G. F. Unger Western-Bestseller 2674 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-6600-5 (ISBN)
Die Lichter waren schon längst angezündet in Laredo, als ich in die Stadt ritt. Immer wieder musste ich durch eine der vielen Lichtbahnen, und ich wusste, dass man auf mein Kommen gewartet hatte.
Viele Augen beobachteten mich. Da und dort standen Gestalten außerhalb der Lichtbahnen in der Dunkelheit. Ich ritt mitten auf der Fahrbahn durch den Staub. Langsam ritt ich.
Vor den Saloons und Geschäften standen Sattelpferde an den Haltebalken, waren auch Wagen abgestellt. Doch die Stadt war still, so als hielte sie den Atem an. O ja, ich spürte den Atem von Drohung und lauernder Gefahr.
Aber ich wusste, es würde nichts passieren - noch nicht.
Und so ritt ich vor das Rio Hotel, saß ab, band mein Pferd an und ging hinein.
Beim Portier am Anmeldepult stand Marshal Buck Custer. Er wandte sich mir zu und betrachtete mich ernst.
»Du willst es wagen, Clay Benson?« So fragte er ruhig.
Ich starrte in seine flintsteinharten Augen.
»Manchmal muss ein Mann etwas wagen«, erwiderte ich ...
Gunfight
in Laredo
Die Lichter waren schon längst angezündet in Laredo, als ich in die Stadt ritt. Immer wieder musste ich durch eine der vielen Lichtbahnen, und ich wusste, dass man auf mein Kommen gewartet hatte.
Viele Augen beobachteten mich. Da und dort standen Gestalten außerhalb der Lichtbahnen in der Dunkelheit. Ich ritt mitten auf der Fahrbahn durch den Staub. Langsam ritt ich.
Vor den Saloons und Geschäften standen Sattelpferde an den Haltebalken, waren auch Wagen abgestellt. Doch die Stadt war still, so als hielte sie den Atem an. O ja, ich spürte den Atem von Drohung und lauernder Gefahr.
Aber ich wusste, es würde nichts passieren – noch nicht.
Und so ritt ich vor das Rio Hotel, saß ab, band mein Pferd an und ging hinein.
Beim Portier am Anmeldepult stand Marshal Buck Custer. Er wandte sich mir zu und betrachtete mich ernst.
»Du willst es wagen, Clay Benson?« So fragte er ruhig.
Ich starrte in seine flintsteinharten Augen.
»Manchmal muss ein Mann etwas wagen«, erwiderte ich ...
Er nickte langsam. Dann sprach er: »In meiner Stadt werden sich Bancrofts harte Jungs noch zurückhalten. Doch ...«
»Schon gut, Buck Custer, schon gut«, unterbrach ich ihn. »Ich bin mir über alles klar. Dies ist deine Stadt, und sie ist neutral und fair. So wie du. Schon gut.«
Ich ging weiter in den Speiseraum.
Es war Zeit zum Abendessen. Und ich wusste, dass Whitey Houston auf mich wartete. Er wollte mit der Postkutsche weg, die in gut einer Stunde vor dem Hotel die Fahrgäste nach Galveston aufnehmen würde. Gewiss hatte er schon eine Fahrkarte in der Tasche, so sehr vertraute er mir.
Als ich in den Speiseraum trat, sah ich ihn sofort in der Ecke an einem kleinen Tisch sitzen. Er trug den rechten Arm immer noch in einer Schlinge, und wahrscheinlich würde er ihn nie wieder richtig bewegen können.
Whitey Houston war ein bulliger und etwas schwerfällig wirkender Mann. Altersmäßig hätte er mein Vater sein können. Er wirkte jetzt ausgebrannt. Ich wusste, er hatte nur noch eine Hoffnung, nämlich die, dass er von hier weg nach Galveston zu seiner Tochter kam, die dort mit einem Kapitän verheiratet war.
Er sah mich fragend an. Und so nickte ich ihm zu, indes ich mich setzte.
»Es bleibt dabei«, sagte ich. »Zweitausend Dollar für deine Ranch. Ich habe das Geld bei mir. Gut so?«
Er nickte und holte den Besitztitel aus seiner inneren Rocktasche.
