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Ein Haus am Meer (eBook)

eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
327 Seiten
MORE by Aufbau Digital (Verlag)
978-3-96797-543-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Ein Haus am Meer - Georgia Bockoven
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Zuflucht in dem Haus am Meer.

Das malerische kleine Strandhaus am Rande des Pazifiks ist ein Zufluchtsort für alle, die vor den Stürmen des Lebens Schutz suchen. In dieser Saison könnten die Gäste jedoch unterschiedlicher nicht sein - und doch ist jeder von ihnen auf der Suche nach etwas: Eine junge Mutter, die von Schuldgefühlen und Verzweiflung geplagt wird. Eine erfolgreiche Anwältin, in deren Leben die Liebe keinen Platz hat. Ein kleiner Junge, der in seinem Leben kein Lachen kennt. Ein ehemaliges Liebespaar, das sich seit zwanzig Jahren nicht gesehen und doch nie vergessen hat. Sie alle treffen in dem kleinen Strandhaus  zusammen.

Wird der Sommer ihnen allen die Erfüllung ihrer Träume schenken?



Georgia Bockoven war erfolgreich als Fotografin und freie Journalistin tätig, bevor sie mit dem Schreiben begann. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Kalifornien.

1


Julia kramte den Schlüssel aus ihrer Handtasche und öffnete die Vordertür zum Strandhaus. Doch anstatt einzutreten, blieb sie auf der Türschwelle stehen und starrte nach drinnen. Durch ein fehlendes Brett in den Fensterläden drang das Licht der Abendsonne ein und durchflutete den Raum. Staub hing regungslos in der abgestandenen Luft, still und abwartend.

Eigentlich hatte sie angenommen, das Innere des Hauses würde genauso verlassen wirken wie das Äußere, aber das war nicht der Fall. Es sah eher so aus, als hätten sie und Ken eben noch das Wochenende hier verbracht. Ihr Pullover hing noch über der Stuhllehne wie vor Monaten bei ihrer Abreise. Das Buch, das Ken gelesen hatte, lag, wie zum Schmökern bereit, aufgeschlagen auf dem Beistelltisch.

Sie waren an jenem Sonntagabend im vergangenen September erst spät aufgebrochen, weil sie dieses gemütliche Wochenende nur sehr ungern beenden wollten. Sie waren auf dem Capitola Art Wine Festival die Buden entlanggeschlendert, hatten lange Spaziergänge am Strand unternommen und über ihre guten Vorsätze geredet, die sie bis zu ihrem nächsten »Jahrestag« verwirklichen wollten. Sie wollten endlich eine richtige Familie gründen und hatten deswegen zum ersten Mal in ihrer Ehe ungeschützten Sex gehabt.

Es war der Beginn ihres Lebens im Strandhaus gewesen, der Auftakt zu jenen neun Monaten, in denen sie es jedes Jahr nur für sich reservierten, weil dann nur noch wenige Touristen vor Ort waren und die Gegend wieder den Künstlern, Musikern und der überaus liberalen Bevölkerung gehörte, die das halbe Dutzend Städtchen in der Region Santa-Cruz ihr Zuhause nannte.

Und weil sie geplant hatten, bereits am Freitag darauf wiederzukommen, stiegen sie einfach ins Auto und fuhren weg. Mittlerweile gab es Nächte, in denen sich Julia fragte, ob sie sich anders verhalten hätten, wenn sie gewusst hätten, was vor ihnen lag. Eine Frage, auf die es keine Antwort gab, die aber als Rettungsanker diente, der sie hielt, als sie durch die Gewässer des Alleinseins driftete.

Weil es sinnlos war, noch länger zögernd auf der Schwelle zu stehen, ging sie hinein und schloss die Tür. Wie lange würde wohl das Gefühl andauern, es wäre ein Fehler, ohne Ken hierherzukommen? Keinen Ort hatte Ken so sehr geliebt wie dieses kleine, gemütliche Strandhaus, das für ihn sein wahres Zuhause war, der einzige Zufluchtsort, an dem er sich wirklich frei fühlte und ganz er selbst sein konnte.

Für sie war Ken ein ebenso fester Bestandteil des Hauses wie die Wände und das Fundament. Würde sie es schaffen, daran zu glauben, dass sie stärker war als alle Erinnerungen, ausgerechnet an einem Ort, wo sie sich ihr am heftigsten aufdrängten? Sie war 32, und es lagen noch Jahrzehnte vor ihr. Jahrzehnte ohne Ken. Keiner hatte das Leben so sehr geliebt wie er. Es hätte ihn bestimmt wütend gemacht, mitzubekommen, dass es sogar Zeiten gab, in denen sie bezweifelte, ob das Leben ohne ihn überhaupt noch einen Sinn hatte.

Sie hängte ihren Pullover in den Schrank, klappte das Buch zu, räumte es weg und ging in die Küche, um sich ein Glas Wasser zu holen. Einen Moment hielt sie inne, um aus dem einzigen Fenster im Haus, das nicht mit Läden verschlossen war, nach draußen zu sehen.

Diesen Ausblick hatte sie bislang immer nur mit Ken genossen, der ihr das Spiel der Gezeiten erklärt hatte, die Gefiedermaserungen der Vögel und wie man einen herumtreibenden Otter in den brausenden Wellen erkennen konnte. Zur Grundausstattung aller Räume, die auf der Rückseite dieses fast ein Jahrhundert alten schindelgedeckten Hauses lagen und Meerblick hatten, gehörte ein kleines Fernglas. Das Haus lag auf einer fast sechs Meter hohen Klippe, ziemlich exakt in der Mitte über einer kleinen, anderthalb Kilometer langen Bucht und bot eine Panoramasicht, nicht nur über den schmalen Streifen der kalifornischen Küste, sondern auch über einen Großteil der Monterey Bay.

