Finish line (eBook)
368 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7583-3824-3 (ISBN)
Schon in der Realschule begann Stefan Krimigeschichten zu schreiben. Die Helden seiner Geschichten waren seine Klassenkameraden. Auch später noch fand er immer wieder zum Schreiben zurück, bis er mit Anfang Zwanzig mit "Engelsblut" ein erstes Buch schrieb. Nun, fast 15 Jahre nach diesem ersten Abenteuer, bringt Stefan sein neuestes Werk im Selbstverlag heraus.
Villingen-Schwenningen
Erschöpft lag Timo auf dem Pflasterstein vor dem Rathaus von Villingen und kämpfte damit wieder einen ruhigen Puls zu bekommen. Seine Kleidung war von oben bis unten mit Schlamm bespritzt, so dass man die Startnummer kaum noch erkennen konnte. Den schwarzen Cross-Helm mit dem frech grinsenden gelben Smiley auf der Seite hatte er abgezogen und neben seinem Fahrrad auf dem Boden liegen.
Die Amateur-Citytrack-Rennen, vor allem hier in Deutschland, hatten nicht viel mit den großen Wettkämpfen der World-Tour gemein. Sie waren eher eine Art Cross Country Rennen mit einem hohen Anteil der Strecke innerorts. Vor allem durch den fehlenden Traffic waren die Amateurwettbewerbe von denen der Profis zu unterscheiden. Kein Verkehr, überschaubare Zuschauer und eine Hand voll Sponsoren.
»Mann, das war der Hammer! Die Drohnen haben alles drauf!« Ben stand neben ihm und hielte Timo das Tablet unter die Nase auf dem die Aufnahmen vom Rennen aus vier verschiedenen Kamerawinkeln zu sehen waren. »Und dann gewinnst du das Ding auch noch. Hättest du das gedacht?« Ben strahlte über beide Ohren. Timo musste über seinen Kumpel lachen, was direkt in ein nach Luft japsendes Husten überging.
»Nein, aber du könntest mir eine kühle Coke besorgen.« Es war Anfang März und noch nicht so warm, wie es in den letzten Jahren zu dieser Jahreszeit schon gewesen war, dennoch benötigte Timo ein kaltes Getränk mit ordentlich Zucker.
Von der Zielgeraden nähert sich einer der Veranstalter mit einem Tablet in der Hand »Starkes Rennen, Mann!« Er klopfte Timo auf die Schulter. »Es sind mittlerweile alle Messenger im Ziel. Wärst du so in zehn Minuten für die Siegerehrung bereit?« Timo nickte dem Organisator zu und schaute ihm nach, wie dieser zu der kleinen Bühne lief, auf der ein Bot ein Podest aufbaute.
Er raffte sich auf, nahm sein Rad und ging damit zur nahegelegenen Sporthalle, in der sich die Messenger umziehen konnten. Dort stellte er sein Rad ab, zog sein Rennshirt aus, um eine dicke Jacke drüber ziehen zu können, und nahm die Bommelmütze mit, auf dem das gleiche Smiley wie auf seinem Helm zu erkennen war. Jörg Rammel und Vik Baum, die den zweiten und dritten Platz belegten, standen am Rand der Bühne und lauschten der Bürgermeisterin, die sich überschwänglich bei den Organisatoren des Rennens bedankte.
»... darum ist es so wichtig, dass wir auch weiterhin solche tollen Sportveranstaltungen in unserer kleinen Stadt möglich machen! Aber nun habe ich genug gesprochen und darf für die Siegerehrung wieder an Markus Schneider übergeben.«
Die etwa 150 Zuschauer auf dem Rathausplatz applaudierten höflich. Schneider dankte der Bürgermeisterin für ihre Rede und wechselte dann seine Stimmlage. »Was für ein Rennen! Das Highlight des diesjährigen Villinger Citytrack Meetings hat gehalten, was es versprach. Wir haben in der Amateur-Klasse ein Rennen vom allerfeinsten gesehen, bei dem wir am Ende durchaus eine kleine Überraschung erleben durften!
Aber kommen wir erst einmal zu unserem dritten Platz, dem Vorjahressieger vom Team Holzmann-Bau aus Offenburg. Einen kräftigen Applaus für Vik Baum!« Vik zog seine Cap zurecht und sprang lässig auf die Bühne, winkte ins Publikum, klatschte mit Markus ab und nahm auf der Stufe für den drittplatzierten Platz.
»Für Vik gibt es vom Fahrradladen Kurz in Neustadt gesponsert einen Gutschein über 500 Euro. Vik, da kannst du noch ein bisschen aus deinem Rad raus holen!« Markus überreichte ihm einen übergroßen Pappschein mit dem Logo des Radladens. »Kommen wir zum zweiten Platz. Von unseren Freunden vom Radsportverein Brugg in der Schweiz, Jörg Rammel!«
Jörg war nicht ganz so euphorisch wie die Ankündigung von Markus. Er hatte sich offensichtlich mehr ausgerechnet in diesem Rennen. Rammel war einer der Konkurrenten, der es am nächsten an die World Tour herangeschafft hatte. Er fuhr ein paar Monate für den Nachwuchskader eines der Profiteams. Auch er schlug mit Markus ein, ging zu Vik, um ihm zu gratulieren, und stellte sich dann auf die Stufe für den zweiten Platz. »Jörg kann schon mal seine Freunde einladen! Für den zweiten Platz gibt es gesponsert von der Schwarzwald-Bräu-Brauerei aus Todtnau 150 Liter Freibier und 500 Euro.« Wieder applaudierte die Menge als Jörg einen übergroßen, symbolischen Check und eine Flasche Bier überreicht bekam. »So, jetzt müsst ihr nochmal richtig ausrasten, denn unser Gewinner heute ist eine kleine Überraschung. Er hat hier in Schwenningen Medienkonzeption studiert und arbeitet mittlerweile als Journalist in Freiburg. Als Messenger ist er ohne Team angetreten und erstmals auf dem Podest bei einem Citytrack-Rennen. Der Sieger des Villingen Citytrack Meetings 2077: Timo Unterfeld.«
Timo sprang auf die Bühne, riss die Arme nach oben und jubelte in die Menge. Zwei seiner vier Drohnen schwirrten um ihn herum und machten Aufnahmen von dem ganzen Szenario. Markus nahm ihn in den Arm und klopfte ihm herzlich auf den Rücken. Timo gratulierte dem Zweiten und Dritten, dann stellte er sich zwischen seine beiden Kontrahenten auf die oberste Stufe und wartete auf seinen Preis.
»Von der Sparkasse Villingen-Schwenningen gibt es für dich eine Prämie von 1200 Euro! Vielen Dank nochmal an alle Sponsoren, ohne die dieses Event nicht möglich gewesen wäre.«
Während im Hintergrund der ewige Siegerehrungsklassiker »We are the Champions« von Queen lief, standen die drei Bestplatzierten auf dem Podest und wussten nicht so recht, was sie machen sollten. Nach etwa zwei Minuten sprang Vik von der Stufe und meinte: »Mir ist kalt, ich brauche jetzt eine warme Dusche.«
Die anderen gaben ihm recht und folgten ihm in Richtung Sporthalle. Timo gab seinen Drohnen den Befehl, Feierabend zu machen und beobachtete wie die beiden zurück zu seinem Drohnenrucksack flogen, der neben Ben auf dem Boden stand.
Eine Woche zuvor:
»Johann, guten Morgen. Wie liefen die Gespräche gestern Abend?«
Verena Marghäuser saß an ihrem Schreibtisch und blickte auf das Hologramm ihres Bruders. Die Technologie ermöglichte es, dass eine Miniaturausgabe von ihm in Jogginghose und T-shirt vor ihr auf dem Tisch stand.
»Guten Mittag, Schwesterchen. Was ist denn los? Du bist so aufgeregt.«
»Gleich, gleich, erzähl erstmal, was die Amerikaner gesagt haben!«
»Das Gespräch war spitze. Mr. Smith nimmt Schwarzwald-Bräu mit auf die Karte. Man wird unser Bier als exklusives Premiumbier in neun Hotels in den USA ausschenken. 27 Tausend Liter im Monat.« Johann rieb sich die Hände und strahlte zuversichtlicht.
Verna richtete sich im Stuhl auf. »Wow! Das ist ja der Hammer! Und beim Preis?«
»Ich musste ihnen nochmal ein bisschen entgegenkommen, aber wir sind jetzt bei 3,02 Euro. Mit einer Abstufung sobald der Bedarf über 30 Tausend Liter geht auf 2,98 €.«
Verena rechnete durch, was ihnen dann abzüglich der Produktion und dem Transport übrig blieb. »Ja, ok, das ist nicht der Wahnsinn aber nicht ganz so schlecht für einen komplett neuen Markteintritt.«
Ihr Bruder nickte. »Jetzt aber raus damit Schwesterchen, was treibt dich zu solch einer sichtbaren Euphorie?«
»Wir haben heute Morgen eine Mail von der Citytrack Crew bekommen.«
Johann trat einen Schritt näher an den Holoscanner. Dadurch wurde die untere Hälfte seines Körpers abgeschnitten, aber sein Gesicht war besser zu erkennen. Er war sichtlich gespannt.
Verena hielt es kaum noch auf ihrem Stuhl »Wir haben eine Wettbewerbslizenz für den Allen Clay Cup erhalten!«
»Was? Ist das dein Ernst?« Johanns Augen wurden groß und er fuhr sich mit einer Hand übers Gesicht.
»Ja, wir sind eines von zwei Teams, die dieses Jahr zusätzlich zu den World Tour Teams am Allen Clay Cup teilnehmen dürfen!«
»Wow, das ist ja der Hammer!« Johann sprang aufgeregt im Hotelzimmer herum. Der Holoscanner hatte Mühe ihn vernünftig aufzunehmen. Verena stemmte ihre Ellenbogen auf den Tisch und die Mundwinkel gingen ein wenig nach unten.
»Ja, ich kann es auch kaum glauben. Aber…«
»Oh oh« Johann verstummte nach Verenas »Aber« und blickte sie konzentriert an.
»Wir müssen innerhalb von drei Monaten unsere Messenger bekannt geben. Wir haben also ein wenig Arbeit vor uns.«
»Aber du hast bestimmt schon einen Plan?«
»Ja, nächste Woche findet das City Track Meeting in Villingen-Schwenningen statt. Du erinnerst dich, wir sind dort einer der Hauptsponsoren in diesem Jahr. Ich habe Hoffnung, dort zumindest einen talentierten Messenger zu finden. Ansonsten müssen wir vor allem auf die gehen, die bei anderen durch das Raster fallen. Ich habe gestern Abend damit begonnen, die Listen der Nachwuchskader der Top Teams der letzten Jahre zu durchforsten und zu schauen, wo die Talente von damals gelandet sind. Vielleicht gibt es dort den ein oder anderen den wir uns schnappen können, weil er in Vergessenheit geraten ist.«
Johann setzte sich auf etwas, das Verena nicht sehen konnte, da es von der Technologie...
| Erscheint lt. Verlag | 22.3.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | feel good • radfahren • Rennsport • Science Fiction • Sport |
| ISBN-10 | 3-7583-3824-7 / 3758338247 |
| ISBN-13 | 978-3-7583-3824-3 / 9783758338243 |
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