SAGITARIUS A (eBook)
360 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7597-7204-6 (ISBN)
Gudrun Leyendecker ist seit 1995 Buchautorin. Sie wurde 1948 in Bonn geboren. Siehe Wikipedia. Sie veröffentlichte bisher circa 85 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehntelangen Tätigkeit als Lebensberaterin.
Kapitel 4
Sassalla, eine große, korpulente und muskulöse Frau begrüßt die beiden Erdenbürger mit einem einladenden Lächeln.
„Seid willkommen auf Bei-Bei! Vermutlich wundert ihr euch, dass man euch hier vorurteilsfrei empfängt und behandelt. Tatsächlich kennen wir euch schon über unsere Recherchen, die wir unseren Filmarchiven über die Erdbewohner entnommen haben. Ihr beide gehört weder zu den manipulierbaren noch zu den grundlos aggressiven Bewohnern des malträtierten Planeten, den ihr Erde nennt. Bei uns ist er registriert als Versuchsobjekt 9124 und steht unter ständiger Beobachtung.“
Lucy staunt. „Der ist doch so weit weg, und trotzdem möchtet ihr euch informieren?“
„Wir sind zwar hier bei uns sehr beschäftigt, damit alles erfolgreich weiterläuft, aber in unserer Überwachungsstation sind Tag und Nacht ausgebildete Astronomen beschäftigt, alle bewohnten Planeten im Auge behalten. Nur so, zu Sicherheit.“
„Das ist verständlich“, findet Philipp. „Aber jetzt bin ich neugierig geworden. Was weiß man denn über uns hier?“
„Wir haben die Aktionen verfolgt, die ihr zur Rettung der Erde vorgenommen habt. Daher waren wir auch sehr erstaunt, dass man euch nachher in einem minderwertigen Raumschiff auf Reisen schickte, anstatt euch zu danken. Mit der Gerechtigkeit auf der Erde scheint es nicht weit her zu sein.“
„Darüber werden oft sogar Witze gemacht, denen ein ernster Kern innewohnt“, weiß Philipp zu berichten. „Leider hat uns die Rettungsaktion geschadet und sowohl Lucy als auch ich haben nun einen winzigen Gendefekt, der uns von anderen Menschen unterscheidet. Das hat den anderen auf der Erde nicht gefallen.“
Sassalla nickt verstehend. „Für die Bewohner unserer Zwillingsplaneten war es bisher stets unverständlich, dass ihr auf der Erde kontinuierlich mit der Toleranz Probleme habt. Verschiedene Sprachen, verschiedene Dialekte, unterschiedliches Aussehen und unterschiedliche Ansichten werden bei euch immer wieder zum Konfliktstoff. Es ist kaum zu glauben, dass man euch die mutigen Aktionen nicht dankte, sondern euch im Gegenteil offensichtlich herabstufte. Möchtet ihr mir etwas über eure Gendefekte mitteilen, oder ist das zu privat?“ Sie führt die beiden wie angekündigt zu einem der Forschungslabore und stoppt vor der Tür.
„Ich habe Vertrauen zu dir, Sassalla“, beginnt Lucy. „Bei mir hat die Strahlung einen Defekt im Bereich der Zunge und der Lippen ausgelöst. Wenn ich den Buchstaben „U“ als Umlaut mit den entsprechenden kleinen Strichen ausspreche, verkrampfen sich Mund und Zunge, sodass ich einen lauten Pfeifton ausstoße, so, wie wenn andere Menschen flöten, einen Vogel laut nachahmen oder nach einem Hund pfeifen. Und das passiert fast immer. Nicht jedes Mal, aber ich weiß natürlich nicht, wann es losgeht.“
Sassalla kraust die Stirn. „Dann kann es hier auf Bei-Bei tatsächlich Probleme geben. Die Pfeiftöne sind bei uns ganz wichtige Kommandosignale für alle möglichen Starts. Ähnlich wie bei euch die schnurlosen Fernbedienungen beim Licht oder zum Einschalten des TV-Geräts, erfolgt bei uns ein Start meist mit einem kurzen kräftigen Pfiff. Das hat damals unsere letzte Schönheitschirurgin eingeführt, denn diese Muskelentspannung des Mundes beim Pfeifen straft die Kinnpartie.“
„Ihr hattet Schönheitschirurgen und habt sie abgeschafft?“ fragt Philipp erstaunt.
