Die Lady und der nackte Earl (eBook)
256 Seiten
CORA Verlag
978-3-7515-2666-1 (ISBN)
Im silbernen Mondlicht rudert die junge Lady Daisy Patterdale zu der kleinen Insel im See. Sie sehnt sich nach Ruhe vor ihren frechen Brüdern, vor ihren Eltern, die sie gegen ihren Willen verheiraten wollen. Dabei hält Daisy die Ehe für ein Gefängnis! Aber ihre Bootsfahrt zur Insel endet für sie verhängnisvoll: Captain Benjamin Flinders, ein adliger Freund ihres Bruders, nimmt hier im Adamskostüm ein Mitternachtsbad. Und sie werden entdeckt. Daisy und ein nackter Earl? Was für ein Skandal! Das bedeutet Heirat! Ohne Liebe, ohne Hoffnung, lebenslang ...
<p>Annie Burrows wurde in Suffolk, England, geboren als Tochter von Eltern, die viel lasen und das Haus voller Bücher hatten. Schon als Mädchen dachte sie sich auf ihrem langen Schulweg oder wenn sie krank im Bett lag, Geschichten aus. Ihre Liebe zu Historischem entdeckte sie in den Herrenhäusern, die sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester besichtigte. Weil sie so gern las und sich Geschichten ausdachte, beschloss sie, Literatur zu studieren. An der Universität lernte sie ihren Mann, einen Mathematikstudenten, kennen. Sie heirateten, und Annie zog mit ihm nach Manchester. Sie bekamen zwei Kinder, und so musste sie zunächst ihren Traum von einer Karriere als Schriftstellerin vergessen. Doch ihr Wunsch zu schreiben blieb, und nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde ihr Roman "His Cinderella Bride" angenommen und veröffentlicht. Inzwischen sind weitere Regency-Romane von ihr erschienen.</p>
2. KAPITEL
Marguerite traute ihren Ohren nicht. Gem glaubte also, er könnte seine Freunde auf sie ansetzen, ja? Und er glaubte, sie wäre dafür so dankbar, dass sie brav den Erstbesten akzeptierte, der sich zu einem Heiratsantrag herabließe? Nun, das würden sie ja sehen. Sobald die Burschen verschwunden wären und sie vom Regal hinuntersteigen könnte, würde sie …
Sie hörte, wie der Stöpsel aus der Karaffe gezogen wurde und ein Glas klirrte. Sesselbeine scharrten über den Fußboden, und Leder knarrte, als jemand sich setzte.
Mist. Gott allein wusste, wie lange sie bleiben würden, wenn sie sich erst einmal am Brandy gütlich taten. Denn natürlich hatten sie den gefunden. Marguerites Vater stellte sicher, dass in sämtlichen Räumen, die seine Gäste eventuell nutzten, Stärkungen bereitstanden.
Selbst in der Bibliothek.
„Erwartet er von uns etwa, dass wir Strohhalme um sie ziehen?“
Das war Walters Stimme.
„Es ist mir egal, was er von uns erwartet.“ Das war Horace. Der Haarige Horace. „Ich werde Daisy nicht heiraten. Lieber würde ich mit einem Eiszapfen ins Bett gehen.“
Was? Tja, wenn er sich einbildete, sie würde je mit ihm ins Bett gehen, hatte er sich gehörig getäuscht! Eher hätte sie einen … einen Affen geküsst! Denn er sah aus wie einer. Und meistens verhielt er sich auch so.
„Sie ist nicht kalt“, wandte Ben ein, „sondern schüchtern. Das ist es, was Gem gesagt hat, schon vergessen?“
„Schüchtern?“ Wieder Walter. „Sie ist nicht schüchtern, sondern einfach nur verflucht abweisend. Richtet nie mehr als zwei Worte an mich.“
Und wieso sollte sie auch, wo er doch ein solcher … Hornochse war?
„Selbst wenn ich all meinen Mut zusammennähme, würde sie mich nicht nehmen.“
Nun, das war die erste halbwegs intelligente Bemerkung, die sie Walter je hatte äußern hören.
„Ah, aber denkt nur an die Vorzüge“, warf Ben gedehnt ein. „Ihr könntet euch sicher sein, dass jedes ihrer Kinder von euch wäre, was heutzutage viel wert ist.“
Das klang nicht so recht nach einem Kompliment. Er schien nicht etwa zu glauben, dass sie sich getreulich an ihr Ehegelübde halten würde. Es klang vielmehr so, als wollte er damit sagen, dass kein Mann sie eines zweiten Blickes für würdig befände. Aber so war Ben nun einmal. Zynisch. Unwirsch. Das war ironisch angesichts seines Mundes, der stets so wirkte, als stünde Ben kurz davor zu lächeln. Was er indes nie tat.