»Es ist alles schon unterschrieben«, sprach er heiser. »Wenn ich für das Geld quittiert habe, gehört dir meine Ranch. Du bekommst sie billig, sehr billig, denn sie ist mit den Rindern, Pferden, der Weide und den Wasserrechten dreimal so viel wert.«
»Ich weiß«, erwiderte ich. »Aber ich habe nicht mehr Geld. Und wenn man bedenkt, was für eine Menge Verdruss ich mit deiner Ranch kaufe, zahle ich einen fairen Preis – oder?«
Er schluckte und nickte.
Dann nahm er mein Geld und quittierte auf der Urkunde den Empfang. Als er mir die Urkunde zuschob, murmelte er: »Du wirst ihn töten müssen, Clay Benson. Ich war nicht groß genug dazu. Aber du ...«
Er erhob sich mit einem Ruck und ging.
Sally Lee kam in den Raum. Jemand hatte ihr wohl gesagt, dass ich hier wäre. Ihr gehörte das Hotel.
Sie setzte sich zu mir an den Tisch und sah mich schweigend an.
Sally Lee war eine Augenweide. Es machte Freude, sie anzusehen. Ihre grünen Augen funkelten im Lampenschein.
»Du hast es also getan«, stellte sie fest, denn ihre Worte waren keine Frage. »O Clay«, murmelte sie, »warum haben Männer deiner Sorte nur diesen verdammten Stolz?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Das ist nun mal so«, sagte ich und fragte dann: »Gehst du diese Nacht mit mir ins Bett, Sally? Bist du nun bereit dazu? Nimmst du mich mit hinauf?«
Ihre grünen Katzenaugen wurden schmal. Und ihre sonst vollen und lebendigen Lippen wurden schmal.
»Warum sollte ich das tun?«, fragte sie fast grob.
Ich grinste wieder.
»Weil du nun länger als ein Jahr Witwe bist – und weil es ja sein könnte, dass ich bald tot bin. Also könntest du mir noch einmal das Paradies bereiten. Sally, ich habe immer gespürt, dass ich dich irgendwann mal bekommen würde. Und jetzt wäre der rechte Zeitpunkt. Ich weiß, auch George Bancroft will dich. Aber weil er ohnehin auf mich losgehen wird, spielt es keine Rolle mehr, wie viele Gründe er dafür hat. Bekomme ich dich also diese Nacht?«
Ja, es war eine klare Frage von mir, und vielleicht war sie in ihrer Direktheit sogar ziemlich brutal.
Sie saß mir gegenüber am Tisch. Der Lampenschein gab ihrem Gesicht einen besonderen Zauber. Ich sah nun, dass sie die Augen schloss.
Ihre langen Wimpern waren dunkler als ihr rotgoldenes Haar.
Als ich sie betrachtete, wurde ich mir abermals darüber klar, wie sehr ich sie haben wollte.
Plötzlich sah sie mich wieder an. Und erneut funkelte ihr Blick.
»Gut.« Sie nickte. »Gehen wir also hinauf in meine Wohnung für eine lange Nacht. Ja, du kannst mich haben, so wie ich dich haben will. Steht dein Pferd noch vor dem Hotel? Dann wird Marmaduke es im Hotelstall versorgen.«
Ich sah in ihren Augen, dass sie es wahrhaftig ernst meinte. Doch ich wusste zugleich, warum sie jetzt zu allem bereit war.
Dort oben bei ihr war ich sicher für eine Nacht. Sie hatte Angst um mich. Gewiss, ich war davon überzeugt, dass auch sie mich wollte. Doch jetzt war noch etwas anderes hinzugekommen.
Und so schüttelte ich den Kopf.