„Inzwischen wissen wir uns durch Ernährung und Bewegung schön und jung zu erhalten, da gibt es außerdem keine Normen und Klischees, geschweige denn Modetrends wie bei euch. Die sind sowieso nur für die Kassen eurer Industrie gut und führen letztendlich wieder zur Umweltverschmutzung, wenn zum Beispiel leere Behälter oder alte, nicht mehr moderne Klamotten entsorgt werden müssen.“
Lucy stöhnt. „Was kann ich also tun? Ich bemühe mich ständig, diesen Buchstaben zu vermeiden. Aber es ist sehr anstrengend, denn wie sich inzwischen herausgestellt hat, gehört dieser Buchstabe als ein sehr bedeutender in unsere und eure Sprache.“
Sassalla überlegt und zeigt dabei eine Grimasse. „Das ist eine fatale Sache. Bei euch auf der Erde hätte das sicher keine Probleme bereitet. Aber hier werden sogar die kleinen Regenraketen mit einem Pfiff gestartet. Da kann ich dich wirklich nur bitten, so bedacht wie möglich zu sprechen.“
„Ich werde mich zusammennehmen“, verspricht Lucy. „Schließlich habt ihr uns hier sehr freundlich empfangen, da möchte ich keine Katastrophen auslösen.“
„Das glaube ich dir, wir werden schon alle auf dich aufpassen“, tröstet Sassalla ihren Gast und öffnet die Tür zum Labor. „Ich werde gleich unseren begabten Dr. Dr. Miesewetter fragen, ob er jetzt ein Forschungsprojekt für dich, ganz schnell einmal zwischendurch beginnen kann. Ein Physiotraining oder ein Medikament kann da bestimmt zur Abhilfe gefunden werden.“
„Das wäre wunderschön“, antwortet Lucy hoffnungsvoll. „Ich konnte mich nie an diesen Makel gewöhnen, sondern habe mich damit selbst immer minderwertig gefühlt.“
„Da müssen wir schnell Abhilfe schaffen“, entscheidet Sassalla. „Das ist für uns alle wichtig.“
Sie strebt auf einen jüngeren Mann zu, der gerade einige kreisrunde Computer bedient. „Lieber Johnny, hier stelle ich dir die erwarteten Erdenbürger vor, und wir haben auch gleich eine neue Aufgabe für dich.“
Dr. Dr. Miesewetter begrüßt die Ankömmlinge mit einem Kopfnicken. „Ich habe gerade die letzten Fehler in unserem Review-Messprogramm beseitigt. Da kann ich jetzt etwas zwischenschieben.“
Philipps Blick verrät Neugier. „Werden Sie mir verraten, um was es bei diesem Messprogramm geht?“
„Du hast vergessen, dass wir hier alle Du zueinander sagen. Aber du wirst dich schon daran gewöhnen. Unser Review-Messprogramm ist universell verwendbar. Das ist ein winziger runder Computer mit Sensoren. Er misst Größe, Volumen, Gewicht von allem, was auf unserem Planeten existiert. Vorwiegend arbeitet man damit für Statistiken. Ansonsten sind wir hier nicht so messfreudig, wie ihr auf der Erde. Ich habe noch nie einen Planeten kennengelernt, auf dem so viel gemessen wird wie bei euch. Da kontrolliert ihr tatsächlich ständig euer Gewicht, die Größe und alle Körperfunktionen. Wir dagegen leben gesund und messen nur zu ganz bestimmten Gelegenheiten etwas, nur dann, wenn es erforderlich wird.“
Lucy seufzt. „Ich sehe schon, ihr habt eine ganz andere Lebenseinstellung.“
Johnny Miesewetter lächelt. „Wir auf Bei-Bei sind schon sehr optimistisch eingestellt, aber auf dem Planeten Lupa wird diese Lebenseinstellung noch weiter kultiviert. Lupa, das heißt in eurer Sprache „Weitblick“. Die Menschen, die sich dort zusammengefunden haben, pflegen ihre philosophischen Potenziale.“
„Sie stammen ursprünglich auch von unserem Planeten“, erklärt Sassalla. „Vor einigen hunderten von Jahren sind sie dorthin ausgewandert, um sich besser entfalten zu können. Ihr hättet auch längst Mittel und Wege finden können, euren Mond bewohnbar zu machen. Sicherlich hättet ihr damit einen Vorteil gehabt bezüglich eurer intoleranten Haltung.“
Lucy lächelt ein bisschen wehmütig. „Es gab schon einige scherzhafte Sprichworte. Wenn man jemanden nicht leiden konnte, sagte man, man möchte denjenigen am liebsten auf den Mond schießen.“
Dr. Dr. Miesewetter verzieht den Mund. „Ja, das Reden übertrifft bei euch bei weitem die Aktionen. Eure Presse ist da ganz genial. Über einen sportlichen Rekord beispielsweise, der schon kurze Zeit danach wieder überboten wird, können sich einige Leute bei euch auf der Erde mehrere Tage bis ins Detail auslassen. Die Flut der belanglosen Informationen überfordert zuweilen eure niedlichen Gehirne.“
„Ist euer Gehirn anders?“ erkundigt sich Lucy interessiert.
