RAN (eBook)
548 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-384-06592-6 (ISBN)
Uwe Brunotte schreibt seit seinem 9. Lebensjahr Geschichten, bislang allerdings für Freunde und Verwandte. Der Informatiker ist seit fast 24 Jahren glücklich verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes. In seiner Freizeit springt er aus funktionierenden Flugzeugen, reitet und wandert gerne.
Uwe Brunotte schreibt seit seinem 9. Lebensjahr Geschichten, bislang allerdings für Freunde und Verwandte. Der Informatiker ist seit fast 24 Jahren glücklich verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes. In seiner Freizeit springt er aus funktionierenden Flugzeugen, reitet und wandert gerne.
Begegnung
Da bist du ja.
Ich habe schon lange auf dich gewartet.«
Das waren die ersten Worte, die ich bei meiner Ankunft hörte. Um mich herum verblassten gerade die regenbogenfarbenen Umrisse des Portals und erst langsam gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit dort, wo immer ich jetzt sein mochte.
Zuerst sah ich nur die Fackel, die das düstere Mauerwerk etwas erhellte und es dauerte einige Zeit, bis ich mich zurechtfand. Der Gang, in dem ich stand, war breit und niedrig, grobe, unverputzte Steinmauern wurden durch hölzerne Säulen gestützt, die Decke war ebenfalls aus Holz und sah stellenweise nicht sehr zuverlässig aus.
Seltsamerweise meinte ich, ein Lachen gehört zu haben, aber in dieser tristen Umgebung glaubte ich dann eher, mich zu irren. Besonders einladend sah es in dem dunklen Gang wirklich nicht aus und ich fragte mich, wie schon so oft, wo ich denn wieder hineingeraten sei.
Moment, wer hatte da auf mich gewartet? Das war ja nun wirklich das Letzte, mit dem ich gerechnet hatte, da ich hier eigentlich völlig unbekannt sein sollte. Immerhin wusste auch ich nicht, wo ich war und daher konnte mich niemand kennen. Vielleicht eine Verwechslung.
Ich drehte mich um.
Der Mann war alt, sehr alt sogar, nur die lebhaften und freundlichen Augen passten nicht in das faltige Gesicht. Und da war noch etwas, das ich nicht einordnen konnte. Irgend etwas an ihm, vielleicht die hohe Stirn, die buschigen Augenbrauen oder das fast jungenhafte Lächeln kam mir bekannt vor. Sein Blick ließ auch keinen Zweifel mehr daran, dass ich tatsächlich gemeint war, er kannte mich.
»Schön, dass du da bist«, meinte er jetzt noch einmal.
»Woher. . . ?«, begann ich, aber er redete schon weiter, die Frage, die ich stellen wollte, beantwortend.
»Es ist jetzt unwichtig, woher ich dich kenne, ich glaube, für dich ist es im Moment wichtiger, wer ich bin.«
Damit hatte er sicherlich recht und so nickte ich nur. Er stützte sich auf seinen Stock, richtete sich auf und mit einem Mal strahlte er eine so beruhigende Würde aus, dass ich alle Fragen in einem Moment vergaß. Sie waren einfach nicht mehr wichtig. Mir wurde klar, dass ich hier nichts zu befürchten hatte und ohne etwas über diesen Mann oder die Welt zu wissen, die ich eben betreten hatte, fühlte ich die Sicherheit, hier einen Freund zu haben.
»Mein Name ist Ran.«
»Ich bin seit vielen Jahrzehnten der Zauberer dieses Hofes und dieser Stadt und es gibt hier nichts, das mir verborgen bleibt. Deine Ankunft war mir klar, lange bevor du selbst davon wusstest und es war nur eine Frage der Zeit, bis du kommen würdest.
Du wirst mein Schüler sein und alles lernen, was ich selbst gelernt habe, du wirst Zauberer dieser Stadt und dereinst auch mein Nachfolger sein und dein Leben wird dem meinen gleichen.«
Das hatte ich eigentlich nicht vor. Ich wollte doch nicht mein ganzes Leben hier verbringen, immerhin musste ich ja einmal wieder zurück in meine Welt und bis jetzt hatte ich mir immer noch selbst meinen Weg gesucht. Vorschreiben ließ ich mir jedenfalls nicht, was ich zu tun hätte und. . .
Er hatte recht.
Ein Blick aus seinen freundlichen, undurchschaubaren Augen hatte mich davon überzeugt, dass ich genau das tun würde, was er sagte. Er sah mich weiter lächelnd an und ich fühlte die Sicherheit hinter seinen Worten. Mochte ich selbst die Gründe nicht kennen, mit der Zeit würde ich sie sicher verstehen.
Mehr noch, nach einem Moment der Verblüffung wurde mir klar, dass ich eigentlich genau das wollte, was er mir anbot. Zaubern beschränkte sich in ›meiner‹ Wirklichkeit auf gute Tricks und Geschicklichkeit, die Existenz des Über– oder Außernatürlichen wurde meistens abgelehnt und hier sollte ich genau das lernen und erfahren dürfen?
Ran sah nämlich nicht so aus, als würde er Kartentricks vorführen oder Kaninchen aus dem Hut ziehen. Wenn er Zaubern sagte, meinte er genau das. Natürlich würde ich mitmachen und das hatte er von Anfang an gewusst.
»Komm mit«, sagte er und ging an mir vorbei auf die Wand zu. Etwas verwirrt drehte ich mich um und wollte hinterher, aber da war doch nichts. Der Gang zog sich rechts und links in die Dunkelheit (erst jetzt fiel mir auf, dass nur eine Fackel brannte, die, unter der wir gestanden hatten) und Ran lief genau auf die großen, etwas bemoosten und alten, aber zweifellos sehr massiven Steine zu.
»Komm ruhig und wundere dich nicht allzu sehr.«
Mit seinem Stab schlug er ganz leicht an die Wand und mit einem leisen Knirschen schoben sich die Steine nach hinten. Sand und Moos rieselten aus der entstehenden Lücke, die etwa mannshoch und so breit war, dass eine Person gut hindurch gehen konnte. Ran stieg die Stufen, die dahinter sichtbar wurden, mit einer Behändigkeit hinunter, die, wie vieles an ihm, nicht zu seinem Alter passten. Aber wie alt war er überhaupt?
»He, ich sehe nichts, wart’ doch auf mich!«
Vor mir waren nichts als Dunkelheit und einige ausgetretene Stufen zu erkennen. Ran war schon viel weiter gegangen, ich hörte nur noch leise seine Schritte irgendwo vor oder unter mir. Jetzt erlosch auch die Fackel hinter mir und ein Knirschen zeigte an, dass sich die Tür langsam wieder schloss. Da ich noch immer auf der obersten Stufe, also mitten in der Wand stand, war mir diese Tatsache nicht gerade angenehm.
Da sah ich vor mir ein Licht aufflammen. Ran zündete eine Fackel an und ich erkannte endlich die Stufen, die in einer gewundenen und unregelmäßigen Treppe vor mir nach unten führten.
»Entschuldige, ich habe so selten Besucher hier, dass ich wohl etwas rücksichtslos geworden bin«, meinte er. Als erstes verließ ich die Wand, die sich unmittelbar hinter mir schloss. Ran stand nicht so weit entfernt, wie ich gedacht hatte, er blickte zu mir, während seine andere Hand auf die Fackel deutete.
Allerdings deutete er wirklich nur, er war noch einige Armeslängen von ihr entfernt und sie hing so hoch unter der Decke, dass er sie von dieser Stufe aus nie hätte erreichen können. Aber hatte ich ernsthaft erwartet, dass ein Zauberer mit Streichhölzern oder Feuerzeug durch die Gegend läuft?
Er hatte recht, wundern sollte ich mich lieber nicht.
»Das mit der Tür war nicht schlecht, oder?«, fragte er wie ein Kind, dass einem anderen eine besonders schöne Glasmurmel zeigt. »Aber leider«, fügte er leicht bedauernd hinzu, »mit Zauberei hat das nicht viel zu tun.«
Er klopfte mit seinem Stock ein paarmal auf die Erde. »Dort drinnen ist die ganze Zauberei. Ein Magnet löst den Sperrriegel und öffnet die Tür. Das Pendel schwingt einmal und dann schließt sie sich wieder, wenn das Gegengewicht noch genug Raum zum Arbeiten hat.« Er blieb stehen.
»Hier.«
In einer aus dem Fels gehauenen Rinne hing ein schwerer Sandsack von der Decke. Über eine Rolle führte das Seil nach oben zur Tür, die in großen Metallschienen lief. Dort sah ich auch etwas wie ein Pendel, das sich noch leicht bewegte.
»Jedes Mal, wenn du eine der Türen benutzt, zieht das Gewicht sie auf und gleich darauf wieder zu. Das geht so fünf oder sechs Mal, dann musst du den Sack wieder hochkurbeln.« Er deutete auf eine ziemlich schwer aussehende Kurbel in einer Nische neben der Rinne für das Gewicht.
»Probiers am besten sofort, es ist nämlich wichtig.«
Und während ich mich abmühte, die eiserne und wirklich nicht leichte Kurbel zu drehen, erzählte er weiter.
»Es gibt noch viele solcher Gänge und Türen, manche davon benutze ich seit Jahren nicht mehr, da sie nicht so schön leichtgängig sind wie diese hier.« –Ach – dachte ich schwitzend, –leicht?– »Ich selbst kann es langsam wirklich nicht mehr. Aber du musst immer daran denken, dass die Türen gespannt sind. Stell dir doch nur einmal vor, du, der Zauberer des Hofes, gehst auf eine Wand zu, die sich öffnen sollte und läufst dagegen. Oder eine Tür schließt sich nicht und jemand sieht dich hier unten kurbeln. Das ist für einen Zauberer, und mag er noch so gut sein, einfach unmöglich.«
Ich war ehrlich gesagt etwas enttäuscht. »Aber das sind doch nur Tricks und Täuschungen«, wagte ich einzuwenden.
Er sah mich nicht besonders streng an.
»Du wirst, genau wie ich, lernen müssen, dass ein guter Zauberer den größten Teil seiner Wirkung durch Illusion und, wie du es nennst, Täuschung erreicht. Nur wenig ist echte Magie und davon ist nur sehr wenig geeignet, um auf andere Eindruck zu machen, aber, und auch das wirst du lernen, gerade das ist das Wichtigste.
Ein Zauberer, der nicht ein wenig angibt, wird keinen Erfolg haben.«
Und damit drehte er sich wieder um. Wir gingen weiter die Stufen hinunter, aus dem Lichtkreis der Fackel hinaus. Er blickte nach vorne und blieb kurz stehen.
»Pass auf, das ist jetzt etwas echte...
| Erscheint lt. Verlag | 14.2.2024 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Abenteuer • Freundschaft • Lebensgeschichte • Liebe • Natur • Zauberei |
| ISBN-10 | 3-384-06592-1 / 3384065921 |
| ISBN-13 | 978-3-384-06592-6 / 9783384065926 |
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