Der Lichtträger (eBook)
436 Seiten
TWENTYSIX EPIC (Verlag)
978-3-7407-6092-2 (ISBN)
Ralf Sadenwater ist verheiratet und mehrfacher Vater. Schon lange ist das Schreiben von fantastischen, spannenden und unterhaltsamen Romanen sein Steckenpferd. Er ist 1969 geboren und ein Kind der "Wende". Immer neugierig und wissbegierig geht er auch in seinen Büchern den Dingen auf den Grund.
1
„Meinst du, wir bekommen das Geld? Was ist, wenn die Bank nicht mitspielt?“ Der große Mann, der der zierlichen Frau am Tisch gegenübersaß, versuchte sie zu beruhigen.
Er hob seine großen Hände und wiegelte ab.
Dann fuhr er mit den Fingern der rechten Hand durch seinen Kinnbart, als müsste er nach Worten suchen.
„Sophia, hab Geduld. Ich weiß, wie dir zumute ist. Ich glaube, dass es schon werden wird. Hab Geduld, bitte.“
„Du hast recht, wenn wir nicht ein wenig Vertrauen haben, wird es nie etwas. Und selbst wenn die nicht mitspielen, dann bauen wir unser Häuschen eben aus eigener Kraft. Chris, ich liebe dich!“
„Ich liebe dich auch Sophia. Mehr als alles andere.“
Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie. Wieder und wieder.
Chris schreckte auf.
Wischte sich die Augen und stellte fest, dass er geträumt hatte.
Geträumt von seiner Sophia.
Es traf ihn hart, dass sie plötzlich nicht mehr da war.
Er hatte keine Ahnung, was er noch alles tun sollte.
Seit Sophia nicht an seiner Seite stand, drehte sich alles um ihn herum.
Schneller und schneller.
Sie hatte ihm nichts als Probleme hinterlassen.
Und Schmerzen.
Sie war weg und das tat weh.
Es war wie überall.
Einen Lebensstandard konnte man nicht aufrechterhalten, wenn ein kompletter Verdienst wegfiel.
Das bedeutete Schulden ohne Ende.
Die Bank hatte den Hahn natürlich abgedreht.
Die Miete zu zahlen, jeden Monat für das Recht zu wohnen, eine Bleibe zu haben, die nötige Summe aufzubringen, fiel mehr als schwer.
Von Strom, Gas und Wasser gar nicht zu reden.
Sein Job fraß ihn auf. Sechzehn Stunden und das fast täglich, kein Mensch hält das auf Dauer aus. Schon gar nicht, wenn sich diese Stunden auf den Straßen abspielen. Die ganze Zeit hochkonzentriert. Beim Entladen, beim Beladen-Knochenarbeit.
Jetzt kamen auch noch die Behörden und wollten jede Menge Papiere ausgefüllt haben.
Die Telefonrechnung war schon lange nicht mehr bezahlt. So hatte er auch nicht wirklich die Möglichkeit sich per Fernsprecheinrichtung einiges leichter zu machen.
Sein Rücken schmerzte. Die Handgelenke taten weh. Die Arme schliefen häufig ein. Und keine Zeit für einen Arztbesuch.
Der lag schon im Bett, wenn Chris nach Hause kam.
Und lag noch im Bett, wenn er zur Arbeit ging.
Er fühlte sich alt, fühlte sich am Ende.
Würde das jetzt kommen, wäre es ihm auch recht gewesen.
Chris war vor einigen Monaten siebenunddreißig Jahre alt geworden.
Früher einmal, war er knapp einen Meter achtzig groß gewesen. Von stattlicher Statur, ansehnliche Muskel und ein markantes Gesicht.
Jetzt hatte er bestimmt vier, fünf Zentimeter verloren.
Die Last beugte ihn.
Schlecht rasiert. Dunkle Schatten auf seinem Gesicht. Das Haar grau geworden. Ein gebrochener Mann.
Das war das, was man ihn der Firma sah, wenn man von Chris sprach.
Jeder hatte Verständnis.
Jeder hatte Mitleid.
Keiner konnte helfen.
Selbst sein Chef nicht, den Chris nach einer Lohnerhöhung gefragt hatte.
„Die Zeiten sind schlecht, Chris. Ich kann nicht.“, hatte er geantwortet.
Sophia hatte nichts als Probleme hinterlassen.
Es gab keinen, der Chris beneidete. John, einer seiner Kollegen, hatte sorgenvoll gemeint, er solle sich bloß nicht den Strick nehmen.
Aber Chris hatte zumindest eines noch nicht verloren. Seine Schlagfertigkeit.
„Ich habe gar kein Geld, mir einen zu kaufen.“, hatte er geantwortet.
Ohne aber darüber lachen zu können.
So ging das jetzt seit über zwei Monaten.
Sophia hatte nichts als Probleme hinterlassen.
Mit diesen Gedanken schlief Chris in seinem Sessel ein.
Wie jeden Abend.
Der nächste Tag schien nichts Neues zu bringen.
Wieder dieselbe Tour. Dieselben Kunden.
Und auch das Wohnheim war wieder dabei.
Getränke und Lebensmittel hatten die bestellt und das lieferte er.
„Guten Morgen, Sarah. Wie geht es dir heute?“, fragte er die nette Dame, welche die Ware entgegennahm.
Sie war knapp sechzig Jahre, wirklich klein, aber ein Mensch allererster Güte.
Freundlich, zuvorkommend. Hilfsbereit. Egal zu welcher Uhrzeit.
Sie war für ihr Alter „gut erhalten.“, wie sie selber gern sagte.
Wahrscheinlich machte dies ihre Lebenslust. Ihre braune Lockenpracht unterstrich ihr verschmitztes Aussehen.