Auf diesem Teil der Insel standen 25 Häuser, umgeben von einem Wald aus Pinien-, Redwood- und Eukalyptusbäumen, dessen weitere Ausbreitung der Staat Kalifornien unter Kontrolle hielt. Für Ken hatte es keinen schöneren Ort auf der ganzen Welt gegeben. Einmal hatte er ihr erzählt, dass es sein größter Wunschtraum sei, seinen Lebensabend hier mit ihr an seiner Seite zu verbringen.

Doch dieser Traum sollte nicht in Erfüllung gehen.

Wie wäre es wohl gekommen, wenn er nach seinem abgebrochenen Studium nicht zum Inhaber einer der größten internationalen Firmen für Computersoftware aufgestiegen wäre? Und was, wenn sie sich nicht gar so sehr geliebt hätten …?

Julia griff nach einem Glas und bemerkte dabei eine Ameise, die an der Tür des Geschirrschranks entlangwanderte. Sie entdeckte eine zweite, und danach noch drei weitere. Als sie deren Weg bis zur Ecke des Fensterbretts verfolgte, sah sie, wie eines der Insekten dort in einem Holzspalt verschwand.

Es war das erste Mal im Verlauf der acht Jahre, die sie mittlerweile im Strandhaus verlebt hatte, dass sie im Haus Ameisen vorfand. Sie öffnete die Schranktüren und wollte sich gerade dazu beglückwünschen, die Invasion noch rechtzeitig bemerkt zu haben, als sie eine etwa drei Zentimeter breite, zweispurige Ameisenstraße zu einer Zuckertüte entdeckte. Wandaufwärts wanderten die Ameisen mit den leeren Greifzangen und abwärts jene, die ihre Beute trugen.

Wie bei einer gestressten Angestellten, die vollends durchdreht, wenn auch noch eines ihrer Schuhbänder reißt, machte der Anblick der Insekten, die sich hier eingenistet hatten, sie fix und fertig. Warum mussten sich diese verdammten Tiere nach so vielen Jahren ausgerechnet jetzt hier breitmachen? Sie fühlte sich völlig überfordert, war wie am Boden zerstört, und die Versuchung, alles liegen und stehen zu lassen und abzuhauen, war sehr groß.

Aber einfach zu kneifen war nicht ihre Art. Sie stellte sich den Dingen. Das war auch einer der Gründe, weshalb sie hergekommen war, um das Haus selbst in Ordnung zu bringen, anstatt diese Aufgabe anderen zu überlassen. Ken wäre stolz auf sie.

Nachdem sie alle Schränke und Ablageflächen gründlich geschrubbt hatte, war sich Julia nach gut einer halben Stunde fast sicher, die Schlacht gewonnen zu haben. Sie griff zum Wasserhahn, um auch die Spüle gründlich zu reinigen, und hielt plötzlich völlig verblüfft den Regler in der Hand. Vorsichtig versuchte sie, den abgebrochenen Aufsatz wieder anzubringen, aber sie schaffte es nicht einmal, den laufenden Wasserstrahl zu verringern.

Sie war mit ihrem Latein am Ende. Julia war mit zwei Brüdern aufgewachsen und mit einem Vater, der sie abgöttisch liebte, und mit einem Ehemann gesegnet gewesen, der sich stets stolz damit brüstete, alles reparieren zu können. Bislang hatte sie sich allenfalls um einen verstopften Ausguss kümmern müssen und nicht einmal ihr Auto selbst zur Wartung gebracht. Doch wenn sie nicht einmal mit einem kaputten Wasserhahn fertig wurde, wie konnte sie da hoffen, jemals wirklich selbstständig zu werden?

Sie hatte nie nach echter Unabhängigkeit gestrebt und war alles andere als begeistert, dass dies inzwischen zum zentralen Punkt ihres Lebens geworden war. Noch mehr widerstrebte ihr, dass Eigenständigkeit eine unabdingbare Notwendigkeit war. Sie hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie sehr es ihr gefiel, dass Ken sich um alles kümmerte, und hatte ihm liebend gern auch Dinge überlassen, die sie durchaus selbst hätte regeln können.

Einige ihrer Freunde hielten sie für verwöhnt, und es gab andere, die sie darum beneideten. Aber beide Parteien schlossen daraus ganz scharfsinnig, dass sie gar nicht in der Lage sein würde, ohne ihn zu überleben, was der Wahrheit näher kam, als sie vermuteten, allerdings aus ganz anderen Gründen, als sie dachten.

Das Geräusch des Wassers, das durch den Abfluss rauschte, und das in einer Gegend, die für ihren Wassermangel so berühmt war wie Santa Cruz, weckte die praktische Seite in ihr. Die Weiterentwicklung ihrer...

Erscheint lt. Verlag 1.4.2024
Reihe/Serie Der große Beach House Zweiteiler
Der große Beach House Zweiteiler
Übersetzer Ingeborg Schober
Sprache deutsch
Original-Titel The Beach House
Themenwelt Literatur Comic / Humor / Manga
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Hera Lind • Herzklopfen • Jenny Colgan • Jodie Picoult • Liebe • Manuela Inusa • Neuanfang • Neue Liebe • Schicksal
ISBN-10 3-96797-543-6 / 3967975436
ISBN-13 978-3-96797-543-7 / 9783967975437
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