Plötzlich Drache (eBook)
276 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7562-8540-2 (ISBN)
Nicolas Bretscher, geboren im Jahre 2001 in Zürich. Er arbeitet als Informatiker und schrieb in seiner Freizeit seine erste Buchserie "Plötzlich Drache". Weitere Informationen sind unter https://nicolas-bretscher.ch/ abrufbar.
3
Vorbereitung
Inzwischen stand der Militäreinsatz von Tom nur noch wenige Tage bevor. Ich wartete immer noch auf die Lieferung der Rüstungen und des Schwertes, was ich mir ebenfalls gekauft hatte. Erstaunlicherweise war es deutlich leichter, ein Schwert oder Messer zu kaufen, als sich einen schuss- und stichsicheren Anzug anfertigen zu lassen. Es gab hunderte Variationen von Dolchen, Messern und Schwertern in allen möglichen Formen und Farben. Ich hatte eines bestellt, was mich an die Schwerter von Herr der Ringe erinnerte. Hoffentlich war es nicht zu schwer für mich.
Ich sass auf dem Sofa, als es an der Tür klingelte. Ich sprang auf, zog mir meine Schuhe an und betätigte den Türöffner.
Ist das jetzt endlich meine Bestellung oder nur wieder etwas anderes? Fragte ich mich, als ich in aller Eile das Treppenhaus hinunterrannte.
Der Postbote, der im Eingangsbereich stand, stellte gerade ein grosses, jedoch leicht aussehendes Paket ab.
«Sind Sie Nils Wollseif?», fragte er.
«Ja.»
«Dann bitte ich Sie, hier zu unterschreiben.»
Ich gab ihm meine Unterschrift und nachdem wir uns verabschiedet hatten, hievte ich das Paket die Treppe hoch. Es war höchstens zehn Kilogramm schwer, jedoch mindestens einen Meter hoch und fast genauso breit. Als ich endlich vor meiner Wohnungstür ankam, rann mir der Schweiss die Stirn herunter und meine Arme zitterten vor lauter Anstrengung. Ich öffnete das Paket und war sehr erleichtert, die grau-schwarzen Rüstungsteile aus Kevlar und Karbonfaser erkennen zu können. Es waren auch zwei Helme dabei, die innen weich gepolstert und aussen hart waren, mit jeweils einer dicken Panzerglasscheibe vorne, durch die man hervorragend sehen konnte. Unter den Rüstungsteilen lag noch das Schwert. Als ich es herausnahm, war ich überrascht, wie gut es in der Hand lag. Obwohl es mindestens zwei Kilogramm schwer war, fühlte es sich federleicht an. Nun war es an der Zeit, die Rüstung anzuprobieren. Ich zog zuerst den Beinschutz an, danach die Stiefel, den Brustpanzer und alle verbleibenden Teile. Es gab sogar Handschuhe und einen gepanzerten Kragen. Die meisten Teile liessen sich einfach anlegen. Beim Beinschutz hingegen musste ich mich hinlegen und mit aller Kraft daran ziehen, um die Beine durch die steifen Öffnungen zu zwängen. Als ich fertig war, betrachtete ich mich im Spiegel und war überrascht, wie gut ich in meiner neuen Rüstung aussah. Es schränkte zwar meine Bewegungsfreiheit und mein Sichtfeld erheblich mehr ein, als ich es mir vorgestellt hatte, jedoch war ich zufrieden damit, wie leicht die Panzerung war. Ich schwang das Schwert durch die Luft und stellte mir vor, ein mittelalterlicher Krieger zu sein. Dabei bemerkte ich, dass einige Stellen der Rüstung zu scheuern begannen.
Daran hatte ich nicht gedacht. Wie es aussieht, werde ich mir einige Schürfwunden zuziehen, wenn ich damit kämpfe.
Ich hatte zwar nicht vor, viel zu kämpfen, aber ich wusste, dass es unvermeidbar war, wenn ich in die Ukraine gehen würde.
Morgen fahre ich nach Kiew, dachte ich.
Da ich für meinen speziellen 'Ausflug' einiges an Zeit benötige, nahm ich mir für die nächsten drei Wochen frei. Obwohl ich alles bis ins kleinste Detail geplant hatte, war ich nervös.
Zuerst fahre ich meine geplante Route nach Kiew. Für die Reise habe ich bereits genügend Essen gekauft. Mein Auto kann ich mit meinen mobilen Solarzellen aufladen, die ich mir ursprünglich wegen der Stromknappheit gekauft habe. Tom wird in genau neun Tagen dort eintreffen. Wenn ich morgen losfahre, werde ich voraussichtlich einen Tag früher ankommen. Ich verstecke mich einfach mit meinem Auto irgendwo am Stadtrand und warte darauf, dass unsere Soldaten eintreffen. Dann suche ich Tom und übergebe ihm die Rüstung. Sollte ich irgendwelchen Feinden begegnen, die mich angreifen, wird mich meine eigene Rüstung schützen und im Notfall kann ich auch mein Schwert benutzen…
Dies war ungefähr das hundertste Mal, dass ich mir meinen Plan durch den Kopf gehen liess. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass alles wie geplant verlaufen würde. Trotzdem wollte meine Nervosität nicht nachlassen. Mein Unterbewusstsein warnte mich ständig vor den Gefahren, denen ich mir auf meiner Mission stellen musste.
Es war 9 Uhr, als mich mein Wecker aus einem furchtbaren Traum weckte. Ich stand schweissgebadet auf und begann, mich auf die Reise vorzubereiten. Die Taschen standen schon bereit, da ich sie am Vorabend gepackt hatte. Nach einem nahrhaften Frühstück füllte ich den Kofferraum meines Autos mit dem Essen und den Solarzellen. Die Rüstungen, das Schwert und meine Kleider musste ich auf die Rücksitze legen. Als ich losfuhr, dachte ich nochmals über die Entscheidung nach, Tom nichts von meiner Mission zu sagen.
