Du bist die Schwärze (eBook)
460 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7583-4388-9 (ISBN)
Suna E. erblickte 1984 als Tochter eines Gastarbeiters, der in den 60-ern nach Deutschland kam, in Remscheid das Licht der Welt. Sie wuchs ohne Mutter in einem Fünf-Mann-Haushalt auf und hatte dementsprechend viel Zeit, besondere Situationen aus der Perspektive des anderen Geschlechts zu betrachten. Diese Einflüsse nutzt sie gerne und lässt sie in ihre Geschichten einfließen. Heute lebt sie mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in München.
Wie alles begann…
Aidar
Eigentlich sollte ich die kostbare Stille genießen, dachte ich seufzend und verfluchte mich im selben Atemzug, dass ich mich von Vater hatte überreden lassen, mit Fitzgerald zu reiten. Die Anwesenheit dieses Mannes bei seinen Besuchen hin und wieder, konnte ich noch ertragen, jedoch ganze Tage am Stück mit ihm verbringen, strapazierte meine Nerven wie nichts anderes.
Vorsichtig lenkte ich Arlo auf dem wurzeldurchzogenen Pfad um einen gespaltenen Baumstamm und lockerte die Zügel wieder.
Ich verabscheute Dougal Fitzgerald, was vermutlich auf die meisten Menschen zutraf, die ihn kannten. Beim Gedanken an seine herablassende Art mit dem arroganten Gesichtsausdruck, als wäre die Welt seiner Existenz wegen zu Dank verpflichtet, biss ich die Zähne zusammen. Mehr als einmal hatte ich mich gefragt, wie viel Arroganz gepaart mit Habgier, ein Körper beherbergen konnte. Aber es gab etwas an ihm, das in mir noch größeres Unbehagen auslöste, auch wenn ich nicht recht benennen konnte, was es war. Obwohl es ihm keinerlei Vorteile böte, mir in den Rücken zu fallen, ließ dieses warnende Gefühl, mich ihm gegenüber in Acht zu nehmen, nicht nach. Seufzend atmete ich aus. Ein, höchstens zwei Wochen musste ich noch die Gesellschaft dieses Mannes ertragen, dann würde ich mir darüber keine Gedanken mehr machen müssen. Unsere Wege würden sich trennen und ich sähe ihn nur bei den gelegentlichen Besuchen wieder, die er meinem Vater, seinem Freund, Lord Seaton, abstattete. Vater hatte mich oft dazu gedrängt, an Dougals Seite im Heer für den englischen König zu dienen, um mir dessen Gunst zu sichern. Dougals Vater gehörte zum Beraterstab des Königs, wie sein Vater vor ihm. Lord Seaton wusste, dass die Fitzgeralds aus Überzeugung für des Herrschers Sache eintraten und nicht aus Machtdrang oder Habsucht. Und, weil das auch der König wusste, war die Familie Fitzgerald eine der reichsten im ganzen Land. Mein Vater wurde nicht müde, mir einzureden, dass es nichts als Vorteile böte, mich an Dougal zu halten, denn nur so könne unser Clan an Ansehen gewinnen und unseren Reichtum mehren. Bislang hatte ich es erfolgreich geschafft, mich mit diversen Ausflüchten aus der Verantwortung zu ziehen, die er mir aufzubürden versuchte. Was mein Vater nicht verstand, war, dass meine Weigerung, seiner Aufforderung nachzukommen, hauptsächlich darauf beruhte, dass ich den König mehr verabscheute als seinen schmierigen Anhänger Dougal. Für einen König zu kämpfen, der alles schottische verachtete und das auch noch mehr als deutlich zeigte, war für mich ausgeschlossen. Er ließ Dörfer von unwilligen Oberhäuptern, die ihm die Treue verweigerten, brandschatzen, ließ Frauen und Kinder abschlachten und Männer an Kreuze nageln, um Exempel an ihnen zu statuieren. Unsere Sprache verbot er in seinen eigenen Reihen und würde seine Macht bis ins Landesinnere reichen, würde er sie ganz abschaffen. Er würdigte die Clankultur herab, sie sei brachial und hinterwäldlerisch. Im Grunde lehnte er alles ab, was das schottische Volk ausmachte, weshalb die Schotten wiederum alles Englische ablehnten, ihren König eingeschlossen. Die Unterdrückung der schottischen Bevölkerung zog sich nun seit Jahrzehnten durch die Geschichte und es sah nicht so aus, als würde sich das in absehbarer Zeit ändern. Vor allem nicht mit der kompromisslosen Führungspolitik König Edwards, der alles von seinem Heer überrennen ließ, das sich ihm in den Weg stellte. Für so einen König konnte ich nicht mein Schwert schwingen, unbedeutend, um wieviel reicher es mich machte.
