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In Flammen -  Alexander Lorenz Golling

In Flammen (eBook)

11 Gruselgeschichten
eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
292 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7597-0007-0 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
7,99 inkl. MwSt
(CHF 7,80)
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Eine Hexe kehrt Jahrhunderte nach ihrer Hinrichtung zurück, ein Wanderer verirrt sich in einem unheimlichen Wald, ein Motorradfahrer wird Opfer einer Zeitverschiebung: In dieser Kurzgeschichtensammlung von Alexander Lorenz Golling geht es sehr mysteriös und gruselig zur Sache. Sie ist, wie auch schon der Vorgänger "Creszentia", schwerpunktmäßig im Donaumoos und der weiteren Umgebung angesiedelt; die Geschichten basieren teilweise auch auf lokalen Sagen und Legenden. Gollings Stil orientiert sich an Klassikern wie Edgar Allan Poe, M.R. James, Stephen King und Algernon Blackwood, ist aber eigenständig und unverwechselbar.

Alexander Lorenz Golling wurde 1970 in Augsburg geboren. Nach einer vorübergehenden Tätigkeit als Musiker in verschiedenen Gruppen in Augsburg und Schwäbisch Gmünd begann er 2012 nach einem beruflich bedingten Umzug nach Neuburg/Donau mit dem Schreiben von Büchern. Sein Genre umfasst sowohl düstere Kriminalromane als auch Geschichten des Übernatürlichen und Paranormalen, welche sämtlicher weise lokal angesiedelt sind. Bisher sind erschienen: 'Die letzte Rauhnacht', 'Keltenmord', 'Und es wurde finster', 'Creszentia - 11 Schauergeschichten' und 'Racheengel'.

IN FLAMMEN


Frank Reinhardt wusste weder ein noch aus, als er von seinem Dachfenster in das Gassengewirr der Neuburger Altstadt schaute. Selten drang ein Laut zu ihm empor; nur manchmal störte ein entfernt über das Kopfsteinpflaster fahrendes Auto oder eine flatternde Taube die fast schon feierliche Ruhe. Er schien angestrengt zu lauschen, und zwar nach etwas, das sich nur ihm offenbarte und niemandem sonst.

Die Stille an diesem heißen, wenn auch wolkenverhangenen Augusttag war für ihn angefüllt mit dem Tosen und Brausen unendlicher Abgründe, einem rauschenden ständigen Angriff auf sein Gehör und Gehirn.

Vor etwa einem Monat war er auf den Altstadtberg gezogen. Hier lag das ruhende Herz dieses Ortes, der schon von den Römern als Kastell Venaxamodurum gegründet und sowohl im Mittelalter als auch in der frühen Neuzeit immer wieder erweitert und ausgebaut worden war. Der beste Zeuge dafür war das omnipräsente Schloss aus dem 16. Jahrhundert, welches unter der Regentschaft des Fürsten Ottheinrich von der Pfalz errichtet wurde. Es blickt wachend über die im 17. Jahrhundert entstandene untere Altstadt, in der sich das heutige Leben abspielte, während der Baubestand auf dem Hügel über der Donau in eine Art von Dornröschenschlaf fiel, aus dem er bis heute nicht erwacht war. Die uralten Häuser mit ihren schiefen Dächern und die engen Gassen dazwischen schienen ihre Geschichten aber nicht gern erzählen zu wollen. Es lag eine eigenartige Stimmung über diesen Dächern, dieser Stadt in jenem Spätsommer.

Frank Reinhardt wohnte gerade bei genanntem Schloss quasi um die Ecke. Der Grund für seine Anwesenheit war aber nicht das Interesse an Architektur oder Zeitgeschichte. Es waren viel dunklere Anlässe, die ihn an diesen Ort getrieben hatten.

Er schloss das Fenster und setzte sich auf die abgesessene Couch, die sich schon seit gut zehn Jahren in seinem Besitz befand und von der er sich einfach nicht trennen konnte. Er strich sich mit beiden Händen über die Schläfen.

Die Migräne, die ihm schon seit seiner Kindheit ein treuer Begleiter gewesen war, hatte sich seit seinem Einzug in diese Wohnung verstärkt.