Sassalla lächelt. „Aber natürlich. Wir haben schnell erkannt, wie wertvoll dieser menschliche Supercomputer sein kann. Aus den Früchten unseres Planeten haben wir besondere Säfte extrahiert, mit denen das Gehirn besser genutzt wird. Die Botenstoffe haben mehr Freude zu kommunizieren und wir trainieren schon vom Kindesalter an unsere reichlich geschenkten, sogenannten „grauen Zellen“.“
Johnny nickt zustimmend. „Also, was kann ich für euch tun? Möchtet ihr ein Gesundheitsprogramm, das ganz persönlich für euch aufgestellt wird?“
Philipp erläutert eilig das Problem, das mit Lucys Gendefekt verbunden ist und verschweigt vorerst sein eigenes Handikap. „Und nun befürchten wir, auf diesem Planeten ein großer Störfaktor zu sein, weil meine Kollegin nie voraussagen kann, wann der Pfeifton losgeht oder wann ihr Mund schweigt“, beendet er seinen Bericht.
Johnny sieht ihn hoffnungsvoll an....
| Erscheint lt. Verlag | 23.4.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Abenteuer • Abenteuer auf fremden Planeten • Abenteuer im All • Abenteuer Weltraum • Astronauten • Astronauten Abenteuer im Weltraum • Astronauten auf fremden Planeten • Astronauten und Aliens • Astronauten und Außerirdische • Deep Space Drama • Deutsche Science Fiction • Deutsche Sci-Fi First Contact • dunkle Geheimnisse • Emotionale Space Opera • Entfremdung • epische Weltraumoper • Fantasy • Fantasy Roman • Fremde Kulturen • frühling buch spannung • Intelligente Space Opera deutsch • intergalaktische Science-Fiction Geschichten • interplanetare Diplomatie Science-Fiction • interplanetare Konflikte Buch • Interplanetarer Konflikt • Konkurrenzkampf • Konkurrenzkampf im Weltall • Liebe • Liebe & Romantik • menschenähnliche Aliens Buch • Neue Welten • New German Science-Fiction • Paralleluniversum • Paralleluniversum entdecken • Raumschiff • Rivalisierende Zivilisationen • Roman First Contact • Science Fiction • Science-Fiction Abenteuer • Science-Fiction mit Astronauten • Science-Fiction mit psychologischem Tiefgang • Science-Fiction Raumschiff • Science-Fiction Roman über Zeit und Raum • Science-Fiction über fremde Zivilisationen • Science-Fiction über Parallelwelten • Science-Fiction über Raumfahrt • Science-Fiction über Rivalität • Science-Fiction über Zeit und Raum • Sci-Fi-Abenteuer • SciFi Entfremdung • Sci-Fi Roman mit Liebesanteil • Sci-Fi Roman über Erkenntnis und Bewusstsein • Space Drama mit psychologischem Fokus • space opera deutsch • Spannung • Träume • Visionen • Was ist eine gute deutsche Space Opera • Welches Science-Fiction Buch spielt im All • Weltraumexpedition Roman • Weltraumforschung Roman • Wissenschaft und Forschung • Zukunftsroman deutsch • Zwillingsplaneten Science-Fiction Roman |
| ISBN-10 | 3-7597-7204-8 / 3759772048 |
| ISBN-13 | 978-3-7597-7204-6 / 9783759772046 |
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