„Sie würde euch nie mit infernalischem Geplapper auf die Nerven gehen, so wie andere Mädchen“, fuhr Ben fort, als zählte er die Aspekte an seinen Fingern ab, was er vermutlich auch tat. Es war eine irritierende Eigenschaft von ihm. „Sie ist reich, und zudem“, schloss er, „würdet ihr in die Familie Patterdale einheiraten. Eine gute Verbindung, das lässt sich nicht leugnen. Und Gem würde euer Bruder werden. Einen besseren Schwager kann man sich nicht wünschen. Es gäbe auch keine Überraschungen. Wir kennen sie alle seit Ewigkeiten.“
Darauf folgte widerwilliges, aber zustimmendes Gemurmel.
„Das hört sich so an, als würdest du selbst gern einen Versuch wagen“, bemerkte Walter.
„Nein!“
Oh, das kam definitiv von Herzen.
„Ich finde, du solltest es tun“, ergänzte Ben. „Du bist der … nun, der Beste von uns, Walter.“
„Verdammt, Ben, das ist nicht wahr. Du bist unter uns derjenige mit dem höchsten Rang, nun da du ein Earl bist.“
„Du musst endlich aufhören, dich bloß als jüngeren Sohn zu betrachten“, sagte Horace in diesem enervierenden altklugen Tonfall, den er oft anschlug, wenn er jemanden zu überzeugen trachtete.
„Rang beeindruckt sie nicht“, erwiderte Ben, „oder? Ansonsten hätte sie Lord Martlesham genommen.“
„Ich habe gehört“, meinte Horace, „sie habe ihm keine Entscheidung abringen können.“
Oh! Wie konnte er es wagen? Wenngleich wahrscheinlich jeder genau das dachte. Lord Martlesham dürfte kaum daran gelegen sein, irgendwen wissen zu lassen, dass sie ihn rundheraus abgewiesen hatte. Dafür war er zu stolz. Ihr Vater hatte sie aus London fortgebracht, bevor sie ihn hatte beschämen können, indem sie weitere anständige, ehrbare Männer demütigte, und somit hatte Lord Martlesham freie Bahn gehabt, um seine Version der Geschichte zu erzählen.
„Und du bist Hauptmann der Armee“, fügte Walter hinzu. „Die Mädchen lieben einen Mann in scharlachrotem Rock. Zieh deine Uniform an, Ben, altes Haus, und blende sie!“
„Lass ihn in Ruhe, Walter“, wandte Horace ein. „Er kann dem Wettstreit, den Gem uns auferlegt hat, offenbar ebenso wenig abgewinnen wie wir.“
Das hätte nicht so wehtun sollen. Schließlich war es ihr gleich, was die anderen Jungen dachten. Aber Ben … Ben konnte sie doch nicht dermaßen verabscheuen, oder? Nicht nach all den gemeinsam verbrachten Stunden in jenem Sommer, als er sich das Schlüsselbein gebrochen hatte. Bei der Verteidigung der Klosterruinen gegen, nun, es waren wohl die Roundheads, die Anhänger des Parlamentes. In jenem Jahr musste es gewesen sein, aber sie wusste es nicht mehr genau. Wenn ihre Brüder nicht Roundheads und Royalisten gespielt hatten, waren sie Sarazenen und Kreuzritter oder Piraten und Zöllner gewesen. Ihre Freunde hatten sich jeweils für eine Seite entschieden, und so war das gesamte Anwesen für die Dauer der Sommerferien ein einziger Kriegsschauplatz gewesen. Es hatte Marguerite entsetzt, dass ihre Brüder ihren Feldzug einfach fortgesetzt und Ben auf seinem Krankenlager vergessen hatten. Und noch bestürzter war sie darüber gewesen, dass keiner seiner Eltern sich angeschickt hatte, ihn nach Hause zu holen. Tag für Tag hatte er, so war ihr zu Ohren gekommen, auf einem Kanapee gelegen und düster aus dem Fenster gestarrt, während die übrigen Jungen bei Regen lärmend durch die Korridore getobt waren und bei schönem Wetter offene Schlachten im Wald ausgetragen und die Ruinen belagert hatten.
Bis zu dem Tag, an dem ihre Mutter ihr erlaubt hatte, zu ihm zu gehen und ihm vorzulesen, solange ein Dienstmädchen zugegen war.