Hinzu kamen jene unerfreulichen Geräusche, die sein Gehör schon seit geraumer Zeit belasteten.

Mal war es nur ein leises, aber ständig präsentes Pfeifen, ähnlich einem Tinnitus; bisweilen aber steigerte es sich zu einem unheimlichen, aus unbekannten Regionen stammenden Dröhnen und Wabern, das ihn vor allem dann befiel, wenn er an bestimmten Gebäuden oder Örtlichkeiten in der Altstadt vorbeilief.

Reinhardt ging zurzeit keiner Arbeit nach, sondern lebte vom Erbe seines schon vor über einem Jahr verstorbenen Onkels aus Augsburg. Er war zwar gelernter Krankenpfleger, und er hätte sich jederzeit im Klinikum St. Elisabeth oder auch anderswo in der näheren Umgebung bewerben können, tat dies aber nicht; er hatte, wie schon angedeutet, etwas aufzudecken, was man durchaus als gut gehütetes Geheimnis bezeichnen könnte.

Und zwar ein Familiengeheimnis.

Er hätte eigentlich gar nicht in diese Stadt kommen dürfen. Seine Verwandtschaft hatte ihn gewarnt. Denn allen Reinhardts, sowohl den vollblütigen als auch den angeheirateten, war es in Neuburg nicht gut ergangen.

Sie alle mussten sterben, wenn sie hierher zurückkamen.

Ja, zurück.

Denn ursprünglich stammte die Familie aus Neuburg an der Donau.

Doch schon seit Jahrhunderten – konkret seit Ende des 17. Jahrhunderts – war sie von dort weggezogen. So stand es in dem alten Familientagebuch seines Großvaters, das von Generation zu Generation weitergereicht wurde. Die konkreten Gründe dafür waren jedoch nicht genannt worden. Stattdessen strotzte das Buch von vagen Vermutungen über mysteriöse Begebenheiten, die sich um 1633 in Neuburg zugetragen haben sollen; es war unter anderem von einem Fluch und einer Hexe die Rede gewesen. Frank Reinhardts Vater hatte dieses Buch und genauso auch seinen Sohn, der immer mehr Interesse an der Herkunft seiner Familie gezeigt hatte, belächelt. Von seinem Großvater wurde er jedoch darin bestärkt. Nach dessen Tod ging das Tagebuch in seinen Besitz über, weil Reinhardts Vater – wie zu erwarten – kein Interesse daran zeigte.

Er hatte es ausführlich studiert. Am definitiv schaurigsten (und gleichzeitig auch unglaubwürdigsten) fand er den Abschnitt, in dem vermerkt war, auf welche Art und Weise damals seine Ahnen ums Leben gekommen sein sollen: nämlich durch Feuer.

Doch damit war keineswegs gemeint, dass sie etwa durch einen Unfall oder Unachtsamkeit verunglückt wären.

Oh nein.

Ein Zeuge, der schon im Jahre 1634 erwähnt wurde, hatte auf die Bibel geschworen, dass einer seiner Urahnen, der Landgerichtsverwalter Reynhard, auf »hoechst verderbliche und unnatürliche Wise « durch Feuer zu Tode gekommen wäre.

Doch Genaueres stand nicht im Familientagebuch. Nur dass nach weiteren Todesfällen die Familie aus Neuburg weggezogen war, und zwar zuerst nach Donauwörth, später nach Augsburg.

Dies alles ließe sich natürlich noch durch den immerwährenden, nie auszurottenden Aberglauben erklären, oder auch durch die Tatsache, dass damals der Dreißigjährige Krieg gewütet hatte, der vielen Menschen Hab, Gut und Leben gekostet und nicht wenige auch um den Verstand gebracht hatte. Aber wie konnte es dann sein, dass auch in späteren Jahren und Jahrhunderten immer wieder Familienmitglieder gestorben waren, wenn sie, aus welchen Gründen auch immer, nach Neuburg gekommen waren?