Ich unterdrückte das aufkommende Grollen in meiner Brust. Dougals Art wurde mir lästig und ein Verfechter des englischen Königs war ich auch nicht, weshalb es mir doppelt gegen den Strich ging, hier zu sein. Es gab nur einen einzigen Grund, weshalb ich mich von meinem Vater diesmal hatte überreden lassen, mitzureiten: Es ging um eine persönliche Angelegenheit. Wenn ich Dougals Worten glauben schenken konnte, hatte der König sein Vorhaben abgesegnet. Aber wer wusste das schon so genau?
Ich hatte mich ein ganzes Stück vom Lager entfernt, weshalb ich kehrtmachte und Arlo in die Richtung zurücktraben ließ, aus der ich gekommen war. Die bereits erlegten Kaninchen hingen an einem Seil vom Sattelknauf und stießen bei jeder Bewegung meines Tieres gegen mein Knie. Der Fleischvorrat im Lager war gut gefüllt, aber es war die Rastlosigkeit, die mich meinen Hintern in den Sattel schwingen ließ. Nur gut, dass ich die innere Unruhe vor zu schlagenden Schlachten gewöhnt war. Allerdings schien es auch anderen so zu gehen, denn ein halbes Dutzend Männer hatte sich der Jagd angeschlossen. Der Vorschlag, uns aufzuteilen, um unsere Chancen auf Beute zu erhöhen, war von mir gekommen. Dabei war das Fleisch das Letzte, woran ich dachte. Ich wollte nur meine Ruhe. Obwohl ich bereits seit Stunden auf dem Pferd saß, widerstrebte es mir, ins Lager zurückzukehren, das, bis auf wenige Ausnahmen, aus gewissenlosen und stinkenden Söldnern bestand. Diese Männer würden für ein paar Silbermünzen ihre eigenen Mütter verkaufen. Eins musste ich Dougal lassen, er hatte ein Talent dafür, Männer eines bestimmten Kalibers ausfindig zu machen und anzuwerben; Männer seines Kalibers.
Ein undefinierbares Geräusch erregte meine Aufmerksamkeit und ich zog an den Zügeln und hielt an. Mit schräg gelegtem Kopf horchte ich auf die ungewöhnlichen Laute, die rechts von mir zu kommen schienen. Mit einem leisen Schnalzen setzte ich Arlo wieder in Bewegung und lenkte ihn in die Richtung, aus der die Geräusche kamen. Zwischen einem dichten Buschwerk erkannte ich eine geduckte Gestalt, weshalb ich lautlos abstieg und die Zügel um einen robusten Ast band. So leise wie möglich, lief ich ein Stück durch das Geäst und blieb ungefähr zehn Fuß hinter der Person stehen. Als erstes fiel mir der weinrote Rock auf, dann die schmale Taille, die in ausladende Hüften überging. Definitiv eine Frau. Aber selbst, wenn ich blind gewesen wäre, hätte ich das Geschlecht an der melodischen glockenhellen Stimme erkannt. Ihre derben Flüche allerdings waren weniger damenhaft. Meine Mundwinkel zuckten. Mit wütenden Handgriffen hantierte sie an einem Bogen, auf dem eindeutig keine Spannung lag, so schlaff wie die Sehne herunterhing. Sie wurde immer wütender, zerrte und zog an der Waffe, nur um sie dann mit einem wütenden Fauchen auf den Boden zu pfeffern. Um ihrem Wutausbruch die Krone aufzusetzen, verschränkte sie die Arme und stampfte wie ein trotziges Kind mit dem Fuß auf.
»Die muss neu gespannt werden.« Mit einem erschrockenen Aufschrei fuhr sie herum und taumelte einen Schritt zurück. Ich lehnte mit verschränkten Armen gelassen an einem Baumstamm und hob nonchalant eine Braue. Große grüne Augen starrten mich vorwurfsvoll an, eine feingliedrige Hand legte sich auf ihre bebende Brust.
»Wer bist du? Warum schleichst du dich an?« Empört stemmte sie die Hände in die Hüften, wobei eine zarte Röte ihren Hals hinaufkroch. Ihr herzförmiges Gesicht vereinnahmte meinen Verstand so sehr, dass ihre Worte keinen Sinn ergaben. Hatte ich schon einmal solche Augen gesehen? Wenn dem so wäre, hätte ich mich sicherlich daran erinnert. Das Innere ihrer Iris war leuchtend grün, die Pupille hingegen mit goldbraunen Sprenkeln umrandet, die so intensiv leuchteten, dass mir ihre Schönheit für einen Moment die Sprache verschlug. Ihr langes dunkelbraunes Haar war von rötlichen Strähnen durchzogen und glänzte im schwachen Schein der Abendsonne wie feurige Glut. Von ihrer makellosen Haut und den vollen rosigen Lippen ganz zu schweigen. Ohne Übertreibung, war sie die schönste Frau, die ich je gesehen hatte. Was hatte sie eben gesagt? »Bist du taub oder kannst du nicht sprechen?« Sie verschränkte die Arme vor der Brust und zog die Brauen hoch. Bevor ich meine Augen davon abhalten konnte, wanderten sie über ihre Brüste, die sich durch die Armbewegung nach oben drückten. Sie schnippte mit den Fingern, um meine Aufmerksamkeit wieder auf ihr Gesicht zu lenken. »Du starrst, als hättest du noch nie eine Frau gesehen.« Schnaubend bückte sie sich, um den Bogen aufzuheben, hing sich die nutzlose Waffe über die Schulter und kehrte mir grummelnd den Rücken. Sie war ein dummes Mädchen. Welche Frau bei Verstand, drehte in einem verlassenen Waldstück einem wildfremden Mann den Rücken? Dass sie sich dermaßen leichtfertig in Gefahr begab, machte mich wütend. Ich fand meine Sprache wieder.
»Du stehst mit einem Fremden abseits jeglicher Zivilisation, mutterseelenallein in einem verlassenen Waldstück. Ich könnte ein Vergewaltiger sein, ein Weglanger oder ein Mörder, der Ausschau nach seinem nächsten Opfer hält. Niemand würde dich schreien hören. In Anbetracht der möglichen Gefahren, reißt du deinen Mund ziemlich weit auf«, entgegnete ich tonlos und starrte sie weiterhin an. Was sollte ich auch anderes tun. Es war nicht so, als gäbe es hier etwas Interessantes zu sehen. Ihre Schultern versteiften sich, dann drehte sie sich langsam zu mir. Die Farbe war ihr aus dem Gesicht gewichen, Verunsicherung spiegelte sich in ihren puppenhaften...
| Erscheint lt. Verlag | 6.2.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Schlagworte | Action & Abenteuer • Beschützer / Protectiveness • Buch für den Frühling Geschenk • dark passion • Erotik • geheime Beziehung / secret relationship • historisch • knisternde Romance • Liebe • liebende auf der flucht • Light Angst • Rache • spicy • Starke Protagonistin / strong female lead • Verrat |
| ISBN-10 | 3-7583-4388-7 / 3758343887 |
| ISBN-13 | 978-3-7583-4388-9 / 9783758343889 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich