom Wind hin und her gewirbelt worden, bis sie ihn zusammengebunden und sich die umherfliegenden blonden Haarsträhnen aus dem Gesicht gestrichen hatte.

»Du musst dir keine Sorgen machen, Tante Rose. Wir haben das doch besprochen. Das Studium in London ist eine einmalige Chance für mich. Das, was ich immer machen wollte.« Ich hatte versucht, so viel Nachdruck wie möglich in meine Stimme zu legen und meine Tante in eine Umarmung gezogen. »Aber ich werde dich unheimlich vermissen. Du kommst mich ganz bald besuchen, in Ordnung?«

Grinsend hatte sich Tante Rose wieder von mir gelöst und die Tränen weggeblinzelt. »Du wirst dich noch wundern, wie oft ich auf dieses Angebot zurückkommen werde.«

Und dann war ich in den Zug gestiegen, der mich nun auf einem überfüllten Gleis mitten in London ausspuckte.

Ich ließ meinen Blick über den Bahnsteig schweifen, während die anderen Reisenden an mir vorbeiströmten und mich ohne Entschuldigung anrempelten.

Endlich erblickte ich den blonden Lockenschopf, nach dem ich gesucht hatte. Francesca. Die einzige Person, die ich bisher in der britischen Hauptstadt kannte.

Die Anzeige für das freie Zimmer in ihrer Wohnung hatte ich über eine Unigruppe auf Social Media entdeckt. Francesca lebte schon eine Weile in London und hatte sich bisher mit verschiedenen Jobs über Wasser gehalten, um Geld für die Uni zu sparen. Nach einem ersten Videoanruf war mir klar gewesen, dass unsere Begegnung kein Zufall sein konnte. Wir würden nicht nur zusammen ins Studium starten, sondern waren auch sonst auf einer Wellenlänge.

»Schön, dich endlich persönlich zu treffen, Mika. Irgendwie dachte ich, du wärst größer«, begrüßte mich meine neue Mitbewohnerin lachend. Ihre dunkelbraunen Augen, die mit einem schwarzen Lidstrich betont waren, strahlten dabei förmlich. Ein leichter italienischer Akzent schwang in ihrer Stimme mit.

»Das bekomme ich oft zu hören«, erzählte ich mit einem theatralischen Seufzer. Mit meinen 1,60 m war ich schon immer überall die Kleinste gewesen.

Wir umarmten uns und sofort war meine Aufregung wie weggewischt.

Was sollte jetzt noch schiefgehen?

»Danke fürs Abholen! Ich bin so gespannt auf die WG«, fügte ich hinzu, als Francesca mir bereits die Reisetasche aus der Hand genommen hatte und wir gemeinsam auf den Ausgang zusteuerten.

Meine neue Mitbewohnerin trug einen langen schwarzen Rock, der ihr beim Laufen sanft um die Beine tanzte. Mit ihrem ausgefallenen Style fügte sie sich nahtlos in die Londoner Kulisse ein.

»Keine Ursache. Ich weiß noch genau, wie ich mich gefühlt habe, als ich vor einem Jahr von Italien nach England kam. Es ist schön zu wissen, dass man in so einer großen Stadt nicht allein ist.«

Wir erreichten die weitläufige Eingangshalle, deren Glaskuppel den Blick auf den sich dunkel verfärbten Nachthimmel eröffnete. Scheinwerfer tauchten die weißen Streben in violettes Licht. Ich musste stehen bleiben, um den wilden Trubel in mich aufzusaugen.

Wie hatte ich das Stadtleben doch vermisst!

Reisende eilten von einem Ende zum anderen, zogen Koffer hinter sich her oder hingen am Telefon. Kinderwagen wurden durch die Massen geschoben und Hunde auf den Arm genommen, um sie vor dem hektischen Gedränge zu schützen. Auf der oberen Ebene der Halle saßen Menschen vor den Restaurants und beobachteten das geschäftige Treiben.

Ich war angekommen.

»Wollt ihr einen Evening Standard?«, fragte plötzlich eine junge Stimme und drückte mir, ohne eine Antwort abzuwarten, die Zeitschrift in die Hand.

Ich nahm das Abendblatt und schaute dem Zeitungsausträger hinterher, der sich schon den nächsten Personengruppen zugewandt hatte.

Auf der Titelseite prangte ein Bild des Trafalgar Square, in dessen Hintergrund sich das imposante Gebäude der National Gallery befand. ›Diesjähriger Besucherrekord erreicht‹, lautete die Überschrift.

Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht, denn das Museum war früher einer meiner Lieblingsorte in London gewesen. Sogar mein Bruder Jasper hatte die langen Flure des viktorianischen Hauses gemocht, in denen man sich regelrecht verlaufen konnte. An den Wochenenden hatten wir oft mit unseren Eltern einen Ausflug dorthin unternommen und waren ehrfurchtsvoll durch die Räume geschritten.

Mein letzter Besuch war jedoch eine Ewigkeit her. Seitdem ich meine Familie verloren hatte und bei Tante Rose lebte, war ich nicht wieder dort gewesen.

Ich merkte, dass Francesca mich schief von der Seite anschaute. Die vertraute Traurigkeit ignorierend, stopfte ich die Zeitung in meinen Rucksack.

»Sorry, ich wollte die Atmosphäre einen Augenblick genießen«, entschuldigte ich mich.

»Oh ja, das Chaos und die ganzen Menschen muss man tief in sich aufsaugen«, stimmte Francesca mit einem Zwinkern zu. »Allerdings weiß ich, was du meinst. Manchmal beobachte ich die Leute auf der Straße oder in der U-Bahn. London hat sein ganz eigenes Tempo. Dieses Feeling hat man nirgendwo anders.«

»Es ist auf jeden Fall ein Unterschied zu Warkworth. Da gibt es drumherum nichts als Felder und Wiesen«, erzählte ich, während wir uns zusammen mit den...

Erscheint lt. Verlag 28.6.2024
Verlagsort Hirzel
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Abenteuer • Freundschaft • Gemälde • Liebe • London • Magie • Parallelwelt • Verschwörung
ISBN-10 3-03896-320-8 / 3038963208
ISBN-13 978-3-03896-320-2 / 9783038963202
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