»Nein, so nicht«, hörte ich mich murmeln. »Nicht so, schöne Sally. Ich weiß, es wird wunderschön sein mit uns. Aber ich kann mich nicht bei dir verkriechen – nicht in den nächsten zwei Stunden. Ich werde mein Pferd in den Mietstall bringen und dann im Saloon ein oder zwei Drinks nehmen. Erst dann werde ich kommen.«
Wieder schloss sie die Augen. Nun zuckte ihr Mund, verriet mir eine Menge von ihren Gefühlen. Ja, sie hatte Angst um mich. Das war wunderbar, denn es sagte mir, dass ich in ihrem Herzen war. Doch als sie ihre Augen wieder aufmachte, erkannte ich darin ihren Zorn.
»Du wirst auf deinem Stolz in die Hölle reiten«, sprach sie herb und erhob sich. Und stehend sprach sie zu mir nieder: »Komm lieber nicht, Clayton Benson, komm lieber nicht, selbst wenn du es noch könntest.«
Dann ging sie.
Ich sah ihr nach, und es war ein tiefes Bedauern in mir.
Oha, sie war eine wunderschöne, begehrenswerte Frau. Und ich hätte die ganze Nacht in ihren Armen liegen können.
Doch ich konnte nicht kneifen. Wenn ich mich in diesem Land auf meiner Ranch behaupten wollte, musste ich jede Herausforderung annehmen.
Und so trat ich hinaus auf die nächtliche Hauptstraße von Laredo.
Mein Pferd stand noch am Haltebalken neben anderen Tieren.
Ich saß auf, und ich wusste, dass ich nun eine prächtige Zielscheibe abgab. Man konnte mich aus allen dunklen Gassenmündungen oder auch von den Dächern herunter abschießen. Zugleich wusste ich aber, dass viele Augen mich jetzt beobachteten.
Und so zeigte ich allen meine verwegene Furchtlosigkeit.
Vielleicht war es dumm, so dumm, wie mein Stolz es womöglich war. Aber ich konnte nicht anders.
Sie alle – mochten es meine Feinde, meine Freunde oder auch nur die Neutralen sein – mussten mir Respekt zollen. Diesen Respekt brauchte ich, um mich behaupten zu können.
Ich erreichte unbehelligt den Mietstall. Beide Torflügel standen weit offen. Im Lichtschein des Vorraums saßen zwei Männer auf der Futterkiste und spielten Halma. Es waren der Mietstallmann Latigo und der Pferdepfleger der Post- und Frachtlinie Pedro Diaz.
Ich ritt hinein und saß ab.
Sie erhoben sich von der Futterkiste.
Latigo verzog sein runzliges Gesicht und sagte dann: »Sir, der wird bestens versorgt wie immer. Und viel Glück. Einige harte Jungs sind in der Stadt, auch Hogjaw Dallanger.«
Ich nickte nur und gab ihm die Zügelenden in die schwielige Hand. Dann drehte ich mich um und verließ den Hof des Mietstalles.
Rechts lag die Schmiede. Einige Wagen waren davor abgestellt. Und es war ziemlich dunkel. Diese Nacht besaß weder Mond noch Sterne. Überall konnte Unheil lauern.
Und irgendwo – das wusste ich – war Marshal Buck Custer.
Würden sie es wagen in seiner Stadt?
Das war die Frage. Es ging auch um sein Prestige. Und das musste ihn zwangsläufig hier in der Stadt zu meinem Verbündeten machen – es sei denn, er stellte sieh auf George Bancrofts Seite.
Verdammt, dachte ich, warum habe ich mich auf dieses Spiel eingelassen?
Als ich durch einige Lichtbahnen schritt, musste ich auch an mehreren Gestalten vorbei, die da und dort an den Hauswänden lehnten. Einer der Männer schnippte mir eine Zigarettenkippe vor die Füße. Funken sprühten.
Ich hielt inne und fragte: »Hast du irgendeinen Wunsch, Mister?«
»Wir werden dich plattmachen«, erwiderte der Mann. In seiner Stimme war ein Klang von böser Herausforderung.
Da schlug ich zu. Meine Rechte...
| Erscheint lt. Verlag | 25.5.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Western-Bestseller |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • e Book • eBook • E-Book • e books • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp |
| ISBN-10 | 3-7517-6600-6 / 3751766006 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-6600-5 / 9783751766005 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich