Fremd (eBook)
454 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7583-5192-1 (ISBN)
Dr. Andre Düvel, geboren im Jahr 1981 in Hannover, ist promovierter Chemiker. Er studierte und promovierte an der Universität Hannover, ging dann für zwei Jahre an die University of Kent (UK) und arbeitet nun als freier Autor populärwissenschaftlicher Artikel. Seine freie Zeit verbringt er gern, gemeinsam mit Frau und Hund, in Wanderstiefeln. Der Roman "Fremd" ist sein Erstlingswerk.
„Alex, aufstehen!" hörte er seine Mutter rufen. Er wollte nicht aufstehen. Es war viel zu früh und er noch viel zu müde, um auch nur irgendetwas tun zu wollen. Er erinnerte sich wie er gestern den ganzen Tag mit dem Rad unterwegs gewesen war. War heute etwa schon Montag? Schon wieder ein Schultag? „Na los, aufstehen!" hörte er nun seine Mutter direkt neben sich. Na gut, also raus aus dem Bett. Er stand auf und saß unvermittelt am Frühstückstisch und hörte seiner Mutter zu wie sie versuchte aus ihm herauszubekommen, ob er denn auch alles eingepackt hatte für die Schule. Als er aufblickte, saß er in der Klasse. „Oh man! Latein am frühen Morgen!" dachte er. Marvin saß neben ihm und beklagte sich, wie in jeder Stunde, flüsternd, dass er nichts verstehen würde. Im nächsten Moment waren sie auf dem Spielplatz auf der Schaukel. Sie wollten herausfinden, wer weiter springen konnte. Marvin, der nun viel jünger aussah, schaffte einen gewaltigen Sprung, knickte aber um und schrie auf. Alex lag im Bett im Krankenhaus, seine Eltern saßen neben ihm. Sein Hals schmerzte, er wollte heim, durfte aber nicht. Er stand auf und ging Richtung Tür. Er öffnete die Tür und stand in einem Krankenzimmer. Seine Mutter lag im Bett. Sie war dünn und blass und sah sehr alt aus. Er ging zu ihr hin und hielt ihre Hand. Der Sarg wurde herabgelassen. Tränen liefen über sein Gesicht und er fühlte sich verloren und hilflos. „Herr Winkler, es tut mir leid, aber leider kann ich Ihnen nicht helfen. Das Institut hat keine offenen Stellen, die Kollegen ebenfalls nicht." hörte er seinen Chef sagen. Er saß im Labor. Er saß in der Vorlesung. Er lernte mit seinen Kommilitonen für die nächste Klausur. Er saß in seinem Zimmer und arbeitete am Rechner. Murphy, der Kater schlief auf dem Bett. Seltsam. Murphy war doch tot. Schon lange. Oder nicht? Der Kater blickte auf und Alex wurde klar, dass er träumte. Er trat ans Fenster und sah das Meer in rotem Licht, hörte die Brandung, schmeckte die salzige Luft. Der Wind strich über seine Haut. Ja, hier war er früher einmal gewesen. Er kannte diese Art Träume, in denen er sich selbst beobachtete und gleichzeitig Protagonist war. Normalerweise wachte er dann bald auf. Den Traum vergaß er meist binnen Sekunden, nur das Gefühl blieb und die Erinnerung, dass er wusste, dass er träumte. Er hatte oft gedacht, dass er einen Traum steuern können sollte. Aber nie kam ihm diese Idee, während er träumte. Und doch träumte er jetzt, es war ganz klar. Nun sah er sich wie er von Ort zu Ort und Zeit zu Zeit sprang. Jeder Ort war eine Erinnerung, kein Ort, keine Situation erfunden, sofern er das sagen konnte. Konnte er denn überhaupt einen Ort erfinden? Wie ungewöhnlich: er fühlte sich wach und klar. Warum träumte er weiterhin? Nun war er auf einem Festival. Er trug seine alte abgewetzte Lederjacke, obwohl es eigentlich zu warm dafür war. Er lief umher, die Band, die derzeit spielte, interessierte ihn nicht. So viele Leute und jedes Gesicht war klar erkennbar, schien bekannt und war ihm doch völlig unbekannt. Was war hier los? Hatte er die Gesichter erfunden? Nein, er hatte all diese Leute damals wirklich gesehen, dachte er sogleich. Auch das Buch in seiner Hand hatte er, so glaubte er zumindest, damals wirklich dabei. „Also sprach Zarathustra"; seine Nietzsche-Phase. Er wollte es immer noch einmal lesen, kam aber seitdem nicht mehr dazu. Warum nicht jetzt? Er schlug das Buch auf und jede Seite war beschrieben und er erkannte die Sätze. War es der tatsächliche Inhalt des Buches oder nur seine ganz eigene Version? Das Gehirn ist kein digitaler Computer. Es macht ständig Fehler, es übersetzt gelesene Sätze, verändert erlebte Situationen mit der Zeit, schreibt die eigene Geschichte um, verwechselt Träume mit Erinnerungen und Erinnerungen mit Träumen, ohne dass man es merkt. War er damals tatsächlich glücklich oder nicht doch von bereits vergessenen Problemen belastet? Wie fühlte sich eine Krankheit wirklich an? Hatte er wirklich einmal das Nordlicht gesehen? Waren seine Erinnerungen, war sein Leben nur ein Traum? Seine Gedanken wurden zunehmend wirrer, die Bilder unklarer. Oder wurde es ihm nur zunehmend bewusster?
„Hallo Herr Winkler!", hörte er eine Stimme sagen. Alex öffnete die Augen. Der Raum war dunkel, dennoch konnte er jemanden neben sich stehen sehen. Er setzte sich auf.
„Wo bin ich?", fragte er.
Der Raum kam ihm nicht bekannt vor.
„Sie sind in einem Zimmer in meinem Haus. Es ist alles gut.", sagte die Person.
„Wer sind Sie und was zum Teufel mache ich hier?", fragte er den Unbekannten, überrascht von der Energie die er in sich spürte.
„Interessanter ist eigentlich die Frage wer Sie sind.", erhielt er als Antwort.
Träumte er weiterhin?
„Wie kann ich in Ihrem Haus sein, wenn Sie nicht wissen, wer ich bin?", fragte er.
„Warum sollten Sie nicht in meinem Haus sein können, wenn ich nicht weiß, wer Sie sind?", fragte ihn der Unbekannte. „Aber nein, Sie missverstehen mich. Ich kenne Ihren Namen, ich kenne Ihre Geschichte und ich weiß, warum Sie hier sind, wenn auch natürlich nicht im philosophischen Sinne.", ergänzte er.
Alex stand auf und suchte mit den Augen nach einer Tür „Was soll all der Blödsinn? Wo bin ich und wer sind Sie? Was mache ich hier?", fragte er energisch.
Er fühlte, wie eine Mischung aus Ärger und Angst in seinem Körper aufstieg.
„Keine Sorge Herr Winkler. Übrigens, darf ich Sie Alexander nennen? Ach, vermutlich ist es dafür wohl noch etwas zu früh.", sagte der Unbekannte.
„Es ist mir völlig egal wie Sie mich nennen, aber beantworten Sie endlich meine Fragen oder lassen Sie mich hier raus!", rief Alex aus.
„Und wenn ich Ihnen nun sage, dass mein Name Herbert Müller ist, wie hilft Ihnen das weiter? Und natürlich können wir den Raum verlassen. Bitte folgen Sie mir!", antwortete sein unbekannter Gastgeber ruhig.
Der Fremde führte Alex durch eine Tür, die er vorher nicht gesehen hatte, aus dem Raum hinaus in einen dunklen Flur, der schließlich ins Freie auf eine Terrasse führte.
„Bitte!" deutete er auf einen der beiden Stühle.
Alex setzte sich.
„Möchten Sie etwas trinken? Vielleicht ein Glas Wasser?", fragte der Fremde und stellte ihm sogleich ein Glas mit kühlem Wasser auf den kleinen Tisch zwischen ihnen. „Danke.", sagte Alex misstrauisch.
Die Luft war angenehm, der Himmel leicht bewölkt, ein schöner Frühsommertag.
„Also?", fragte Alex.
„Nun, Herr Winkler, das wird ein schwieriges Gespräch und ich bin mir unsicher, ob Sie mir glauben werden, was ich Ihnen gleich erzählen werde, aber ich bitte Sie aufgeschlossen zu sein. Ich versichere ihnen: Sie sind nicht in Gefahr, Sie sind hier sicher.", sagte der Fremde mit freundlichem, aber leicht besorgtem Blick.
Der Fremde schien ihn zu mustern, woraufhin auch Alex ihn genauer ansah. Der Fremde war groß und schlank, seine Haltung wirkte etwas steif, auch wenn er jugendlich wirkte. „Ok, ich versuche mein Bestes. Vermutlich ist all dies hier eh ein Traum.", antwortete Alex.
„Nein, dies ist kein Traum. Hier, lesen Sie diese Zahlen und dann lesen Sie sie noch einmal.", sagte der Fremde und hielt ihm einen Zettel mit einer Reihe Zahlen hin.
Alex nahm den Zettel und las die Zahlen. Eine anscheinend willkürliche Folge, die sich auch bei mehrmaliger Betrachtung nicht änderte. Doch kein Traum?
„Herr Winkler, welches Jahr haben wir?", fragte der Fremde.
Alex wurde blass.
„2018, oder etwa nicht?", fragte er zurück.
„Ja. Und nein. Für Sie ist es 2018, aber tatsächlich befinden wir uns im Jahr 2074.", sagte der Fremde.
„Aber natürlich. Ich habe eine Zeitreise gemacht. Wie konnte ich das nur vergessen?", erwiderte Alex sarkastisch.
Er saß hier offenbar mit einem Verrückten zusammen. Ein scheinbar höflicher, kultivierter Verrückter, aber dennoch ohne jeden Zweifel ein Verrückter. Er schaute hinaus in den Garten und überlegte einfach aufzustehen und zu gehen.
„Ich werde Sie nicht festhalten, dennoch rate ich Ihnen dringend davon ab jetzt schon zu gehen. Die Welt hat sich verändert", meinte der Fremde, seine Gedanken scheinbar erratend.
„Wenn ich jetzt also einfach aufstehe und gehe, dann würden Sie mich nicht aufhalten?", fragte Alex, stand auf und bewegte sich in Richtung des Gartens in der Hoffnung letztlich auf eine Straße zu treffen.
Der Fremde wartete für einen Moment schweigend ab und rief ihm dann zu: „Vorsicht! Langsam!"
Alex stieß gegen eine unsichtbare Wand, wo er Bäume und andere Pflanzen sah.
„Was zum Teufel ist hier los?", fragte er.
„Wir sind nicht an der Oberfläche, dies ist kein echter Garten, sondern ein Raum, der eine sehr realistische Illusion erschafft. Sehen Sie!", erklärte der Fremde woraufhin der Garten zu einem Sandstrand wurde, an den die Wellen eines Meeres schlugen. Alex stand mitten im Wasser, ohne es jedoch zu spüren. Er hörte Möwen, fühlte vom...
| Erscheint lt. Verlag | 6.2.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Außerirdische • Dystopie • Künstliche Intelligenz • Science Fiction • Transhumanismus |
| ISBN-10 | 3-7583-5192-8 / 3758351928 |
| ISBN-13 | 978-3-7583-5192-1 / 9783758351921 |
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