Er muss sich auf seinen Einsatz konzentrieren können. Wenn er sich auch noch um mich Sorgen macht, wird ihn das ablenken.
Wenige Stunden später erreichte ich die österreichische Grenze. Zum Glück wurde ich nicht bei der Grenzkontrolle aufgehalten. Die hätten mich bestimmt nicht ohne Weiteres durchgelassen. Als ich bei der ersten Ladestation ankam, die auf meiner Route lag, war diese besetzt. Zum Glück wurde ein Platz nach nur fünfzehn Minuten frei und ich konnte mein Auto aufladen. Während des Ladevorgangs ging ich auf die nächstgelegene Toilette und ass in einem Restaurant, da ich meine Vorräte noch nicht aufbrauchen wollte.
Nach der Ladung fuhr ich weiter bis nach Wien, wo ich in einem Hotel übernachtete, während mein Auto erneut Strom tankte. In den nächsten Tagen konnte ich ohne Zwischenfälle durch die Slowakei fahren. Als ich zwei Tage später in der Ukraine ankam, begegnete ich zunehmend weniger Menschen. Je weiter ich in Richtung Kiew fuhr, desto mehr Militärfahrzeuge kamen mir auf der Strasse entgegen. Ich konnte sogar einige Panzer sehen, die auf schweren Lastwagen transportiert wurden.
Als ich wie geplant einen Tag vor Toms Ankunft in Kiew ankam, musste ich feststellen, dass sich in der einst belebten Stadt keine Bewohner mehr befanden. Alle Menschen waren schon vor Monaten evakuiert worden, als die ersten Kämpfe in der Nähe der Stadt begonnen hatten. Nun standen alle Häuser leer und überall waren Spuren des Krieges zu erkennen.
Ist es üblich, dass ich einfach so in die Stadt fahren konnte, ohne entdeckt zu werden, oder hatte ich einfach wieder einmal Glück? Fragte ich mich, als ich in einem verlassenen Parkhaus nahe der Stadtgrenze aus dem Auto stieg und mich auf die Suche nach einem sicheren Unterschlupf begab.
Ich breitete die Solarzellen ausserhalb des Parkhauses aus, um anschliessend mit dem dazugehörigen Akku das Auto laden zu können. Da die Sonne hoch am wolkenlosen Himmel stand, würde der Akku bereits vor dem Sonnenuntergang voll sein.
Nach einer kurzen Suche fand ich ein Haus, bei dem die Haustür offenstand. Als ich eintrat, konnte ich erkennen, dass das Schloss aufgebrochen war. Es waren noch einige Möbel vorhanden, aber alle Wertgegenstände, Esswaren und sonstige Vorräte fehlten. Alles war mit einer Staubschicht bedeckt, die darauf schliessen liess, dass bereits seit Wochen niemand mehr hier gewesen war. In jedem Raum war es mucksmäuschenstill. Nicht das leiseste Geräusch konnte ich vernehmen. Dies beruhigte mich, da ich während meiner Suche nach einem Unterschlupf durchgehend weit entfernte Schüsse gehört hatte. Ich wartete die Zeit bis zum Abend ab und ging zurück zum Auto, um die über den Tag gesammelte Solarenergie zu tanken. Als ich beim Parkhaus ankam, waren meine Solarzellen mitsamt des Akkus verschwunden.
Mist. Hier scheinen also doch noch Menschen zu sein. Jetzt kann ich mein Auto nicht mehr laden, um nach Hause zu kommen. Ich muss demnach später von irgendwo her Strom beziehen.
Erleichtert stellte ich fest, dass das Auto nicht aufgebrochen worden war und all meine Vorräte noch vorhanden waren. Die Diebe waren anscheinend nicht im Parkhaus gewesen, ansonsten hätten sie das Auto mit Sicherheit gestohlen. Ich nahm einen Teil meiner Vorräte mit in den Unterschlupf. Die Rüstungen und das Schwert hatte ich schon beim ersten Mal mitgenommen. Es war bereits dunkel, als ich in meinem temporären Zuhause ankam. Ich machte mir mein Abendessen und wollte mich anschliessend auf dem staubigen Sofa schlafenlegen, als ich draussen Schritte hörte. Mein Herzschlag beschleunigte sich augenblicklich und ich nahm, so leise ich konnte, mein Schwert zur Hand. Durch das Fenster erkannte ich draussen auf der Strasse mehrere Personen, die in leisen Schritten in Richtung Stadtzentrum schlichen. Sie schienen mich nicht bemerkt zu haben. Dennoch wagte ich es kaum, zu atmen. Ich klammerte mich an mein Schwert, während ich die drei Personen beobachtete, die sich langsam von mir entfernten. Es war ein Mann, eine Frau und ein Kind. Sie trugen Taschen voller Esswaren mit sich.
Was haben sie vor? Und warum gehen sie nicht aus der Stadt raus mit dem Kind? Wissen sie denn nicht, dass es morgen wieder grosse Kämpfe geben wird?
Vor lauter Anspannung stand ich nach einer Viertelstunde immer noch wie angewurzelt da.
Ich sollte ins Bett gehen. Wenn ich morgen nicht ausgeschlafen bin, könnte...
| Erscheint lt. Verlag | 29.1.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Plötzlich Drache | Plötzlich Drache |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Bruder • Brüder • Doppelleben • Drachen • Krieg • Überlebenskampf |
| ISBN-10 | 3-7562-8540-5 / 3756285405 |
| ISBN-13 | 978-3-7562-8540-2 / 9783756285402 |
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