So wie in einem Fall aus dem Jahre 1842, als ein Gregor Reinhard in einem Gasthaus in der unteren Vorstadt in seinem Zimmer verbrannt war? Oder jenes Unglück 1922, als der reisende Handlungsbevollmächtigte Adalbert Reinhardt in einem Neuburger Hotel ebenfalls durch Feuer zu Tode gekommen war? Immer war die eigentliche Ursache der Brände ungeklärt geblieben. Zumindest schwieg sich sein Buch darüber aus.

Reinhardt forschte auch im Internet nach möglichen Ursachen für solche Vorkommnisse. Tatsächlich wurde er fündig.

Es handelte sich um mehrere Berichte über die sogenannte spontane Selbstentzündung, welche die Möglichkeit erwogen, dass sich unter bestimmten Bedingungen der menschliche Körper von selbst entzünden und in Flammen aufgehen konnte.

Doch er selbst, wie auch jene obskuren Seiten und Einträge, kamen zu dem Schluss, dass dies wohl eher dem Reich der Fantasie zuzurechnen wäre.

Zu guter Letzt kam er zu der Überzeugung, dass es wohl das Beste wäre, nach Neuburg zu ziehen und vor Ort Nachforschungen anzustellen. Zeit und Geld waren, nachdem er seinen Job in Augsburg gekündigt und das Erbe erhalten hatte, mehr als genug vorhanden. Also hatte er nach einer geeigneten Wohnung gesucht und war auch fündig geworden.

Kurz darauf hatte er mit seinen Erkundungen begonnen, die ihn zuerst in das Neuburger Stadtarchiv geführt hatten. Er hatte nach Unterlagen gesucht, die in irgendeiner Weise mit seiner Familie und ihrem Schicksal zu tun haben könnten. Leider war er dabei sehr impulsiv und alles andere als systematisch vorgegangen, sodass ihm ein schneller Erfolg versagt geblieben war.

Währenddessen hatte er sich natürlich auch seine Umgebung, in die er gezogen war, genauer angesehen. Die Neuburger Altstadt war zweifellos schön – und doch lauerte in ihren mit Kopfsteinen gepflasterten Straßen etwas, dass sich nur sehr schwer beschreiben ließ. Da war, gerade in den engsten Gassen und schattigsten Stellen, wo auch während der schönen Jahreszeit nie ein Sonnenstrahl hinfiel, etwas Abgründiges, bösartig Grauenhaftes, das darauf aus schien, ihn verfolgen und quälen zu wollen. Es war die Zeit, in der seine Kopfschmerzen begonnen hatten und er vor allem nachts, aber bisweilen auch tagsüber von jenen seltsamen Geräuschen heimgesucht worden war. Vor allem auf dem Karlsplatz schienen diese offenbar von seinen angeschlagenen Nerven verursachten Attacken stärker zu werden, wie auch vor der sogenannten Münz am hintersten Ende der Altstadt. Eine Erklärung hatte Reinhardt dafür nicht gefunden; und der Arzt, den er konsultiert hatte, hatte ihm lediglich zu ausgedehnten Spaziergängen an der frischen Luft geraten, am besten außerhalb der Stadt, im sogenannten Englischen Garten, oder im Wald. Was der Patient auch beherzigt hatte, doch es hatte leider nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Schließlich, vor gerade einer Woche, hatte er gleich mehrere Schriftstücke gefunden, in denen prompt der schon genannte Vorfahr, Landgerichtsverwalter Reynhard, erwähnt wurde. Seitdem hatte sich ihm eine Art Fieber bemächtigt, das ihn immer weiter zur Suche antrieb. Vor zwei Tagen schließlich war ihm im wahrsten Sinne des Wortes eine amtliche Abhandlung über die Neuburger Hexenprozesse in die Hände gefallen. Er hatte sich die seltsame Lektüre sogleich vorgenommen und die Entdeckung gemacht, dass sein Vorfahr aktiv an diesen mehr als nur fragwürdigen Vorkommnissen beteiligt gewesen war.

Reinhardt erhob sich von seiner Couch und ging in die...

Erscheint lt. Verlag 2.5.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-7597-0007-1 / 3759700071
ISBN-13 978-3-7597-0007-0 / 9783759700070
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