Chris nahm sich immer wieder gern die Zeit, wenngleich es auch immer nur zehn bis fünfzehn Minuten waren, um den von ihr angebotenen Kaffee anzunehmen.
So kamen sie ins Gespräch und Sarah merkte schnell, dass eine große Last auf seiner Seele lag.
Chris erzählte ihr von Sophia und einigen seiner Probleme, die ihn um den Verstand zu bringen drohten.
„Wenn du einmal zeitiger Feierabend hast, komm zu mir, dann haben wir etwas mehr Zeit zu reden. Da kann doch geholfen werden.“, meinte Sarah lächelnd.
Eine Woche später war er, wie es der Zufall, oder wer auch immer so wollte, bereits am frühen Abend mit seiner Tour fertig und machte sich auf den Weg zu Sarah.
Sie wohnte nicht weit entfernt von ihm.
Noch schnell ein kleines Sträußchen Blumen von einer öffentlichen Rabatte gepflückt und er stand vor ihrer Tür.
„Na, das wurde ja Zeit. Komm, der Kaffee ist fertig.“, sagte sie lachend.
Ihre Wohnung war einfach und zweckmäßig eingerichtet, nicht viel Schnickschnack, kaum Dekorationen.
Wie selbstverständlich führte sie ihn herum und zeigte ihm alles.
Ihm Wohnzimmer angekommen, fiel ihm ein Regal auf, das in der Ecke an der Wand hang. Auf ihm standen ein Buddha, ein Jesuskreuz, eine Miniaturabbildung von Stonehenge und in einer Fassung eine blaue, wie auf Hochglanz polierte Kugel. Mit einem Durchmesser von vielleicht acht Zentimetern.
„Setz dich. Mach es dir bequem.“, sagte Sarah freundlich.
Sie stellte zwei Tassen auf den Tisch, Milch und Zucker dazu, einen Aschenbecher und setzte sich ihm gegenüber.
Chris bemerkte schon vom ersten Satz an die Freundlichkeit und Wärme, die von Sarah ausging. Sie nahm sich seiner Probleme an, hörte zu, gab Tipps und manchmal witzig gemeinte Ratschläge.
Er hatte schnell Vertrauen zu ihr gefasst. Bald schüttete er ihr sein ganzes Herz aus. Ließ alles raus, was sich in der letzten Zeit angestaut hatte. Ihre Treffen wurden immer häufiger. Selbst am Wochenende fuhr er zu ihr und sie redeten nächtelang.
Chris hatte das Gefühl, Sarah schon seit Ewigkeiten zu kennen.
Länger und besser, als er Sophia je gekannt hatte. Und mit der war er über zehn Jahre zusammen gewesen.
„Wer bist du, Sarah? Ich kannte bisher keinen Menschen, der so ist wie du.
Du weißt, was ich denke. Du weißt, was ich sagen will. Du bist so einfühlsam, dass es manchmal fast schon unheimlich ist.
Wir müssen uns doch in einem früheren Leben schon mal begegnet sein. Und ziemlich viel voneinander gehalten haben.
Anders kann ich mir nicht erklären, warum wir so perfekt auf einer Wellenlänge liegen. Ich meine, du glaubst an dasselbe wie ich, du träumst von denselben Dingen wie ich.
Wer bist du?“
Eigentlich hatte er das nur so dahingesagt, ohne wirklich eine Reaktion zu erwarten. Wie man das halt so meint, wenn man seinem Gegenüber auf nette Art sagen möchte, dass man sich sehr mit ihm verbunden fühlt.
Aber manchmal folgen auf gewisse Dinge logische Schritte.
Zwar auch unvorstellbare, aber logische.
Sarah lächelte nur. Sie besann sich auf Chris` Blicke, die ihrer kleinen blauen Kugel gegolten hatten.
„Wir haben uns jetzt lange genug unterhalten. Ich weiß, dass du glaubst. Und du hast recht, wir sind uns schon einmal begegnet. Lass mich dir etwas zeigen.“
Sie stand auf, ging zu dem Regal, in dem die Kugel stand und gab sie ihm.
Chris hatte die Kugel für einen runden Schmuckstein gehalten. Seltsamerweise aber musste er immer wieder zu ihr hinschauen. Und er konnte sich nicht erklären, warum.
Sarah hatte das längst bemerkt. Während ihrer Gespräche hatte sie oft gesehen, dass Chris anscheinend von der Kugel magisch angezogen wurde. Zumindest seine Blicke.
„Ganz festhalten.“, flüsterte Sarah.
Chris wurde schwindelig. Alles um ihn herum drehte sich.
Er wollte sich irgendwo festhalten, doch da war nichts. Er glaubte, sich in einem dunklen leeren Raum zu befinden, der keine erkennbaren Grenzen hatte.
Und schwerelos war er.
Dann erschien ein kleines Licht irgendwo in der Dunkelheit. Es wurde größer und größer. Plötzlich war das Schwindelgefühl verschwunden und er konnte wieder klar denken.
Und das Licht kam näher.
Chris streckte die Hand aus und wollte es berühren. Er musste es berühren.
Es war wie ein innerer Zwang.
Noch immer kam das Licht näher.
Jetzt hatte es die Größe erreicht, die in etwa der blauen Kugel entsprach.
Chris konnte deutlich erkennen, dass das Licht tatsächlich rund war und eine Kugel sein musste. Nah genug, um sie zu...
| Erscheint lt. Verlag | 6.2.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Aliens • Frieden • Helden • Science Fiction • Universum |
| ISBN-10 | 3-7407-6092-3 / 3740760923 |
| ISBN-13 | 978-3-7407-6092-2 / 9783740760922 |
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