Höllenfahrt & Entenstaat
Monika Rinck lebt in Berlin und Köln. Seit 1998 veröffentlicht sie Gedichte, Essays und Übersetzungen. Im Frühjahr 2019 erschien das Lesebuch Champagner für die Pferde im Fischer Verlag und der Lyrikband Alle Türen bei kookbooks. Sie betreibt online das Begriffstudio, ein eigenwilliges sprachgeschichtliches Archiv der letzten 25 Jahre und ist neben anderen Auszeichnungen Trägerin des Ernst-Jandl-Preises, des Kleist-Preises und des Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg. Für Herbst 2024 ist eine neue Ausgabe des Begriffsstudios bei Spector Books angekündigt: BEGRIFFSSTUDIO 1.—4.999. Im Oktober 2020 trat sie eine Stelle als Professorin am Institut für Sprachkunst der Universität für Angewandte Kunst in Wien an. Seit April 2023 unterrichtet sie als Professorin für Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Im Juli 2024 hält sie die Walter-Höllerer-Vorlesung an der Technischen Universität Berlin, im November 2024 die Zürcher Poetikvorlesungen und im Januar 2025 hat sie den DAAD Chair of Contemporary Poetics an der NYU inne. www.begriffsstudio.de
Erkenntnissattes, aufmerksamkeitsgeschärftes Bewegtsein ist, was die Texte von Monika Rinck hervorrufen.
— Beate Tröger, Der Freitag
Wie aber denkt man wagemutig? Indem man sich überfordert, sagt Monika Rinck.
— Tobias Lehmkuhl, Die ZEIT
Die Essays und Gedichte von Monika Rinck sind das originellste Denkabenteuer, das die deutschsprachige Literatur derzeit zu bieten hat.
— Daniel Graf, Die Republik
Ich grüße dich, Müder! Denn der Müde bist du. Beinah am Leben. Knöcheltief im hellen Mehl auf Ebenen wirst du stehen, lange warten, dich biegen. Auf einem endlosen Parkdeck, ruhend wie der Verkehr. Allein im sichelnden Wind. Kein anderer Teilnehmer ist müder als du. Am Horizont steht die See, wie betoniert. Ihr teilt eine Starre. Auch das Laub teilt sie mit dir. Wir müde du bist, Müder. Deine Seele liegt tief in der Höhle. Ein leiser Verein. Ich rüttele dich. Sie steigt nicht in die Höhe, tritt nicht über die Stufen. Ich hab sie leise bei ihrem geheimen Namen gerufen. Doch kommt sie nicht wie gerufen. Sie kommt gar nicht. O Müder, wie müde du bist. Wie kann ich dich erheitern? Darf ich dir von den Amöben berichten? Bitte, Müder, lass mich, lass mich dir von den Amöben berichten. Wie sie kriechen, wie sie Kontinente ergeben, Gebärden. Wie sie wirksam werden und waren, etwa in der Phylogenetik. Die Stimmen hörst du, die in den Zeichen geborgen sind. Sie sprechen mir dir, wie mit der Wand. Und auch die Wand spricht mir dir, als seiest du ganz eng verwandt mit der Wand. Das macht die Inschrift. Und du entzifferst mühsam: Am-ö-be. Und aus den Fugen quillt indes ein leicht erhitztes Flüstern, von tief, tief unten, aus dem breiten Strom der Unterwelt kommt jenes Flüstern ans Ufer gekrochen, kochend, dampfend, wie hingefallen und wieder aufgestanden. Wort für Wort, Müder, o Müder, hörst du dies mit deinen Ohren. Auf den Bericht der Amöbe folgt der Bericht der Meta-Amöbe, der der wilden Fahrt in die Tiefe der Unterwelt voransteht, bevor es entlang brennender Gärten unaufhaltsam hinabgeht.
| Erscheinungsdatum | 28.10.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Reihe Lyrik ; 89 |
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 170 x 240 mm |
| Themenwelt | Literatur ► Lyrik / Dramatik ► Lyrik / Gedichte |
| Schlagworte | Anrufung • Autofahrt • Automobil • Beharrlichkeit • digitale Dämonen • Erschöpfung • Höllenfahrt • Inventur • Komik • Laub • Müdigkeit • Oper • Orientierungshilfe • Reflexion • Reise • Reparatur • Sorge • Trost • Unterhaltung • Unterwelt • Verletzlichkeit • Wegbeschreibung • Wünsche |
| ISBN-10 | 3-948336-26-1 / 3948336261 |
| ISBN-13 | 978-3-948336-26-4 / 9783948336264 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
aus dem Bereich