Ben war nicht gerade angetan von dem Buch gewesen, das sie mitgebracht hatte. Und was das Motiv für ihre täglichen Besuche anging, war er regelrecht argwöhnisch gewesen. Es hatte Tage gedauert, ihn davon zu überzeugen, dass sie nicht etwa im Sinn hatte, ihn zu quälen, indem sie ihm vorlas, derweil er sich nicht wehren konnte. Sondern dass sie ihm, im Gegenteil, durch seine schmerzhafte und einsame Tortur helfen wollte. Was sonst, fragte sie gereizt, kannst du tun, solange du mit nur einem gesunden Arm hier eingesperrt bist? Eine Weile lang starrte er sie erbost an und rückte sich zurecht, als suchte er zu ergründen, ob er ihr trauen konnte. Endlich räumte er ein, dass er nichts gegen ein Kartenspiel einzuwenden hätte, und sein desinteressierter Tonfall konnte sie nicht täuschen. Es war offenkundig, dass er liebend gern Karten spielen wollte. Leider kannte sie keines der Spiele, die er vorschlug. Er war erstaunt zu erfahren, dass ihre Brüder sie nie mitspielen ließen, und selbst wenn sie es getan hätten, wäre keiner ihrer Gouvernanten in den Sinn gekommen, das Erlernen von Kartenspielen auf ihren Lehrplan zu setzen.
Beide lugten sie verstohlen zu dem Dienstmädchen hinüber, das damit beschäftigt war, Socken zu stopfen. Marguerite neigte sich vor und flüsterte ihm zu, dass sie wisse, wo sich ein Kartendeck finden lasse, das sie am nächsten Tag mitbringen werde.
Unbehelligt vom Dienstmädchen, brachte Ben ihr die Regeln von Whist, Pikett und Vingt-et-un bei. Und es fesselte Marguerite mehr als gedacht, die Feinheiten dieser Spiele zu lernen. So sehr, dass sie sich an einem richtigen Spiel versuchen wollte, sobald sie die Grundprinzipien begriffen hatte.
Ben war klar im Nachteil, da er nur eine Hand einsetzen konnte. Bis Marguerite die Idee kam, aus all den Büchern, auf deren Lektüre er verzichtet hatte, eine Art Sichtschutz zu bauen, hinter dem er seine Karten offen auf dem Tisch ausbreiten konnte.
Stundenlang ertrug sie gleichmütig seine finsteren Blicke und sein Murren, weil sie wusste, dass er Schmerzen litt und unglücklich darüber war, von Freunden und Eltern im Stich gelassen worden zu sein. Allmählich beschlich sie gar das Gefühl, dass sie Freunde geworden seien. Und als die Jungen am Ende des Sommers abreisten, Ben zurück zur Schule und die anderen zu ihrer jeweiligen Familie, ging sie nach draußen, um ihm nachzuwinken. Als sie erfuhr, dass er über Weihnachten zu Besuch kommen werde, freute sie sich auf das Wiedersehen, weil sie glaubte, sie könnten ihre Freundschaft fortsetzen. Doch er hatte nicht die geringste Neigung gezeigt, sich mit ihr abzugeben, sondern sie wie die Pest gemieden. Wenn es ihm unmöglich gewesen war, sie zu ignorieren, war er rot angelaufen und hatte auf ihre Füße gestarrt, statt ihr ins Gesicht zu sehen. Er hatte förmlich an der Meute um Jasper geklebt und keinen Zweifel daran gelassen, dass er sich in Grund und Boden dafür schämte, im Sommer zuvor so viel Zeit mit einem bloßen Mädchen verbracht zu haben.
Und es schmerzte noch immer. Aber so waren Jungen nun einmal. Männer. Selbstsüchtige Kreaturen, allesamt!
„Ich habe eine Idee“, meldete sich Horace zu Wort. „Wie wäre es mit einer Runde Billard? Dabei könnten wir auf einen Ausweg sinnen.“
„Wieso ziehen wir nicht einfach Strohhalme“, wandte Walter ein, „und wer immer den kürzesten erwischt …“
...| Erscheint lt. Verlag | 25.6.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Historical |
| Übersetzer | Nina Hawranke |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2024 • 2025 • Adel • Aristokratie • arrangierte • Autor • Begegnung • Belletristik • bescheiden • beste • Brüder • Buch • bücher für frauen • Christlich • Cora • cora bücher • cora historical • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • Deutsch • Earl • eBook • ebook liebesroman • Ehe • Ehefrau • Erfolgsautor • erhebend • erzwungene • Familie • Feind • Fiktion • Frauen • Frauenliteratur • Frauenroman • Freundin • für • Gemütlich • Geschichte • Geschichten • Geschwister • Glücklich • Gott • Heirat • herzerwärmend • highlander liebesromane • Historische • Historische Liebesromane • Historischer • historisch roman • Insel • Kapitän • Komödie • Lady • Liebe • Liebesgeschichte • Liebesroman • Liebhaber • Mädchen • Mama • mitternächtliche • Mondlicht • Mutter • Muttertag • Regency-Roman • Religiös • Roman • romantisch • Romantische • Romantische Bücher • See • SIE • Skandal • Top • Top-Titel • traditionelle • vom • Werte • Wohlfühl • ZUM |
| ISBN-10 | 3-7515-2666-8 / 3751526668 |
| ISBN-13 | 978-3-7515-2666-1 / 9783751526661 |
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